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Muskelkrämpfe und Wadenkrämpfe

Wer ist nicht schon mal durch einen Wadenkrampf nachts hochgeschreckt oder hat nach dem Sport erfahren, wie schmerzhaft Muskelkrämpfe sein können? Etwa ein Drittel aller Erwachsenen leidet mindestens einmal jährlich an Wadenkrämpfen. Das Spektrum der möglichen Ursachen ist vielfältig und reicht von Elektrolyt- und Durchblutungsstörungen über neuromuskuläre bis hin zu rheumatischen Erkrankungen. Auch Medikamente, beispielsweise Diuretika oder Asthmamittel, können Muskelkrämpfe auslösen.

Als ein besonders häufiger Grund für Muskelkrämpfe gilt allerdings der Mangel an Magnesium.  Doch nicht nur vor diesem Hintergrund ist der Magnesiummangel ein wichtiges Thema. Tatsächlich sehen Experten den Magnesiummangelzum Beispiel als nicht zu unterschätzenden, negativen Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf von Diabetes. Nicht zuletzt soll Magnesium aktuellen Studienergebnissen zufolge auch eine wichtige Rolle bei der Darmkrebs-Prävention spielen. Auch hier wird deutlich: Eine ausreichende Versorgung mit Magnesium ist wichtig.

Problematik der Magnesiumversorgung

Der Mineralstoff Magnesium ist in unterschiedlichen Lebensmitteln enthalten – so zum Beispiel in Bananen oder auch in Nüssen. Allerdings wird die Bioverfügbarkeit von Magnesium durch einen hohen Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung vermindert, da es zur Bildung von schwer absorbierbaren Magnesium-Komplexen kommen kann. Auch Alkohol, Konservierungsstoffe und andere Mineralien wie Calcium und Eisen beeinträchtigen die Aufnahme von Magnesium. Darüber hinaus können Arzneimittel die Aufnahme von Magnesium aus der Nahrung hemmen oder die Ausscheidung fördern:

  • Abführmittel
  • Aminoglykoside
  • Antiarrhythmika
  • Antibiotika
  • Antihistaminika
  • Cisplatin
  • Cyclosporin
  • Diuretika
  • Psychopharmaka
  • Tacrolimus

Um die Problematik der Magnesiumversorgung aus der Nahrung zu umgehen und die empfohlene Tagesdosis von etwa 300 bis 600 mg Magnesium zu sichern, kann mitunter die Zufuhr von Magnesium über geeignete Präparate sinnvoll sein. Sprechen Sie dazu im Zweifelsfall auch mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Diabetische Folgeschäden durch Magnesiummangel gefördert

Magnesium ist vor allem in Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten enthaltenen. Diese Produkte werden häufig von Diabetikern gemieden. Außerdem wird Magnesium bei Diabetikern vermehrt über die Nieren ausgeschwemmt. Insofern ist der Magnesiummangel bei Diabetes ein häufiges Problem. Eine Studie an der Universität Stuttgart-Hohenheim belegt, dass von rund 5.500 Diabetikern nur 11% der insulinpflichtigen und 15% der nicht-insulinpflichtigen Patienten optimale Magnesiumwerte im Blutserum hatten.

Magnesiummangel bei Diabetes ist aber nicht nur ein häufiges, sondern insbesondere auch ein ernstzunehmendes Phänomen. Denn laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Biofaktoren fördert ein Magnesiummangel diabetische Folgeschäden. Ein Defizit kann aber für den Krankheitsverlauf fatale Folgen haben. Magnesium-Mangel fördert nicht nur den Diabetes sondern auch die gefürchteten Folgeschäden der Stoffwechselstörung an Herz und Blutgefäßen. "Umfangreiche epidemiologische Studien zeigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei erniedrigten Magnesium-Konzentrationen im Blut erhöht ist", erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Hans-Georg Classen, Magnesium-Experte aus Stuttgart-Hohenheim. Aktuellen Erkenntnissen zufolge, scheint ein Magnesium-Mangel entzündliche Prozesse zu fördern, die wiederum die Gefäßwände schädigen. Das wichtige Mineral verbessert auch die Wirksamkeit von Insulin, ein Mangelzustand schadet dem Diabetiker deshalb mehrfach.

Aktuelle Studienergebnisse: Ausreichende Magnesiumversorgung wichtig für Darmkrebsprävention

In der Februarausgabe der Fachzeitschrift American Journal of Epidemiology wurde eine Studie publiziert, nach der eine ausreichende Magnesiumversorgung das Risiko für Darmkrebs reduziert. Die Forscher befragten mehr als 35.000 Frauen im Alter zwischen 55 und 69 Jahren nach ihren Ernährungsgewohnheiten und verfolgten dann 16 Jahre lang ihren Gesundheitszustand. 1.100 Frauen waren in dieser Zeit an Darmkrebs erkrankt. Bei denen, die am meisten Magnesium aufnahmen, war das Risiko für Darmkrebs um 27 % niedriger als bei den Frauen mit einer schlechten Magnesium-Versorgung. Vermutlich verhindert der Mineralstoff ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen in der Darmschleimhaut. Die Forscher empfehlen die Aufnahme von täglich mindestens 300 bis 400 mg Magnesium, um das Darmkrebsrisiko gering zu halten.

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Biotinmangel

Oktober 04, 2017

Unter einem Biotinmangel ist ein zu geringer Gehalt des wasserlöslichen Vitamins Biotin zu verstehen. Bekannte Synonyme für Biotin sind Vitamin B7 und Vitamin H. Biotin ist als Coenzym bzw. prosthetische Gruppe zahlreicher Enzyme an unzähligen biochemischen Reaktionen im Körper beteiligt. Auch an der Modifizierung von Genen und der Regulation von genetischen Vorgängen wirkt das Molekül mit. Spezielle Störungen im Organismus – speziell im Magen-Darm-Trakt – können zu einer verminderten Resorption von Biotin und damit zu einem Mangel der sehr wichtigen Verbindung führen. Haarausfall, Muskelschmerzen und Missempfindungen sind nur einige der Symptome.

Zahlreiche Ursachen führen zum Defizit

Antibiotika als Ursache

Wie zahlreiche Vitamine, Nährstoffe und Spurenelemente wird Biotin über den Gastrointestinaltrakt aus der Nahrung resorbiert und der Blutbahn zugeführt. Ist die Darmflora – beispielsweise durch Einnahme von Antibiotika – gestört, kann es aus zweierlei Gründen zu einem Biotinmangel kommen. Einerseits helfen Darmbakterien, v. a. Escherichia coli, bei der Resorption von Biotin aus dem Nahrungsbrei. Andererseits sind diese teilweise in der Lage, Biotin selber zu synthetisieren.

Verminderung der Resorptionsfläche

Zu einer mangelnden Aufnahme von Biotin durch das Darmsystem kommt es außerdem bei Patienten, denen ein Teil des Dünndarms entfernt wurde (beispielsweise in Folge von Bauchspeicheldrüsenkrebs). Hier steht der Nahrung zu wenig Resorptionsfläche zur Verfügung, um den Organismus ausreichend mit dem Vitamin zu versorgen. Verschärft wird die Problematik, wenn die Betroffenen außerdem mit biotinarmer Sondenkost ernährt werden.
Zu einem Biotinmangel können auch bestimmte chemische Substanzen führen: So ist bekannt, dass langjähriger und übermäßiger Alkoholkonsum die Aufnahme von Vitamin B7 verringert.

Andere Ursachen

Ebenso lösen bestimmte Arzneimittel aus der Gruppe der Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) bei manchen Menschen einen Biotinmangel aus. Eine Ursache hierfür konnte bisher nicht gefunden werden. Zu den häufigsten Auslösern der Mangelerscheinung gehört auch eine Schwangerschaft. Das Defizit ist hierbei aber meistens so gering, dass es zu keinen nennenswerten klinischen Anzeichen kommt. Auch hier ist der genaue Grund für den leichten Biotinmangel nicht bekannt. Bei rund 35 % der Schwangeren können aber im Urin erhöhte Mengen an Biotinmetaboliten festgestellt werden. Das spricht für einen evtl. durch schwangerschaftstypische hormonelle Veränderungen hervorgerufenen verstärkten Abbau des Vitamins. Theoretisch kann auch der übermäßige Konsum von rohen Eiern zu der beschriebenen Mangelerscheinung führen: Rohe Hühnereier besitzen ein Polypeptid mit dem Namen Avidin. Dieses besitzt die chemische Eigenschaft, Biotin fest zu binden. Letzteres wird dadurch funktionsuntüchtig gemacht. Beim Erhitzen wird Avidin jedoch zerstört, weswegen dieses Phänomen praktisch keine Bedeutung hat. Auch eine klassische Mangelernährung als Ursache für das Störungsbild kommt in den modernen Industrieländern praktisch nicht vor.

Mangel zeigt vielseitige Symptomatik

Durch die Beteiligung von Biotin an sämtlichen chemischen Reaktionen im Organismus und die Rolle in der Genregulation, führt ein entsprechendes Defizit zu mannigfaltigen Krankheitszeichen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Symptome.

  • Blässe
  • Depressionen
  • Halluzinationen
  • Parästhesien (Missempfindungen)
  • erniedrigte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • starke Müdigkeit
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Hypotonie
  • Haarausfall
  • Brüchigkeit von Fuß- und Fingernägeln
  • Hypercholesterinämie
  • Anämie
  • Infektanfälligkeit
  • Ataxie (Bewegungsstörungen)
  • erhöhte Schmerzsensibilität
  • Hautausschlag

Grunderkrankung behandeln

Nachweisen lässt sich ein Biotinmangel durch labordiagnostische Untersuchung von Blut und Urin. Therapeutisch sollte zunächst die Grunderkrankung behandelt bzw. auslösende Faktoren beseitigt werden. Zusätzlich kann pharmakologisch hergestelltes Biotin im Sinne einer Substitutionstherapie verabreicht werden. Unterstützt werden kann die Therapie durch Einbau biotinhaltiger Lebensmittel in den Speiseplan. Hierfür eignen sich besonders Sojaprodukte, Nüsse, Milch, Haferflocken, gekochte oder gebratene Eier und bestimmte Innereien (v. a. Leber).

© medizin.de 2013-2018 (Dr. Florian Korff)

"Legale Drogen" oder Rückweg ins Leben: Drogensubstitution Drogen auf Rezept?

Im ersten Halbjahr 2005 verstarben 562 Personen an den Folgen ihres Rauschgiftkonsums. In diesem Zeitraum wurden in Deutschland 334 kg Heroin beschlagnahmt. Dies geht aus der "Halbjahreskurzlage Rauschgift 2005" des Bundeskriminalamtes hervor. Grund genug, um neue Konzepte zu etablieren, die den Suchtkranken helfen, aus dem Teufelskreis "Sucht" auszubrechen.

Im Bella-Vista-Haus, das idyllisch am Ortsrand von Hamburg-Bargfeld liegt, wurden bereits über 9.000 Drogenabhängige behandelt. "In der Suchtarbeit sind Erfolge relativ", sagt Therapieleiter Friedemann Hauck. "Ein Drittel schafft es, ein Drittel wird rückfällig, die anderen kommen nie ohne harte Drogen aus", so Hauck gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Die 21tägige Entgiftung kostet knapp 5.400 Euro. Doch die Kürzungen im Gesundheitsbereich sind spürbar. Das unter der Geldknappheit die Betroffenen leiden müssen, ist ein unhaltbarer Zustand: "Süchtigsein ist eine Erkrankung und keine Charakterschwäche", so Hauck.Seine Einrichtung ist eine von 450 Ambulanzen für Drogenabhängige. 11.000 Entzugs- und 50.000 Substitutionsplätze "warten" in Deutschland auf entzugswillige Drogensüchtige. Therapiebedürftig sind aber offenbar weit über 150.000 Deutsche.

Am 25. Juni billigte das Bundeskabinett den "Aktionsplan", mit dem sich deutsche Drogenprobleme "nachhaltig reduzieren" lassen sollen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, 48, fördert die rund 20 deutschen Fixerstuben, sie ließ rechtliche Hürden bei der Methadon-Substitution ausräumen, und sie lässt testen, ob es in Zukunft Heroin auf Rezept geben könnte: In sieben deutschen Städten spritzen derzeit 560 Junkies unter ärztlicher Aufsicht dreimal täglich bis zu 400 Milligramm reines, synthetisch hergestelltes Heroin. In den letzten Jahren haben neue Erkenntnisse über die "Physiologie der Sucht" dazu geführt, innovative Entzugstherapien zu testen.

So definiert die Weltgesundheitsorganisation Sucht:
Zustand  periodischer oder chronischer Vergiftung, schädlich für den einzelnen und/oder die Gesellschaft, der durch den wiederholten Genuss einer natürlichen oder synthetischen Substanz hervorgerufen wird.

Drogen auf Rezept?

Im Jahr 2004 erhielten in Deutschland ca. 64.000 opioidabhängige Personen das Mittel Methadon zur Substitution. Oberstes Ziel einer Substitutionsbehandlung ist die Suchtmittelfreiheit. Im Rahmen von umfassenden Therapiekonzepten arbeiten Ärzte, Psychologen, Soziologen und Sozialarbeiter eng miteinander zusammen. Bei der Substitutionsbehandlung bekommen die Suchtkranken vom Arzt ein Medikament verabreicht, das ihre Entzugserscheinungen lindert. Sie sollen so in ein "normales" Leben zurückfinden. Diese Therapie vermindert die Kriminalitätsrate, die Sterblichkeit sowie die Begleiterkrankungen und ermöglicht eine enge therapeutische Anbindung. Langfristig soll der Patient motiviert werden, nach einer weiterführenden Suchttherapie ganz ohne seine Droge zu leben. Die Zeiten, als man glaubte, Trinker und andere Süchtige müssten erst "ganz unten" sein, bevor sie genug Eigeninitiative für einen Erfolg versprechenden Ausstiegsversuch aufbringen, sind vorbei. Sucht wird heute als eine Krankheit der Rückfälle angesehen. Das erreichen von motivierenden Zwischenzielen ist sinnvoller, als beim Süchtigen von Anfang an totale Abstinenz einzufordern.

In Deutschland werden vier Opiate/ Opioide zur Substitutionstherapie eingesetzt:

  • Methadon
  • L-Polamidon
  • Heroin (befindet sich in Deutschland noch in der Zulassung)
  • Buprenorphin

Methadon? der Klassiker

Im Gegensatz zu den Opiaten Morphin und Heroin wird Methadon gut vom Körper aufgenommen, wenn es als Lösung getrunken oder als Tabletten geschluckt wird. Opiate wirken im Gehirn im Belohnungszentrum. In dieser Schaltstelle werden Euphorie, Sucht aber auch depressive Gefühle verarbeitet. Körpereigene Neurotransmitter wie Dopamin und die Endorphine (körpereigene Morphine) agieren als Überträgersubstanzen. Unterschiedliche Bindungsstellen, so genannte Rezeptoren, lösen unterschiedliche Reaktionen aus, wenn Opiate dort andocken. Morphin, Heroin und Methadon wirken auf die gleichen Rezeptoren. Kurzfristig wird beim Konsumenten ein Glücksgefühl hervorgerufen. Er fühlt sich wohl, beschützt, hat gute Laune und keine Schmerzen. Bei einer längerfristigen Anwendung von Rauschdrogen lässt die Wirkung nach. Die Euphorie weicht der Depression. Auch die Ersatzdroge Methadon trübt die Psyche der Konsumenten. Sie haben weniger Antrieb und kriegen ihr Leben "weniger geregelt". Von Vorteil ist, dass die Suchtkranken keinen "Heroinhunger" mehr verspüren.

Unerwünschte Wirkungen von Methadon

  • Verstopfung
  • Pupillenverengung
  • Übelkeit
  • Schweißausbrüche
  • Störungen des Schlafmusters

Methadon unterdrückt sowohl unangenehme als auch besonders angenehme Gefühle: Es kappt die Gefühlsspitzen und der Konsument hat das Gefühl, in einem "wattigen Gefühlspanzer" zu stecken. Einige Konsumenten fühlen sich mit der gedämpften Wahrnehmung ihrer Umwelt wohl. Viele beklagen aber auch die fehlende geistige Klarheit. Sie leben zwar, sind aber nicht in der Lage, Zukunftspläne zu machen oder einfache Aufgaben des täglichen Lebens zu meistern.

Buprenorphin: Klarheit für die Sinne?

Buprenorphin wurde als Schmerzmittel (Temgesic ®) entwickelt und ist seit Februar 2000 auch zur Heroin-Substitution als Subutex ® zugelassen. In Frankreich ist Buprenorphin nicht als Betäubungsmittel eingestuft und kann dort auf immense Erfahrungen verweisen. Buprenorphin wirkt nicht, wie Methadon, an allen Opiatrezeptoren anregend. Es greift an den Bindungsstellen anregend an, die eine Euphorie auslösen und hemmt jene, die depressiv machen. Außerdem kann es die Wirkung von anderen Opiaten vermindern. Dadurch wird der "Beigebrauch" anderer Opiate vermindert. Der Arzneistoff denkt quasi mit: wird er höher dosiert, steigt die Wirkung nicht weiter an. Die bei Opiaten sonst gefürchtete Atembehinderung ist deshalb nicht vorhanden. Auch deshalb ist dieser Wirkstoff für den Anwender sicherer. Bezogen auf die Sterblichkeitsrate ist Methadon zehnmal so gefährlich wie Buprenorphin.

Ein entscheidender Vorteil gegenüber Methadon ist die geistige Klarheit, die der Anwender empfindet. Nach einer Studie zur Fahrtauglichkeit schnitt Buprenorphin deutlich besser als Methadon ab. Die Probanden zeigten eine bessere Konzentrationsfähigkeit, ein gleichmäßigeres Leistungsniveau und geringere Ermüdungserscheinungen. Dies macht Buprenorphin besonders für Abhängige mit guter Sozialprognose geeignet. Ein Arzneimittel ist aber nur so sicher, wie sein Anwender vernünftig ist. In letzter Zeit wurde vermehrt darüber berichtet, dass Konsumenten Buprenorphin in die Nase schniefen oder in die Vene oder unter die Haut spritzen. Sie erhoffen sich so den vom Heroin bekannten "Kick". Der Hersteller wird deshalb voraussichtlich im kommenden Jahr eine Weiterentwicklung (Suboxone ®) auf den Markt bringen. Neben Buprenorphin wird ein Stoff enthalten sein, der einen Missbrauch nahezu unmöglich macht. Das beigefügte Naloxon hat bei der üblichen Verabreichung über den Mund keine Wirkung. Erst wenn der Konsument die Mischung missbräuchlich spritzt, hebt Naloxon die Wirkung des Opiates auf.

Heroin: Außenseiter oder Held?

Viele entzugswillige Patienten wollen/können auf Flash-Erlebnisse nicht verzichten. Um solche Patienten in die Substitutionstherapie aufzunehmen und halten zu können, wird die Verschreibung von Heroin erprobt. Die vor drei Jahren in sieben deutschen Städten begonnene Heroin-Studie steht offenbar vor dem Abschluss. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, zeigt sie, dass Suchtkranke, die den Stoff auf Rezept erhalten, gesünder leben und weniger Verbrechen begehen. 
Für Patienten, die mit Methadon und anderen Methoden scheitern, ist die Heroinverschreibung oft dieletzte Chance Die meisten Erfahrungen liegen in England, der Schweiz und den Niederlanden vor. Auch in Deutschland laufen Modellprojekte. Der Suchtbeauftragte der Bundesärztekammer, Ingo Flenker, geht davon aus, dass "zwischen 4 000 und 6 000 Betroffene" für eine staatliche Heroinbehandlung in Frage kämen, wenn Heroin als Fertigarzneimittel zugelassen würde.

Nachdem sich auf dem Gebiet der Substitutionsmittel lange Zeit nichts getan hat, kommt nun mit neuen Substanzen und Konzepten frischer Wind in die Drogentherapie. Man wünscht den Suchtkranken, dass er sie in ein Leben "bläst", das sie sich wünschen.

© medizin.de 2006-2018 (Matthias Bastigkeit)

Akne

Oktober 04, 2017

Akne ist in den westlichen Industrienationen die häufigste Hauterkrankung überhaupt

Beim Stichwort "Volkskrankheit" fallen den meisten Krankheitsbilder ein wie der Diabetes mellitus ("Zucker") oder Herz-Kreislauf-Beschwerden wie die "Arterienverkalkung" mit ihrer Spätfolge, dem Herzinfarkt. Unbestritten sind von diesen Krankheiten Millionen Menschen allein in Deutschland betroffen, sie verursachen Kosten in Milliardenhöhe. In der Hitliste der meistgenannten Volkskrankheiten fehlt allerdings eine, die fast jeder Mensch durchgemacht hat, und die zudem oftmals einen hohen Leidensdruck erzeugt: die Akne. Die Akne - der Begriff ist abgeleitet vom altgriechischen Wort "akme" ("Spitze, Blüte") - ist im Gegensatz zu den oben erwähnten Krankheiten weder chronisch noch lebensbedrohlich. Sie belastet aber die Gemütslage der Betroffenen nicht unerheblich und erzeugt wie auch hohe Kosten, da "um jeden Preis" eine Linderung angestrebt wird. Nach übereinstimmender Einschätzung ist sie in den westlichen Industrienationen die häufigste Hauterkrankung überhaupt.

Akne Entsteheung

Entstehung, Einteilung in Stadien

Die Vorgänge auf und in der Haut, die zu den typischen Erscheinungsbildern "Mitesser" und "Pickel" führen, laufen in drei Schritten ab. Zu Anfang entstehen Mitesser oder Komedonen. Eine überschießende Hornbildung erweitert den Ausführungsgang der Talgdrüsen; beim Herüberfahren spürt man eine halbkugelige Erhöhung. Beim - übrigens nicht zu empfehlenden - Ausdrücken entleert sich der Inhalt der Drüse als kleine Wurst. Der verschließende Pfropfen aus Hornzellen zeigt durch eingelagertes Melanin und Oxidationsvorgänge an der freien Luft den bekannten schwarzen Punkt an seiner Oberfläche. Darunter liegt im Drüsengang ein Gemisch aus Talg, Haarmaterial und von Erregern aus der Gruppe der Propioni- und Staphylokokkenbakterien. Die beiden letzten gelten als wesentlicher Motor der folgenden Entzündung: die Talgdrüsen selbst werden immer atrophischer, sie verkümmern, endlich kommt es im zweiten Schritt durch die Bakterien zur Entzündung. Dann entstehen die "Pickel", eitergefüllte Bläschen oder Pusteln. Je nach Verlaufsform und individueller Konstitution entstehen sogar zusammenfließende Abszesse oder Karbunkel. Insbesondere diese Ausprägung führt im dritten Schritt nach dem Abheilen der Entzündung zu den gefürchteten Aknenarben oder zu ihrer Extremvariante, den Keloiden oder Wulstnarben.
Im Fachjargon spricht man bei diesen drei Phasen von nicht entzündlichen Primäreffloreszenzen (Mitesser), den sekundär entzündlichen Effloreszenzen (Pickel) und den tertiär nicht mehr entzündlichen Effloreszenzen (Narben). Die drei Stadien sind bei jedem Betroffenen an den verschiedenen Hautregionen mehr oder weniger gleichzeitig anzutreffen.

Ursachen der Akne vulgaris

Leider gibt es nicht nur die "eine" Ursache für die Ausprägung einer Akne, die sich dann einfacher bekämpfen ließe. In das komplexe Entzündungsgeschehen greifen mehrere Faktoren ein,die sich gegenseitig verstärken. Einigkeit herrscht aber darüber, dass ein Faktor allein nicht ausreicht:- Hormonumstellungen- Stress- Hauttyp und Hautpflege

Hormone

Keine Akne ohne Talg (Talgdrüse). Da männliche Geschlechtshormone die Talgproduktion erhöhen, kommt es bei vermehrter Ausschüttung dieser Hormone regelmäßig auch zu verstärkter oder neu entstehender Akne. Den größten Homonschub in diese Richtung erlebt der Mensch mit (und schon etwas vor) dem Beginn der Pubertät. Das betrifft keineswegs nur Jungen, auch Mädchen produzieren männliche Geschlechtshormone, deren Pegel in den "Flegeljahren" stark ansteigt.

Stress

Jeder Mensch hat Stress, aber nicht jeder hat Akne. Genauer müsste man daher den mitverursachenden Auslöser von Akne besser "psycholgischen Faktor" nennen. Die Befindlichkeit, die mittelfristige Stimmungslage, das Nervenkostüm (oder wie man es auch immer bezeichnen will) haben ihre eigene Rolle im Zusammenspiel der Faktoren.

Hauttyp

Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch hat seine eigene Haut. Die Zahl und Aktivität der Talgdrüsen (es gilt ja: "Keine Akne ohne Talg") ist sehr individuell. Einige bilden weniger, andere mehr, dieser Faktor wird durch die ererbte Veranlagung bestimmt. Auch die Körperregionen sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich mit Talgdrüsen versetzt: viele im Gesicht, wenig auf dem Rücken oder umgekehrt.

Andere Ursachen der Akne

Während die klassische Akne gerade die Verquickung der genannten Faktoren kennzeichnet, lassen sich in einigen Fällen ganz bestimmte Ursachen festmachen. Bei der Chlorakne spielen chlorhaltige Chemikalien die entscheidende Rolle. Bei Kontakt mit diesen Stoffen, z.B. bei Unfällen in chemischen Fabriken, kommt es zu stark entzündlichen Akneknoten. Ein ähnliches Bild gibt es immer wieder bei Menschen, die längere Zeit direkt auf der Haut Schmierstoffen oder -ölen ausgesetzt sind, zum Beispiel in Werkstätten. Ein ebenfalls immer wieder zu sehendes Phänomen ist die "Anabolakne" oder Steroidakne. Dabei spritzen sich insbesondere junge Männer in hohen Dosen Hormone, um schneller und mehr als eigentlich möglich Muskelmasse anzusetzen. Das scheint nicht nur im Leistungssport gelegentlich zu passieren, sondern in der Szene der Body-Builder fast zum "guten Ton" zu gehören. Die entstehende Akne ist nur der kleinere Teil der dadurch provozierten Folgen, bedeutend schwerwiegender sind die nicht rückgängigen Gefäßschäden und vor allem die Zeugungsunfähigkeit und Impotenz.

Ernährung

Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung, Süßigkeiten wie Schokolade trügen zur Akne bei, lassen sich in den wissenschaftlichen Quellen dazu kaum Belege finden. Vielleicht spielen hier die erwähnten psychologischen Faktoren eine Rolle, die gleichzeitig und nur scheinbar zusammenhängend sowohl den Hunger auf Naschwerk als auch die Zahl Akne-Effloreszenzen ansteigen lassen.

Alter und Pubertät

Die hormonelle Komponente, die Beeinflussung der Akne durch männliche Geschlechtshormone, lässt Jugendliche und junge Erwachsene besonders oft und intensiv betroffen sein. In den letzten Jahren wird zudem beschrieben, dass sich der Beginn der hormonellen Umstellung weiter in die jüngeren Lebensalter verschiebt. Deshalb leiden schon Kinder (meist Mädchen) um das 10. Lebensjahr nicht selten unter Komedonen und Pusteln. Leider ist es auch nicht entsprechend früher wieder damit vorbei: Im Gegenteil kann es durchaus bis zum Alter von 25-30 Jahren bei der so genannten Pubertätsakne bleiben. Auch hier sind Frauen leider eher benachteiligt und haben länger mit der Akne zu kämpfen. Als kleiner Trost verläuft sie aber meist milder als bei den Jungen und Männern.

