Warzen: Meist harmlos, aber nervend

Das Wort Warzen an sich klingt schon unangenehm. Warzen gehören zu den äußerst unbeliebten Hauterscheinungen, weil sie sehr zählebig sind und manchmal auch schmerzhaft. Darüber hinaus sehen sie unschön aus, wer will sich schon mit einer Warze auf dem Handrücken oder den Fingern im Geschäft vor den Kunden und Kollegen sehen lassen? Über Warzen sind "Ammenmärchen" und medizinische Halbwahrheiten im Umlauf.

Daher zuerst die Fakten: Unter dem Namen - Warze - werden verschiedene Entitäten zusammengefasst. Der in der medizinischen Wissenschaft gern verwendete Begriff der Entität meint im Grunde nur, dass es sich um verschiedenen Krankheitsbilder aus verschiedener Ursache handelt, die sich aufgrund objektiver Kriterien differenzieren lassen.

Anders gesagt: Warzen sind eine Sammelbezeichnung für Hautwucherungen durch Warzenviren.

Warzentypen

Die weitaus häufigste ist die vulgäre oder gemeine Warze (Verruca vulgaris, ICD: B07). Diese wird ebenso wie die anogenitale oder Feigwarze (Condylomata acuminata A63.0) durch Subtypen der HPV-Gruppe (Humane Papillomviren) ausgelöst. Die Dellwarzen (Molluscum contagiosum B08) verursacht ein Virus aus der Pockenfamilie.

Vulgäre Warze oder Verruca vulgaris

Vulgäre Warzen finden sich vor allem an Händen und Fingern. Die Hautoberfläche erhebt sich, ähnlich einem Blumenkohl aussehend, rötlich oder hautfarben und wächst kugelig einige Millimeter heraus, manchmal mit weißlichen Schuppen. Die Warze ist zwei bis drei Millimeter kreisrund und scharf begrenzt, im Laufe der Wochen und Monate wächst sie langsam. Schmerzen bestehen nicht. An und unter den Nägeln können Warzen ebenfalls entstehen. Typisch für Warzen ist, dass einige Zeit eine einzelne besteht, die dann plötzlich über die gesamte Hand oder auch die gegenüberliegende Hand streut (Tochterwarzen).

Jetzt hat sich der Körper selbst angesteckt, z.B. beim Kratzen ist infektiöses Material verbreitet worden. Warzen könne zu Beeten zusammenwachsen, die eine beträchtliche Größe erreichen. An den Fußsohlen wachsen vulgäre Warzen unter Umständen dornartig, diese -Dornwarzen- sind also nur eine Variante. Allerdings kann dieser Dorn erhebliche Schmerzen bereiten, da das Körpergewicht darauf lastet. An anderen Körperstellen als an Hand, Fuß, weniger häufig Unterarm und Knieregion zeigen sich Warzen nur sehr selten; insbesondere im Gesicht sind sie eine Rarität. Ein plötzliches Auftreten an ungewöhnlichen Stellen oder eine massive Warzenbesiedlung bei Erwachsenen kann das Zeichen für eine Immunschwäche sein und sollte alsbald abgeklärt werden.

Betroffen von Warzen sind Kinder häufiger als Erwachsene, vermutlich findet eine Art Selbstimpfung statt. Warzen sind wenig ansteckend, viele Menschen haben überhaupt nie Warzen, eventuell einmalig unbemerkt im Kindesalter. Die Übertragung erfolgt nur von Mensch zu Mensch, feuchtes Milieu fördert anscheinend die Ansteckung, ist aber keineswegs notwendig. Die oftmals vermutete Ansteckung in Bädern oder Sauna ist nicht notwendig, Warzenviren sind (fast) überall. Gesichert ist der überzufällige Befall mit Warzen bei Menschen mit Symptomen wie trockener Haut aber auch Heuschnupfen oder Allergien. Diese Atopiker genannte Gruppe zeichnet sich durch ein Ungleichgewicht im Immunsystem aus. Auch besonders schwitzige Hände und Füße "ziehen" Warzen an.

Dellwarzen

Auch Dellwarzen finden sich fast ausschließlich bei Kindern sowie Erwachsenen mit einer Neigung zu empfindlicher Haut. Nach einer Dellwarzeninfektion besteht meist eine relative lebenslange Immunität, d.h., es tritt keine erneute Infektion auf. Dellwarzen sind kreisrund hautfarben bis hellrot. Sie bestehen aus weichem Virusmaterial mit einer kleinen Vertiefung, der Delle, in der Mitte. Einige können größer als einen halben Zentimeter Umfang werden, die meisten sind deutlich kleiner. Der Infektionsweg läuft ausschließlich von Mensch zu Mensch. Sie finden sich an Armen, Beinen und am Rumpf, nicht selten auch im Gesicht. Die großen scheinen verantwortlich zu sein für die Ausbreitung an andere Stellen; durch das Aufkratzen wird das infektiöse Material verschleppt. Das Kratzen wiederum lässt sich wegen des leichten bis mittleren Juckreizes gerade bei Kindern kaum verhindern.

