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Clostridium difficile: Pseudomembranöse Enterokolitis

Clostridium difficile: Pseudomembranöse Enterokolitis

Der menschliche Darm ist von einer Vielzahl von Mikroorganismen besiedelt, die für eine geregelte Darmfunktion unerlässlich sind. Eine intakte Darmflora sorgt nicht nur für eine gesunde Verdauung, sondern beeinflusst auch das spezifische Abwehrsystem in der Darmschleimhaut, das einen selbständigen lymphatischen Organkomplex bildet. Clostridium (C.) difficile, ein sporenbildendes grampositives Stäbchen aus der Familie der Bacillaceae, ist einer dieser natürlichen Bewohner des menschlichen Darms. Normalerweise lebt er in der Darmflora als so genannter Kommensale, der seinem Wirt – dem Menschen – keinen Schaden zufügt. Unter bestimmten Umständen jedoch wird aus dem harmlosen Darmbakterium ein gefährlicher Erreger.

Resistenz nach Antibiotikatherapie

Ist zum Beispiel eine Therapie mit Antibiotika nötig oder wird der Körper durch einen operativen Eingriff, eine Krebserkrankung oder immunsuppressive, also das Immunsystem unterdrückende, Behandlung geschwächt, kann C. difficile zum Infektionserreger werden. Der Keim produziert so genannte Exotoxine und entlässt diese in den Darm. Dadurch werden verschiedene Formen von Durchfallerkrankungen ausgelöst. Aufgrund seiner Resistenzeigenschaften kann C. difficile nach einer Behandlung mit Antibiotika gegen bestimmte Erreger als unangreifbarer Keim im Darm zurückbleiben. Dadurch wurde dieses Bakterium zum wichtigsten Erreger der Antibiotika-assoziierten Durchfallerkrankung – ein großes Problem vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Durchfall

Bisher verlief eine C.-difficile-assoziierte Diarrhö eher glimpflich: Einschlägigen Studien zufolge entwickeln 60 Prozent der Infizierten keinerlei Symptome. In den vergangen fünf Jahren hat sich die Situation jedoch dramatisch geändert. Mit dem Auftauchen eines hoch virulenten C.-difficile-Stamms in Ländern wie den USA, Kanada, England, Belgien, Holland und Frankreich erhöhten sich die Ansteckungsgefahr, Morbidität sowie die Todesrate aufgrund der Infektions-assoziierten Diarrhö beträchtlich. Dieser gefährliche neue Bakterienstamm kann nur mit Methoden der Molekularbiologie sicher nachgewiesen werden.

Notwendige Maßnahmen

Da C. difficile als fakultativer Anaerobier auch außerhalb des Körpers bis zu einer Woche überleben kann, besteht die Gefahr der Infektion auch durch Sporen in der Umwelt. Hauptübertragungsweg ist der direkte und indirekte Kontakt über Hände oder kontaminierte Gegenstände, etwa fäkale Kontaminationen von Toiletten, Bettwäsche, Bettgestelle oder auch Telefone. Zur Vermeidung einer Ausbreitung hoch virulenter C.-difficile-Stämme im Krankenhaus stehen wirkungsvolle Hygienemaßnahmen an vorderster Stelle. Auch sollte restriktiver mit Antibiotika umgegangen werden, die zu Resistenzen der Erreger führen können.

© 2007-2017 medizin.de (Wolfgang Zimmermann)

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