Aknebehandlung

Keineswegs ist die Akne "Schicksal" oder "man und frau muss da einfach durch". Im Vergleich zu früheren Zeiten verfügt die Dermatologie über eine große Zahl von Behandlungsansätzen. Für jeden Hauttyp, jedes Alter und jeden Schweregrad ist das Richtige dabei. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, zu Beginn der Behandlung und in regelmäßigen Abständen zur Verlaufsbeobachtung zu einem Hautarzt zu gehen. Das "Herumdoktern" bringt meist nur wenig und der Gebrauch der in der Werbung angepriesenen "Mittelchen" nützt nur dem Hersteller. Ein Fachmann sollte den Erfolg begutachten und bei Bedarf die Behandlung verändern bzw. intensivieren.Ein wichtiger Grundsatz gilt aber für alle Therapien: Von heute auf morgen geht es nicht. Bis sich Erfolge einstellen, braucht es Geduld. Sichtbare Ergebnisse benötigen eher Monate als Wochen und in ein paar Tagen bewegt sich nichts. Oft wird es durch die eingesetzten Mittel für einige Tage sogar noch schlimmer, weil sich die Entzündung kurzfristig verstärkt.
 

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlungsmöglichkeiten bestehen aus mehrere Optionen und sind meist miteinander kombinierbar:
  • - äußere Therapie (Hautpflege, Kosmetik und/oder Schältherapie)
  • - Antibiotika
  • - UV-Bestrahlung
  • - Anti-Baby-Pille
  • - Isotretinoin

ÄußereTherapie (Hautpflege, Kosmetik und/oder Schältherapie).

Die erste Stufe der Behandlung besteht in der äußerlichen Therapie. Die Umstellung auf seifenfreie Waschlotionen und die Aknetoilette bringen oft erstaunliche Erfolge. Unter Aknetoilette versteht man das fachgerechte (nicht selbst versuchen!) Entfernen der Mitesser und leicht entzündeten Pusteln. Sie werden durch warme Kompressen aufgeweicht und dann mit speziellen Geräten ausgedrückt. Das sollte nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden, die aber gerne Tipps gegen, was jeder selbst tun kann. Unterstützt wird diese Therapie durch Cremes und Gels, die die oberste Hautschicht leicht schälen und damit das Entstehen neuer Komedonen verhindert.

Antibiotika äußerlich und innerlich

Bei stark entzündeten "Pickeln" reicht die erste Stufe oft nicht aus. Dann greift der Hautarzt gern zu Cremes, die Antibiotika enthalten und auf die Pustel aufgetragen werden. Der meist verwendete Wirkstoff ist Erythromycin. Die Anwendung sollte auf wirkliche notwendige Fälle beschränkt bleiben, da es inzwischen viele Resistenzen gegen das Mittel gibt. Gegebenenfalls kann auf andere Wirkstoffgruppen umgestellt werden.
Die nächste Stufe ist die Gabe von Antibiotika "von innen", also in Tablettenform für zum Beispiel vier bis sechs Wochen. Das ist vor allem bei der mittelstarken entzündlichen Form der Akne zu empfehlen. Die überwiegend verwendeten Doxycyclin oder Minocyclin schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie vermindern die Talgproduktion und bekämpfen gleichzeitig die Entzündung durch die Bakterien. Die Mittel sind gut verträglich und bei sonst gesunden jungen Menschen auch unbedenklich, wenn sie korrekt eingesetzt werden.

UV-Bestrahlung

Die meisten Betroffenen machen die Erfahrung, dass ihre Akne in den Sommermonaten und im Sonnenurlaub zurückgeht. Dennoch wird in Deutschland nur im geringen Maße therapeutisch auf die Möglichkeit zurückgegriffen, durch regelmäßige Bestrahlungen in der UV-Kabine das Bild zu bessern. Der Grund sind fehlende Langzeitergebnisse und der große Aufwand für den Patienten. Wenn überhaupt, sollte die Bestrahlung beim Hautarzt geschehen und nicht im Sonnenstudio, da diese andere Wellenlängen (Turbobräuner) benutzen, die die Haut schädigen können.

Anti-Baby-Pille

Der Hormon-Faktor im Gemisch der Akne-Auslöser lässt sich gut mit der Anti-Baby-Pille behandeln. Die darin enthaltenen weiblichen Geschlechtshormone lassen das relative Gewicht der männlichen im Körper sinken und führen zu einer Reduktion der Talgproduktion und weniger Entzündungen. Diese Therapieoption steht nur für Frauen zur Verfügung, Männer dürfen auf keinen Fall die "Pille" nehmen! Da nicht alle Präparate gleich gut geeignet sind, sollte die Auswahl mit demFrauenarzt abgesprochen werden, der die Frau vorher untersuchen muss. Jede Frau (evtl. mit ihren Eltern) muss für sich entscheiden, ob sie die "Pille" überhaupt nehmen will. Die Akne einzudämmen ist ja nur ein in diesem Fall erwünschter Begleiteffekt.

Isotretinoin

Bei schwerer und sehr schwerer Akne wird der Wirkstoff Isotretinoin in Tablettenform gegeben. Dabei handelt es sich um einen sehr starken Hemmer der Talgproduktion, der entfernt mit dem Vitamin A verwandt ist. Allerdings erkauft sich der Anwender die Wirkung mit teilweise sehr lästigen Nebenwirkungen wie dem Aufspringen der Lippen, möglichem Haarausfall und Verminderung der Tränenflüssigkeit. Darüber hinaus muss das Blutbild regelmäßig kontrolliert werden. Isotretinoin führt, nimmt die Mutter das Mittel während der Schwangerschaft ein, immer zu schwersten Geburtsfehlern und Behinderungen beim Kind, es ist absolut fruchtschädigend oder teratogen. Daher dürfen Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter das Mittel nicht nehmen. Ausnahmen können nur gemacht werden, wenn es während und mindestens ein halbes Jahr nach der Einnahme sicher zu keiner Schwangerschaft kommt. In jedem Fall wird die Aufklärung über die genannten Probleme in einem Begleitheft für den Patienten dokumentiert.

Kostenübernahme

Die beschriebenen äußerlich anzuwendenden Mittel und die kosmetische Behandlung werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Daher entsteht manchmal ein gewisser Druck, früher als notwendig auf Antibiotika und andere auszuweichen, die weiterhin  übernommen werden. Davon ist natürlich abzuraten.

© medizin.de 2006-2018 (Dr. med. Dipl. Inf. Berthold Gehrke) zuletzt aktualisiert 11/2017

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an dieser krankhaften Schwermut, für die es scheinbar keine Erklärung gibt. Depressionen rauben uns die Lebensfreude, selbst wenn es dafür keine erkennbare Ursache gibt. Es handelt sich um eine Volkskrankheit und keineswegs um eine vorübergehend schlechte Laune. Depressionen sind eine ernste Erkrankung die behandelt werden muss. Zur Therapie gehören auch Medikamente wie Fluoxetin. Das Antidepressivum bessert nicht nur die Stimmung, es lindert auch ein verbreitetes sexuelles Problem der Männerwelt.

Depressionen nehmen zu

Weltweit leiden mehr als 320 Millionen Menschen an Depressionen. Die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen. Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit gehen davon aus, dass die Depression bis zum Jahr 2020 die weltweit zweithäufigste Volkskrankheit sein wird. Nur an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden noch mehr Menschen. Umso positiver ist zu bewerten, dass Depressionen sehr gut behandelt werden können. Fluoxetin verhilft Ihnen zu einer besseren Grundstimmung. Zudem ermöglicht es Männern mit vorzeitigem Samenerguss längeren Sex.

Eines der ersten modernen Antidepressiva

Die ersten Antidepressiva wurden in den fünfziger Jahren verkauft. Die „alten“ Vertreter heißen „trizyklische Antidepressiva“. Die Zulassung von Fluoxetin im Jahr 1987 läutete eine neue Zeit in der Depressions-Behandlung ein. Sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wirken sehr spezifisch, sind hochwirksam und besser verträglich. Die gefürchtete Gewichtszunahme kommt – auch bei Fluoxetin seltener – vor.

Fluoxetin galt lange als erster SSRI, diese Behauptung wurde aber zwischenzeitlich zurückgezogen. Der wenig bekannte Wirkstoff Zimelidin ist noch älter. Fluoxetin ist aber das erste SSRI, das weltweit große Bekanntheit erlangte. Und es wurde zu einem der ersten „Blockbuster-Drugs“. So werden Präparate bezeichnet, die ihrem Hersteller einen Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar bescheren.

Serotoningehalt im Gehirn wird gesteigert

Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff im Gehirn. Auch in unserem Magen-Darm-Trakt und im Blut ist die Verbindung vorhanden. Sie kennen Serotonin vielleicht unter der Bezeichnung „Glückshormon“. Ebenso wie Endorphine steigert die Substanz unsere Stimmung. Forscher vermuten hinter Depressionen einen Serotonin-Mangel im Gehirn. Auch unter Experten war diese Behauptung lange umstritten. Viele Ärzte und Patienten konnten sich nicht vorstellen, dass die krankhaft niedergedrückte Stimmung eine körperliche Ursache wie ein Herzinfarkt oder eine Grippe hat.

Heute ist diese Tatsache wissenschaftlich weitestgehend untermauert. 80 Prozent aller depressiven Patienten sprechen auf Serotonin-steigernde Medikamente wie Fluoxetin an. Serotonin ist an der bioelektrischen Reizübertragung im Gehirn beteiligt. Liegt zu wenig davon vor, funktioniert die Weiterleitung nicht mehr richtig. Fluoxetin verhindert, dass Serotonin nach einer Signalübertragung wieder in die Nervenzelle aufgenommen wird. Dadurch steigt der Anteil im Nervenwasser und die Stimmung bessert sich. Auch Ängste werden durch Fluoxetin gelindert.

Wofür wird Fluoxetin angewendet?

Haupteinsatzgebiet des Antidepressivums Fluoxetin sind Depressionen. Kombiniert mit einer Psychotherapie und Sport können Sie mit einer deutlichen Besserung Ihrer Beschwerden rechnen. Erfolgreich eingesetzt wird Fluoxetin auch bei Zwangsstörungen und Bulimie. Auch außerhalb der Psychiatrie genießt das Antidepressivum einen guten Ruf. Es verzögert den Samenerguss erheblich und wird hierfür von Urologen verschrieben. Mittlerweile gibt es aber mit Dapoxetin einen ähnlichen Wirkstoff, der speziell zur Behandlung des vorzeitigen Samenerguss zugelassen ist.

Antidepressive Wirkung tritt spät ein

Wie bei vielen Antidepressiva setzt der antidepressive Effekt frühestens nach 14 Tagen ein. Bis zur vollständigen Wirksamkeit können sechs bis acht Wochen vergehen. Setzen Sie das Fluoxetin keinesfalls eigenständig ab. Sie brauchen Geduld; bei acht von zehn Patienten schlägt es an. Die Wirkung auf den vorzeitigen Samenerguss stellt sich hingegen bereits nach einer Tablette ein. Auch die Antriebssteigerung erfolgt rasch, was bei selbstmordgefährdeten Patienten beachtet werden muss. Die gesteigerte Aktivität könnte sie zur Verwirklichung ihrer Pläne motivieren.

Die Einnahme von Fluoxetin

Anders als alte Antidepressiva macht Fluoxetin nicht müde. Im Gegenteil, es wirkt antriebssteigernd. Nehmen Sie die Tablette daher morgens mit etwas Wasser ein. Ob Sie dies nüchtern oder nach dem Frühstück tun ist unerheblich. Sollten Sie eine höhere Einzeldosis nicht vertragen, können mehrere Einnahmen über den Tag erfolgen. Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Indikationen:

  • Gegen Depressionen und andere psychiatrische Erkrankungen müssen Sie Fluoxetin täglich über einen langen Zeitraum einnehmen
  • Die Wirkung auf den vorzeitigen Samenerguss tritt sofort ein. Hierzu genügt es, wenn Sie bei Bedarf eine Tablette wenige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr nehmen

Die Aufnahme von Fluoxetin erfolgt über den Darm. Etwa sechs Stunden nach der Einnahme erreicht der Wirkstoff die maximale Konzentration im Blut. Der Abbau findet in der Leber statt, wobei Fluoxetin mit zwei bis vier Tagen eine relativ lange Halbwertszeit besitzt. Fluoxetin verbessert die Stimmung nur, wenn auch eine Depression vorliegt. Die Einnahme bei einem Gesunden hat keinerlei Effekt. Das unterscheidet Antidepressiva von vielen Drogen, die Ihren Konsumenten ein kurzes Hochgefühl vermitteln, bevor es zum seelischen Absturz kommt.

Wie wird Fluoxetin dosiert?

Es gibt zahlreiche Präparate mit dem Wirkstoff Fluoxetin auf dem Markt. Meistens sind die Tabletten in einer Dosierung von 10, 20 und 40 Milligramm erhältlich. Es gibt das Medikament auch als Lösung. Die Dosis ist abhängig von der Erkrankung, gegen die Sie das Antidepressivum einnehmen:

Dosis bei Depressionen

Hier beträgt die tägliche Standarddosis 20 Milligramm. Bei Bedarf kann diese auf bis zu 60 Milligramm gesteigert werden. Die Behandlung sollte mindestens ein halbes Jahr weitergeführt werden, wenn sich die Symptome zurückgebildet haben. Andernfalls droht ein Rückfall (Rezidiv).

Dosis bei Zwangsstörungen

Genau wie bei der Depression liegt die Standarddosis bei 20 Milligramm pro Tag. Bei ausbleibender Besserung wird Ihr Arzt eine höhere Tagesdosis von bis zu 60 Milligramm empfehlen. Klingen die Beschwerden auch dann nicht ab, ist ein Medikamentenwechsel zu erörtern.

Dosis bei Bulimie

Hier liegt die tägliche Dosis höher und standardmäßig bei 60 Milligramm.

Fluoxetin bei Kindern und älteren Menschen

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten für gewöhnlich 20 Milligramm pro Tag. Eine Dosis-Steigerung sollte nur unter Vorsicht erfolgen. Bei betagten Patienten beträgt die Höchstdosis für alle Anwendungsgebiete zwar 60 Milligramm. Ihr Arzt wird aber versuchen, nicht über 40 Milligramm hinauszugehen.

Fluoxetin gegen vorzeitigen Samenerguss

Anders als bei den sonstigen Einsatzgebieten wird das Fluoxetin hierbei nur bedarfsweise gegeben. Wenn Sie unter einem vorzeitigen Samenerguss leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Gegebenenfalls verschreibt er Ihnen Fluoxetin. Nehmen Sie dies wenige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr ein. Welche Dosis für Sie am besten ist, werden Sie mit der Zeit herausfinden. Auch Ihr Arzt kann Sie in diesen Fragen kompetent beraten.

Welche Nebenwirkungen hat Fluoxetin?

Fluoxetin ist gut verträglich. Dennoch gibt es einige typische Nebenwirkungen. Fast immer kommt es in den ersten Wochen nach Einnahmebeginn zu einer auffallenden Mundtrockenheit. Auch die Nasenschleimhäute können etwas austrocknen. Ebenfalls sehr häufig klagen Patienten über Durchfall. Die Samenerguss-verzögernde Wirkung von Fluoxetin empfinden die einen als segensreich, andere leiden darunter. Viele Nebenwirkungen schwächen sich mit der Zeit ab. Die Lust auf Sex (Libido) verringert sich häufig. Mit einer Gewichtszunahme ist eher selten zu rechnen.

Weitere unerwünschte Wirkungen

Im Rahmen der Fluoxetin-Einnahme sind weitere unerwünschte Wirkungen möglich. Wenn Sie diese bei sich beobachten, informieren Sie Ihren Arzt. Manche Nebenwirkungen sind auch harmlos und vergehen mit der Zeit. Als weitere Nebenwirkungen können auftreten:

  • starkes Schwitzen (Hyperhidrose)
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Hitzewallungen
  • Brustschmerzen
  • Blutdruckanstieg
  • Sehstörungen
  • EKG-Veränderungen (Verlängerung des QT-Intervalls)
  • Serotonin-Syndrom
  • Leberfunktionsstörungen
  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Selbstmordgedanken
  • Wahnsinn

Gerade die zwei letztgenannten Effekte treten extrem selten auf. Aufgrund der potenziell EKG-verändernden Eigenschaften von Fluoxetin sollten Sie sich diesbezüglich regelmäßig untersuchen lassen. Fluoxetin ist aber insgesamt ein sehr verträgliches und wirksames Medikament.

Vorsicht bei weiteren Medikamenten

Fluoxetin verursacht in den meisten Fällen weder schwere Nebenwirkungen noch macht es süchtig. Zu beachten ist jedoch, dass die gleichzeitige Einnahme mancher Medikamente kritisch sein kann. Das gilt insbesondere für Arzneimittel mit Wirkung auf das Gehirn. Weitere Antidepressiva (vor allem SSRI und MAO-Hemmer) können den Serotoninspiegel zu stark erhöhen. Dann droht das Serotonin-Syndrom; einen Notfall, verbunden mit Herzrasen, Aggressivität, Halluzinationen und Muskelzuckungen.

Fluoxetin wird über die Leber abgebaut. Wenn Sie weitere Arzneimittel mit gleichem Abbauweg (Metabolismus) verwenden, sind Wechselwirkungen möglich. Problematisch ist diesbezüglich die gleichzeitige Einnahme von Fluoxetin mit folgenden Wirkstoffen:

  • Beruhigungsmittel (Sedativa)
  • Betablocker
  • Medikamente gegen Epilepsie (Antikonvulsiva)

Gerinnungshemmer werden langsamer abgebaut

Gleichzeitig eingenommene Gerinnungshemmer (Antikoagulantien) erhöhen das Blutungsrisiko, da sie durch Fluoxetin langsamer von der Leber verstoffwechselt werden. Schwangere und Stillende sollten kein Fluoxetin einnehmen, da hierzu noch keine ausreichenden Studien vorliegen. Während der Einnahme sollten Sie zudem keinen Alkohol trinken.

Fluoxetin: Wertvoller Helfer bei Depressionen

Fluoxetin kann Ihnen bei der Überwindung einer depressiven Episode helfen. Wichtig sind eine ausreichend lange Einnahme und die richtige Dosierung. Selbst wenn Ihre Beschwerden verschwunden sind, setzen Sie den Wirkstoff nicht sofort ab. Fluoxetin sollte noch mindestens sechs Monate weitergenommen werden, um einen Rückfall zu vermeiden.

Ideal ist die Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und regelmäßigem Sport. Schwer depressiven Patienten fällt es schwer, über Ihre negativen Gedanken zu sprechen. Erst durch Arzneimittel wie Fluoxetin werden sie in die Lage versetzt, sich dem Therapeuten zu öffnen. Alleine das macht diesen Wirkstoff schon wertvoll.

© 2014 – 2017 medizin.de (Gunnar Römer)

Citalopram

April 30, 2018

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und jede Form der Hoffnung ist in weite Ferne gerückt. Die Depression gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen in unserem Land. Zwischen fünf und sieben Prozent aller Deutschen leiden unter einer behandlungsbedürftigen Form des seelischen Leidens. Das sind in Zahlen ausgedrückt knapp sechs Millionen Bürger. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Etwa 12.000 Menschen begehen in der Bundesrepublik Deutschland – einem der reichsten Länder mit dem höchsten Lebensstandart – Jahr für Jahr Selbstmord. Dabei bedeutet eine vorübergehend gedrückte Stimmung noch nicht sofort einen Absturz in die Krankheit. Bleiben die Symptome allerdings länger als drei Wochen bestehen, sollten Sie ein Arzt aufsuchen. An diesem Punkt angelangt, kann das Antidepressivum Citalopram verhältnismäßig schnell und schonend Abhilfe schaffen.

Psychopharmaka als Helfer in der Not?

Es existieren verschiedene Therapiemöglichkeiten bei Depressionen. Eine wichtige Säule hierbei sind Medikamente wie Citalopram. In einem langjährigen „Glaubenskrieg“ stritten Forscher über die Ursachen der Schwermut. Lange galt die Vorstellung als undenkbar, Depressionen könne schlicht ein Ungleichgewicht biochemischer Substanzen im Gehirn des Patienten zu Grunde liegen. Das seelische Leiden als organische Erkrankung wie ein Herzinfarkt – es brauchte lange, bis sich diese medizinische Tatsache durchsetzte.

Freilich liefert die Chemie nicht alle Antworten. Aber es gilt als bewiesen, dass ein Mangel an bestimmten Botenstoffen verantwortlich für die seelische Erkrankung ist. Citalopram greift in den Hirnstoffwechsel ein und stellt das Gleichgewicht wieder her. Neben Faktoren wie die Verhaltens- und Sporttherapie gehören Medikamente fest zum Behandlungsplan. Über 80 Prozent der Depressiven spricht auf Antidepressiva an. Besonders effektiv ist eine Kombination aus Citalopram und Psychotherapie.

Citalopram: Ein moderner Vertreter

Antidepressiva existieren seit den 1950er Jahren. Die ersten Vertreter dieser Wirkstoffklasse waren die sogenannten trizyklischen Antidepressiva. Diese existieren bis heute, gelten aber als nebenwirkungsreicher als die Antidepressiva der neuen Generation. Die älteren Präparate wirken wenig spezifisch, sie greifen im Grunde genommen in mehrere Systeme ein. Dabei verändern sie den Haushalt der Signalstoffe Dopamin, Serotonin und Noradrenalin.

Citalopram gehört zu der neuen Klasse der Antidepressiva, den Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Wie der Name dieser Wirkstoffklasse bereits verrät, wirkt Citalopram nur auf den Serotoninhaushalt. Diese hohe Spezifität ist es auch, die für das wesentlich günstigere Nebenwirkungsprofil von Citalopram und verwandten Arzneistoffen sorgt.

Steigerung des Serotoningehaltes im Gehirn

Serotonin ist eine chemische Verbindung, die im menschlichen Körper an vollkommen unterschiedlichen Stellen zu finden ist: Im Gehirn als Botenstoff an Nervenendigungen, als Gewebshormon, frei zirkulierend im Blut und im Magen-Darm-Trakt. Für die Entstehung von Depressionen ist seine Funktion im Zentralnervensystem von Bedeutung. Serotonin sorgt für eine aufgehellte Stimmung, weswegen es im Volksmund mitunter als „Glückshormon“ bezeichnet wird.

Weiterhin vermindert ein ausreichend hoher Serotoninspiegel Ängste.

Es gilt als sicher, dass bei vielen Formen der Depression eine zu geringe Konzentration an freiem Serotonin im Hirnwasser vorliegt. Patienten leiden dann an einer niedergedrückten Stimmung. Nachdem der Botenstoff seine Wirkung an der Synapse entfaltet hat, wird er wieder in die vorangehende Nervenzelle aufgenommen und steht nicht mehr für eine Wirkung zur Verfügung. Genau hier greift das Citalopram ein: Es blockiert die Mechanismen, die das Serotonin wieder in das Innere der Zelle transportieren. Der Gehalt und die Produktion des Botenstoffs steigen.

Wirkung lässt auf sich warten

Auch wenn Citalopram zu den am häufigsten verschriebenen, wirkungsvollsten und nebenwirkungsärmsten Antidepressiva gehört, in einer Hinsicht gleicht es allen anderen Präparaten dieser Wirkstoffklasse: Bis der heiß ersehnte Effekt der Stimmungsaufhellung beginnt, vergehen mindestens 14 Tage. Die volle Wirkung von Citalopram entfaltet sich manchmal erst nach sechs bis acht Wochen. Bleiben Sie geduldig. In den ersten Tagen der Einnahme ist keine positive Wirkung zu erwarten. Und das ist vollkommen normal. Manchmal verschlechtern sich die Symptome gar anfangs.

Da der antriebssteigernde Effekt bereits weit vor der Stimmungsaufhellung einsetzt, besteht eine gewisse Gefahr, dass selbstmordgefährdete Patienten ihre Pläne in die Tat umsetzen. Hier ist eine genaue Beobachtung mitunter überlebenswichtig. Nehmen Sie Citalopram noch mindestens für ein halbes Jahr länger ein, wenn Sie sich wieder gesund fühlen. Ihr behandelnder Arzt kann Sie diesbezüglich beraten. Lange genug eingenommen, ausreichend hoch dosiert und in Kombination mit einer Psychotherapie bestehen beste Aussichten auf Heilung.  

Wie und in welcher Dosierung wird Citalopram eingenommen?

Citalopram wird in Form von Filmtabletten eingenommen. Diese stehen Ihnen in folgenden Dosierungen zur Verfügung:

  • 10 Milligramm Citalopram
  • 20 Milligramm  Citalopram
  • 30 Milligramm  Citalopram
  • 40 Milligramm  Citalopram

Die übliche Tagesdosis sind 20 Milligramm. Je nach Stärke der Beschwerden kann die Dosierung gesteigert werden. Die Höchstdosis beträgt 40 Milligramm pro Tag. Viele Ärzte empfehlen ein langsames Einschleichen mit 10 Milligramm. Umgekehrt sollte die Dosis beim Beenden der Einnahme langsam über einige Wochen reduziert werden. Citalopram wirkt anregend. Nehmen Sie die Tabletten daher morgens ein. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten mit einem Schluck Wasser erfolgen.

Welche Nebenwirkungen verursacht Citalopram?

Verglichen mit den Wirkstoffen der ersten Generation ist Citalopram nebenwirkungsarm. Manche sprechen sogar vom „Antidepressivum mit dem wenigsten Nebenwirkungen“. Tatsächlich tolerieren die meisten Menschen Citalopram sehr gut. Wie bei jedem Medikament können aber Nebenwirkungen auftreten. Beinahe jeder Anwender hat anfangs einen trockenen Mund. Auch Durchfall und starkes Schwitzen können auftreten. Viele Nebenwirkungen schwächen sich mit der Zeit wieder ab. Setzen Sie Citalopram nie eigenmächtig ab sondern fragen Sie Ihren Arzt.

Wie bei allen Antidepressiva treten meist sexuelle Funktionsstörungen auf. Fast immer bewirkt Citalopram beim Mann einen verzögerten Samenerguss. Diese Wirkung von Citalopram wird nicht selten bei Männern, die unter einem vorzeitigen Samenerguss leiden, ausgenutzt. Die Libido geht ebenfalls – gerade bei hohen Dosen – deutlich zurück. Allerdings ist die Lust auf Sex im Rahmen einer starken Depression ohnehin meistens gering. Durch die Besserung der Symptome kann das sexuelle Interesse also durchaus auch steigen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen von Citalopram

Häufig können auch weitere Nebenwirkungen auftreten, in den meisten Fällen verschwinden diese aber wieder. Der Körper muss sich schlicht erst an das Medikament gewöhnen.

  • Schlafstörungen
  • Aggressivität
  • Herzrasen
  • Erektionsstörungen
  • ausbleibender Orgasmus
  • Gewichtsveränderung
  • Juckreiz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Tinnitus
  • Erhöhung der Leberwerte
  • Konzentrationsstörungen
  • Alpträume
  • vermehrte Suizidalität

Folgen einer Überdosierung: Das Serotonin-Syndrom

Wie erwähnt erhöht Citalopram den Gehalt an Serotonin im Gehirn. Ist das Arzneimittel zu hoch dosiert oder wird mit weiteren Antidepressiva kombiniert, steigt der Serotoninspiegel zu stark. Die Folge ist das Serotonin-Syndrom. Dieser potenziell lebensbedrohliche Zustand zeigt sich insbesondere durch folgende Beschwerden.

  • starker Blutdruckanstieg
  • Schweißausbrüche
  • Durchfall
  • Herzrasen
  • Unruhe
  • Halluzinationen
  • Muskelzuckungen
  • Zittern
  • gesteigerte Reflexe
  • Aggressivität
  • Erbrechen
  • erweiterte Pupillen

Es handelt sich um einen Notfall, der sofort behandelt werden muss! Sie sehen: Das Motto „viel hilft viel“ gilt in der Medizin meistens nicht.

Scheuen Sie sich nicht vor der Einnahme

Halten Sie sich genau an die Einnahme-Empfehlungen Ihres Therapeuten. Dann steht Ihnen mit Citalopram ein hervorragendes Medikament zur Verfügung. Es kann nicht Ihre Lebensumstände ändern. Es kann Ihnen aber helfen, Ihr Leben wieder selber in die Hand zu nehmen. Scham ist hier eindeutig fehl am Platz. Ein Antidepressivum einzunehmen zeugt nicht von Schwäche, sondern vielmehr von Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit.