Feigwarzen

Außer dem Namen habe Feigwarzen nichts mit vulgären Warzen gemein, sie sind sehr ansteckend (durch intimen Kontakt) und finden sich praktisch nur bei Erwachsenen im Genitalbereich. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Condylomata acuminata oder Kondylome. Bei Kindern mit Feigwarzen muss an einen sexuellen Missbrauch gedacht werden. Bei Männern sitzen die Feigwarzen z.B. auf der Eichel, bei Frauen im Scheideneingang. Sie sehen meist aus wie kleine Fäden und sind heller als die umgebende Schleimhaut. Auch im Analbereich sind sie zu finden sowie in der Schamhaarregion. In den letzten Jahren wird über eine deutliche Zunahme berichtet.

Diagnose und Therapie

Vulgäre und Dellwarzen sind zumeist Blickdiagnosen. Bei fraglichen Feigwarzen wird oftmals aufgrund der "einschneidenden" Konsequenz eine Probeentnahme mit nachfolgender Gewebsuntersuchung angestrebt. Behandlung Für vulgäre Warzen gilt die goldene Regel: Abwarten. Irgendwann geht so gut wie jede Warze weg. Allerdings kann das im schlechtesten Fall Jahre dauern. Wer nicht so lange warten will, kann es in Selbstbehandlung mit Warzenlösungen aus der Apotheke versuchen. Sie enthalten ein Mittel zum Aufweichen der Hornhaut. Bei konsequenter Anwendung und etwas Geduld verschwinden tatsächlich viele Warzen. Die nächst aggressivere Stufe sind verschreibungspflichtige Lösungen, die auch gegen das eigentliche Virenmaterial wirken. Das Vereisen mit späterem Abtragen der Erfrierungsblase erfordert mehrere Sitzungen und funktioniert leider auch nicht immer, insbesondere nicht an den Füßen. Noch "einschneidender" sind die chirurgische Abtragung oder das Verbrennen mit elektrischem Strom oder Laser. Allerdings gehen die letztgenannten Methoden meist nicht ohne Narben ab, darüber hinaus kann ein solcher Eingriff schmerzhaft sein. Und die Hand oder der Fuß kann einige Tage nicht wie gewohnt benutzt werden.

Alternativen aus der Naturheilkunde gibt es durchaus, eines Versuches sind sie allemal wert. Schöllkraut und Thuja occidentalis auf die Warze getupft lässt sie (hoffentlich) verschwinden, Thuja lässt sich als Tropfen auch schlucken. Eine Suggestivheilung durch -Schneckensaft- aus Honig hilft bei Kindern immer wieder. Auch für Dellwarzen gilt: Abwarten kann die beste Therapie sein. Oder die Eltern entschließen für das betroffene Kind, nur die größeren Herde zu entfernen. Das geschieht mit einer speziellen Pinzette unter teilsterilen Bedingungen beim Hautarzt. Betäubt wird mit Kälte und/oder vormaligem Auftragen einer Anästhesie-Creme. Condylome sollten wegen ihres Ansteckungspotentials - sie werden auch mit bösartigen Tumoren nach jahrelangem Bestehen in Verbindung gebracht - unbedingt sorgfältig angegangen werden. Sie werden mit Podophyllin-Lösung betupft oder mit Imiquomid-Creme bestrichen, hierbei stellen sich leider ziemlich oft stärkere Reizungen ein. Auch die chirurgische Entfernung einzelner größerer Herde in Lokalanästhesie ist möglich. Massenhafter und großflächiger Befall kann mit Lasern verbrannt werden, dies wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt.

Prognose

Für alle Warzen gilt, dass Rezidive häufig sind. Sie kommen sehr gerne wieder. Dann beginnt der Behandlungszyklus von vorn.

Andere "Warzen"

In der Hautmedizin oder im Volksmund werden noch weitere Erscheinungen als Warzen bezeichnet. Das sind die "juvenilen Warzen", die Alters- oder Talgwarzen und andere mehr. Diese sind nicht durch Viren verursacht und bedürfen einer anderen Behandlung. In Zweifelsfällen sollte sie immer ein Hautarzt Fachmann in Augenschein nehmen. Die aus der Darstellung von Hexen bekannten übergroßen "Warzen" auf der Nase oder am Kinn sind Fibrome.

© medizin.de 2004 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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