Verzicht auf Frühstück schadet dem Herz

Fruehstueck

Schon als Kind bekommen viele Menschen die Lebensweisheit vermittelt: „Frühstücke wie ein Kaiser, esse zu Mittag wie ein König und zu Abend wie ein Bettelmann!“. Obwohl viele Ernährungswissenschaftler mittlerweile der Ansicht sind, die Zeit der Nahrungsaufnahme sei irrelevant, scheint diese alte Weisheit doch ihren wahren Kern zu besitzen. US-Forscher aus Boston konnten kürzlich in einer speziellen Studie über die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung herausfinden, dass der konsequente Verzicht auf ein Frühstück mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten z. B. einen Herzinfarkt assoziiert ist. Und nicht nur das Herz leidet unter der morgendlichen Enthaltsamkeit: Auch Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Diabetes mellitus Typ 2 können die Folgen sein.

Verzicht auf Frühstück verleitet zu unkontrollierter Nahrungsaufnahme

Im Rahmen einer großen prospektiven Beobachtungsstudie in den USA – der Health Professionals Follow-up Study – konnte nun die bereits seit Jahrhunderten propagierte enorme Wichtigkeit eines Frühstücks nachgewiesen werden. Die genannte Studie untersucht den Einfluss von bestimmten Lebensgewohnheiten auf den Gesundheitszustand der erwachsenen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Hierzu werden in regelmäßigen Abständen Personen zu ihren allgemeinen Gewohnheiten, wie Nahrungsaufnahme, Bewegung und Schlaf befragt.

Unter besonderer Berücksichtigung des Ernährungsverhaltens analysierte unlängst die amerikanische Wissenschaftlerin Leah Cahill die Daten der Langzeitstudie. Die an der Bostoner Harvard School of Public Health beschäftigte Forscherin beleuchtete dabei insbesondere die Essgewohnheiten in Bezug auf eine morgendliche Mahlzeit. Dabei war insbesondere unter jungen Erwachsenen ein langfristig sehr gesundheitsschädliches Verhalten auffallend: Viele Personen nehmen zu einer recht späten Stunde (oft weit nach 20:00 Uhr) noch eine ausgiebige, teilweise sehr schwere und kalorienreiche Mahlzeit zu sich.

Durch die sich oftmals kurze Zeit später anschließende Schlafphase verbraucht der Organismus die reichlich zugeführte Energie jedoch nicht bzw. nur in sehr geringem Maße. Folge hiervon: Das morgens normalerweise auftretende Hungergefühl ist vermindert und das Frühstück wird nicht selten komplett weggelassen. Es entsteht ein Teufelskreis: Durch den Verzicht auf die erste Mahlzeit am Tag entsteht spätestens am frühen Mittag ein umso stärkerer Hunger, der häufig vor dem normalen Mittagessen durch schnelle, kalorienreiche Snacks gestillt wird. Das Mittagessen fällt aber meistens genauso üppig aus wie es ohne die Zwischenmahlzeiten auch ausgefallen wäre. Der Konsument fühlt sich wieder übersatt und die letzte Mahlzeit fällt erneut in die späten Abendstunden. Problematisch ist besonders, dass bei vielen Personen mit dem genannten Essverhalten noch weitere, gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen hinzukommen. Dazu gehören insbesondere Rauchen, Bewegungsmangel und regelmäßiger Alkoholkonsum.

Studie zeigt schädigende Wirkung auf Herz

Nach Auswertung der Daten einer 16 Jahre andauernden Beobachtungszeit ergaben sich eindeutige Ergebnisse: Die Menschen, die permanent auf ein Frühstück verzichteten entwickelten zu 27 % häufiger eine Herz-Kreislauf-Erkrankung als jene, bei denen die frühe Mahlzeit im Speiseplan integriert war. Eine deutliche Verschärfung der gesundheitlichen Situation lösen spätabendliche, ausgiebige Mahlzeiten in Kombination mit einem Verzicht auf das Frühstück aus: Hier stieg die Anzahl an kardiovaskulären Erkrankungen um 55 %.

Problematisch scheint insbesondere die Tatsache zu sein, dass die Ernährungsgewohnheiten durch das fehlende Frühstück völlig durcheinander geraten. Und mit ihnen verändern sich die physiologischen Verhältnisse im Organismus: Die normalen Schwankungen des Blutzuckers und des Insulinspiegels geraten außer Kontrolle. Durch die späten Mahlzeiten und den im Schlaf verringerten Stoffwechsel speichert der Körper wesentlich mehr Energie in Form von Fett, was sich auf BMI und Cholesterinspiegel auswirkt. Das genannte Essverhalten begünstigt auch die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2 beträchtlich.

Eine sehr große Mahlzeit spät abends ist allerdings auch dann ungesund, wenn dennoch morgens ein Frühstück eingenommen wird. Insbesondere wenn es sich abends um eine Zusatzmahlzeit handelt, lässt sich ein Kalorienüberschuss kaum vermeiden. Dieser führt in der Folge ebenfalls zu einer Mehrbelastung des Herzens durch Adipositas, Bluthochdruck, Hyperlipidämie, Arteriosklerose, usw. Von den beobachteten Erwachsenen die spät abends noch einmal aßen, nahmen immerhin 76 % regelmäßig ein Frühstück ein.

Für das Herz und den Gesamtorganismus ist es tatsächlich am gesündesten, morgens ausgiebig zu essen und abends relativ früh nur eine kleine Mahlzeit einzunehmen. Ein sättigendes Mittagessen gehört selbstverständlich auch in den Tagesplan. Als Faustregel sollte gelten: Spätestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen sollte nichts mehr gegessen werden. Dies verhilft nicht nur zu einem gesunden Herz, sondern verhilft auch dem Magen-Darm-System zu einer ausreichend langen Ruhepause. Das optimale Frühstück sollte am besten aus viel Vollkornprodukten, magerer Wurst, Käse und Vitaminen bestehen. So ist der Körper bestens gerüstet für einen langen Tag.

Quellenangabe:

  • Presseveröffentlichung der American Heart Association (22.07.2013)
  • Beschreibung der Beobachtungsstudie durch die Harvard School of Public Health (22.07.2013)
  • Veröffentlichung des Studienabstractes (23.05.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (23.07.2013)
  • Kurzlehrbuch Physiologie (Jens Huppelsberg, Kerstin Walter), Thieme-Verlag
  • Biochemie des Menschen (Florian Horn), Thieme-Verlag

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)