© 2013-2018 medizin.de (Gunnar Römer)

Tinnitus

Oktober 04, 2017

Sie haben große Angst vor der Stille. Während sich die anderen Menschen im lauten und hektischen Alltag oftmals nach totaler Ruhe und Geräuschlosigkeit sehnen, ist diese Vorstellung für eine mittlerweile sehr große Gruppe von Personen der Horror. Denn dort werden sie besonders von ihrem Störenfried gequält. Die Rede ist von Patienten, die unter einem Tinnitus leiden. Diese Menschen sind einem ständigen Ohrgeräusch ausgesetzt, dass die unterschiedlichsten Formen und Lautstärken annehmen kann. Pfeifen, Rauschen, Klopfen, Brummen – alle diese Beschreibungen hört man, wenn Tinnitus-Patienten über ihr Leiden klagen.

Für viele bedeutet der Tinnitus eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. Nicht wenige rutschen in die Depression ab. Besonders die vielfach fälschlicherweise vertretene Meinung, ein Tinnitus sei nicht behandelbar, verschlimmert die Verzweiflung der Betroffenen weiter. Oftmals beginnt ein Teufelskreis aus sozialem Rückzug, beruflichem Abstieg und Einsamkeit. Eine gute Gelegenheit für den Tinnitus noch mehr Besitz von seiner Geisel zu nehmen. Dabei ist es das Gegenteil, was die gequälten Personen bräuchten.

Noch immer ist der Tinnitus schwer greifbar. Was passiert da im Ohr? Warum lässt sich der Tinnitus so schwer beeinflussen? Werde ich je wieder ruhig schlafen können? Fragen über Fragen treiben die Tinnitus-Patienten oft um; seriöse Antworten finden sie nur beim Fachmann. Denn das Internet hat den Markt der Verzweifelten längst erschlossen und es wimmelt vor sogenannten „Heilmethoden gegen Tinnitus“. Diese sind in den meisten Fällen nicht nur wirkungslos, sondern wecken in den Patienten Hoffnungen, die unrealistisch sind. In ihrer Verzweiflung sind viele Tinnitus-Patienten sehr bescheiden geworden: Alles, was sie sich wünschen, ist einen Ort der Stille…

Der Tinnitus als Volkskrankheit

Bis zu 20 % der Deutschen sind mehr oder weniger von einem Tinnitus betroffen. 2 – 3 % leiden dabei sehr unter den Folgen der Symptomatik. Fast die Hälfte der Bevölkerung gibt an, bereits einmal unter einem vorübergehenden Tinnitus gelitten zu haben.

Die Ursachen des Tinnitus sind vielseitig

Bei einem Tinnitus handelt es sich nicht um eine Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern um ein Symptom. Ein Tinnitus kann die verschiedensten Ursachen haben und in nicht wenigen Fällen ist gar keine eindeutige Quelle auszumachen. Als besonders häufige Entstehungsursache für einen Tinnitus gelten Durchblutungsstörungen im Innenohr. Diese können durch verschiedenste Faktoren zu Stande kommen; im Prinzip gelten hier die Risikofaktoren, die auch bei anderen Durchblutungsstörungen bekannt sind. Rauchen, hoher Blutdruck und Gefäßerkrankungen (z. B. im Rahmen eines Diabetes mellitus) begünstigen eine Minderdurchblutung in den feinsten Blutgefäßen des Innenohrs.

Der Extremfall eines solchen vaskulären Geschehens im Ohr ist der Hörsturz, bei dem es zu einer völligen lokalen Blutleere kommt. Folge ist auch hier häufig ein Tinnitus. In der Bevölkerung sehr bekannt ist ein Zusammenhang zwischen Stress und Tinnitus. Vermutlich herrscht bei Stress ein allgemein erhöhter Muskeltonus, weswegen auch die gesamten Blutgefäße des Körpers etwas verengt sind. Dies kann dann wiederum zu einer schwächeren Durchblutung des Innenohres und damit zum Tinnitus führen. Ein Tinnitus ist weiterhin häufig Folge eines Knalltraumas oder einer Ohrverletzung. Plötzlicher großer Lärm führt praktisch immer zu einem zumindest vorläufigen Tinnitus. Durch den Knall registriert das Gehirn eine Schädigung im Innenohr und erzeugt kompensatorisch einen vom Betroffenen wahrgenommenen Ton – den Tinnitus. Oftmals bleibt dieser vom ZNS erzeugte Tinnitus dauerhaft bestehen und begleitet den Menschen auch nach Abheilung des Innenohrschadens weiter. Eine Mittelohrentzündung, Erkrankungen des Gleichgewichtsorganes (wie z. B. Morbus Menière), verschiedene Formen der Schwerhörigkeit oder Tumore sind ebenfalls Bedingungen, die einen Tinnitus hervorrufen können. Besonders oft kommt es zur Entwicklung eines Tinnitus beim Akustikusneurinom – ein gutartiger Tumor, der den Nervus vestibulocochlearis befällt und u. a. eine Hochtonschwerhörigkeit verursacht.
Die Einnahme bestimmter Medikamente – vor allem bestimmte Antibiotika – führt in einigen Fällen zum Tinnitus, ebenso wie eine Fehlstellung des Kiefers oder Probleme an der der Halswirbelsäule.

Das Pfeifen als Alarmzeichen eines ausgebrannten Körpers

Zweifelsohne ist Stress einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung eines Tinnitus. Wer ständig unter Zugzwang steht und keine Zeit für eine adäquate Entspannung findet, bei dem meldet sich nicht selten der Tinnitus als „Ventil“ des Körpers. Der Tinnitus kann in solchen Fällen durchaus als Hilferuf des überlasteten Organismus angesehen werden. Auch wenn der Leistungsdruck für jeden einzelnen in dieser sich immer schneller drehenden Welt zunimmt – jeder sollte die Warnsignale des Körpers ernst nehmen. Häufig ist ein stressbedingter Tinnitus das letzte Warnzeichen, bevor schlimmere Dinge wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Burn-Out-Syndrom oder die schwere Depression Einzug halten.

Man wird seinen Beruf oder sein Leben nicht um 180 Grad drehen können, wenn der Tinnitus sich meldet. Aber: Schon kleine Änderungen im Lebensstil können Stresssituationen signifikant entschärfen. Das frühere Aufstehen morgens mag eine halbe Stunde Schlaf kosten, man vermeidet dadurch aber vielleicht schon am Beginn eines Tages unnötigen Zeitdruck und Stress. Jeder Mensch kann leicht Entspannungsübungen wie das Autogene Training erlernen – es dauert ungefähr 20 – 25 Minuten. Diese Zeit sollte jeder irgendwie einkalkulieren können. Letztendlich geht es darum, das Warnsignal des Körpers ernst zu nehmen, bevor es zu spät ist.

Wenn das Geräusch nicht mehr gehen will – die Chronifizierung des Tinnitus

Häufig beginnt ein Tinnitus recht plötzlich; entweder über Nacht, oder eben durch ein bestimmtes Ereignis wie plötzlicher starker Lärm oder einen Hörsturz. Generell gilt: Je schneller der Patient in Behandlung kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, den Tinnitus wieder loszuwerden. Denn: Ein Tinnitus neigt praktisch immer dazu, von einer akuten in eine chronische Form überzugehen. Die genauen zugrunde liegenden molekularen Mechanismen sind noch nicht geklärt. HNO-Ärzte gehen davon aus, dass sich das Gehirn nach einer gewissen Zeit an den Tinnitus gewöhnt. Selbst wenn eine mögliche organische Ursache behoben ist, kann der Tinnitus somit weiterbestehen – vergleichbar mit dem Phantomschmerz einer amputierten Extremität. Besteht ein Tinnitus bis zu 3 Monate, spricht der Fachmann noch von der akuten Form, die häufig noch durch entsprechende Therapien in den Griff zu bekommen ist. Dauert das Geräusch länger als 3 Monate, handelt es sich um einen chronischen Tinnitus. Hier ist meistens keine Heilung mehr möglich.

Die Folgen eines unbehandelten Tinnitus

  • Kopfschmerzen
  • Ängste
  • Schlaflosigkeit
  • Depression
  • soziale Isolation
  • Suizidalität
  • Leistungsabfall
  • Müdigkeit

Die Diagnostik eines Tinnitus

  • Audiometrie (Hörtest)
  • Hirnstammaudiometrie
  • Analyse der Resiual-Inhibition
  • Bestimmung der otoakustischen Emissionen
  • Untersuchungen zur Schalleitung
  • gegebenenfalls bildgebende Verfahren zum Ausschluss oder Nachweis von Raumforderungen
  • Blutbild
  • Röntgenaufnahmen von Kiefergelenk und Halswirbelsäule

Das Ziel heißt Heilung – die Therapie des akuten Tinnitus

Gemeinhin gilt in Großteilen der Bevölkerung die Ansicht, ein Tinnitus sei niezu heilen. Diese Hypothese ist genauso falsch, wie auch kontraproduktiv; verunsichert sie die ohnehin schon leidenden Patienten noch mehr. Liegt ein akuter Tinnitus vor, sollte zunächst so schnell wie möglich versucht werden, diesen vollständig zu beseitigen. Dies geschieht für gewöhnlich durch die Gabe von hochdosierten Kortisonpräparaten und durchblutungsfördernden Arzneimitteln, wie z. B. Ginkgo. Im Grunde genommen verfährt der Therapeut hierbei immer gleich, egal ob und wenn ja welche Ursache dem akuten Tinnitus zu Grunde liegt. Häufig verbleibt der Patient für einige Tage auf der HNO-Station und bekommt die genannten Medikamente in mehreren Infusionszyklen.
Nach stationärem Aufenthalt folgen noch einige Wochen, in denen der Patient weiter Medikamente zur Besserung der Innenohrdurchblutung einnehmen muss.

Kampf um die scheinbar verlorene Lebensqualität – die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Da die Wissenschaft bis heute noch nicht genau weiß, wie ein Tinnitus chronisch wird, existiert derzeit leider keine Therapie, die die chronisch gewordene Form heilen kann. Das heißt aber keineswegs, dass sich der Tinnitus-Patient seinem Schicksal ergeben muss. Mittlerweile existiert eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten, die Lebensqualität bei Tinnitus zu erhöhen. Dabei lautet die Devise: Den Tinnitus möglichst aus dem Lebensmittelpunkt zu verdrängen und ihm die Aufmerksamkeit zu entziehen.

Als besonders hilfreich hat sich hier die sog. Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) gezeigt, die im Jahr 1990 von den US-amerikanischen Wissenschaftlern Hazell und Jastreboff in Baltimore (Maryland) entwickelt wurde. Es handelt sich um die mit Abstand wirkungsvollste und erfolgversprechendste Behandlungsmethode des chronischen Tinnitus. Mittlerweile wird die Tinnitus-Retraining-Therapie in vielen HNO-Kliniken weltweit angeboten. Das Behandlungskonzept gliedert sich in drei Bausteine:

  • Beratung: Hierbei werden dem Patienten möglichst umfassende Informationen über den Tinnitus gegeben. Aus dem Betroffenen soll eine Art „kleiner Experte“ gemacht werden, da bei möglichst vielem Wissen die Scheu vor dem Tinnitus oft nachlässt. Außerdem dient diese Beratung der Vorbereitung auf den Umgang mit dem Tinnitus.
  • Noiser: Nach Bestimmung der Frequenz des Tinnitus bekommt der Patient hier eine Art Hörgerät, genannt Tinnitus-Noiser, dass einen angenehmen Rauschton aussendet. Dieser darf in seiner Lautstärke nicht höher als der Tinnitus sein. Sinnvoll ist die Beschallung beider Ohren, mindestens 8 Stunden täglich über einen Zeitraum von 9 – 12 Monaten. Das für den Patienten angenehme Geräusch sorgt dafür, dass der Tinnitus zunehmend mehr überhört und an den Rande des Bewusstseins gedrängt wird.
  • Psychotherapie: Hierbei wird durchverhaltenstherapeutische Maßnahmen versucht, dem Patienten bei der Verarbeitung seiner Ängste und Nöte bezüglich des Tinnitus zu helfen. Der Patient erlernt Denkstrategien, mit denen er negativen Gedanken aktiv entgegentreten kann.

In besonders schweren Fällen empfiehlt sich eine Behandlung durch eine spezialisierte Tinnitus-Klinik. Grundsätzlich sollten Tinnitus-Patienten Entspannungstechniken erlernen und Orte mit kompletter Stille meiden. Ebenso bewirkt übermäßiger Lärm oft eine Verschlimmerung des Tinnutus.

Weitere Behandlungsoptionen

Ein Tinnitus entsteht nicht zwangsläufig im Ohr, sondern ist häufig im Gehirn lokalisiert. Diese Tatsache fanden Ärzte und Patienten gleichermaßen heraus, als man noch vor wenigen Jahren vermehrt auf eine operative Durchtrennung des Hörnerves setzte. War der Leidensdruck beim Tinnitus-Patienten sehr groß, entschlossen sich nicht wenige für diesen folgenreichen chirurgischen Eingriff. Das dabei logischerweise auch das Gehör der betroffenen Seite zerstört wurde, nahmen viele Patienten in ihrer Verzweiflung in Kauf. Doch nach der OP erwartete nicht wenige Patienten der Schock: Der Hörnervwar durchtrennt, aber der Tinnitus war weiterhin zu hören. Eine vorübergehende Verminderung des Tinnitus bringt bei manchen Patienten die Injektion eines Lokalanästhetikums. Dieses blockiert die Natriumkanäle an der Nervenzellmembran und verhindert damit die Ausbildung von Aktionspotenzialen, die ans Hirn weitergeleitet werden. Wird durch diesen Mechanismus auch die Intensität des Tinnitus verhindert? Sichere Antworten gibt es hier noch nicht. Fakt ist: Die Linderung hält nur kurzzeitig an und tritt nicht bei jedem Patient ein. Die hyperbare Sauerstofftherapie vermag beim akuten Tinnitus häufig zu helfen. Aber auch beim chronisch gewordenen Tinnitus wird regelmäßig versucht, durch dieses Verfahren zu intervenieren. Dabei atmet der Patient für mehrere Stunden hochdosierten Sauerstoff direkt über eine Atemmaske ein. In einigen Fällen kann eine Verminderung des Tinnitus erreicht werden. Auch der Fernöstlichen Medizin ist nicht entgangen, dass die Nachfrage nach wirkungsvollen Therapien gegen Tinnitus sehr hoch ist. So versuchen einige Therapeuten, ihre vom Tinnitus geplagten Patienten mit Akupunktur zu behandeln. Studien über Erfolge liegen hier kaum vor. Es ist gut vorstellbar, dass diese den gesamten Organismus berücksichtigende Therapiemethode positive Auswirkungen auf Erscheinungen wie den Tinnitus hat. Mit der Tinnitus-Retraining-Therapie zu vergleichen ist die Kunst mit den Nadeln aber keinesfalls. Schlussendlich bleibt noch eine sehr zukunftsträchtige Therapieoption, bei der schon erste Erfolge im Kampf gegen andere neurologische Störungen wie Parkinson, Epilepsie, Schizophrenie und Demenz erlangt wurden: Die Implantation eines Hirnschrittmachers. Dieses kleine elektrische Gerät sendet speziell definierte Elektroimpulse aus und vermag überaktive Nervenbahnen zu beruhigen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch die Therapie des Tinnitus in den nächsten Jahrzehnten in diese Richtung bewegen wird. Natürlich abhängig von den sich einstellenden Erfolgen.

© medizin.de 2013-2018 (Gunnar Römer)

Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) als Kombination verschiedener Symptome gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts – Schätzungen reichen von 5 bis zu 15 Millionen Betroffenen in Deutschland. Typisch für diese sog. funktionellen Darmstörungen sind teilweise schwere, die Patienten belastende Symptome – krampfartige, stechende Bauchschmerzen, Blähbauch; Durchfall und/oder Verstopfung – ohne fassbare organische Veränderungen.

„Ihnen fehlt doch nichts – organisch ist alles in Ordnung“ – viele Patienten sehen sich nach oft langwierigen Untersuchungen mit dieser „Diagnose“ konfrontiert, die Angst, es könnte doch etwas Ernstes sein, und die Beschwerden bleiben.

Bevor die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ gestellt wird, müssen andere, organische Erkrankungen ausgeschlossen werden, da verschiedene Ursachen oft ähnliche Symptome zeigen. Nach einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch (der sog. Anamnese) und einer eingehenden körperlichen Untersuchung wird der Stuhl auf Blut und Krankheitserreger untersucht. Blutuntersuchungen und eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) der Bauchorgane geben Aufschluss über organische Veränderungen. Zum Ausschluss bösartiger oder entzündlicher Erkrankungen sollte auf jeden Fall eine Darmspiegelung erfolgen.

Worauf beruht letztendlich die Diagnose „Reizdarm“ (Reizdarmsyndrom), nachdem keine organischen Ursachen festgestellt werden konnten? Auf 2 Konferenzen in Rom (deshalb Rom-Kriterien) haben sich Fachärzte auf eine Liste von Anzeichen geeinigt, die für Reizdarmsyndrom typisch sind:

Reizdarm? – Check-up

Haben Sie Bauchschmerzen oder Beschwerden, die
  • nach dem Stuhlgang besser werden
  • mit Veränderungen der Häufigkeit und /oder der Form des Stuhlgangs (Durchfall/Verstopfung) einhergehen
Zwei oder mehr der folgenden Beschwerden (als Begleitsymptome) an mind. 12 Wochen im Jahr
  • Aufgeblähter Bauch mit teils stechenden Schmerzen
  • Veränderte Häufigkeit des Stuhlgangs (mehr als 3 x / Tag oder weniger als 3 x / Woche)
  • Veränderte Stuhlform (wässrig oder sehr hart)
  • Veränderte Stuhlgewohnheiten (Zwang zum Pressen, starker Stuhldrang, Gefühl der unvollständigen Entleerung
  • Schleimabgang
  • Antibiotika-Therapie (auch länger zurückliegend)

(3 oder mehr der o.g. Symptome können auf einen Reizdarm hindeuten)

Treten Symptome wie Schmerzen, Veränderungen in der Häufigkeit des Stuhlgangs oder Beschwerden beim Stuhlgang entweder andauernd oder regelmäßig in gewissen Zeitabständen auf, so liegt ein Reizdarmsyndrom nahe.

Weitere Anhaltspunkte sind eine Besserung der Beschwerden bei längerer Entspannung (z.B. im Urlaub) und eine Verschlechterung unter Stress.

Interessanterweise können sich nach einer Darmspiegelung die Beschwerden wochenlang bessern, da bei der Untersuchung oft Verkrampfungen gelöst werden und der Darm in sich gedehnt und entspannt wird. Steht die Diagnose „Reizdarm“ fest, sollten eingreifende Untersuchungen nicht ständig wiederholt, sondern nur in mehrjährigem Abstand zur Vorsorge durchgeführt werden. Solange keine weiteren Symptome dazukommen, die den Verdacht auf eine organische Ursache geben, besteht kein Grund zur Besorgnis, wichtig ist dann vielmehr die Betroffenen von ihren Beschwerden zu befreien.

Was sind die Ursachen des Reizdarmsyndroms?

Verschiedene Faktoren können bei der Entstehung eine Rolle spielen, eine eindeutige Ursache gibt es nicht.

  • Bei Patienten mit Reizdarm ist die Schmerzempfindlichkeit des Darms und der umgebenden Schleimhäute erhöht, darüber hinaus scheint die Schmerzverarbeitung im Gehirn und Rückenmark verändert zu sein, mit der Folge, dass viel geringere Schmerzreize ausreichen, schwere Beschwerden hervorzurufen, oft genügt schon ein enger Hosenknopf oder einschneidender Rockbund, dass der in Alarm befindlichen Darm schmerzhaft reagiert. Die „Schmerzschwelle“ liegt einfach niedriger.
  • Stress oder seelische Belastungen können diese Empfindlichkeit erhöhen. Serotonin, ein Botenstoff, der zu 90 % im Darm gebildet wird und für die Schmerzweiterleitung zuständig ist: beim Reizdarmpatienten befindet sich dieses System fast dauernd im Alarmzustand.
  • Die Beweglichkeit des Darms ist beim Reizdarmsyndrom verändert. Normalerweise führt eine immer wiederkehrende Bewegung (Peristaltik) vom Dünn- zum Dickdarm zu einem Vorwärtstransport des Speisebreis. Beim Reizdarmpatienten ist oft nur eine kurz andauernde, rasch aufeinander folgende Bewegung feststellbar, der Darminhalt rauscht entweder zu schnell durch (Durchfall) oder er bleibt schwer wie Blei liegen (Verstopfung).
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten – z.B. die Unverträglichkeit von Milchzucker (Lactose) oder dem Süßstoff Sorbit und die Nebenwirkung von Medikamenten. Schmerzmittel, Antidepressiva und Blutdrucksenkende Medikamente können eine Verstopfung verursachen, während andere Arzneimittel wie u.a. Antibiotika direkt abführend wirken.
  • Patienten mit Infektionen und die mit Antibiotika behandelt wurden (teilweise auch nach länger zurückliegender Antibiotikaeinnahme) haben ein dreimal höheres Risiko ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln – manchmal erst Monate und Jahre später. Die Antibiotika unterscheiden nicht nach guten und schlechten Darmbewohnern, sie schädigen auch die „friedliche“, nützliche „Wohngemeinschaft“ –Fehlbesiedlung mit schädlichen Fremdkeimen sind die unangenehme Folge.

Welchen Einfluss hat die Darmflora?

Schon früh in unserem Leben – etwa gegen Ende des 2. Lebensjahres - stellt sich ein Gleichgewicht zwischen den Darmbewohnern ein. Gute und schlechte Einflüsse prägen damit das ganze spätere Leben, entscheiden, ob wir ein David oder Goliath in Sachen Verdauung sein werden. Im Darm eines Erwachsenen leben etwa 100 Billionen (100 000 000 000 000!) Mikroorganismen (Darmbakterien), bis zu 500 verschiedene Arten, 10-mal mehr als wir Körperzellen besitzen, in friedlicher Koexistenz zusammen – sie vertragen sich miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Besonders Escherichia-coli-Bakterien, die bereits den Säuglingsdarm besiedeln, schaffen die richtigen Lebensbedingungen im Darm. Ballaststoffe beispielsweise können von den körpereigenen Verdauungsenzymen nicht abgebaut werden, erst im Dickdarm mit Hilfe der dort vorhanden Darmflora werden die Ballaststoffe aufgespalten – Abbauprodukte, die für die Ernährung, Durchblutung und Schutz der Dickdarmschleimhaut von ausschlaggebenderBedeutung sind.

reizdarm
Abb. 1 Mikrokosmos Darm – die Abwehrlinien sind störanfällig

Diese „Wohngemeinschaften“ – die Darmflora – sind bis zum mittleren Lebensalter normalerweise ohne Einwirkung von außen stabil. Erst im Alter kommt es zu einer Veränderung der Zusammensetzung der Keime. Leider vertreiben wir die guten Darmbewohner schon früher durch eine Reihe von negativen Einflüssen – unser moderner Lebensstil, fehlende Ballaststoffe, Stress – gefährden die Existenz einzelner Bakterienarten und die friedliche Koexistenz. Dann erobern die krank machenden „Durchreisenden“ das Terrain, die Fehlbesiedelung des Darms ist vorprogrammiert: mit weit reichenden Folgen für die Verdauung, die körpereigene Abwehr und die Stoffwechselleistungen des Darms. Chronisch geworden mündet eine solche aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora in Folgebeschwerden wie Verstopfung, Infektionen mit Durchfall, Entzündungen, Allergien, Abwehrschwäche, Pilzbefall und das Reizdarmsyndrom.

Was hilft beim Reizdarm?

Viele Patienten fühlen sich mit der Diagnose „Reizdarm“ allein gelassen – doch es gibt Hilfe: eine gute Lebensführung und probiotische Keime bringen den Darm wieder ins Gleichgewicht und beruhigen den gereizten Bauch.

Wer unter Reizdarm leidet, sollte auf eine „darmfreundliche“ Kost mit Sauermilch-produkten, Gemüse, Obst und ausreichende Ballaststoffe achten. Fettreiche, blähen-de Speisen (z.B. Hülsenfrüchte), scharfe Gewürze, kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und Weißmehlprodukte sollten eher selten auf dem Speiseplan stehen. Das Gleiche gilt für Süßigkeiten. Jeder sollte seine persönlichen „Reizauslöser“ ausfindig machen!

Hilfreich kann regelmäßiger, maßvoller Sport (z.B. Fahrradfahren, Schwimmen, Walking), „Auszeiten“ zur Entspannung und zum Abbau des „negativen“ Stresses (Yoga, Entspannungsübungen oder autogenes Training) sein. Jeder weiß am besten, was ihm beim „Auftanken“ hilft.

Probiotische Keime, Laktobazillen und Bifidusbakterien für den Dünndarm, E.coli Stamm Nissle 1917 für die Dickdarmflora helfen dem Darm wider ins Gleichgewicht zurück – ohne Nebenwirkungen. Eine Reihe von Untersuchungen (ganz aktuell Plassmann D & Schulte-Witte H, Therapie des Reizdarmsyndroms mit E.coli Stamm Nissle 1917 (EcN) – eine retrospektive Untersuchung, Med Klin 2007, 102, 888-892) zeigten bei Reizdarmpatienten, die unter Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung und/ oder Durchfall litten, Verbesserungen durch die mehrwöchige Gabe der „guten“ Keime. Alle Symptome wurden signifikant verbessert bzw. normalisierten sich, u.a. bilden diese hilfreichen Darmbakterien beim Abbau vonKohlenhydraten (organische) Säuren, die wiederum den Wasserhaushalt und die Beschaffenheit des Stuhls beeinflussen können, ein niedriger pH-Wert durch Säuren vertreibt viele schädliche „ungebetene“ Keime. Die Therapie mit lebenden Bakterien ist kein neuer Therapieansatz – der Freiburger Hygieniker Prof. Alfred Nissle (1874-1965) berichtete bereits seit ca. 1920 über die erfolgreiche Behandlung verschiedener Darmerkrankungen, dazu gehörten die Symptome des Reizdarmsyndroms (Blähbauch, Durchfall und Verstopfung), Darminfektionen, Allergien und Entzündungen des Dickdarms. Den Keim, den er für diese Therapie einsetzte, war ein E.coli Stamm, den Prof. Nissle 1917 aus dem Stuhl eines Soldaten isoliert hatte, der im Gegensatz zu all seinen Kameraden gesund geblieben war und dem keine der vielen Darminfektionen etwas anhaben konnte. Das war die Geburtsstunde von E.coli Stamm Nissle 1917. Bis heute ist dieses probiotische Arzneimittel im Dienste der Darmgesundheit aktiv und stete Forschung erschließt immer neue Anwendungsgebiete.

In diesem Sinne bleiben und werden Sie gesund.

Quellen:

Henker J, Blokhin B, Bolbot J, et al. The probiotic E.coli Nissle 1917 stops acute diarrhoea in infants and toddlers. Eur Pediatr 2007;

Krammer HJ, Käniper H, Bünau R von, et al. Probiotische Azneimitteltherapie mit E.coli Stamm Nissle 1917 (EcN): Ergebnisse einer prospektiven Datenerhebung mit 3807 Patienten. Z Gastroenterol 2006, 44: 651-656;

Krammer HJ, Schlieger F, Härder H, et al. Probiotics as therapeutic agents in irritable bowel syndrome. Z Gastroenterol 2005, 43: 467-471;

Thompson WG, Longstreth GF, Drossman DA, et al. Functional bowel disorders and functional abdominal pain. Gut 1999; 45: Suppl 2: 43-47.

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Bluthochdruck

Oktober 04, 2017

Was versteht man unter Bluthochdruck?

