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ADHS (Attention-deficit hyperactivity disorder)

ADHS (Attention-deficit hyperactivity disorder)

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS genannt, zählt zu den meist beschriebenen Krankheitsbildern bei Kindern und Jugendlichen. Besonders häufig kommt es im Alter zwischen sieben und zehn Jahren zur Diagnose. Der Grund dafür sind die typischen Symptome, die spätestens in der Schule auftreten. Bei den Kernsymptomen handelt es sich um:

  1. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit
  2. gesteigerte Impulsivität
  3. Hyperaktivität

Die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit lässt sich vor allem an Symptomen wie leichter Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten beim Befolgen von Anweisungen, fehlender Ausdauer, Problemen bei der Organisation von Aufgaben oder vielen Flüchtigkeitsfehlern bei Schulaufgaben erkennen.Betrifft die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit vor allem das Kind selbst, so schafft die gesteigerte Impulsivität auch im Umfeld Unruhe: ADHS-Kinder sind für ihr unvorhersehbares Verhalten bekannt, können nicht warten, platzen in das Spiel anderer Kinder hinein oder achten nicht auf mögliche Gefahren. Sie stören Erwachsenengespräche und haben Probleme damit, sich einer Situation anzupassen.Das dritte Kernsymptom ist die Hyperaktivität. Betroffene Kinder und Jugendliche haben Schwierigkeiten, still zu sitzen, sind ständig in Bewegung, ruhelos und zappelig. Ein exzessiver Kletterdrang fällt ebenso auf wie die übermäßige Lautstärke oder das Reden ohne Pause.

Ursachen

Warum Kinder und Jugendliche an ADHS erkranken, ist trotz intensiver Forschung in den letzten Jahrzehnten noch nicht vollständig geklärt. Fest steht aber, dass ADHS die Folge einer neurobiologischen Funktionsstörung im Gehirn ist. Die wichtigen Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin stehen in jenen Hirnarealen, die für Konzentration, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind, nicht ausreichend zur Verfügung. Die Neurotransmitter spielen bei der Verarbeitung von Reizen aber eine wichtige Rolle. Die Folge ist eine unzureichende Filterung und Weiterleitung der ankommenden Reize. Diese ständige Reizüberflutung führt zu den vielfältigen Symptomen von ADHS.

Eine wesentliche Rolle bei der Erkrankung dürfte die Vererbung spielen. Studien belegen, dass genetische Faktoren zu mehr als 50 Prozent für die Entstehung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung verantwortlich sind. Zudem können Umwelteinflüsse wie die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, die ständige Zunahme von Reizen, Probleme in der Familie oder fehlende Alltagsstrukturen die Entstehung von ADHS begünstigen oder den Schweregrad der Erkrankung beeinflussen. Vermutlich sind auch Komplikationen oder Belastungen währen der Schwangerschaft für die neurobiologische Störung mitverantwortlich. Nikotin, Alkohol, Drogen oder Komplikationen in der Schwangerschaft sowie Sauerstoffmangel während der Geburt erhöhen das Risiko einer ADHS-Erkrankung.

Diagnose

Hegen Eltern den Verdacht, ihr Kind könnte unter ADHS leiden, sollten sie umgehend einen Facharzt kontaktieren. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kann dabei ebenso die richtige Wahl sein wie ein erfahrener Kinderarzt, der sich auf ADHS spezialisiert hat. Bei Erwachsenen sollte ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufgesucht werden.
Für die Diagnose werden die beiden Systeme ICD-10 und DSM-IV verwendet, die sich nach internationalen Regeln orientieren. Im Wesentlichen stützt sich die Diagnose auf eine Eigen-, Fremd- und Familienanamnese, auf eine körperliche und neurologische Untersuchung sowie einen motoskopischen und motometrischen Entwicklungsstatus, also inwiefern das Kind in seiner motorischen Entwicklung fortgeschritten ist. Neuropsychologische Testverfahren wie Konzentrations- oder Leistungstests helfen ebenfalls bei der Diagnose. 
Zusätzlich müssen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen oder eventuell begleitende Störungen festgestellt werden. Dabei kann es sich um Teilleistungs- oder Zwangsstörungen, um Tics oder das Asperger-Syndrom handeln.

Therapie

ADHS ist nicht heilbar, die Symptome und Beeinträchtigungen können aber durch gezielte therapeutische Schritte vermindert werden. Das Therapiekonzept sieht unterschiedliche Behandlungsoptionen vor, wobei die Zusammenarbeit unterschiedlicher Ärzte und Therapeuten wichtig ist. Als Koordinator zwischen Psychiater, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten oder Heilpädagogen fungiert zumeist der Kinderarzt. Miteinbezogen wird idealerweise auch das soziale Umfeld wie Familie, Kindergarten oder Schule.
Begleitend zu den Therapien werden häufig Medikamente eingesetzt. Ziel ist es, die Kernsymptome zu unterdrücken, um die emotionale Befindlichkeit und damit die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern. Die eingesetzten Medikamente unterscheiden sich je nach Wirkmechanismus und Wirkdauer. Da oft einige Zeit bis zur Diagnose vergangen ist, werden häufig Arzneimittel verschrieben, die besonders schnelle Erfolge versprechen.

Weitere Informationen

In Deutschland sind von der neurobiologisch bedingten Erkrankung etwa fünf Prozent der 3- bis 17-Jährigen betroffen, bei weiteren fünf Prozent besteht der Verdacht auf ADHS. Auffällig ist die weite Verbreitung beim männlichen Geschlecht: Bei Jungen wird ADHS etwa vier Mal häufiger diagnostiziert als bei Mädchen. Lange Zeit waren Mediziner der Ansicht, ADHS sei eine reine Kinder- und Jugendkrankheit. Mittlerweile wurde dies aber widerlegt. Im Erwachsenenalter leiden noch rund 60 Prozent der Betroffenen an wesentlichen Symptomen. Typische Anzeichen sind Probleme beim Entspannen, innere Unruhe, schlechte Konzentrationsfähigkeit oder Schwierigkeiten, Dinge zu Ende zu bringen. Emotionale Labilität und damit verbundene Stimmungsschwankungen sowie vermehrte Temperamentsausbrüche können sowohl im Privat- als auch im Berufsleben zu Schwierigkeiten führen. Wichtig ist es, auch als Erwachsener bei Verdacht auf ADHS umgehend nach Hilfe zu suchen. Therapien und Medikamente können helfen, den Alltag besser zu meistern.

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Redaktion
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