Tollwut: Symptome & Krankheitsverlauf

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Wenn die klinischen Anzeichen der Tollwut ausbrechen, ist es für eine Impfung im Sinne einer Postexpositionsprophylaxe zu spät. Es gibt de facto nichts mehr, was dann für den Patienten getan werden kann. Die Tollwut führt bis auf extrem wenige Ausnahmen spätestens 7 Tage nach Ausbruch der Symptome zum Tod. Die wenigen Überlebenden einer Tollwut-Infektion tragen schwerste Gehirnschädigungen davon. Der Krankheitsverlauf der Tollwut bei Tieren ähnelt dem von Menschen, wobei es gewisse Unterschiede gibt. Dieser Artikel befasst sich mit der Tollwut-Erkrankung des Menschen. Die Symptomatik der Tollwut lässt sich in drei Phasen gliedern:

  1. Das Vorläuferstadium der Tollwut
  2. Die akut-neurologische Phase (Rasende Wut)
  3. Koma-Phase (Stille Wut)

 

Das Vorläuferstadium der Tollwut

Die ersten Anzeichen einer Tollwut bestehen in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Brennen und Jucken der Wunde, über die das Rabiesvirus in den Organismus eingedrungen ist. Nicht selten kommt es an eben dieser Verletzung auch zu einem Sensibilitätsverlust der Haut. Das Tollwutvirus verbleibt etwa drei Tage an der Eintrittsstelle, vermehrt sich hier und wandert dann über die peripheren Nerven ins Gehirn. Dort angekommen beginnt eine grippeähnliche Symptomatik: Der Tollwut-Patient leidet unter starken Kopfschmerzen und Fieber. Symptome wie Appetitlosigkeit, Gliederschmerzen oder Übelkeit zeigen sich ebenfalls regelmäßig in der Vorläuferphase der Tollwut.


Die akut-neurologische Phase (Rasende Wut)

Die akut-neurologische Phase der Tollwut wird wegen der teils heftigen Symptomatik und den Tobsuchtsanfällen des Patienten auch als rasende Wut bezeichnet. Zu den neurologischen Krankheitsanzeichen kommt es, wenn im Gehirn eine Vielzahl von Tollwut-Viren vorhanden ist. Meistens empfindet der Tollwut-Patient als Erstes starke Ängste und eine nicht beeinflussbare Unruhe. Es fällt ihm zunehmend schwer sich wieder zu beruhigen; Entspannung ist kaum noch möglich. Kurze Zeit später zeigt sich die akute Phase der Tollwut mit stärksten Krämpfen der Schlundmuskulatur, die extreme Schmerzen und Panik hervorrufen. Die Krämpfe entstehen im Rahmen einer Tollwut-Infektion immer dann, wenn der Patient schluckt. Aus Furcht vor den Verkrampfungen des Schlundes vermeidet der Tollwut-Patient das Schlucken und damit auch das Trinken letztendlich völlig, weswegen ihm deutlich sichtbar Speichel aus dem Mund rinnt.

Der von Tollwut befallene Mensch durchlebt in dieser neurologischen Phase gewissermaßen ein Wechselbad der Gefühle. Der Gefühlszustand wechselt häufig zwischen einer tieftraurigen, hochgradig depressiven Stimmung und Zuständen extremer Aggression. Der Tollwut-Patient bekommt unkontrollierbare Wutanfälle und Schreikrämpfe, wegen denen er häufig aus Selbstschutz ans Bett fixiert werden muss. Eines der bekanntesten Symptome der Tollwut ist die beim Infizierten in der Akutphase auftretende Wasserscheu (Hydrophobie). Alleine der Anblick oder das Geräusch von Wasser lösen beim Tollwut-Patienten sehr starke Panik aus, die sich u. a. in Krämpfen der gesamten Skelettmuskulatur äußert.


Warum sind Tollwut-Patienten wasserscheu?

Die genaue Ursache der Wasserscheu im Rahmen der Tollwut ist noch nicht geklärt. Vieles spricht aber für eine Maßnahme zur Erhöhung der Viruskonzentration. Das Tollwutvirus, welches den entsprechenden Patienten befallen hat, will sich auch in einem anderen Wirt weitervermehren. Wie erwähnt, befinden sich die Tollwut-Erreger gelöst in Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränen und Verdauungssekreten. Durch reichhaltiges Trinken würden alle Flüssigkeiten weiter verdünnt und die relative Viruskonzentration pro Volumeneinheit Körperflüssigkeit würde sinken. Dies macht die Ansteckung eines neuen Organismus unwahrscheinlicher. Daher beeinflusst das Tollwut-Virus das Gehirn des Infizierten insoweit, dass er eine Abscheu gegen Wasser entwickelt und entsprechend wenig oder gar nicht trinkt.


Die Koma-Phase (Stille Wut)

Nach einigen Tagen der quälenden neurologischen Phase ist der Körper des Tollwut-Patienten am Ende seiner Kräfte angekommen. Die akuten, neurologischen Symptome lassen nach und der Patient wird immer ruhiger. Nach und nach werden immer mehr Körperpartien gelähmt, bis der Patient ins Koma fällt und spätestens eine Woche nach Beginn der Symptomatik an den Folgen der Tollwut-Infektion verstirbt.

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Teil 1: Tollwut

Teil 2: Tollwut: Ursachen

Teil 3: Tollwut: Symptome & Krankheitsverlauf

Teil 4: Tollwut: Therapie

 

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)