Unser gesamter Körper, fast alle Gewebe und Zellen sind auf eine andauernde Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen. Ebenso ist der Abtransport von Abfallprodukten des Stoffwechsels und die Verteilung von Hormonen für unser Leben essentiell. Zu diesem Zweck muss unser Transportorgan – das Blut – mit genügend Druck durch unseren Körper gepumpt werden, um auch wirklich alle Gewebe ausreichend zu versorgen. Ist dieser sogenannte Blutdruck aber ständig und ohne physiologische Ursache (z. B. Anstrengung oder Stress) erhöht, hat dies weitreichende Konsequenzen für unsere Gesundheit. Bluthochdruck und seine Folgeerkrankungen zählen anhand der Todesfälle gemessen zu den tödlichsten Erkrankungen in unserer Zivilisation. Jedes Jahr sterben alleine in Deutschland 400.000 Menschen an den Folgen zu hohen Blutdruckes.

Bluthochdruck ist nahezu symptomfrei

Bluthochdruck selber verursacht dabei meistens keinerlei Symptome. Allenfalls ein Gefühl des Schwindels oder Kopfschmerzen können Anzeichen sein. Zu spüren bekommt der Patient erst die Folgeerscheinungen. Die bekanntesten Folgen von Bluthochdruck sind Herzinfarkt und Schlaganfall. Aber die schleichende Volkskrankheit zerstört noch wesentlich mehr Organe: Niere, Augen, Gefäße – alles leidet unter der andauernden mechanischen Druckbelastung. Häufig findet sich keine eindeutige Ursache für die Hypertonie. Trotzdem muss sich kein Patient seinem Schicksal ergeben: Bluthochdruck lässt sich heute relativ gut behandeln. Oftmals lässt sich sogar eine dauerhafte Einnahme von Medikamenten verhindern.

Ab wann spricht die Medizin von Bluthochdruck?

Um diese Frage genau zu beantworten muss man wissen, dass es zwei Blutdruckwerte gibt. Diese haben eine unterschiedliche Bedeutung und geben zeitlich getrennt die Blutdruckverhältnisse im arteriellen Gefäßsystem wieder. Die zwei Blutdruckwerte werden als Systole und Diastole bezeichnet:

  • Systole: Die Systole ist immer der „obere“ oder „erste“ Wert, den ein Blutdruckmessgerät anzeigt. Sie ist stets höher als die Diastole und gibt die arteriellen Druckverhältnisse während der Kontraktion des Herzens wieder. D. h. die Systole ist der Moment in dem das Blut aus der linken Herzkammer in den Blutkreislauf herausgepresst wird. Unter physiologischen Normalbedingungen ohne körperliche Anstrengung sollte dieser Wert zwischen 110 und 130 mmHg liegen.
  • Diastole: Die Diastole – der „untere“ Blutdruckwert – dokumentiert die Druckverhältnisse zwischen den Herzschlägen, also in der Entspannungs- bzw. Füllungsphase. Die Werte sind demnach immer niedriger als die Systole. Die normalen Werte im entspannten Wachzustand liegen bei 60 – 85 mmHg.

Von Bluthochdruck spricht man wenn:

  • der systolische Wert dauerhaft über 140 mmHg liegt, (in USA beträgt der Gernzwert 130 mmHg)
  • der diastolische Wert dauerhaft über 90 mmHg liegt.

Ursachen von Bluthochdruck

Bei rund 90 % der Patienten findet sich keine eindeutige einzelne Ursache. Hier liegt meistens eine Kombination verschiedener Auslösefaktoren vor. In diesem Fall spricht der Mediziner von primärem Bluthochdruck. Bei einem sekundären Bluthochdruck liegt eine eindeutig feststellbare Ursache für die Hypertonie vor. Hier gilt es in erster Linie die Grunderkrankung zu therapieren. Zu den typischen Auslösern von Bluthochdruck gehören:

  • Adipositas
  • genetische Prädisposition
  • zu hoher Konsum von Kochsalz
  • Rauchen
  • Alkoholismus
  • Stress
  • Stimulantien (z. B. Koffein oder Taurin)
  • Hormonstörung (Überschuss an Katecholaminen)
  • Vegetative Störungen, wie das Hyperkinetische Herzsyndrom
  • bestimmte Medikamente (orale Kontrazeptiva, Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Kortisonpräparate)
  • Nierenerkrankung
  • Stenose von Nierenarterien
  • Überaktivität von Nierennerven
  • Arteriosklerose
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Tumore die Katecholamine produzieren (z. B. das Phäochromozytom)
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Aorten-Isthmusstenose
  • Hyperlipidämie

Welche Symptome löst Bluthochdruck aus?

Eine der heimtückischen Eigenschaften der Volkskrankheit Bluthochdruck ist gerade die Tatsache, über einen langen Zeitraum hinweg keinerlei Symptome auszulösen. Daher wissen viele Menschen über Jahrzehnte gar nicht, dass sie an der unheilvollen Erkrankung leiden. Gegebenfalls können bei sehr hohem Blutdruck einige Krankheitszeichen ausgelöst werden:

  • Schwindel
  • Nasenbluten
  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus

Diese klinischen Zeichen können allerdings alle auch auf eine andere Erkrankung hindeuten. Bekannt und typisch sind die Spätfolgen, die ein Bluthochdruck mit sich bringen kann:

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Angina pectoris
  • Kurzatmigkeit
  • Luftnot
  • Niereninsuffizienz
  • Sehstörungen

Kommt es akut zu einer massiven Erhöhung der Blutdruckwerte auf über 230/130 mmHg handelt es sich um einen hypertensiven Notfall bzw. eine hypertensive Krise. Es besteht akute Lebensgefahr, da zahlreiche Organe nachhaltig geschädigt werden können.

Die Diagnose von Bluthochdruck

Um Bluthochdruck zu diagnostizieren ist die Blutdruckmessung Mittel der Wahl. Hiermit kann überprüft werden, ob der Blutdruck in der Norm oder darüber ist. Als Faustregel für die Diagnose gilt: Der Blutdruck muss bei mindestens zwei verschiedenen Messungen an zwei verschiedenen Tagen zu hoch sein, um einen Bluthochdruck diagnostizieren zu können. Allerdings sollte auch dies erst einmal eine Verdachtsdiagnose sein, da für die endgültige Bestätigung noch weitere Untersuchungen notwendig sind.

Hier sind insbesondere zwei besondere Varianten der Blutdruckmessung zu nennen:

  • Die 24-Stunden-Blutdruckmessung: Hierzu trägt der Patient eine Blutdruckmanschette über 24 Stunden am Arm, während in regelmäßigen zeitlichen Abständen der Blutdruck gemessen wird. In der Regel geschieht dies am Tag alle 15 Minuten und nachts alle halbe Stunde. Die Blutdruckwerte werden in einem zur Blutdruckmanschette gehörenden Gerät gespeichert und vom Arzt ausgewertet. Um den Blutdruck genauer interpretieren zu können ist es ratsam, dass der Patient notiert was er den Tag über getan hat. So ist es selbstredend, dass der Blutdruck beim Treppensteigen höher sein kann, als die Ruhewerte es sind.
  • Das Belastungs-EKG zeichnet neben den eigentlichen elektrischen Ableitungen des Herzens auch die Blutdruckwerte unter Belastung auf. Hierbei ist besonders entscheidend, wie lange der Blutdruck braucht um sich nach der körperlichen Belastung wieder zu beruhigen.

Ist der Bluthochdruck als solches eindeutig diagnostiziert gilt es, eventuelle auslösende Faktoren zu suchen. Sind diese für den Bluthochdruck verantwortlich sollte genau dort die Therapie ansetzen. Ein Bluthochdruckpatient sollte seinen Blutdruck auch regelmäßig selber zu Hause überprüfen. Um hier falsche Werte zu vermeiden, sollte vor der Messung 3 – 5 Minuten Ruhe gehalten werden.

Weiterführende Diagnostik

  • Ultraschall von Herz, Nieren und Schilddrüse
  • Blutuntersuchung (Nachweis von evtl. Hormonstörungen, Diabetes und Fettstoffwechsel- bzw. Elektrolytstörungen)
  • Urinuntersuchung
  • Glukosetoleranztest
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbes

Wie wird Bluthochdruck therapiert?

Die Therapie von Bluthochdruck richtet sich nach der Ursache. Konnte keine eindeutige Grunderkrankung gefunden werden, sollte der Lebensstil umgestellt werden. Im Folgenden sollen die wichtigsten Therapiemöglichkeiten von Bluthochdruck genannt werden:

  • Gewichtsreduktion
  • regelmäßiges Ausdauertraining
  • fettarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  • Stressabbau (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung)
  • Salzkonsum verringern
  • regelmäßige Blutspende

Die medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Therapie wird mit sog. Antihypertensiva durchgeführt. Dies sind Medikamente, die sich blutdrucksenkend auswirken. Hierzu gehören insbesondere folgende Gruppen:

  • Betablocker: Diese Wirkstoffe blockieren die Betarezeptoren am Sympathikus und am Herzen. An diese Rezeptoren würden normalerweise Adrenalin- und Noradrenalin-Moleküle andocken und damit eine Blutdruckerhöhung und Pulssteigerung vermitteln. Betablocker senken sowohl Blutdruck als auch die Herzfrequenz.
  • ACE-Hemmer: Antihypertensiva dieser Klasse senken den Blutdruck durch Einflussnahme auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System der Niere. Genauer gesagt hemmen sie das Angiotensin Converting Enzyme. Als Folge hieraus entsteht weniger gefäßverengendes Angiotensin II, dadurch sinkt der Blutdruck.
  • AT1-Antagonisten: Diese Arzneimittel blockieren die Rezeptoren für Angiotensin II und verringern somit – ähnlich den ACE-Hemmern – die Kontraktion der glatten Gefäßmuskulatur.
  • Diuretika: Sie fördern die Ausscheidung von Flüssigkeit und entlasten damit das Herz-Kreislaufsystem.
  • Calciumantagonisten: Hier gibt es verschiedene Mechanismen zur Blutdrucksenkung. Wirkstoffe aus der Gruppe der Dihydropyridine sorgen für eine Erschlaffung der Arteriolen. Folge ist eine geringere Nachlast, das Herz muss im Rahmen der Systole weniger Druck aufbauen. Medikamente vom Typ der Phenylalkylamine verursachen durch Blockade der Calciumkanäle am Herzen eine geringere Schlagkraft. Einige Calciumantagonisten kombinieren beide Wirkungsmechanismen.
  • Nitropräparate: Diese sorgen für eine sofortige Erweiterung der Herzkrankzgefäße und werden meistens als Spray verabreicht.

Optimal ist meistens eine Kombination aus pharmakologischer Therapie, regelmäßigem Ausdauertraining, Änderung der Lebensgewohnheiten und konsequentem Stressabbau. In jedem Fall lohnt es sich, Bluthochdruck rechtzeitig zu bekämpfen. Kaum eine Erkrankung hat so viele, teilweise fatale Folgen. Und wenige Erkrankungen sind oft so effektiv therapierbar.

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Arteriosklerose

Oktober 04, 2017

Der Blutfluss wird gestört

Wir nennen es den Saft des Lebens: Zwischen 5 und 7 Liter Blut bewegen sich jeden Tag unseres Lebens pausenlos durch den Körper.

Ohne Blut ist jedes menschliche Leben undenkbar. Die Flüssigkeit versorgt den Körper permanent mit den Dingen, die Gewebe und Zellen zum Überleben benötigen: Sauerstoff und Nährstoffe. Gleichzeitig werden Abbauprodukte und Abfälle des Stoffwechsels durch Blut abtransportiert. Weder das Immunsystem, noch die meisten Hormone könnten ohne den Transport durch die Gefäße an den Ort ihres Geschehens gelangen. Schlussendlich wäre nicht einmal eine konstante Körpertemperatur ohne das flüssige Organ möglich. Was aber, wenn dem Blut plötzlich der Weg abgeschnitten wird? Wenn einige Bereiche unseres so komplexen Organismus auf einmal nicht mehr mit den lebensnotwendigen Stoffen versorgt werden? Das Blut fließt nicht einfach so durch unseren Körper: Es ist auf ein umfangreiches Leitungssystem aus Gefäßen angewiesen. Diese Blutbahnen können bei gewissen Erkrankungen verengt werden – Fremdstoffe lagern sich an die Gefäßwände. Der Weg des Blutes wird somit immer weiter eingeengt mit möglicherweise katastrophalen Folgen für das hinter der Engstelle liegende Gewebe. Der Fluss des Lebens gerät ins Stocken – die Arteriosklerose nimmt ihren Anfang.

Arteriosklerose: Tödlicher als Krebs, Suizid und Verkehrsunfälle zusammen

Bereits im Jugendalter beginnt die Arteriosklerose durch Ablagerung von Partikel an der Arterienwand. Bis zu einem gewissen Grad ist dies vollkommen normal. Es ist selbstredend, dass die Blutgefäße eines 85-jährigen Mannes nicht mehr so frei und sauber sein können wie die eines Säuglings. Eine gewisse Arteriosklerose ist also normal. Bestimmte medizinische Faktoren können die Arteriosklerose allerdings signifikant beschleunigen und verstärken. Dabei können alle Arterien betroffen sein. Beschwerden verursacht die Arteriosklerose erst dann, wenn es zu einer deutlichen Unterversorgung des entsprechenden Körperareals mit Blut kommt. Häufig ist dann bereits Gewebe abgestorben und irreparable Schäden sind die Folge. Die bekanntesten Folgen einer Arteriosklerose sind Herzinfarkt und Schlaganfall. In beiden Fällen ist die Blutzufuhr durch Arteriosklerose zu einem Teil des jeweiligen Organs unterbunden – die Folgen sind Lebensgefahr und Organschäden. Derzeit sterben in Deutschland jährlich rund 342.000 Menschen direkt oder indirekt an Arteriosklerose. Neben Bluthochdruck ist Arteriosklerose der Todmacher schlechthin, mit allen Folgen für Gesellschaft und Gesundheitssystem.

Die tödliche Verschmutzung der Blutbahn – Wer ist besonders gefährdet?

Eine gewisse Arteriosklerose ist dem Alterungsprozess geschuldet und zunächst einmal nicht alarmierend. Bestimmte körperliche Voraussetzungen können die Arteriosklerose aber beschleunigen. Bekannt ist, dass erhöhte Blutfettwerte und Tabakgenuss Arteriosklerose fördern. Sicherlich sind dies auch die bedeutendsten Risiken für Arteriosklerose. Aber es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Arteriosklerose-Risikofaktoren.
Männer haben grundsätzlich ein erhöhtes Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken. Wissenschaftlich konnte dies bisher noch nicht zweifelsfrei geklärt werden, vieles spricht aber für hormonelle Ursachen. Ein fortgeschrittenes Alter stellt auch einen nicht beeinflussbaren Risikofaktor für Arteriosklerose dar – ebenso wie eine genetische Veranlagung.

Gutes und schlechtes Cholesterin

Grundsätzlich stellt ein erhöhter Cholesterinspiegel als solches noch nicht unbedingt ein großes Problem dar, vielmehr ist das Verhältnis zwischen den beiden Komponenten dieser Verbindung entscheidend für die Entstehung von Arteriosklerose:

  • das HDL-Cholesterin besitzt eine vor Arteriosklerose schützende Funktion, in dem es abgelagertes Cholesterin von den Wänden der Gefäße bindet und zur Leber transportiert, wo es weiter verarbeitet wird. HDL ist also eine Art „Gefäßreiniger“, folglich sollte dessen Blutspiegel ausreichend hoch sein (> 40 mg/dl).
  • das LDL-Cholesterin hat die Aufgabe, von der Leber gebildetes Cholesterin durch die Blutbahn in die Peripherie zu den Zellen zu transportieren. Dort wird es über Rezeptoren ins Zellinnere aufgenommen und verarbeitet. Ist der Gehalt an Cholesterin zu hoch und kann nicht ausreichend verarbeitet werden, lagert es sich an den Gefäßwänden ab und trägt zur Arteriosklerose bei. Demnach sollte zum Schutz vor Arteriosklerose der Wert unter 130 mg/dl gehalten werden.

Weitere Risikofaktoren der Arteriosklerose:

  • Grundsätzlich fördert Tabakgenuss Arteriosklerose besonders stark. Die im Zigarettenrauch enthaltenen Verbindungen, allen voran Teer, lagern sich im Epithel der Arterien ab. Insbesondere in Verbindung mit einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel steigt das Risiko für Arteriosklerose um den Faktor 10.
  • Blutfette aller Art korrelieren oft mit dem Anteil an Körperfett. Insofern ist mangelnde Bewegung und Übergewicht grundsätzlich ein Arteriosklerose begünstigender Faktor. Ein Mensch mit Adipositas muss zwar nicht zwangsläufig erhöhte Blutfette und Arteriosklerose haben, in vielen Fällen ist dies aber so.
  • Diabetes mellitus (I oder II) ist ein großer Risikofaktor für Arteriosklerose. Zuckerkristalle in Augen und Nieren führen zur Arteriosklerose mit den entsprechenden Folgen.
  • Bluthochdruck sorgt für eine Überbelastung der Arterien. Langfristig bilden sich so kleine Läsionen in der Gefäßwand. Fatale Folge: Diese anfangs sehr kleinen Risse bieten im Blut zirkulierenden Partikeln die ideale Möglichkeit, hängen zu bleiben und sich dort abzulagern und eine Arteriosklerose auszulösen. In der Folge sammeln sich immer mehr Plaques um die Risse, welche ihrerseits immer weiter aufplatzen, wodurch sich die Asrteriosklerose verschärft. Diese Stellen im Gefäß sind oft früher oder später von einem kompletten Gefäßverschluss betroffen.
  • einige internistische Erkrankungen bedingen auch ein erhöhtes Arteriosklerose-Risiko. Dazu gehören: Schilddrüsenüberfunktion, Chronisches Nierenversagen, Gicht, Rheumatoide Arthritis
  • schlussendlich fördert auch Stress die Arteriosklerose, ebenso wie bei Frauen ein Mangel an Östrogen während der Wechseljahre

Komplizierte biochemische Prozesse führen zur Katastrophe

Man darf sich die Arteriosklerose nicht als simplen Prozess vorstellen, in dem irgendwelche im Blut herum schwimmenden Partikel einfach an den Gefäßwänden hängenbleiben. Arteriosklerose ist ein hochkomplexer Vorgang:

  • Durch jahrelangen Bluthochdruck, Viren, bakterielle Gifte oder Entzündungen liegen kleine mechanische Schäden an der innersten Schicht der Arterie – wissenschaftlich als Intima bezeichnet – vor. Kleine Risse oder Löcher in der Gefäßwand sind Voraussetzung für den Beginn der Arteriosklerose.
  • Die kleinen Unebenheiten in der Intima sorgen für das Hängenbleiben und Anheften von bestimmten Typen weißer Blutkörperchen, den Monozyten. Diese reichern sich zunächst an den Läsionen an, werden zahlreicher und verstärken die Arteriosklerose.
  • Die Monozyten besitzen die Fähigkeit, sich in sogenannte Fresszellen zu verwandeln. Nachdem dieses zahlreich geschehen ist, dringen jene Fremdkörper aktiv weiter in das Gefäßepithel ein und vergrößern dadurch die bereits vorhandene Arteriosklerose bzw. Schädigung.
  • In die nun größere Öffnung der arteriellen Wand strömen neben weiteren Blutkörperchen auch massenhaft Zellen und Partikel. Dies sind v. a. das Arteriosklerose-fördernde LDL und Bindegewebsteilchen, die im Blut zirkulieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die gebildeten Fresszellen an ihrer Oberfläche zahlreiche LDL-Rezeptoren besitzen und damit mengenweise weiteres Cholesterin anziehen und fest binden.
  • Die Fresszellen versammeln unzählige Cholesterinteilchen um sich herum und werden so zu größeren, sogenannten Schaumzellen.
  • Diese Schaumzellen verursachen eine heftige Entzündungsreaktion, die zunächst auf die innere Gefäßschicht beschränkt ist, sich aber mit der Zeit auf die weiteren Kompartimente ausdehnt. Zuerst ist die mittlere, aus Muskulatur bestehende Schicht (Media) betroffen, ehe sich das entzündliche Geschehen auf die aus Bindegewebe bzw. Kollagen bestehende Außenschicht (Adventitia) ausdehnt.
  • Die in der gesamten Gefäßwand angehäuften Schaumzellen und die bestehende Entzündung bewirken einen allmählichen bindegewebigen Umbau der Arterie mit steigender Spannung auf die entsprechende Stelle.
  • Ab einem gewissen Zeitpunkt zerplatzt die gesamte entzündliche Stelle und ragt direkt in das Innere der Blutbahn hinein. Hier sammeln sich nun rasch weitere Fettmoleküle, rote Blutkörperchen und Bindegewebszellen, bis das Gefäß letztlich komplett verschlossen ist oder sich evtl. eine Thrombose bildet. Das Vollbild der Arteriosklerose ist erreicht.
  • Das hinter dem Verschluss liegende Gewebe wird nicht mehr mit Blut versorgt und kann dauerhaft geschädigt bleiben.

Kleiner Durchmesser – hoher Druck: Teulfelskreis Arteriosklerose

Bereits während des Prozesses der Arteriosklerose passieren unweigerlich zwei Dinge:

  • der Gefäßdurchmesser nimmt kontinuierlich ab
  • die Arterienwand verliert immer mehr an Elastizität

Folge dieser beiden Geschehen ist ein schnellerer und heftigerer Anstieg des Blutdruckes. Dies wiederum begünstigt die Entstehung weiterer Schädigungen und Blutleeren im Körper. Ein Teufelskreis hat begonnen….

Der stumme Killer und seine Folgen: Was richtet die Arteriosklerose an?

Die bekanntesten Folgen der Arteriosklerose sind – wie erwähnt – Herzinfarkt und Schlaganfall. In beiden Fällen kommt es als Konsequenz einer Gefäßengstelle zu einer Unterversorgung des muskulären bzw. neuronalen Gewebes. Sowohl Muskel- als auch Nervenzellen haben die Eigenschaft, sich nach Ende der embryonalen Entwicklung nichtmehr zu teilen, d. h. die Zellen, die nach einem Infarkt untergegangen sind, werden nicht mehr ersetzt. 80 % der Schlaganfälle entstehen auf diese Art. Die restlichen 20 % entstehen durch eine Hirnblutung, wobei auch hier die Ursache in einer Arteriosklerose liegen kann. Schon bevor ein Herzinfarkt eintritt, verursacht die Arteriosklerose Anfälle von Brustschmerzen. Ein Phänomen, das als Angina pectoris bzw. Koronare Herzkrankheit (KHK) bekannt ist. Auch die übrigen Gefäße können von Arteriosklerose betroffen sein. Besonders bekannt sind Arteriosklerose-Herde in den Beinen, die im schlimmsten Fall zum Absterben der Extremitäten führen können. Mediziner nennen das Phänomen die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAV). Häufig von Arteriosklerose betroffen ist auch die Niere, die auf eine Minderdurchblutung mit Unterfunktion reagiert. Aber bereits bevor es zu den lebensgefährlichen Arteriosklerose-Folgen kommt, zeigen sich die ersten Anzeichen einer Arteriosklerose beim Mann an einer anderen Stelle: Erektionsstörungen sind oft die ersten Vorboten einer Arteriosklerose.

Wie wird eine Arteriosklerose diagnostiziert?

  • Erhebung der Krankengeschichte
  • Blutuntersuchung
  • Herzkatheter
  • Angiographie
  • Ultraschall der Halsschlagader
  • Belastungs-EKG

Es muss nicht soweit kommen: Vorbeugende Maßnahmen

Arterioklerose kann jeden treffen. Gerade ein genetisch hoher Cholesterinspiegel stellt ein Problem dar, dem der Betroffene frühzeitig begegnen sollte. Prinzipiell empfiehlt sich eine fettarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Alkohol sollte nur in Maßen genossen und auf Tabak komplett verzichtet werden. Regelmäßiger Sport ist der beste Weg, Arteriosklerose zu vermeiden. Hierzu eignet sich am besten Ausdauertraining, mehrmals wöchentlich. Dies beugt auch Bluthochdruck und Übergewicht vor. So schwierig es ist: Jeder sollte versuchen, Stress möglichst zu umgehen. Ist der Alltag auch immer schneller und kurzlebiger, mit genügend Ausgleich und Entspannungsübungen kann übergroßer Stress vermieden werden.

Statine – Helfer im Kampf gegen Arteriosklerose

Im Falle einer familiären Hypercholesterinämie kann es passieren, dass der Cholesterinspiegel trotz gesunder Ernährung und  Sport nicht unter ein Arteriosklerose-fördernden Pegel gesenkt werden kann. Hier kann durch Arzneistoffe aus der Gruppe der Statine nachgeholfen werden. Statine sind Medikamente, die die Blutfette durch verschiedene Mechanismen senken und so vorbeugend bezüglich einer Arteriosklerose wirken. Als besonders wirksam haben sich Pharmazeutika mit der Wirkstoffkombination aus Simvastatin und Ezetimib erwiesen.

Die entsprechenden Arzneimittel sind bei Weitem nicht mehr so voller Nebenwirkungen und werden in den meisten Fällen gut vertragen. Liegt bereits ein Herzinfarkt oder Schlaganfall vor, so ist die Einnahme der Lipidsenker essentiell. In diesem Fall ist die Frage nach einer operativen Aufweitung der von Arterioklerose betroffenen Gefäße zu diskutieren. In jedem Fall sollte neben den genannten Änderungen der Lebensweise und Einnahme von Statinen eine dauerhafte Therapie mit Acetylsalicylsäure begonnen werden. Diese verringert das Risiko eines Blutgerinnsels und verringert so die Wahrscheinlichkeit eines erneuten kardiovaskulären Geschehens. Eines sollte jeder Patient unbedingt verinnerlichen: Es ist niemals zu spät, den Kampf gegen die Arteriosklerose aufzunehmen. © medizin.de 2013-2018 (Gunnar Römer)

Arteriosklerose bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „harte Ader“. Umgangssprachlich wird sie auch als „Arterienverkalkung“ bezeichnet und ist den Herzkreislauferkrankungen zuzuordnen. In den arteriellen Blutgefäßen der Betroffenen lagern sich Thromben, Bindegewebe und Blutfette ab. In der Folge verlieren die betroffenen Gefäße an Elastizität und die Arterienwände degenerieren. Herdförmige Plaques lagern sich ein und das Bindegewebe beginnt zu wuchern.

Arteriosklerose kann prinzipiell jedes arterielle Gefäß betreffen und steht als Sammelbegriff für eine ganze Gruppe von arteriellen Erkrankungen, deren klinisch häufigster Vertreter die Atherosklerose ist. Die Differenzierung von Arteriosklerose als Gruppe und Atherosklerose als Einzelerkrankung hat sich im klinischen Sprachgebrauch nicht durchgesetzt. Die beiden Begriffe werden daher meist synonym verwendet.

Jahrzehntelang schreitet die Arteriosklerose folgenlos und oft unbemerkt fort. Sie zählt zu den chronischen Erkrankungen und manifestiert sich im späteren Verlauf durch Folgen wie Thrombosen, Ischämien, Niereninsuffizienz, Angina pectoris, Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Folgeerscheinungen der Arteriosklerose zählen in den Industrienationen mittlerweile zu den verbreitetsten Todesursachen.

Ursachen

Der moderne Lebensstil birgt etliche Risikofaktoren für Arteriosklerose. Vor allem Ernährungsgewohnheiten wie übermäßiger Konsum von tierischen Fetten, Rauchen, Diabetes und Bewegungsmangel scheinen in diesem Zusammenhang eine Rolle zu spielen. Auch das Alter und Geschlecht werden als Risikofaktoren genannt. Die biochemische Pathogenese der Arteriosklerose ist nicht abschließend geklärt, doch zu den wahrscheinlichsten Hypothesen zählen die Response-to-injury- und die Lipoprotein-induced-atherosclerosis-Hypothese. 
Die erste geht davon aus, dass Schädigungen an der inneren Arterienschicht ausschlaggebend für eine Arteriosklerose sind. Solche Verletzungen können beispielsweise durch Traumata im Rahmen von Bluthochdruck oder mechanisch hervorgerufen werden. 
Für die zweite Theorie, die Lipoprotein-induced-atherosclerosis-Hypothese, ist eine solche Schädigung nur ein Teilschritt im Verlauf der Erkrankung. Hier werden sogenannte Low Density Lipoproteine von Fresszellen rasend schnell aufgenommen und zu Schaumzellen umgewandelt, die sich ausbreiten.

In beiden Theorien wird das Gewebe im Verlauf des Geschehens durch entzündliche Prozesse umgebaut. Reste von Lipoproteinen lagern sich innerhalb der Bindegewebskapsel ab und bilden die typischen Plaques. Aufgebrochene Plaques lösen Gerinnungsreaktionen aus, die eine weitere Verringerung des arteriellen Durchmessers nach sich ziehen. Die Arterie wird also in der Folge zusehends brüchiger.

Diagnose

Laborwerte wie Cholesterin, Blutzucker, HbA1c, Homocystein und Harnsäure ermöglichen Aussagen über das Arterioskleroserisiko eines Patienten. Bei entsprechenden Befunden wird die Diagnose mithilfe von Sonografie gestellt. Hier lassen sich die Halsschlagadern, die Gefäße, die Herzklappen, die Bauchaorta und die Beinarterien sowie die Herzkranzgefäße gründlich unter die Lupe nehmen.

Auch eine Angiografie der Halsschlagadern, der Herzkranzgefäße, der Bauchaorta und der Beinarterien kann über ein MRT (Magnetresonanztomografie) bzw. das Röntgen erfolgen, um Plaques und Umbauprozesse in den Arterien zu erkennen. Außerdem kann ein CT der Kranzgefäße und Bauchschlagader ein diagnostischer Schritt sein. Dasselbe gilt für ein NMR (Nuclear Magnetic Resonance – zu Deutsch: Kernspinresonanzspektroskopie) der Halsschlagadern und Aorta.

Therapie

Die Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten einer Arteriosklerose hängen vom Ausmaß und Fortschritt der arteriosklerotischen Prozesse ab. Auch wenn es abgedroschen klingt: Wer vorbeugen möchte, achtet auf ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährungsweise. Zu den diätischen Behandlungsschritten der Arteriosklerose zählt zum Beispiel hypokalorische Mischkost. Außerdem erfolgt eine blutdrucksenkende Therapie.

Gegebenenfalls wird auch noch das Cholesterin der Patienten gesenkt. Um einer Thrombose vorzubeugen, wird eine medikamentöse Thrombozytenaggregationshemmung mit Subtanzen wie ASS oder Clopidogrel vorgenommen. Zusätzlich stehen invasive Behandlungsverfahren zur Verfügung. Diese Operationen können einem Bypass am Herzen entsprechen oder Aufdehnungen und Stents umfassen.

Weitere Informationen

Da die Ernährung in der Prävention und Behandlung von Arteriosklerose eine entscheidende Rolle spielt, sollten Risikopatienten mit ihrem Arzt oder einem Berater so früh wie möglich einen Ernährungsplan erstellen. Ballaststoffe, gesättigte Fettsäuren, Arginin sowie Antioxidantien stehen auf dem Speiseplan. Gebackene, frittierte und gegrillte Speisen sowie verschiedene gehärtete Fette werden idealerweise vom Speiseplan verbannt.

Wenn die täglichen Hausaufgaben zur Tortur für Kind und Eltern werden, wenn der Gang zur Kirche zum Horrortrip wird, wenn sich das Kind nicht mehr konzentrieren kann, aufbrausend und kompromisslos ist, dann steckt oft ein Phänomen dahinter, von dem sich Experten bis heute unsicher sind, ob man es als Erkrankung ansehen kann. Die Rede ist von ADHS – dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom.

Meistens wird das Syndrom im Kindesalter festgestellt, häufig erst um die Zeit der Grundschule. Entgegen der landläufigen Meinung kann ADHS auch bei Erwachsenen auftreten, allerdings ist dieser Fall ungleich seltener. Rund die Hälfte der Kinder, die an ADHS erkrankt sind, verliert die Symptomatik mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Der Weg dorthin ist allerdings häufig sehr schwer und bedarf vieler Nerven und großer Geduld der Eltern, Freunde und Angehörigen. Die Verhaltensmuster, die ein ADHS-Patient mitunter an den Tag legt, können leicht von Zeitgenossen als Boshaftigkeit und Aggressivität missverstanden werden, weswegen betroffene Kinder nicht selten soziale Schwierigkeiten im täglichen Leben und insbesondere im Schulalltag bekommen.

Umso wichtiger sind sowohl eine angemessene Therapie, als auch eine Aufklärung der Mitmenschen über das Thema ADHS. In der Abkürzung ADHS steht der Buchstabe H für Hyperaktivität. Diese Eigenschaft weisen aber nicht alle Patienten auf, so dass es alternativ auch noch die Bezeichnung ADS gibt.
Etwas 500.000 Personen leiden in Deutschland an ADHS. Jungen sind dabei weitaus häufiger betroffen, als Mädchen; zwischen 85 % und 90 % entfallen auf das männliche Geschlecht.

Wie zeigt sich ADHS? Woran erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?

Wie der Name Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom bereits verrät, handelt es sich bei vorliegendem Phänomen um ein Syndrom. Dies bedeutet, dass es nicht das eine Krankheitsanzeichen gibt, sondern ein ganzer Komplex aus verschiedenen Symptomen vorliegt. Alle klinischen Anzeichen des ADHS können für sich alleine genommen auch Hinweis auf andere psychische Störungen, Sorgen oder Erkrankungen des Betroffenen hinweisen.
Die Kombination aus nachfolgend genannter Symptomatik führt zu der ärztlichen Diagnose ADHS. Kardinalsymptom ist eine sehr ausgeprägte Unfähigkeit, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren. Dabei sind die Schwierigkeiten besonders groß bei Dingen, hinter denen eingewisser Zwang steht. D. h. es fällt dem Kind nochmals schwerer, sich auf die Mathematikhausaufgaben zu konzentrieren, als die Aufmerksamkeit einem beliebten Buch oder Spiel zu widmen.

Grundsätzlich ist die Fähigkeit, sich für eine bestimmte Zeit auf eine spezifische Thematik einzulassen, sehr begrenzt und dies zeigt sich insbesondere in schulischen Tätigkeiten. Die Reaktionen auf äußere Reize, wie z. B. ein Rufen oder Ermahnen, sind aufgrund der verringerten Aufmerksamkeit verlangsamt. Bemüht sich das Kind dennoch, sich einer Tätigkeit hinzugeben und ein gewisses Maß an Konzentration aufzubringen, so ist es dennoch sehr leicht durch andere Reize ablenkbar. Folge ist dann oft, dass es von der bisherigen Tätigkeit ablässt und sich der neuen Aufgabe zuwendet

.Besonders auffallend bei ADHS ist eine sich sehr früh einstellende Ungeschicklichkeit bei der Ausführung von motorischen Aktivitäten. Beim gemeinsamen Abendessen der Familie fällt der Löffel eher fünf- als zweimal herunter. Auch das Erlernen von komplexen motorischen Fähigkeiten, wie Basteln, Zeichnen oder Schreiben ist erschwert und gelingt in vielen Fällen nicht zufriedenstellend. Viele ADHS-Kinder zeichnen sich weiterhin durch eine Erniedrigung der Aggressionsschwelle aus. Sie reagieren rasch ungehalten, werden wütend und tun dies lautstark kund. Hier kann es nicht selten im Laufe der Krankheitsgeschichte zu massiven Problemen beim Aufbau sozialer Kontakte kommen. Denn: Aggressive Kinder werden in der Schule oft gemieden.
Bleibt schlussendlich noch die Hyperaktivität.

Wie bereits erwähnt, kommt diese Eigenschaft nicht zwangsläufig im Rahmen des ADHS vor. Dennoch ist sie ein Charakteristikum des beschriebenen Störungsbildes; nennt man ADHS-Kinder umgangssprachlich auch oft „Zappelphillip“. Dabei fällt es den Betroffenen sehr schwer, ruhig zu sitzen und sich für eine bestimmte Zeit einmal nicht zu bewegen. Besonders problematisch sind Situationen, in denen ein gewisses Maß an Ruhe erwartet wird; z. B. in der Kirche oder beim Unterricht.

Wie entwickelt sich ADHS im Laufe des Lebens?

Erste Anzeichen für ADHS treten bereits im Säuglings- bzw. Kleinkindesalter auf. Sie sind dann allerdings noch nicht so charakteristisch, wie sie dies im Laufe der Entwicklung werden. Die Kleinkinder leiden zunächst oft unter Ein- und Durchschlafstörungen und wirken bereits zu diesem frühen Zeitpunkt nervös und unausgeglichen. Häufig leiden sie unter Durchfall und Blähungen, was typisch für Menschen mit Stress und großer Unruhe ist. Spezifischer wird die Symptomatik mit Beginn der Kindergartenzeit, da der Nachwuchs hier erstmalig vielen sozialen Kontakten außerhalb der Familie ausgesetzt ist. Gerade dieses Alter zwischen Säugling und Grundschulkind ist geprägt von motorischen Ungeschicklichkeiten wie dem Unvermögen, mit Messer und Gabel zu essen. Kaum stillbare Wutanfälle treten nicht selten auf, was den Aufbau von ersten Freundschaften signifikant erschwert.
Mit Start der Grundschule erreicht der Betroffene das Vollbild des ADHS; durch die nun erwartete Lerntätigkeit verschärfen sich die Konzentrationsdefizite zunehmend. Insbesondere Fähigkeiten wie die Rechtschreibung und Kopfrechnen fallen ADHS-Kindern schwer, was u. U. zuFrustration und aggressiven Verhaltensmustern führt. Durch das für die anderen Schüler nicht nachvollziehbare Verhalten wird der Patient mehr und mehr isoliert, der Frust steigt, die Leistungen werden schwächer, ein Teufelskreis beginnt. Charakteristisch ist ebenfalls die oft unleserliche Schrift, die auf die motorischen Probleme des Kindes hinweist. Beginnt die Pubertät, schlägt bei zahlreichen Menschen mit ADHS das aggressive Verhalten in depressive und trotzige Wesenszüge um. Oft ziehen sich die Jugendlichen zurück; das Risiko, einer Drogensucht zu verfallen ist erhöht. Im Erwachsenenalter bleiben die Symptome weitestgehend erhalten, was den Aufbau einer Partnerschaft, sowie die Integration in die Berufswelt zu erschweren vermag. Die Risikobereitschaft von ADHS-Patienten ist erhöht, wodurch sie häufiger als Nichtbetroffene an Autounfällen o. ä. beteiligt sind.

Bringt ADHS auch positive Eigenschaften mit sich?

Zweifelsohne sind ADHS-Patienten liebevolle Menschen, denen eine besondere Zuwendung zuteil werden sollte. So ungerecht und unverständlich ihr Verhalten auch erscheinen mag, sie machen es keinesfalls aus Boshaftigkeit. Auch wenn sie Schwierigkeiten in der Umsetzung haben – Betroffene sind vollkommen normal intelligent und besitzen nicht selten sogar außergewöhnliche Begabungen. Sie lassen sich enorm schnell für Dinge begeistern. Charakteristisch ist außerdem ein sehr ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit in sämtlichen Lebenslagen. Wenn es einem gelingt, sich mit den manchmal schwer verständlichen Verhaltensmuster eines ADHS-Betroffenen vertraut zu machen, kann es eine wahre Bereicherung für das Leben sein, mit einem solchen Menschen befreundet zu sein.

Diagnosestellung bei ADHS

Wie bei vielen Krankheiten aus dem Bereich der Psychiatrie lässt sich eine eindeutige Diagnose nur schwer stellen. Es ist nicht möglich, dem Patienten Blut abzuzapfen, einen Urinbecher zu füllen und das Röntgengerät anzuschalten und man erhält die Diagnose ADHS. Leider lassen sich viele, das Verhalten und die Psyche betreffende Erkrankungen so nicht nachweisen. Vielmehr gilt es hier, durch umfangreiche Beobachtungen, Patientenbefragungen, Aussagen der Eltern und Dokumentationen dem Kern der Symptomatik auf den Grund zu gehen. Grundlage der Diagnosestellung bei ADHS ist die Erhebung einer ausführlichen Anamnese bzw. die genaue Beleuchtung der Lebensgeschichte des Patienten. Dabei wird auch darauf geschaut, ob es in der Familie bereits ähnliche Phänomene gab. Komplikationen bei der Schwangerschaft scheinen ebenfalls ein Hinweis zu sein, der bei entsprechender Symptomatik die Diagnose ADHS stützt. Der Arzt muss weiterhin nachvollziehen können, wie sich die familiäre und soziale Situation der Familie darstellt. Obwohl sich ADHS nicht eindeutig durch bestimmte naturwissenschaftliche Parameter nachweisen lässt, gehört eine ausführliche körperliche Untersuchung zwingend zum Procedere dazu. Entscheidend sind letztendlich Attribute wie Impulsivität, Lern- und Konzentrationsstörungen, leichte Ablenkbarkeit und Ungeschicklichkeit, die zur Diagnosestellung führen. Zur genaueren Differenzierung zwischen krank und gesund existieren mittlerweile spezielle Testverfahren (ADHS-Test, IQ-Test), in denen die Fragen speziell auf ADHS abgestimmt sind. Ein bestimmter, durch die jeweiligen Antworten ermittelter Score bestätigt oder widerlegt die Diagnose. Schließlich sollten anderweitige Erkrankungen ausgeschlossen werden (Epilepsie, Depression, Hirntumor, etc.)

Was wird in einem ADHS-Test gefragt?

  • Bestehen Probleme, lang andauernde Tätigkeiten konzentriert auszuführen?
  • Werden verlangte Aufgaben zu Ende gebracht?
  • Dauert es mitunter sehr lange, bis das Kind auf Rufe reagiert?
  • Führt das Kind Dinge aus, um die es angehalten wird?
  • Ist es dem Kind möglich, auch kleine Details einer Sache zu erkennen?
  • Fällt es dem Kind schwer, still zu sitzen?
  • Gehen dem Kind viele Alltagsgegenstände verloren?
  • Lässt sich das Kind rasch von äußeren Reizen ablenken, obwohl es anderweitig beschäftigt ist?
  • Vermeidet das Kind anspruchsvolle Schulaufgaben?
  • Macht es viele Flüchtigkeitsfehler?
  • Ignoriert das Kind soziale Belange (wie z. B. andere ausreden lassen)?
  • Bestehen die Probleme bereits seit dem Kindergartenalter?

Wodurch wird ADHS ausgelöst?

Eine genaue Ursache für ADHS konnte bis heute nicht zweifelsfrei erkannt werden. Allerdings gilt es als sicher, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, d. h. es liegen vermutlich immer mehrere Faktoren gemeinsam vor, ehe es zum Vollbild der Störung kommt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eine Kombination aus genetischer Prädisposition, Störungen im sozialen Umfeld (wie z. B. ein Trauma, Trennung der Eltern, Misshandlungen, etc.) und erworbene Faktoren. Bei letzteren gelten Probleme bzw. Komplikationen während der Schwangerschaft oder dem eigentlichen Geburtsvorgang als wahrscheinlich. Genetische Veränderungen gelten deswegen als annähernd sicher bewiesen, da es sehr oft zu familiären Häufungen von ADHS kommt. Die Störung im Erbgut führt dazu, dass im Gehirn des Betroffenen der Neurotransmitter Dopamin in zu geringem Ausmaß vorliegt. Diesem Mangel folgt eine erschwerte Übertragung von elektrischen Impulsen im Gehirn. Der Zustand erklärt insbesondere das mangelnde Konzentrationsvermögen und die motorische Ungeschicklichkeit. Bestimmte Hirnareale verfügen außerdem über einen geringeren Energieverbrauch, was auf eine verminderte Aktivität in diesen Regionen schließen lässt. Rauchen und Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft wird als weiterer Risikofaktor in Erwägung gezogen. Evtl. stören die aufgenommen Toxine bestimmte Entwicklungsprozesse des kindlichen Gehirns.

Gibt es prophylaktische Maßnahmen gegen ADHS?

Genetisch determinierte Fakten lassen sich freilich nicht beeinflussen. Eine gesunde Lebensweise während der Schwangerschaft (Verzicht auf Alkohol und Tabak), sowie ein stabiles familiäres Umfeld vermögen das Risiko des Auftretens aber wahrscheinlich signifikant zu verringern.

Therapiemöglichkeiten bei ADHS

Je nach Ausprägung des ADHS existiert eine Reihe von Möglichkeiten, therapeutisch zu intervenieren. Wie erwähnt handelt es sich bei ADHS um ein Syndrom, dass durch zahlreiche Faktoren ausgelöst wird. Ähnlich sollte auch die Behandlung aus vielen, einander zuspielenden Faktoren bestehen. Fachbegriff hierfür ist die multimodale Therapie. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Pharmakologische Therapie durch psychostimulierende Arzneimittel wie Methylphenidat
  • umfangreiche Aufklärungsarbeit für den Patienten selber, aber auch für sämtliche Angehörige, Lehrer, Schulkameraden, Freunde, etc.
  • Betreuung der Eltern: Diese sollten durch spezifisches Elterntraining frühzeitig lernen, die häufig auftretenden Konfliktsituationen zu entschärfen und die Erziehung trotzdem bestmöglich zu gewährleisten.
  • Verhaltestherapie: Hierbei soll der Betroffene mit Hilfe eines erfahrenen Therapeuten erlernen, die Symptome besser zu kontrollieren, Konflikte zu vermeiden und das Aufmerksamkeitsdefizit soweit wie möglich zu verringern. Neben der Erhöhung der Leistungsfähigkeit steht als weiteres zentrales Ziel der Verhaltenstherapie die Möglichkeit zur Verbesserung sozialer Kontakte im Mittelpunkt.
  • Sporttherapie: Vor allem regelmäßiger Ausdauersport verringert die innerliche Unruhe und erhöht das Selbstbewusstsein des ADHS-Betroffenen. Eventuelle Vereinssportarten können die soziale Integration verbessern.
  • Psychotherapie: Hierbei werden die begleitenden Symptome, wie Angst und Depressionen behandelt.

Der Promi unter den Psychopharmaka – Methylphenidat

Viele kennen es – viele nehmen es: Methylphenidat! Das Medikament zur Erhöhung der Konzentration. Leider wird das hochwirksame und für ADHS-Patienten segensreiche Arzneimittel nicht immer verantwortungsvoll angewendet. Nicht wenige Menschen konsumieren es, um im Alltagsleben bessere Leistungen zu erzielen, ohne dabei krank zu sein. Methylphenidat gehört zur Wirkstoffklasse der psychostimulierenden Medikamente. Sie bewirken an den Synapsen eine Verlängerung der Wirkdauer der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin und damit eine verbesserte zentralnervöse Signalübermittlung. Das bei ADHS gestörte Verhältnis unter den Transmittern wird so wieder hergestellt und die Symptomatik bessert sich bei knapp 90 % der Patienten.

Alternative Arzneimittel gegen ADHS

Methylphenidat ist der Wirkstoff der Wahl. Wird dieser jedoch von einzelnen Patienten nicht vertragen, so kommen als alternative Präparate Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRA) wie z. B. Citalopram in Frage. Diese vermindern die Wiederaufnahme von Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt in den präsynaptischen Endkopf. Dadurch steigt die Konzentration von Noradrenalin im Hirnwasser.

Leben mit ADHS – keine unmögliche Aufgabe

Ohne Frage: ADHS stellt eine große Belastung sowohl für den eigentlich Betroffenen, als auch für Eltern, Angehörige und Freunde dar. Wichtig ist von Anfang an der offene und progressive Umgang mit dem Störungsbild. Je mehr die Mitmenschen und der Patient über das Syndrom wissen, desto besser lassen sich die Symptome in das Alltagsleben integrieren. Wie erwähnt steht heute eine breite Palette an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Nicht zuletzt die Pharmaforschung hat mit der Entwicklung des Wirkstoffs Methylphenidat dazu beigetragen, dass die früher
gefürchteten „vier Buchstaben“ viel von ihrem Schrecken verloren haben. Gelingt es, so früh wie möglich die medikamentöse Behandlung mit den anderen Modulen der Therapiepalette zu kombinieren, ist vom „Zappelphillip“ bald kaum noch die Rede. Der Patient kann sich auf ein weitestgehend normales und erfülltes Leben freuen. Vielleicht einfach nur manchmal etwas energiegeladener, als die Zeitgenossen… © 2013-2018 medizin.de (Gunnar Römer) zuletzt aktualisiert 01/2018

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS genannt, zählt zu den meist beschriebenen Krankheitsbildern bei Kindern und Jugendlichen. Besonders häufig kommt es im Alter zwischen sieben und zehn Jahren zur Diagnose. Der Grund dafür sind die typischen Symptome, die spätestens in der Schule auftreten. Bei den Kernsymptomen handelt es sich um:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit
  • gesteigerte Impulsivität
  • Hyperaktivität

Die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit lässt sich vor allem an Symptomen wie leichter Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten beim Befolgen von Anweisungen, fehlender Ausdauer, Problemen bei der Organisation von Aufgaben oder vielen Flüchtigkeitsfehlern bei Schulaufgaben erkennen.Betrifft die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsunbeständigkeit vor allem das Kind selbst, so schafft die gesteigerte Impulsivität auch im Umfeld Unruhe: ADHS-Kinder sind für ihr unvorhersehbares Verhalten bekannt, können nicht warten, platzen in das Spiel anderer Kinder hinein oder achten nicht auf mögliche Gefahren. Sie stören Erwachsenengespräche und haben Probleme damit, sich einer Situation anzupassen.Das dritte Kernsymptom ist die Hyperaktivität. Betroffene Kinder und Jugendliche haben Schwierigkeiten, still zu sitzen, sind ständig in Bewegung, ruhelos und zappelig. Ein exzessiver Kletterdrang fällt ebenso auf wie die übermäßige Lautstärke oder das Reden ohne Pause.

Ursachen

Warum Kinder und Jugendliche an ADHS erkranken, ist trotz intensiver Forschung in den letzten Jahrzehnten noch nicht vollständig geklärt. Fest steht aber, dass ADHS die Folge einer neurobiologischen Funktionsstörung im Gehirn ist. Die wichtigen Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin stehen in jenen Hirnarealen, die für Konzentration, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind, nicht ausreichend zur Verfügung. Die Neurotransmitter spielen bei der Verarbeitung von Reizen aber eine wichtige Rolle. Die Folge ist eine unzureichende Filterung und Weiterleitung der ankommenden Reize. Diese ständige Reizüberflutung führt zu den vielfältigen Symptomen von ADHS.

Eine wesentliche Rolle bei der Erkrankung dürfte die Vererbung spielen. Studien belegen, dass genetische Faktoren zu mehr als 50 Prozent für die Entstehung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung verantwortlich sind. Zudem können Umwelteinflüsse wie die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, die ständige Zunahme von Reizen, Probleme in der Familie oder fehlende Alltagsstrukturen die Entstehung von ADHS begünstigen oder den Schweregrad der Erkrankung beeinflussen. Vermutlich sind auch Komplikationen oder Belastungen währen der Schwangerschaft für die neurobiologische Störung mitverantwortlich. Nikotin, Alkohol, Drogen oder Komplikationen in der Schwangerschaft sowie Sauerstoffmangel während der Geburt erhöhen das Risiko einer ADHS-Erkrankung.

Diagnose

Hegen Eltern den Verdacht, ihr Kind könnte unter ADHS leiden, sollten sie umgehend einen Facharzt kontaktieren. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kann dabei ebenso die richtige Wahl sein wie ein erfahrener Kinderarzt, der sich auf ADHS spezialisiert hat. Bei Erwachsenen sollte ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufgesucht werden.
Für die Diagnose werden die beiden Systeme ICD-10 und DSM-IV verwendet, die sich nach internationalen Regeln orientieren. Im Wesentlichen stützt sich die Diagnose auf eine Eigen-, Fremd- und Familienanamnese, auf eine körperliche und neurologische Untersuchung sowie einen motoskopischen und motometrischen Entwicklungsstatus, also inwiefern das Kind in seiner motorischen Entwicklung fortgeschritten ist. Neuropsychologische Testverfahren wie Konzentrations- oder Leistungstests helfen ebenfalls bei der Diagnose. 
Zusätzlich müssen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen oder eventuell begleitende Störungen festgestellt werden. Dabei kann es sich um Teilleistungs- oder Zwangsstörungen, um Tics oder das Asperger-Syndrom handeln.

Therapie

ADHS ist nicht heilbar, die Symptome und Beeinträchtigungen können aber durch gezielte therapeutische Schritte vermindert werden. Das Therapiekonzept sieht unterschiedliche Behandlungsoptionen vor, wobei die Zusammenarbeit unterschiedlicher Ärzte und Therapeuten wichtig ist. Als Koordinator zwischen Psychiater, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten oder Heilpädagogen fungiert zumeist der Kinderarzt. Miteinbezogen wird idealerweise auch das soziale Umfeld wie Familie, Kindergarten oder Schule.
Begleitend zu den Therapien werden häufig Medikamente eingesetzt. Ziel ist es, die Kernsymptome zu unterdrücken, um die emotionale Befindlichkeit und damit die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern. Die eingesetzten Medikamente unterscheiden sich je nach Wirkmechanismus und Wirkdauer. Da oft einige Zeit bis zur Diagnose vergangen ist, werden häufig Arzneimittel verschrieben, die besonders schnelle Erfolge versprechen.

Weitere Informationen

In Deutschland sind von der neurobiologisch bedingten Erkrankung etwa fünf Prozent der 3- bis 17-Jährigen betroffen, bei weiteren fünf Prozent besteht der Verdacht auf ADHS. Auffällig ist die weite Verbreitung beim männlichen Geschlecht: Bei Jungen wird ADHS etwa vier Mal häufiger diagnostiziert als bei Mädchen. Lange Zeit waren Mediziner der Ansicht, ADHS sei eine reine Kinder- und Jugendkrankheit. Mittlerweile wurde dies aber widerlegt. Im Erwachsenenalter leiden noch rund 60 Prozent der Betroffenen an wesentlichen Symptomen. Typische Anzeichen sind Probleme beim Entspannen, innere Unruhe, schlechte Konzentrationsfähigkeit oder Schwierigkeiten, Dinge zu Ende zu bringen. Emotionale Labilität und damit verbundene Stimmungsschwankungen sowie vermehrte Temperamentsausbrüche können sowohl im Privat- als auch im Berufsleben zu Schwierigkeiten führen. Wichtig ist es, auch als Erwachsener bei Verdacht auf ADHS umgehend nach Hilfe zu suchen. Therapien und Medikamente können helfen, den Alltag besser zu meistern.

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Muskel- und Gelenkbeschwerden haben viele Gesichter. Von Verspannungen über Rückenschmerzen bis hin zur Kniegelenksarthrose  - das Spektrum ist groß. Kein Wunder, schließlich müssen unsere Muskeln und unsere Gelenke im Alltag jede Menge aushalten.

Vielfältige Ursachen für Muskel- und Gelenkbeschwerden

So vielfältig die Beschwerden im Bereich von Muskeln und Gelenken, so unterschiedlich auch die möglichen Auslöser, die sich dahinter verbergen können.

Hier einige der möglichen Ursachen für Muskel- und Gelenkbeschwerden im Überblick:

Muskelverspannungen besonders häufig

Besonders häufig sind Muskelschmerzen in Folge von Verspannungen, die sich wiederum als direkte Konsequenz von Bewegungsmangel, einseitiger Belastung oder auch Stress einstellen können. Die Muskelverspannungen lösen Durchblutungsstörungen der kleinsten Kapillaren aus, die Folge ist eine Minderversorgung mit Sauerstoff. Durch dieses Sauerstoffdefizit der einzelnen Zellen der Muskulatur und des Bindegewebes kommt es zwangsläufig zu einem Energiedefizit auf zellulärer Ebene mit vermehrter Bildung von Milchsäure. Fehlender Sauerstoff löst eine Art Energiekrise aus. Bleiben Muskelfasern als Resultat des Sauerstoffmangels bzw. aus dem Energiedefizit auf zellulärer Ebene kontrahiert, so spricht man von so genannten Kontraktionsrückständen, die innerhalb feinster Muskelfasern auftreten können. Diese können zu erheblichen Schmerzen führen. Die Dysfunktion auf zellulärer Ebene führt somit nicht "nur" zur Gewebeazidose, sondern auch zu Kontraktionsrückständen. Muskeln können bewusst angespannt und entspannt werden. Kontraktionsrückstände können jedoch nicht willentlich gelöst werden. Solche kontrahierten Muskelfasern(teile) werden auch als Triggerpunkte (Tender points) bezeichnet.

Verspannungen lösen: Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Verspannungen und die damit einhergehenden Schmerzen zu lindern. In der Apotheke steht eine Reihe von schmerzstillenden, chemisch-synthetischen als auch pflanzlichen Präparaten zur Verfügung. Das Spektrum reicht von Tabletten über schmerzstillende Salben bis hin zu Wärmeanwendungen. Auch Basentherapeutika können bei übersäuerungsbedingten Verspannungen zur Anwendung kommen.

Wer Verspannungen nachhaltig entgegen wirken möchte, sollte grundsätzlich auf mehr Bewegung im Alltag achten.  Besonders effektiv sind Sportarten, bei denen die Muskulatur gleichmäßig beansprucht und gelockert wird. Empfehlenswert sind beispielsweise:

  • Wandern
  • Schwimmen
  • Radfahren
  • Nordic Walking
  • Gymnastik

Zusätzlich können weitere Maßnahmen ergriffen werden, um Verspannungen zu lösen. Zum Beispiel:

  • Zufuhr von Wärme (beispielsweise Rotlichtbestrahlung oder Wärmflasche; allerdings nicht bei Entzündungen)
  • Vollbad mitentspannenden Zusätzen (beispielsweise Melisse oder Rosmarin)
  • Massagen (professionelle, medizinische Massagen durch einen Physiotherapeuten oder Masseur)
  • Ruhe und Entspannung
  • Abbau von Stress (z.B. mit Yoga oder autogenem Training)

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Muskelschmerzen FAQ

Kopfschmerzen sind eine echte Volkskrankheit: Etwa 54 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter anfallsweisen oder chronischen Kopfschmerzen. Das sind 70% der Gesamtbevölkerung. Streng genommen sind Kopfschmerzen allerdings keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Der Körper meldet mit dem Warnsignal Kopfschmerz "irgendetwas stimmt nicht". Ist die Ursache aber bekannt und der Übeltäter identifiziert, hat der Schmerz seine Funktion als Warnsignal verloren. Leider schmerzt der Kopf weiter.

Unterschiedliche Kopfschmerzarten

Den "Kopfschmerz" gibt es nicht! Es werden mehr als 250 Kopfschmerzformen unterschieden. Diebekanntesten Kopfschmerz-Arten sind:

  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz
  • Cluster-Kopfschmerz
  • Schmerzmittelentzugs-Kopfschmerz und
  • Begleitkopfschmerz
  • medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz ("Medication overuse Headache")

An dieser Stelle soll ausschließlich der "banale" Kopfschmerz besprochen werden. Er wird auch als Begleit- oder Sekundärkopfschmerz bezeichnet. Migräne und Gefäßverengungen werden hier nicht dargestellt.

Ursachen des Begleitkopfschmerzes

Ursachen eines Begleitkopfschmerzes können sein:

  • Erkältung, Grippe
  • Alkoholexzess ("Kater")
  • nicht oder falsch korrigierte Sehfehler
  • Infekte der oberen Luftwege (Ohrenentzündungen, Stirnhöhlenerkrankungen)
  • orthopädische Erkrankungen
  • Verletzungen, z.B. Schleudertrauma
  • Übermüdung

Kopfschmerz oder Migräne?

Um einen "normalen" Kopfschmerz von einer Migräne abgrenzen zu können, existieren zahlreiche umfangreiche Fragebögen und Diagnoseschemata.

Für eine rasche Entscheidung reichen nicht selten drei Fragen:

  • Haben Sie häufiger Kopfschmerzen, die Sie im Alltag behindern?
  • Dauern die Schmerzen mindestens vier Stunden an?
  • Haben Sie in den vergangenen sechs Monaten neue oder andersartige Kopfschmerzen bekommen?

Vermutlich ist Migräne der Schmerzauslöser, wenn die ersten beiden Fragen mit Ja beantwortet werden, die dritte mit Nein. Das Team um Dr. Roger K. Cady vom Kopfschmerz-Zentrum in Springfield im US-Staat Missouri hat bei mehr als 3.000 Patienten mit bekannter Migräne die Zielgenauigkeit des Fragentrios untersucht. Das Ergebnis zeigte, dass bei etwa vier von fünf Patienten mit den drei Fragen Migräne festgestellt werden konnte.

Kopfschmerzen behandeln

Um Kopfschmerzen zu behandeln und die Schmerzen rasch zu lindern, stehen eine Reihe schmerzlindernde Arzneimittel zur Verfügung. Neben chemisch-synthetischen Schmerzmitteln sind in der Apotheke auch pflanzliche Präparate gegen Kopfschmerzen rezeptfrei erhältlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, welche Form der Kopfschmerz-Behandlung bzw. welches Schmerzmittel in Ihrem individuellen Fall geeignet ist. Beachten Sie auch die Anwendungshinweise für Kinder.

Wichtig: Treten die Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit oder häufig mit Übelkeit und Erbrechen auf, sind sie anfallsartig, andauernd oder seitenbetont, mit Sehstörungen, nach Schädelverletzungen oder nach Einnahme von Medikamenten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

 Weitere Tipps gegen Kopfschmerzen

Neben der Anwendung von schmerzstillenden Präparaten gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die sich zur Linderung akuter Kopfschmerzen bewährt haben:

  • Entspannung tut gut. Gönnen Sie sich Ruhe und Schlaf.
  • Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga können helfen.
  • Insbesondere bei öfter wiederkehrenden Kopfschmerzen sollten Sie für regelmäßigen Stressabbau sorgen.
  • Frische Luft macht „den Kopf frei“. Leichte Bewegung an der frischen Luft hilft, einen klaren Kopf zu bekommen. Oder Sie gehen ans offene Fenster und atmen ruhig und tief durch. Pralle Sonne sollten Sie jedoch meiden.
  • Rücken stärken. Nicht selten sind Verspannungen im Nackenbereich Ursache für Kopfschmerzen. Überprüfen Sie, ob Ihr Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet ist. Um die Muskulatur der Halswirbelsäule zu kräftigen, kann ein Muskelaufbautraining hilfreich sein.
  • Ätherisches Öl. Einige Tropfen Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen und Nacken mehrmals aufgetragen wirken kühlend und unterstützend bei Kopfschmerzen. Fragen Sie Ihren Apotheker.

Magen-Darm auf Trab? Haben Sie Hunger, unregelmäßig gegessen, zu wenig getrunken oder seit Tagen keinen geregelten Stuhlgang? Auch das können Ursachen für Kopfschmerzen sein, die Sie in Zukunft beachten und vermeiden können.

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Eine Erkältung wird durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Das bedeutet, die Krankheitserreger gelangen in Form winziger Flüssigkeitstropfen in den menschlichen Körper. Typische Übertragungswege sind dabei zum Beispiel Händeschütteln, Niesen oder Küssen. Aber auch auf Oberflächen (wie zum Beispiel Türklinken) finden sich mitunter massenhaft Erkältungsviren. Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheitserregern sind diese in der Lage, viele Stunden an der Umgebungsluft zu überleben. Zum Vergleich: Das HI-Virus überlebt nur wenige Minuten außerhalb des Körpers.

Auslösende Viren

Wie erwähnt sind es meistens Viren, die zu einer Erkältung führen. Durch die Schwächung des Körpers in Folge des Virenbefalls kommt nicht selten eine zusätzliche bakterielle Infektion hinzu. Es handelt sich dann um eine Misch- bzw. Superinfektion. Mehr als 200 Viren sind mittlerweile bekannt, die eine Erkältung auslösen können. Zu den bekanntesten Vertretern gehören folgende Arten:

  • Rhinoviren
  • Coronaviren
  • Adenoviren
  • RS-Viren
  • Para-Influenza-Viren
  • Influenzaviren

In bis zu 40 Prozent der Fälle stehen Rhinoviren hinter den Beschwerden. Das Coronavirus löst etwas jede vierte Erkältung aus und immerhin bis zu 15 Prozent werden durch das RS-Virus ausgelöst. Besonders vielseitig zeigen sich das Influenza- bzw. das Para-Influenza-Virus. Beide können sowohl eine leichte Erkältung als auch eine schwere Grippe auslösen. Ausschlaggebend ist dabei der Allgemeinzustand des Infizierten bzw. die Leistungsfähigkeit seines Immunsystems.

Manchmal erweist sich auch eine vermeintlich harmlose Erkältung als milde Form der Grippe. In jedem Fall muss beides aber unterschiedlich betrachtet werden und ist absolut nicht dasselbe. Bei kindlichen Erkältungen steht noch ein anderer Erreger zur Debatte: Das sogenannte Humane Metapneumo-Virus. Allen Erkältungsviren ist gemein, dass sie sehr schnell mutieren und der Körper somit keine Immunität ausbilden kann, wie dies zum Beispiel bei Windpocken der Fall ist.

Bakterielle Superinfektion

Sehr häufig tritt auch eine bakterielle Infektion auf, nachdem der Organismus bereits durch den Virenbefall geschwächt ist. Mit Abstand am häufigsten sind folgende Bakterien für eine Superinfektion verantwortlich:

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • Pneumokokken

Alle drei Arten lassen sich effektiv durch Antibiotika bekämpfen. Wichtig ist dabei, dass die Einnahme lange genug erfolgt. Sie darf keinesfalls eigenständig beendet werden, wenn eine Besserung der Symptome auftritt. Es drohen dann ein Rückfall und die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Die Pneumokokken sind übrigens auch Auslöser vieler Lungenentzündungen. Bei einer Erkältung beträgt die durchschnittliche Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Symptome (Inkubationszeit) etwa fünf Tage. In dieser Zeit verspürt der Patient noch keinerlei Beschwerden, ist aber bereits ansteckend gegenüber seinen Mitmenschen.

Ansteckungswege und Risikofaktoren

Wie eingangs erwähnt, überleben Erkältungsviren sehr lange auf Oberflächen an der Umgebungsluft. Infolgedessen ist eine Berührung mit infizierten Gegenständen im Alltag praktisch nicht zu vermeiden. Vor allem Spielzeug im Kindergarten ist eine sehr häufige Ansteckungsquelle. Ein effektiver Schutz vor Erkältungen ist daher gründliches Händewaschen. Obwohl die Erkrankung den Namen Erkältung trägt, ist Kälte direkt nicht krankheitsauslösend. Vielmehr schwächt der langanhaltende Aufenthalt in nass-kalter Umgebung die Immunabwehr und macht uns auf diese Art und Weise anfälliger für einen Infekt. Alles was zu einer Schwächung des Immunsystems führt, muss als potenzieller Risikofaktor für eine Erkältung angesehen werden. Neben der genannten Kälte sind dies:

  • Stress
  • Ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Schlafmangel
  • Medikamente
  • Immunschwäche

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Was ist eine Erkältung?

Unter der Bezeichnung Erkältung ist eine Gruppe von akuten Infektionen der oberen Atemwege zu verstehen. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „grippaler Infekt“. Das zumeist harmlose Leiden gilt als häufigste Erkrankung weltweit. Erwachsene leiden zwischen zwei- und fünfmal im Jahr unter einer Erkältung. Kinder sind meistens fünf- bis achtmal im Jahr erkältet, manchmal können auch bis zu zehn akute Atemwegsinfekte jährlich auftreten. Der Grund dafür liegt in ihrer noch nicht so vollständig ausgeprägten Immunabwehr. Allerdings trainiert jede Erkältung das Abwehrsystem und trägt so letztendlich sogar zu einer Immunstärkung bei. Der Begriff Erkältung ist zunächst einmal etwas irreführend, da er Kälte als Ursache der Erkrankung suggeriert. Diese ist aber wenn überhaupt nur indirekt für Husten, Schnupfen und Heiserkeit verantwortlich. Eine leichte Unterkühlung kann das Immunsystem tatsächlich vorübergehend schwächen. Gleichzeitig ist unsere Umgebung voller Krankheitserreger und schon eine kurze Herabsetzung der körpereigenen Abwehrmechanismen kann zu einer Erkältung führen. Es stimmt daher schon, dass nasses und kaltes Wetter zu mehr Erkältungen führt. Aus diesem Grund kommen die Beschwerden besonders häufig im Herbst und Winter vor.

Sommergrippe

Aber auch im Sommer leiden viele Menschen unter Erkältungen, diefälschlicherweise oft als „Sommer-Grippe“ bezeichnet werden. Viele Betroffene sind dann verwundert, dass sich bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen auf einmal eine tropfende Nase oder Halsschmerzen einstellen. Die scheinbar ideale Jahreszeit birgt aber auch viele Risiken. So ist der Temperaturunterschied zwischen den sonnigen Mittagsstunden und der Nacht nicht selten sehr hoch. So kann der gemütliche Grillabend – gerade im Spätsommer – durchaus eine recht kühle Angelegenheit werden. Außerdem halten sich die Menschen im Sommer viel mehr außerhalb der Wohnung und lange in der Sonne auf. Der Körper heizt sich auf, umso empfindlicher reagiert unser Immunsystem auf eine plötzliche Abkühlung. Klimaanlagen tun ihr übriges.

Symptome

Ob Sommer oder Winter, eine Erkältung klingt meistens ohne größere Therapie nach rund einer Woche ab. Bei Menschen mit Immunschwäche können die Beschwerden aber chronisch werden und viel heftiger ausfallen. Die bekanntesten Symptome einer Erkältung sind:

  • Husten
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Heiserkeit
  • Fieber (manchmal)
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Schwächegefühl

Ursachen

Ursache für eine Erkältung sind fast immer Viren. Der Wissenschaft sind heutzutage bereits um die 200 Virus-Arten bekannt, die einen grippalen Infekt auslösen können. Keinesfalls darf eine Erkältung mit einer Grippe verwechselt werden. Letztere wird nur durch spezielle Grippe-Viren verursacht und zeichnet sich außerdem durch einen in der Regel deutlich heftigeren Verlauf aus. Eine Grippe kann potenziell lebensbedrohlich sein. Erkältungen, ebenso wie die Grippe, werden durch die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Die Therapie besteht in einer Linderung der Symptome, da Antibiotika gegen Viren wirkungslos sind. Allerdings kann zusätzlich zum Virusinfekt auch eine bakterielle Infektion auftreten. Ärzte sprechen dann von einer Super- bzw. Mischinfektion. In diesem Fall sind Antibiotika das Mittel der Wahl. Ansonsten stehen schmerz- und fiebersenkende Medikamente, Halstabletten, Nasensprays und eine große Bandbreite an Hausmitteln zur Verfügung (zum Beispiel Tees mit Honig oder Wadenwickel). Eine gesunde Lebensweise mit abwechslungsreicher Ernährung und ausreichender Bewegung kann die Zahl an Erkältungen vermindern.

Warum bin ich erkältet? Übertragungswege

Eine Erkältung wird durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Das bedeutet, dass die Krankheitserreger in Form winziger Flüssigkeitstropfen in den menschlichen Körper gelangen. Typische Übertragungswege sind dabei zum Beispiel Händeschütteln, Niesen oder Küssen. Aber auch auf zahlreichen Oberflächen (wie zum Beispiel Türklinken) finden sich mitunter massenhaft Erkältungsviren. Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheitserregern sind diese in der Lage, viele Stunden an der Umgebungsluft zu überleben. Zum Vergleich: Das HI-Virus beispielsweise überlebt nur wenige Minuten außerhalb des Körpers.

Viren

Wie erwähnt sind es meistens Viren, die zu einer Erkältung führen. Durch die Schwächung des Körpers in Folge des Virenbefalls kommt nicht selten eine zusätzliche bakterielle Infektion hinzu. Es handelt sich dann um eine Misch- bzw. Superinfektion. Mehr als 200 Viren sind mittlerweile bekannt, die eine Erkältung auslösen können. Zu den bekanntesten Vertretern gehören folgende Arten:

  • Rhinoviren
  • Coronaviren
  • Adenoviren
  • RS-Viren
  • Para-Influenza-Viren
  • Influenzaviren

In bis zu 40 Prozent der Fälle stehen Rhinoviren hinter den Beschwerden. Das Coronavirus löst etwas jede vierte Erkältung aus und immerhin bis zu 15 Prozent werden durch das RS-Virus verursacht. Besonders vielseitig zeigen sich Influenza- bzw. Para-Influenza-Viren. Beide können sowohl eine leichte Erkältung als auch eine schwere Grippe auslösen. Ausschlaggebend ist dabei der Allgemeinzustand des Infizierten bzw. die Leistungsfähigkeit seines Immunsystems. Manchmal erweist sich eine vermeintlich harmlose Erkältung als milde Form der Grippe. In jedem Fall muss beides aber unterschiedlich betrachtet werden und ist absolut nicht dasselbe. Bei kindlichen Erkältungen steht noch ein anderer Erreger zur Debatte: Das sogenannte Humane Metapneumo-Virus. Allen Erkältungsviren ist gemein, dass sie sehr schnell mutieren und der Körper somit keine Immunität ausbilden kann, wie dies zum Beispiel bei Windpocken der Fall ist.

Bakterien

Sehr häufig tritt auch eine bakterielle Infektion aus, nachdem der Organismus bereits durch den Virenbefall geschwächt ist. Mit Abstand am häufigsten sind folgende Bakterien für eine Superinfektion verantwortlich:

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • Pneumokokken

Alle drei lassen sich effektiv durch Antibiotika bekämpfen. Die Pneumokokken sind auch Auslöser vieler Lungenentzündungen. Bei einer Erkältung beträgt die durchschnittliche Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Symptome (Inkubationszeit) etwa fünf Tage. In dieser Zeit verspürt der Patient noch keinerlei Beschwerden, ist aber bereits ansteckend für seinenMitmenschen. Wie eingangs erwähnt, überleben Erkältungsviren sehr lange auf Oberflächen an der Umgebungsluft. Infolgedessen ist eine Berührung von infizierten Gegenständen im Alltag praktisch nicht zu vermeiden. Vor allem Spielzeug im Kindergarten ist eine sehr häufige Ansteckungsquelle. Ein effektiver Schutz vor Erkältungen ist daher das gründliche Händewaschen. Obwohl die Erkrankung den Namen Erkältung trägt, ist Kälte nicht direkt krankheitsauslösend. Vielmehr schwächt der langanhaltende Aufenthalt in nass-kalter Umgebung die Immunabwehr und macht uns auf diese Art und Weise anfälliger für einen Infekt.

Risikofaktoren

Alles was zu einer Schwächung des Immunsystems führt, muss als potenzieller Risikofaktor für eine Erkältung angesehen werden. Neben der genannten Kälte sind dies:

  • Stress
  • Ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Schlafmangel
  • Medikamente
  • Immunschwäche

Woran erkenne ich eine Erkältung?

Eine Erkältung verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich und ist unter anderem von der auslösenden Virenart und der individuellen Verfassung des Betroffenen abhängig. Grundsätzlich treten häufig allgemeine Symptome einer Infektionskrankheit auf. Hierzu gehören Kopf- und Gliederschmerzen, ein allgemeines Schwächegefühl und Fieber (vor allem bei Kindern). Typisch für Erkältungen sind weiterhin:

  • Husten
  • Schnupfen
  • Heiserkeit
  • Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden

Sehr häufig ist das erste Anzeichen einer beginnenden Erkältung ein auffälliges und unangenehmes Kratzen im Hals. Erst einige Tage später treten dann für gewöhnlich die oben genannten Beschwerden auf. Die Kombinationen der verschiedenen Symptome sind aber völlig verschieden. So kann die Nase ständig verstopft sein, Halsweh aber dagegen völlig fehlen. Auch der umgekehrte Fall ist möglich. Fieber ist nicht zwangsläufig Teil einer Erkältung und triff vernehmlich bei einem stärkeren Verlauf auf. Sehr hohes Fieber kann zudem Anzeichen für eine Grippe sein. Symptomatisch unterscheidet sich eine Erkältung von einer Grippe dadurch, dass bei letzterer – neben dem genannten Fieber – Gliederschmerzen und ein starkes „Gefühl des Krankseins“ im Vordergrund stehen. Schnupfen, Husten und Halsweh spielen bei der Grippe dagegen oftmals keine so große Rolle.

Bei einer starken Erkältung tritt oftmals in Kombination mit einer erhöhten Temperatur Schüttelfrost auf. Das Fieber selber isteine völlig normale Abwehrreaktion des Körpers. Durch die Erhöhung der Körpertemperatur sollen die Krankheitserreger abgetötet werden. Genau aus diesem Grund ist übrigens auch ein regelmäßiger Gang in die Sauna sehr gesund. Und ebenfalls aus diesem Grund sollte Fieber nur sehr zurückhaltend behandelt werden. Bei einem ansonsten gesunden Menschen darf die Temperatur durchaus die 39 Grad überschreiten. Anders ist dies bei Säuglingen, Kleinkindern, sehr alten Menschen oder jenen mit einer schlechten körperlichen Verfassung. Schnupfen entsteht durch eine Entzündung der Nasenschleimhaut, der Betroffene spricht dann nasal und die Nasenatmung ist vorübergehend behindert. Manchmal weitet sich eine Erkältung auch auf die Bronchien aus, die sich dann entzünden und starken Husten mit eitrigem Auswurf hervorrufen. Brustschmerzen sind dann ebenfalls ein typisches Symptom. Manchmal steht hinter einer solchen Entzündung der mittleren und unteren Atemwege auch eine sehr ernste Erkrankung wie eine Lungenentzündung (Pneumonie).

Typisch für eine Erkältung ist zudem eine Rachentzündung (Pharyngitis). Diese äußert sich durch äußerst schmerzhafte Schluckbeschwerden, Hustenreiz und einem Trockenheitsgefühl im Hals („Kloß/Frosch im Hals“). Auch der Kehlkopf kann im Rahmen einer Erkältungskrankheit entzündet sein (Laryngitis). Dann verspürt der Patient eine ausgeprägte Heiserkeit, im Extremfall ist die Stimme auch vollständig weg. Besonders bei einer starken Erkältung kommt es gelegentlich zu einer Beteiligung der Ohren. Vor allem eine verstopfte Nase führt zu einer Minderbelüftung des Mittelohrs und damit zu Schmerzen und einem vorübergehend verminderten Hörvermögen. Bei zu starkem Naseputzen tritt gelegentlich Nasenbluten auf. Schlussendlich gehören auch brennende Augen mitunter zu einer Erkältung. Bei Kindern kann sich eine vermeintlich harmlose Erkältung auch zu einem sogenannten Pseudokrupp ausweiten, eine unspezifische Kehlkopferkrankung mit typischerweise bellendem Husten, Atemnot (nicht zwingend) und pfeifenden Geräuschen bei der Einatmung. In diesem Fall sollten Sie sicherheitshalber einen Kinderarzt aufsuchen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Vorweg sei gesagt, dass ein ansonsten gesunder Mensch erst einmal den Verlauf seiner Erkältung abwarten kann. Häufig heilt diese von alleine aus und es muss nicht unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Unbedingt anzuraten ist ein Arztbesuch in folgenden Fällen:

  • Es handelt sich um ein Kleinkind oder sehr alte Menschen
  • Es bestehen Begleiterkrankungen im Bereich der Atemwege (zum Beispiel Asthma)
  • Es besteht eine sonstige schwere Erkrankung und der Patient ist in schlechtem Allgemeinzustand
  • Es besteht eine bekannte Immunschwäche (zum Beispiel durch HIV oder bestimmte Medikamente)
  • Der Patient hat kürzlich eine Reise in tropische Regionen unternommen (vor allem Malaria-Hochrisikogebiete)

Der Arzt führt zunächst eine kurze Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine ebenfalls kurzgehaltene Patientenbefragung durch. Häufig ergibt sich bereits aus der Schilderung der klinischen Symptome eine Verdachtsdiagnose. Treffen keine der oben genannten Punkte zu und ist der Patient gesund, genügt dies manchmal bereits. Zur Sicherheit führt der Mediziner aber meistens doch einige kleinekörperliche Untersuchungen durch. Ein Blick in Mund, Nase und Ohren gehört zum Standartprozedere. Praktisch immer lassen sich stark gerötete Schleimhäute von Rachen und Nase feststellen. Die Zunge zeigt einen weißlich-grauen Belag. Optional lässt der Arzt den Patienten tief einatmen und gegen die zugehaltene Nase ausatmen (Valsalva-Manöver). Ein Blick aufs Trommelfell erlaubt dann Rückschlüsse über die Mittelohrbelüftung. Beim Gesunden wölbt sich das Trommelfell beim Versuch der Ausatmung nach außen.

Weißliche, stäbchenförmige Beläge auf den Rachenmandeln weisen auf eine bakterielle Besiedlung hin – in diesem Fall helfen Antibiotika. Entgegen langjähriger Vermutungen erlaubt die Farbe des Schleims bzw. Auswurfs nur sehr eingeschränkt Rückschlüsse auf die Krankheitsursache oder deren Intensität. Bei schweren Erkrankungen oder einem langen Aufenthalt in den Tropen (siehe oben genannte Kriterien) sind weitere, tiefergehende Untersuchungen notwendig. Von Interesse ist dann zum Beispiel, ob es nur eine Erkältung oder doch eine Grippe ist. Dies lässt sich mittels Blutuntersuchungund Schleimhaut-Abstrich herausfinden. Im Sekret der Schleimhäute sind Grippeviren direkt nachweisbar, während im Blut entsprechende Antikörper vorhanden sind. Letztere sind aber erst nach einigen Krankheitstagen in ausreichender Konzentration vorhanden.

Zum Ausschluss einer schweren Bronchitis oder Lungenentzündung hört der Arzt die Lunge ab. Auch hier ist ein Bluttest sinnvoll, denn insbesondere bei einer Lungenentzündung sind die Entzündungsparameter, vor allem das C-reaktive Protein (CRP) und die Leukozyten, massiv erhöht. Sicherheit liefert zudem ein Röntgenbild der Lunge. Bei einer schweren Erkältung, aber vor allem auch bei einer Grippe sind die Lymphknoten geschwollen. Diese werden ebenfalls durch den Arzt abgetastet. Manchmal empfiehlt sich auch ein Abstrich von den Mandeln.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

In den meisten Fällen heilt eine Erkältung von alleine wieder aus. Rund sieben bis zehn Tage dauert es, bis die akuten Beschwerden abklingen. Spätestens nach zwei Wochen ist dann nichts mehr zu spüren. Lediglich ein allgemeines Schwächegefühl und Müdigkeit können noch einige Wochen spürbar sein, je nachdem wie schwer die Erkältung war. Auch ist nicht immer ein Arztbesuch notwendig. Ein junger und gesunder Mensch kann die Erkältung durchaus zu Hause selber auskurieren. Kranke und geschwächte Menschen sollten aber aus Sicherheitsgründen nicht auf den Gang in die Praxis verzichten. Das Gleiche gilt für sehr alte Menschen oder Kleinkinder. Zum Ausschluss einer mitunter lebensbedrohlichen Infektionskrankheit sollten auch all jene Patienten zum Arzt gehen, die erst kürzlich für längere Zeit ein tropisches Land bereist haben.

Antibiotika sind bei einer Erkältung zunächst einmal wirkungslos, da in aller Regel Viren ursächlich sind. In vielen Fällen ist der Organismus durch die Erreger aber so geschwächt, dass eine bakterielle Infektion hinzukommt. Die Fachwelt nennt eine gleichzeitig durch Viren und Bakterien hervorgerufene Erkrankung Super- oder Mischinfektion. In diesem Fall sind Antibiotika auf jeden Fall angezeigt, da sie zumindest einmal die krankmachenden (pathogenen) Bakterien beseitigen. Damit wird dann auch die Heilung des Virusinfekts unterstützt, da das Immunsystem gewissermaßen entlastet wird. Ist dies aber nicht der Fall, beschränkt sich die Therapie auf eine Linderung der Symptome:

Halsschmerzen: Hierzu steht dem Patienten eine große Bandbreite an Lutschpastillen zur Verfügung. Diese haben zumeist einen desinfizierenden Effekt und sorgen auf diese Weise zumindest einmal für eine lokale Reduktion der Krankheitserreger (vor allem im Mund-Rachenraum). Manche Präparate enthalten zusätzlich Lokalanästhetika (meistens Lidocain) zur Schmerzlinderung. Zudem gibt es recht aggressive Lösungen zum Gurgeln. Wirkstoffe wie Chlorhexidin bekämpfen effektiv die krankmachenden Mikroorganismen, zerstören aber auch die natürliche bakterielle Mundflora. Daher sollten diese nur mit Vorsicht angewendet werden. Grundsätzlich empfehlen sich eine Schonung der Stimme und gegebenenfalls die Kühlung der gereizten Schleimhäute mit Eis.

Schnupfen: Mittel der Wahl bei Schnupfen und gleichzeitig mit Vorsicht zu genießen sind abschwellende Nasensprays (seltener Nasentropfen). Der zumeist enthaltende Wirkstoff Xylometazolinhydrochlorid sorgt für eine regionale Verengung der Blutgefäße (Vasodilatation) in der Nasenschleimhaut. Dadurch schwillt diese ab, die Nase wird innerhalb von Sekunden freier und das Sekret kann abfließen. Arzneimittel dieser Art führen aber rasch zu einer Austrocknung der Nasenschleimhaut und der Patient benötigt immer mehr davon um die Nase freizuhalten (Suchtgefahr). Daher sollte eine Anwendung höchstens sieben Tage erfolgen. Vor allem bei Kindern sollte Xylometazolinhydrochlorid nur sehr zurückhaltend angewendet werden. Idealerweise sorgen Sie für eine gleichzeitige Befeuchtung der Nase durch Salben oder Meerwassersprays. Letztere stellen eine schonende Alternative zu abschwellenden Sprays dar. Auch die Nasendusche befreit effektiv von Schnupfen, ebenso wie eine Inhalation mit Salz oder ätherischen Ölen. Eine wunde Nasenschleimhaut lässt sich mit Dexpanthenol gut behandeln.

Husten: Der Husten ist zwar lästig, übernimmt aber eine wichtige Reinigungsfunktion der Atemwege. Insofern sollte der Abtransport von Schleim unterstützt werden. Spezielle Schleimlöser in Kombination mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr helfen bei einer Befreiung der Atemwege, in dem sie das Sekret mit Wasser anreichern und dieses dadurch fließfähig halten. Problematisch ist mitunter die magenreizende Nebenwirkung. Hustenstiller hemmen den Hustenreiz im Gehirn und stehen damit einem Schleimtransport entgegen. Aus diesem Grund dürfen diese nur nach ausdrücklicher ärztlicher Verordnung zum Beispiel abends genommen werden, um einen ruhigen Schlaf zu gewährleisten. Inhalationen können ebenfalls hustenstillend wirken.

Fieber: Fieber hat eine schützende Funktion, indem es Krankheitserreger abtötet. Fiebersenkende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol sollten daher nur sehr sparsam angewendet werden. Gesunde sollten das Fieber ruhig „gewähren lassen“, sofern es nicht auf die 40 Grad zugeht. Ein kräftiger Fieberschub führt – wie ein Saunagang – zu einer deutlichen Reduktion von Viren und Bakterien. Fieberkrämpfe treten vorwiegend beim Kleinkind auf und sollten sicherheitshalber ärztlich abgeklärt werden. Menschen in schlechtem Allgemeinzustand sollten allzu hohes Fieber hingegen durch Medikamente und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr senken.

Was kann ich selbst gegen eine Erkältung tun?

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die Sie bei einer Erkältung selber ergreifen können. Da es sich meistens um eine harmlose Erkrankung handelt, ist auch ein Arztbesuch nicht immer zwingend notwendig. In der Regel verheilt eine Erkältung nach ungefähr einer Woche. Spätestensnach 14 Tagen sind die letzten Beschwerden verschwunden. Lediglich ein allgemeines Gefühl der Schwäche und Müdigkeit kann noch länger vorhanden sein. Die eigenen Maßnahmen beschränken sich auf eine Linderung der Symptome und Steigerung des Wohlbefindens, sofern dies im Rahmen einer Erkältung möglich ist. An der ersten Stelle steht eine körperliche Schonung, wobei das nicht zwingend bedeutet, dass Sie den ganzen Tag zu Hause im Bett verbringen müssen. Gerade bei leichteren Formen kann ein ruhiger Spaziergang an der frischen Luft effektiv zur Genesung und einem besseren Körpergefühl beitragen. Achten Sie aber unbedingt auf eine der Wetterlage entsprechenden Bekleidung. Bei Regen und Sturm sollten sie aber besser zu Hause bleiben. Das gilt auch für starkes Fieber oder einen sonstigen schweren Verlauf.

Gegen Halsschmerzen stehen Lutschpastillen mit Eukalyptus oder Thymian zur Verfügung. Wie für Entzündungen typisch, lindern auch regional begrenzte Kälteanwendungen die Schmerzen. So bekommen zum Beispiel Patienten nach einer Mandelentfernung auf Station Eis serviert. Diesen Effekt kann man sich durchaus auch bei Halsschmerzen zunutze machen. Um einer Verschleimung vorzubeugen, sollten Wassereis oder Eiswürfel bevorzugt werden. Hartnäckiger Schnupfen kann rasch mittels abschwellenden Nasensprays gelindert werden. Es ist aber in jedem Fall keine schlechte Idee, auf diese Produkte erst einmal zu verzichten und esmit eigenen Maßnahmen zu probieren. Eine Nasendusche beispielsweise spült sowohl Nasenhaupt- als auch Nasennebenhöhlen frei ohne die Schleimhäute anschließend auszutrocknen. Es dauert hierbei zwar länger bis die Nase richtig frei wird. Der Effekt ist dafür aber wesentlich schonender und vor allem langanhaltender als mit herkömmlichen Nasensprays. Die Inhalation mit Salzwasser oder ätherischen Ölen kann Sie auf dem Weg zur freien Nase unterstützen. Gerade abends sind alle Maßnahmen zur Befreiung einer verstopften Nase sinnvoll. Das fördert einen erholsamen Schlaf und verhindert eine Atmung durch den Mund, die wiederum Halsschmerzen verursachen kann.

Auch Husten lässt sich effektiv mit ein paar Hausmitteln lindern. Am wichtigsten für die Schleimlösung ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie optimalerweise mindestens zwei bis drei Liter Wasser oder Tee um das Sekret maximal fließfähig zu halten. Sehr hilfreich sind Inhalationen mit Eukalyptus oder Minze. Allzu scharfe Verbindungen sind aber vor allem bei Kindern und Asthmatikern unbedingt zu vermeiden. Weiterhin stehen Hustenbonbons zur Verfügung. Fieber sollte erst einmal nur gesenkt werden, wenn der Patient stark darunter leidet. Als natürliche Schutzfunktion reguliert der Organismus die Körpertemperatur hoch und vernichtet auf diese Art und Weise Krankheitserreger. Deswegen ist eine Fiebersenkung erst einmal kontraproduktiv. Wie erwähnt kann es aber in einigen Fällen doch sinnvoll sein, die Temperatur abzusenken. Vor allem bei kleinen Kindern oder alten, kranken Personen kann ein zu hohes Fieber schädlich und quälend sein. Ist das Fieber noch weit genug von der 40-Grad-Grenze entfernt, muss nicht sofort auf fiebersenkende Medikamente (Antipyretika) zurückgriffen werden. Viel trinken senkt ebenso die Temperatur wie Wadenwickel, wenn auch nur in sehr überschaubarer Weise. Auch ein kühlender Lappen auf die Stirn kann hilfreich sein. Lindenblütentee ist sicherlich nicht schädlich, einen durchschlagenden Effekt sollten Sie aber nicht erwarten. Wichtige Faustregel: Der Patient darf nie frieren! Körperliche Schonung ist ebenfalls wichtig.

Wie kann ich einer Erkältung vorbeugen ?

Die Erkältung gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Welt. Erwachsene sind bis zu fünf-, Kinder bis zu zehnmal pro Jahr davon betroffen. Grundsätzlich ist eine ab und an auftretende Erkältung also kein Grund zur Sorge. Dennoch gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten, der lästigen Erscheinung vorzubeugen. Ein völliges Fehlen von Erkältungen ist kaum realistisch, Sie können aber die Häufigkeit signifikant verringern. Der Überbegriff für eine erfolgreiche Prophylaxe lautet „gesunde Lebensweise“. Durch ausreichenden Schlaf beispielsweise gönnen Sie ihrem Körper die Ruhe, die er nach einem anstrengenden Tag braucht. Das Immunsystem ist von der ersten bis zur letzten Minute unseres Lebens damit beschäftigt, uns vor Milliarden von Krankheitserregern zu schützen. Leicht vorstellbar, dass ausreichende Ruhezeiten zu einer Stärkung unserer Abwehrkräfte beitragen.

So schwierig es in der heutigen schnelllebigen Welt auch sein mag: Versuchen Sie, übermäßigen und vor allem negativen Stress zu vermeiden. Was hat Stress mit Erkältungen zu tun? Wenn wir sprichwörtlich „ständig unter Strom stehen“, schütten die Nebennieren Stresshormone aus. Am wichtigsten ist hier Kortisol, als Medikament angewendet auch Kortison genannt. Wofür wird Kortison in der Medizin eingesetzt? Zur Behandlung von schweren Entzündungen durch Unterdrückung des Immunsystems! Genau dies passiert auch, wenn der Körper selber dieses Hormon produziert. Die Abwehr von Krankheitserregern wird nachhaltig herabgesetzt und wir werden schneller krank. Entspannungsübungen und regelmäßiger Sport helfen beim Abbau von Stress und wirken sich positiv auf das körperliche Wohlbefinden aus.

Sport hilft auch bei der Normalisierung überhöhter Blutzuckerwerte. Diese nämlich, vor allem beim Vollbild eines Diabetes mellitus, erhöhten die Infektanfälligkeit ganz signifikant. Erkältungen treten häufiger auf, verlaufen heftiger und heilen langsamer aus. Vermutlich schädigen die reichlich vorhandenen Blutzuckermoleküle Teile unseres komplexen Immunsystems. Insgesamt sollten Sie sich ausgewogen ernähren und auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen achten. Vitamin C kommt eine entscheidende Bedeutung in der Abwehr von Erkältungsviren zu. Das auch unter der Bezeichnung Ascorbinsäure bekannte Vitamin ist vor allem in Zitrusfrüchten, Brokkoli, Kiwis und Paprika enthalten. Auch Zink ist ein wichtiger Helfer unseres Immunsystems. Bekannte Zinklieferaten sind zum Beispiel:

  • Meeresfrüchte
  • Erdnüsse
  • Kalbsleber
  • Lammkeule

Bekanntermaßen fördernd für die Immunabwehr sind auch regelmäßige Saunagänge und Wechselduschen. Manchmal ist eine gestörte Darmflora schuld an häufigen Erkältungen. Hier stehen zahlreiche sogenannte Probiotika zur Verfügung, die allerdings nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Auch Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir stärken das Immunsystem. Die wohl wichtigste Form der Prophylaxe ist aber ein ausreichend häufiges und gründliches Händewaschen.

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Grippe?

„Ich habe die Grippe!“ Diesen Satz hört man nicht selten von einem hustenden und schniefenden Zeitgenossen. Umgangssprachlich wird eine Erkältung häufig als Grippe bezeichnet. Medizinisch betrachtet ist dies aber nicht korrekt und es handelt sich um zwei verschiedene, wenn auch manchmal ähnliche Krankheitsbilder. Die Erkältung wird durch bis zu 200 verschiedene Viren ausgelöst und aufgrund ihrersymptomatischen Ähnlichkeit zur Grippe als „grippaler Infekt“ bezeichnet. Auch wenn am Anfang einer Erkältung praktisch immer Viren als Auslöser stehen, kommt es häufig zu einer parallel verlaufenden Infektion mit Bakterien. Nur gegen sie sind Antibiotika wirksam. Eine Erkältung ist in aller Regel völlig harmlos und verheilt innerhalb einer Woche folgenlos. Spätestens nach 14 Tagen sind keine Beschwerden mehr feststellbar. Lediglich ein allgemeines Krankheitsgefühl und eine ausgeprägte Müdigkeit können noch einige Tage bis Wochen bestehen bleiben. Bei einer Erkältung stehen die regionalen Symptome eines Atemwegsinfekts im Vordergrund. Dies sind in erster Linie:

  • Husten
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Heiserkeit

Eine Grippe wird durch Influenza- oder Parainfluenza-Viren ausgelöst und verläuft in der Regel heftiger, außerdem setzen die Beschwerden plötzlicher ein. Zwar stellt sie für den gesunden und kräftigen Menschen meistens kein allzu großes Problem dar, für Kleinkinder sowie alte und kranke Menschen kann sie aber durchaus lebensgefährlich sein. Auch bei der Grippe gehören häufig Atemwegs-Symptome zum klinischen Bild, im Vordergrund stehen aber systemische (den gesamten Körper betreffende) Beschwerden wie:

  • Starke Gliederschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Extrem geringe körperliche Leistungsfähigkeit

Auf jeden Fall bedürfen die genannten Symptome einer ärztlichen Abklärung. Tatsächlich können die Grippeviren aber auch eine Erkältung auslösen, die meisten Erkältungsviren aber keine Grippe. Symptomatisch kann auch nicht immer eine klare Unterscheidung getroffen werden. So kann hinter einer scheinbaren Grippe auch eine schwere Erkältung stehen. Im Umkehrschluss kann eine Grippe auch derartig mild verlaufen, dass sie für eine Erkältung gehalten wird. Der wichtigste Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Grippe ist aber ihre Gefährlichkeit. Erkältungen sind praktisch immer harmlos, die Grippe kann lebensgefährlich sein. Im Übrigen kann eine Erkältung bei bakterieller Beteiligung mit Antibiotika effektiv gelindert werden. Bei einer Grippe ist dies nicht möglich, da hier das Influenzavirus (oder das Para-Influenzavirus) alleine ausschlaggebend ist.

Ist eine Erkältung heilbar?

Ja, eine Erkältung ist heilbar. In den meisten Fällen heilt sie sogar von alleine und ohne jegliche Folgen nach rund sieben Tagen aus. Bei einem durchschnittlichen Verlauf der Erkrankung kann nach spätestens zwei Wochen mit einer völligen Symptomfreiheit gerechnet werden. War die Erkältung sehr schwer, können mitunter auch noch länger Schwäche und Müdigkeit auftreten. Bleibende Schäden hinterlässt eine Erkältung aber nie. Dennoch empfiehlt sich manchmal ein Arztbesuch. Vor allem,wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Es handelt sich um ein Kleinkind oder sehr alte Menschen
  • Es bestehen Begleiterkrankungen im Bereich der Atemwege (zum Beispiel Asthma)
  • Es besteht eine sonstige schwere Erkrankung und der Patient ist in schlechtem Allgemeinzustand
  • Es besteht eine bekannte Immunschwäche (zum Beispiel durch HIV oder bestimmte Medikamente)
  • Der Patient hat kürzlich eine Reise in tropische Regionen unternommen (vor allem Malaria-Hochrisikogebiete)

Manchmal müssen evtl. Begleiterkrankungen wie eine schwere Bronchitis oder Lungenentzündung ausgeschlossen werden. Sind Sie gesund und die genannten Kriterien sind nicht erfüllt spricht nichts dagegen, die Erkältung von alleine ausheilen zu lassen. Mit einer Reihe von Arznei- und Hausmitteln lässt sich die Heilung gut unterstützen. Bei guter Immunabwehr kann aber auch vollständig auf eine Therapie verzichtet werden. Das sollte individuell davon abhängig gemacht werden, wie lästig oder belastend die Symptome sind. Es ist schon ratsam, das Abhusten von Schleim zu unterstützen. Auch ist es nicht nötig, sich starken Kopfschmerzen kampflos hinzugeben. Antibiotika dagegen helfen nur, wenn Bakterien an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Hierzu ist ein Arztbesuch unerlässlich, da es diese Wirkstoffe lediglich auf Verschreibung in der Apotheke gibt. Nur bei einer sehr schweren Grunderkrankung und einem desolaten Allgemeinzustand kann sogar eine Erkältung gefährlich werden. In aller Regel ist sie aber völlig harmlos und auf jeden Fall heilbar!

Gibt es Risikogruppen für eine Erkältung?

Jeder Mensch ist in seinem Leben hin und wieder von einer Erkältung betroffen. Erwachsene leiden durchschnittlich zwei- bis fünfmal im Jahr an den lästigen Symptomen. Kinder erkälten sich im Laufe von zwölf Monaten ungefähr fünf- bis zehnmal. Daher können Kinder bereits als eine Risikogruppe für Erkältungen identifiziert werden. Grund zur Sorge besteht aber nicht, es handelt sich dabei um ein völlig normales Phänomen. Das Immunsystem ist bei Kindern einfach noch nicht so ausgeprägt und leistungsfähig, wie bei den älteren Zeitgenossen. Beruhigend kann außerdem festgestellt werden, dass jede Erkältung im Kindesalter das Immunsystem trainiert. Treten die Erkältungen aber mehr als zehnmal jährlich auf oder erholt sich das Kind dazwischen kaum richtig, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen.

Diabetiker gehören ebenfalls zur Risikogruppe, nicht nur für Erkältungen. Sie sind allgemein viel gefährdeter für eine Infektion. Die ständig erhöhten Zuckerwerte schwächen auf eine wissenschaftlich noch nicht genau identifizierte Art und Weise das Immunsystem. Daher ist es besonders wichtig, den Diabetes mellitus therapeutisch optimal einstellen zu lassen. So lassen sich ständig wiederkehrende Erkältungen vermeiden. Im Rahmen eines Diabetes mellitus verlaufen Infektionskrankheiten meist wesentlich heftiger. Gleichzeitig verheilen sie langsamer und der Patient erholt sich nur schwer. Menschen mit einem hohen Stresslevel sind ebenfalls öfters erkältet, zumindest wenn sie keine entsprechenden Gegenmaßnahmen ergreifen. Der ständige Stress führt zu einer erhöhten Ausschüttung des Stresshormons Kortisol aus der Nebennierenrinde. Wir kennen den Effekt von Kortisol aus der Medizin, wo espharmazeutisch hergestellt als Kortison gegen Entzündungen verwendet wird. Der entzündungshemmende Effekt beruht auf einer Unterdrückung der Immunabwehr. Genau das passiert auch bei andauerndem Stress. Das körpereigene Kortisol macht den Organismus anfälliger für Krankheitserreger und damit auch für Erkältungen.

Grundsätzlich gehören zudem alle Menschen mit schwachem Immunsystem zur Risikogruppe für Erkältungen. Eine Immunschwäche kann angeboren oder erworben sein. AIDS ist die bekannteste Immunschwächekrankheit. Aber auch bestimmte Medikamente setzen die körpereigenen Abwehrmechanismen derart außer Kraft, dass ständige Erkältungen auftreten können. Neben dem bereits erwähnten Kortisol bzw. Kortison sind dies vor allem Arzneimittel, die im Rahmen einer Organtransplantation eine Abstoßungsreaktion verhindern sollen. Auch Chemotherapie und Bestrahlung stören das Immunsystem und erhöhen das Erkältungsrisiko signifikant. Dasselbe gilt für eine ständig ungesunde Ernährung, Übergewicht und mangelnde Bewegung.

© medizin.de 2017 (Dr. Florian Korff)

Wer an Depressionen leidet hat oftmals bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Hoffnung machen spezielle Antidepressiva. Diese Arzneimittel versprechen eine Besserung der Stimmung. Vor allem moderne Vertreter (SSRI) gelten als wirksam und nebenwirkungsarm. Manche Patienten sprechen aber nicht auf Antidepressiva an. Vorhersagen, ob ein Medikament wirkt, gibt es nicht. Kostbare Therapiezeit geht verloren. Eine neue Methode aus den USA lässt hoffen, dass sich dies bald ändert.

Zuckerverbrauch im Gehirn messen

US-Forscher der Emory University in Atlanta (Georgia)  haben ein Verfahren entdeckt, dass möglicherweise Rückschlüsse darüber zulässt, ob ein Antidepressivum beim Patienten wird oder nicht. 82 depressive Patienten wurden unter Leitung von Wissenschaftlerin Helen Mayberg untersucht. Im Anschluss erhielten sie radioaktiv markierten Traubenzucker (Glukose). Mit bildgebenden Verfahren begutachteten die Forscher, welche Hirnregionen besonders viel Traubenzucker aufnehmen. Hier ist der Stoffwechsel besonders aktiv.

Die Unterschiede zwischen den Patienten waren eindrucksvoll; insbesondere in dem für die Gefühlswelt verantwortlichen Hirnzentren (Limbisches System). Hier vermuten Neurologen die Entstehung von Depressionen. Je mehr Traubenzucker aufgenommen wird, desto aktiver ist das Limbische System. Und – so die Theorie der Forscher – desto mehr Antidepressiva kann die Hirnregion aufnehmen. Bei diesen Patienten sind Medikamente möglicherweise die effektivste Therapie gegen Depressionen.

Geringe Zuckeraufnahme – geringe Wirkung?

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Die Probanden mit geringer Zuckeraufnahme profitieren vermutlich weniger von Antidepressiva. Hier sind alternative Behandlungen wie eine Verhaltens- oder Sporttherapie und tiefenpsychologische Ansätze gefragt. Es besteht Anlass zur Hoffnung, dass sich die Wirksamkeit von Antidepressiva irgendwann vorhersagen lässt. Hierzu sind aber weitere Studien notwendig.

© medizin.de 2013-2018 (Gunnar Römer)

Bereits seit 1949 ist die gegen Suizid präventive Wirkung von Lithium im Rahmen von Depressionen bekannt. Der Psychiater John F. Cade beschrieb im genannten Jahr als erster den segensreichen Effekt des Alkalimetalls und einiger seiner Salze. Bereits kurz danach begann der Siegeszug des Lithiums in der Psychiatrie. Mitte der 1950er Jahre gehörte es zum festen Spektrum in der Therapie von verschiedenen Formen der Depression bzw. der einhergehenden Affektstörungen. Dabei wirkt Lithium keineswegs nur hemmend auf die depressiven Symptome selber. Vielmehr wirkt es auch präventiv auf die Bereitschaft zum Selbstmord. Eine kürzlich von der Universität Oxford durchgeführte Metaanalyse bestätigte einmal mehr die eindrucksvolle Wirkung von Lithium.

Depressionen und Suizide werden häufiger

Weltweit nehmen die Fallzahlen an Depressionen zu. Damit einhergehend erhöht sich insbesondere in den modernen Industriestaaten auch die Zahl an versuchten und durchgeführten Suiziden. Alleine in Deutschland geht schätzungsweise mindestens die Hälfte der rund 11.000 Suizide auf das Konto einer gar nicht oder nicht ausreichend behandelten Depression. Das individuelle Suizidrisiko ist bei jedem Patient mit einer Depression verschieden, dennoch lässt sich festhalten: Personen mit einer schweren, zu Rückfällen neigenden Depression haben ein durchschnittlich 30-fach erhöhtes Selbstmordrisiko als Gesunde. Dabei ist es zunächst einmal zweitrangig, um welche Form der Affektstörung es sich handelt – jede Form bringt eine signifikante Erhöhung der Bereitschaft zur Selbsttötung mit sich.

Grundsätzlich eignet sich eine Lithiumtherapie sowohl für die bipolare Störung (manische Depression) als auch für eine unipolare Störung in Form einer wiederkehrenden Depression. Insbesondere gegen die manisch-depressive Erkrankung wird Lithium seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt.

Lithium: Noch bessere Suizidprävention als vermutet

Die hochgradige Wirksamkeit von Lithium konnte unlängst von einem britischen Forscherteam unter der Leitung des Dozenten für Psychiatrie Andrea Cipriani im Rahmen einer Metaanalyse bestätigt werden. Dabei trugen die Wissenschaftler sämtliche Daten aus insgesamt 48 Studien der vergangenen Jahre zusammen. Insgesamt werteten die britischen Forscher dabei Material von insgesamt 6674 Patienten in Bezug auf ihre depressive Symptomatik und das einhergehende Suizidrisiko aus. Das Ergebnis war verblüffend: Verglichen mit einem Placebo senkte Lithium die Selbstmordrate um eindrucksvolle 93 %. Daraus resultiert ein Rückgang desGesamtsterberisikos um ebenfalls signifikante 62 %. Der entscheidende Unterschied zwischen den häufig verschriebenen Antidepressiva und Lithium ist Folgender: Ein Antidepressivum reduziert oder beseitigt bei den meisten Patienten zwar die depressiven Symptome, es vermag aber nicht das Risiko von affektiven Handlungen zu beeinflussen. Will heißen: Auch bei der Einnahme von Antidepressiva kann es v. a. bei Patienten mit einer schweren Depression zu plötzlichen Kurzschlusshandlungen gegen das eigene Leben kommen, obwohl sich die Grundstimmung entscheidend gebessert hat. Lithium hingegen wirkt genau gegen diese Bereitschaft und dient somit der Selbstmordprävention.

Aber auch die stimmungsaufhellende Wirkung von Lithium übertrifft die von vielen Antidepressiva. So konnte in den Untersuchungen von Andrea Cipriani eine therapeutische Überlegenheit von Lithium gegenüber Arzneimitteln wie Valproat, Olanzapin, Lamotrigin und Amitriptylin festgestellt werden. Gegenüber Carbamazepin erzielte Lithium sogar eine derart effektivere Wirkung, dass die Vorraussetzungen einer Signifikanz gegeben sind.

Nebenwirkungen müssen beachtet werden

Trotz der insgesamt hervorragenden Wirksamkeit von Lithium müssen die Nebenwirkungen beachtet werden. Der geringen therapeutischen Breite des Wirkstoffes stehen die Gefahr von Schädigungen bestimmter Organe, insbesondere den Nieren und der Schilddrüse gegenüber. Auch klagen nicht wenige Patienten über eine deutliche Gewichtszunahme, die in direktem Zusammenhang mit der Lithiumeinnahme zu sehen ist. Insgesamt gehört auch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Lethargie zum Spektrum der Nebenwirkungen. Cipriani führt aber an, dass sich diese Nebenwirkungen bei einer engmaschigen Kontrolle des Blutpegels und einer möglichst niedrigen Dosierung weitestgehend begrenzen lassen. Im Vordergrund steht klar die positive Wirkung.

Quellenangabe:

  • Pressemitteilung BMJ Group (27.06.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (28.06.2013)
  • Chemie für Mediziner (Axel Zeeck), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie (Klaus Lieb, Sabine Frauenknecht), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Pharmakologie und Toxikologie (Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein), Thieme-Verlag

© medizin.de 2013-2018 (Gunnar Römer)

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit geworden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Depressionen im Jahr 2020 auf Platz zwei der weltweit häufigsten Krankheiten stehen werden. Nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind noch häufiger. Seit den 1950er-Jahren gibt es spezielle Medikamente, die Antidepressiva. Amitriptylin gehört zu diesen Wirkstoffen der ersten Stunde. Und es hilft auch bei bestimmten Schmerzen.

Seit 1961 auf dem Markt

Die ersten Medikamente gegen Depressionen werden als „trizyklische Antidepressiva“ bezeichnet. Zu dieser Gruppe gehört Amitriptylin. Ausgangssubstanz dieser Antidepressiva war die Verbindung Chlorpromazin, die der französische Chemiker Paul Charpentier 1950 erstmalig synthetisierte. Die Substanz wirkte gegen Allergie-Beschwerden, zeigte aber auch eine stark beruhigende Wirkung. In den Folgejahren wurden immer neue Abkömmlinge entwickelt, bis der Pharmakonzern Merck 1961 Amitriptylin auf dem Markt brachte.

Amitriptylin: Ein Alleskönner?

Amitriptylin ist kein Alleskönner, der Begriff „Multitalent“ passt besser. Das Arzneimittel wirkt nicht nur gegen Depressionen, sondern auch gegen chronische Schmerzen. Vor allem in der Behandlung der chronischen Schmerzerkrankung Fibromyalgie erzielt Amitriptylin Erfolge. Aus diesem Grund wird das Medikament auch heute noch sehr häufig verschrieben, obwohl es modernere Antidepressiva gibt. Schmerzpatienten können zudem besser Schlafen und Schmerzattacken werden als nicht mehr ganz so belastend angesehen. Die Dosierung unterscheidet sich je nach Indikation:

  • Depressionen: 100 – 150 mg
  • Schmerzen: 5 – 25 mg

Aufgrund seiner schlaffördernden Wirkung sollten Sie Amitriptylin abends einnehmen. Moderne Antidepressiva (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) werden morgens eingenommen. Sie besitzen einen antriebssteigernden Effekt.

Weitere Indikationen von Amitriptylin

Amitriptylin hemmt auch die Produktion von Speichel. Ärzte nutzen diesen Effekt bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

Verschiedene Wirkungen auf das Gehirn

In unserem Gehirn fließen ständig Informationen von einer Region zur nächsten. Um solche Nervenimpulse weiterzuleiten, bedarf es spezieller Botenstoffe. Hier greifen Amitriptylin (und andere Antidepressiva) ein. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass diese Botenstoffe nicht zu einem großen Teil wieder in die Nervenzellen aufgenommen werden. Dadurch erhöht sich deren Gehalt im Nervenwasser, was sich positiv auf die Stimmung auswirkt. Amitriptylin wirkt auf die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Ein Mangel dieser Verbindungen kann zu Depressionen führen.

Forscher vermuten weitere Wirkungen von Amitriptylin auf den Stoffwechsel unseres Gehirns. So wird die Aktivität eines Botenstoffs mit dem Namen Gamma-Aminobuttersäure (GABA) verstärkt. GABA ist der wichtigste hemmende Signalstoff unseres Gehirns. Hierdurch entfaltet Amitriptylin seine beruhigende und schlaffördernde Wirkung.

Stimmungsaufhellung lässt lange auf sich warten

Eins haben alle Antidepressiva gemeinsam: Der stimmungsaufhellende Effekt lässt lange auf sich warten. Erst nach etwa zwei Wochen dürfen Sie mit einer Linderung der Schwermut rechnen. Es ist völlig normal, dass Sie anfangs keine Änderung spüren. Nehmen Sie das Medikament unbedingt weiter! Bis zur vollen Wirkung können sogar sechs bis zwölf Wochen vergehen. Sollte jedoch überhaupt keine Besserung eintreten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Gegebenenfalls müssen Sie auf ein anderes Präparat umsteigen. Übrigens treten mögliche Nebenwirkungen gerade anfangs auf.

Wirkungen treten nach und nach ein

  • Beruhigende Wirkung: Nach etwa einer Einnahmewoche entfaltet sich der beruhigende und schlaffördernde Effekt
  • Antidepressive Wirkung: Nach frühestens zwei bis drei Wochen hellt sich die Stimmung langsam auf. Gleichzeitig lösen sich langsam aber sicher negative Gedanken.

Amitriptylin macht nicht süchtig

Wie bei anderen Antidepressiva brauchen Sie bei Amitriptylin keine Abhängigkeit zu befürchten. Es ist zur Langzeitanwendung zugelassen. Wenn sich Ihre Beschwerden gebessert haben, sollten Sie die Einnahme noch für mindestens sechs Monate weiterführen. Depressionen werden am besten durch eine Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und Sport behandelt. Sie können Amitriptylin in Form von Kapseln oder Filmtabletten einnehmen. Dies kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.  Die Aufnahme erfolgt durch den Darm, der Abbau durch die Nieren.

Gewichtszunahme ist möglich

Eine Gewichtszunahme unter Amitriptylin ist möglich. Etwa jeder Zehnte Patient nimmt von Amitriptylin zu. Durch die Wirkungen im Gehirn kann das Sättigungsgefühl vermindert werden. Sie können einer Zunahme aber meistens vermeiden, indem Sie auf Ihre Ernährung und ausreichende Bewegung achten. Sport ist bei Depressionen ohnehin sehr empfehlenswert. Nehmen Sie trotzdem an Gewicht zu, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Eventuell findet sich ein passenderes Präparat ohne diese Nebenwirkung.

Weitere Nebenwirkungen von Amitriptylin

Amitriptylin gilt als gut verträglich. Wie jedes Arzneimittel können aber Nebenwirkungen auftreten. Im konkreten Fall sind dies:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Aggressivität
  • Mundtrockenheit
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzschwäche
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • niedriger Blutdruck
  • Verminderung der Libido
  • Orgasmus-Schwierigkeiten (v. a. verzögerter Samenerguss)
  • vermehrtes Schwitzen
  • Hautausschlag
  • Blutbildungsstörungen
  • erhöhter Augeninnendruck

Wechselwirkungen beachten

Amitriptylin sollte nicht mit anderen Medikamenten eingenommen werden, die auf die Psyche wirken, außer Ihr Arzt hat dies ausdrücklich so verordnet. Insbesondere die Einnahme mehrerer Antidepressiva ist nicht ungefährlich. Ein Serotonin-Syndrom ist möglich. Dabei steigt der Serotonin-Gehalt im Gehirn zu stark.

Wechselwirkung von Amitriptylin

Wechselwirkungen bei der Einnahme von Amitriptylin sind mit folgenden Arzneimitteln möglich:

  • andere Antidepressiva und Psychopharmaka
  • Johanniskraut
  • Allergiemedikamente (Antihistaminika)
  • muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien)
  • Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika)
  • Blutgerinnungshemmer

Vermeiden Sie während der Einnahme den Genuss von Alkohol!

Gibt es Kontraindikationen für Amitriptylin?

Personen unter 18 Jahren sollten Amitriptylin nicht einnehmen. Das Gleiche gilt für Schwangere und Stillende. Es liegen hierfür zu wenige Studien vor. Außerdem überwindet Amitriptylin die Plazenta und gelangt in die Muttermilch. Patienten mit Leber- und Nierenerkrankungen (insbesondere Niereninsuffizienz) dürfen kein Amitriptylin einnehmen. Ebensowenig Betroffene des Grünen Stars (Glaukom), da Amitriptylin den Augeninnendruck erhöhen kann. Außerdem können Medikamente gegen den Grünen Star in ihrer Wirkung geschwächt werden. 

Bestehende Herzerkrankungen, vor allem die Koronare Herzkrankheit (KHK) oder Herzrhythmusstörungen können verschlimmert werden. Auch Patienten mit einer Manie oder Epileptiker sind nicht für eine Therapie mit Amitriptylin geeignet. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Amitriptylin: Alt aber gefragt

Alleine in Deutschland nehmen rund 10.000 Menschen Amitriptylin. Antidepressiva ist es zu verdanken, dass viele Depressive ein normales Leben führen können. Gerade Amitriptylin hilft überdies vielen Patienten mit einer Fibromyalgie. Wie für alle Psychopharmaka gilt: Sie können unsere Lebensumstände nicht ändern. Aber sie können uns helfen, unser Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen. Scheuen Sie sich daher keinesfalls, bei entsprechenden Beschwerden mit Ihrem Arzt zu reden. Er wird Sie kompetent beraten.

© 2013 – 2017 medizin.de (Gunnar Römer) zuletzt 11/2017

Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Erst wenn wir Probleme beim Ein- oder Durchschlafen haben, wissen wir diesen zu schätzen. Lassen Sie es nicht soweit kommen. Der Schlaf ist gewiss keine Zeitverschwendung oder nur was für faule Leute, wie dieses zu Beginn unserer Industrialisierung den Menschen vorgehalten wurde. In anderen Ländern ist sogar das Mittagsschläfchen Sitte - sogar in dem hochentwickeltem Japan!

Stellen Sie Ihren Schlaf in den Mittelpunkt Ihres Lebens. Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Schlaf und bereiten Sie sich jeden Abend mit einigen Ritualen darauf vor. Gönnen Sie sich die Auszeit - mindestens 6 Stunden, maximal 9 Stunden täglich. Sie werden feststellen, dass Sie hinterher viel entspannter und konzentrierter sind.

Halten Sie sich immer vor Augen: Schlaf ist wichtig - für unseren Körper und unserem Geist.

Die wichtigsten Schlaftipps in Kürze: 

1. Entspannende Musik

Besonders gut geeignet sind ruhige, sanfte Stücke. Spezielle Entspannungsmusik gibt es im Musikfachhandel.

2. Ein heißes Bad wirkt entspannend

Vor allem, wenn es mit einem Badeöl oder -salz angereichert ist, das einschlaffördernde Substanzen enthält.

3. Eine Tasse Kräutertee

Eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen getrunken. Besonders gut geeignet sind Kräuter wie: Melisse, Baldrianwurzeln, Hopfen.

4. Nie mit vollem Magen ins Bett gehen

Wenn der Körper mit der Verdauung beschäftigt ist, ist er nicht auf schlafen eingestellt. Sie schlafen unruhig und wachen nachts leichter auf. Die letzte Mahlzeit sollte mindestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

5. Tun Sie im Bett nichts anderes als schlafen

Wer im Bett liest, fernsieht oder gar Probleme wälzt, darf sich nicht wundern, wenn er nicht einschlafen kann. Der Körper lernt dann das Bett auch mit anderen Tätigkeiten als schlafen in Verbindung zu bringen. Die fatale Folge: der Körper ist auf Aktivität eingestellt. Eine Tätigkeit bildet die Ausnahme: Sex ! Denn körperliche und seelische Entspannung steigern anschließend das Einschlafen.

6. Erst zu Bett, wenn Sie wirklich müde sind

Der Körper zeigt durch Müdigkeit sein Schlafbedürfnis. Mit anderen Worten: Ihr Körper holt sich den Schlaf, wenn er ihn braucht. Warum also ins Bett, wenn Sie gar nicht müde sind? Hören Sie auf Ihren Körper und nicht auf Ihre Uhr.

7. Machen Sie aus dem Schlafengehen ein Ritual

Gewöhnen Sie sich an, vor dem Schlafengehen immer den gleichen Beschäftigungen nachzugehen. Tun Sie Dinge,die Ihnen Freude machen, z.B. Lesen, Tagebuch schreiben, spazieren gehen usw.

8. Legen Sie sich einen Apfel neben das Bett

Ein uraltes Hausmittel. Der Duft eines frischen Apfels fördert die Entspannung.

9. Stehen Sie jeden Morgen zur gleichen Zeit auf

Sie werden sehen, Ihr Körper gewöhnt sich schnell daran. Wenn Ihre innere Uhr weiß, wann es Zeit zum Aufstehen ist, werden Sie mit der Zeit auch abends rechtzeitig die nötige Bettschwere bekommen. Wie gesagt: der Körper holt sich den Schlaf, den er braucht.

10. Milch mit Honig

Trinken Sie vor dem Zubettgehen ein Glas heiße Milch mit einem Löffel Honig. Das beruhigt.

11. Machen Sie einen Gute-Nacht-Spaziergang

Viele Menschen können besser schlafen, nachdem Sie sich am Abend noch ein wenig die Beine vertreten haben.

12. Aromaöle

Düfte haben einen großen Einfluss auf unsere Stimmung. Im Fachhandel gibt es eine große Auswahl an geeigneten Duftölen. Über einer Kerze erwärmt, verströmen sie einen beruhigenden und entspannenden Duft.

13. Kühle Farben entspannen

Achten Sie darauf, dass in Ihrem Schlafzimmer kühle Farben wie Blau- und Grüntöne - dominieren.

Achtung zu warme Farben regen eher an.

14. Sorgen Sie für ausreichende Luftfeuchtigkeit

Trockene Raumluft kann sich ungünstig auf den Schlaf auswirken. Deshalb ( 45-65 Prozent relative Luftfeuchtigkeit)

15. Trinken Sie ein Glas Wein vor dem Zubettgehen

Alkohol in kleinen Mengen (max. 0,21 Wein oder 1 Glass Bier!) wirkt sich günstig auf den Schlaf aus. Aber Vorsicht: zuviel Alkohol verschlechtert die Schlafqualität!

16. Keine Pflanzen im Schlafzimmer

Topfpflanzen, aber auch Schnittblumen, produzieren zwar bei Tageslicht Sauerstoff, den wir alle zum Atmen brauchen, bei Dunkelheit jedoch stellen sie die Sauerstoffproduktion ein und verströmen statt dessen ungesundes Kohlendioxid.

17. Erlernen Sie Entspannungsverfahren

Es gibt heute viele unterschiedliche Methoden, wie man lernen kann, sich zu entspannen. Unser Tipp: Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse oder Präventologen in Ihrer Nähe. Fast alle bieten solche Kurse an.

18. Eine Massage kann herrlich entspannend sein

Es kommt gar nicht darauf an, dass sie orthopädische Fachkenntnis besitzen. Die Hauptsache ist, dass Sie sich wohlfühlen dabei. Diese Methode hat nur einen Haken: Sie brauchen einen Partner.

19. Denken Sie positiv

Wenn Sie die Hektik des Tages nicht zur Ruhe kommen lässt, versuchen Sie, an etwas Angenehmes, Schönes und Ruhiges zu denken. Das kann eine schattige Waldlichtung an einem Sommermorgen sein, ein gemütlich loderndes Kaminfeuer, ein Korb junger spielender Kätzchen. Auch der Gedanke an ein schlafendes Baby kann helfen.

20. Schäfchen zählen

Dieser Tipp ist durchaus ernst gemeint. Dabei ist es natürlich nicht wichtig ob Sie Schäfchen, Kühe, Rehe oder Autos zählen. Wichtig: die Monotonie einer sich immer wieder gleichförmig wiederholenden Bewegung lenkt die Gedanken ab. Der Geist kann entspannen und findet so Ruhe.

21. Angenehme Raumtemperatur

Im Winter kann ein Schlafraum durchaus etwas beheizt werden. Sorgen Sie für eine Raumtemperatur nicht unter 16°-18°. Zu kühle Räume neigen zu Schimmelbildung, da die Feuchtigkeit die der Körper nachts ausscheidet nicht abtrocknen kann.

22. Richtiges Lüften

Richtiges Lüften heißt nicht Tag und Nacht die Fenster gekippt zu halten: Besseres Lüften ist das sogenannte Stoßlüften. Hier wir empfohlen abends vor dem Zubettgehen und morgens nach dem Aufstehen das Fester für circa 15 Minuten ganz zu öffnen. Bei dieser Methode findet ein richtiger Frischluftaustausch im Raum statt. Achtung: - nicht sofort nachheizen, sonst besteht die Gefahr von Schimmelbildung!

Die richtige Umgebung - der Wohlfühlraum

Nicht nur die richtige Schlafunterlage ist wichtig, wenn Sie entspannten Schlaf wünschen, sondern auch das richtige Drumherum im Schlafzimmer. Umfragen zufolge verdient das Schlafzimmer eher den Begriff Arbeitszimmer oder Abstellkammer. Machen Sie Ihr Schlafzimmer zum Wohlfühlraum, verbannen Sie den PC und den Schreibtisch aus diesem Zimmer. Nur wenn Sie hier nicht arbeiten, können Sie auch nachts vollkommen entspannen. Ein Schreibblock am Schreibtisch darf oder sollte es schon sein. Haben Sie etwas wichtiges vergessen zu erledigen? Schreiben Sie es einfach auf und Sie müssen nicht dauernd daran denken, dieses ja nicht am nächsten morgen zu erledigen.

Elektrische Geräte sollten Sie im Schlafraum vermeiden. Der entstehende Elektrosmog stört Ihren Schlaf. Dazu gehört neben PC, Fernseher, Telefon und Handys auch der elektrische Radiowecker. Schalten Sie Ihr WLAN nachts ab. Batteriebetriebene Funkwecker müssen Sie übrigens nicht fürchten, da Sie nur empfangen nicht senden. Achten Sie beim Kauf eines Motorrahmens auf eine Netzfreischaltung. Eine Musikanlage, die nicht gerade in unmittelbarer Nähe des Bettes steht, sorgt mit leiser Entspannungsmusik für leichteres Einschlafen und darf getrost bleiben.

Räumen Sie sämtlichen Krempel aus dem Schlafzimmer. Je weniger sich hier befindet, desto besser. Ja auch das Bügelbrett - einfach alles, was Sie an Arbeit erinnert. Weniger Schränke, mehr Bilder (mit schönen Motiven und in beruhigenden Farben), vielleicht ein paar schöne Accessoires. Allergiker sollten auf Pflanzen und Blumen (wegen möglicher Schimmelbildung der Erde oder Blütenpollen) verzichten. Ein schöner Wandanstrich in hellen, zarten und warmen Farben wirkt oft Wunder. Schöne Bettwäsche - natürlich aus Baumwolle, Microfaser oder wer es sich leisten kann: Seide. Vorhänge gestalten diesen Raum nicht nur wohnlicher, sondern halten zugezogen sogar besonders im Sommer Wärme und Licht draußen. Der passende Teppichboden sorgt nicht nur für warme Füße beim Aufstehen, sondern bindet auch den Staub und hält den Raum weitestgehend staubfrei. Jetzt noch eine dezente Beleuchtung oder sogar noch eine per Dimmer regulierbare Beleuchtung. Fertig.

Entspannung ist der Grundstein für einen erholsamen Schlaf

Stress ist der Schlafkiller Nr. 1. Ängste und hohe Belastungen in Familie und Beruf lassen fast jeden schlaflose Nächte bescheren. Die Anspannung sorgt nicht nur für hohen Blutdruck, sondern lassen die Gedanken in unseren Kopf kreisen. Die Folge für die fehlende Nachtruhe sind Tagesmüdigkeit, mangelnde Konzentration und steigende Aggressivität - genau das, was für die Behebung von Konflikten und der Ängste nicht förderlich ist.

Techniken zur Entspannung lösen zwar nicht unmittelbar die Ursache, doch bieten Sie die Basis einfach mal abzuschalten und einen klaren Kopf zu bekommen.

Ob autogenes Training, Yoga, progressive Muskelentspannung oder Soundersleep - eines haben Sie gemeinsam: Die Konzentration auf seinen Körper, sein Geist, seine Haltung und seine Atmung abseits von den belastenden Gedanken. Durch eine gleichmäßige und tiefe Atmung beruhigt sich der Körper, die Muskulatur entspannt.

Die am häufigsten Entspannungstechniken unterscheiden sich durch die grundlegenden Techniken:

- Yoga:

Meist in sitzender oder stehender Haltung werden klare Bewegungsabläufe durchgeführt, welche die Kräftigung und Bewegung des Körpers dienen. Yoga beinhaltet zudem zahlreiche Meditationstechniken zur Entspannung.

- Autogenes Training:

Mit Hilfe einer gleichmäßig tiefen Atmung und konzentrierten Gedanken auf seinen Körper - üblich in der Droschkenkutscherhaltung - erreichen Sie ein Schweregefühl Ihrer Gliedmaßen, Steigerung der Durchblutung und Abschweifen der Gedanken eine optimale Entspannung.

- Progressive Muskelentspannung:

Durch die bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen erreichen Sie einen Zustand tiefer Entspannung. Diese Form ist besonders für diejenigen geeignet, denen das sich Fallenlassen schwer fällt oder eine Technik sucht, die er in bestimmten Situation mal eben kurz angewendet werden kann.

- Sounder Sleep

stammt aus den USA und ist eine Mischform der oben genannten Entspannungstechniken und wurde speziell für Menschen mit Schlafproblemen entwickelt. In Deutschland führen u.a. die Schlafschulen der „Kompetenz-Zentren gesunder Schlaf“ Kurse durch.

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Wer zu wenig schläft riskiert Hungerattacken und langfristig Adipositas. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Kalifornien, die Probanden bewusst unter Schlafentzug stellten und im Anschluss daran deren Essverhalten erforschten. Das Ergebnis war eindeutig: Je weniger Schlaf die Personen in der Nacht zuvor bekamen, desto größer war der Appetit auf stark kalorienreiche Lebensmittel, wie beispielsweise Chips, Schokolode und Erdnussbutter. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wer schlank werden bzw. bleiben möchte, sollte neben einem guten Frühstück, einer allgemein ausgewogenen Ernährung und Bewegung auch auf ausreichend nächtliche Ruhe achten.

Kalifornische Wissenschaftler vergleichen Essverhalten

Bereits seit vielen Jahren sind sich Ernährungswissenschaftler sicher, dass ein Zusammenhang zwischen den Schlafgewohnheiten und dem Ernährungsverhalten beim Menschen besteht. Auch die eigentliche Tatsache, dass sich zu wenig Schlaf förderlich auf die Entstehung von Übergewicht auswirkt, ist an sich nicht neu. Bisher konnten aber keinerlei physiologischen oder psychologischen Gründe für diese Tatsache festgestellt werden. Um dies zu ändern wurden unlängst 23 vollkommen gesunde Probanden zu einer entsprechenden Untersuchung an die Universität von Kalifornien in Berkeley gebeten.

Die Testpersonen wiesen keinerlei körperliche Erkrankungen auf und waren allesamt normalgewichtig. Alle Personen sollten dabei zwei Nächte im universitätseigenen Schlaflabor verbringen, wobei die beiden Nächte in Bezug auf die Schlafmöglichkeiten sehr unterschiedlich gestaltet wurden. Während die 23 Teilnehmer in der ersten Nacht 8 Stunden lang schlafen konnten, wurden sie in der zweiten Nacht vollständig wach gehalten. Um auch die nächtliche Stoffwechselrate entsprechend aktiv zu halten und quälenden Hunger zu vermeiden standen den Probanden in der durchwachten Nacht Äpfel und Cracker mit Erdnussbutter als Nahrungsmittel zur Verfügung.

Müde Probanden lechzten nach kalorienreicher Nahrung

An den zwei Morgen stellten ihnen das Wissenschaftspersonal unter der Leitung von Matthew Walker lediglich ein leichtes Frühstück zur Verfügung, ehe den müden Probanden Fotos von diversen Nahrungsmitteln gezeigt wurden. Von den insgesamt 80 gezeigten Bildern sollten sich die Testpersonen die für sie als am schmackhaftesten eingeschätzten Lebensmittel heraussuchen. Dabei ergaben sich teilweise gravierende Unterschiede in der Nahrungsmittelwahl. Unter dem Einfluss der starken Müdigkeit entschieden sich nahezu alle Versuchspersonen für stark kalorienreiche, schwere Speisen. V. a. klassische zuckerhaltige Nachspeisen standen in der Gunst der ansonsten völlig normalgewichtigen Probanden ganz oben.

Anhand von Berechnungen bildeten die Forscher eine Differenz zwischen den Speisewünschen der ersten und der zweiten Nacht – mit verblüffendem Ergebnis: Nach der unnatürlich langen Wachphase summierten sich die Speisewünsche auf eine Gesamtzahl, die rund 600 kcal über denen der ersten Nacht lag. Langfristigwürde dieser Unterschied sicher zu einer Adipositas führen, deren Folgen Bluthochdruck, Arteriosklerose, Diabetes mellitus und Herzinfarkt sein können.

Neuronale Hemm-Mechanismen werden unterdrückt

Während den visuellen Eindrücken durch die Nahrungsmittel wurden die Gehirne der Probanden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht. Dabei war eine Hirnregion die ganze Zeit besonders aktiv: Die Amygdala bzw. die Corpora amygdaloideum. Diese Region ist das emotionale Zentrum unseres Gehirns und für die emotionale Auswertung von Sinneseindrücken zuständig. Im Normalfall unterliegt dieser Prozess zusätzlich einer rationalen Bewertung durch den präfrontalen Kortex. Letzterer verhilft uns zu vernunftorientierten Entscheidungen und einer faktenbezogenen Analyse.

Genau dieser Hirnbereich ist aber als Folge des Schlafmangels nur sehr gering aktiv, sodass sich die Amygdala durchsetzt. Die konkrete Folge ist: Die von Schlafmangel geprägten Menschen suchen ihre Speisen v. a. danach aus, was ihnen am besten schmeckt und was am schnellsten Sättigung bringt. Eine Analyse über Nährstoffgehalt, Kalorienreichtum und sonstige gesundheitlich relevante Parameter unterbleibt weitestgehend. Das Vorhaben, sich gesund zu ernähren und eine sportlich-schlanke Figur zu erlangen bzw. zu erhalten, lässt sich folglich nur mit ausreichend Schlaf realisieren.

Quellenangabe:
  • Studien-Abstract: The impact of sleep deprivation on food desire in the human brain (06.08.2013)
  • Pressemitteilung der University of California, Berkeley (06.08.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (07.08.2013)
  • Neuroanatomie – Struktur und Funktion (Martin Trepel), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Kurzlehrbuch Physiologie (Jens Huppelsberg, Kerstin Walter), Thieme-Verlag
  • Biochemie des Menschen (Florian Horn), Thieme-Verlag

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Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl wenn einem das Herz sprichwörtlich bis zum Hals schlägt. Gelegentliches Herzrasen ist nichts Ungewöhnliches und in den meisten Fällen harmlos. Es ist trotzdem verständlich, dass Ihnen ein schnell schlagendes Herz Unwohlsein bereitet. Herzrasen ist eine normale Reaktion des Körpers auf körperliche oder psychische Belastungen. Nach einem Workout im Fitnessstudio wird Ihr Puls hoch sein – und das ist auch gut so!

Ein Netzwerk aus Nerven und Rezeptoren registriert ununterbrochen die Blutversorgung unseres Körpers. Ist diese für die aktuelle Situation zu gering, steigert unser Organismus Blutdruck und Puls. Bei häufigem, scheinbar grundlosem Herzrasen sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Liegt keine Erkrankung vor, können Sie gelegentliches Herzrasen auch selber lindern.

Massage am Hals stoppt Herzrasen

Es klingt paradox: Aber eine leichte Massage am Hals kann Herzrasen lindern. Suchen Sie hierzu beidseits die Stellen, an denen auch der Puls unserer Halsschlagadern spürbar ist. Führen Sie hier mit Zeige- und Mittelfinger sanfte, kreisende Bewegungen aus. Vermeiden Sie dabei zu starken Druck. Häufig sinkt der Puls bereits nach wenigen Minuten. Auch der Blutdruck wird niedriger. Machen Sie die Massage nur im Sitzen oder Liegen. Im Stehen besteht die Gefahr von Kreislaufproblemen.

Druckrezeptoren werden gereizt

An exakt der Stelle, die Sie massieren, befinden sich Sensoren für die Blutdruckmessung (Pressorezeptoren). Hier gabelt sich die große Halsschlagader (Arteria carotis communis) in ihren inneren (A. carotis interna) und äußeren (A. carotis externa) Ast. Am Beginn der inneren Arterie liegt eine kleine Gefäßerweiterung (Karotissinus). Hier liegen die Nervenendigungen, die für die Blutdruckkontrolle in der Arterie verantwortlich sind. Diese Rezeptoren sind über verschiedene Nervenbahnen mit dem Gehirn verbunden, wo der Blutdruck entsprechend angepasst wird.

Massage erzeugt vermeintlich hohen Blutdruck

Ist der Blutdruck in der Halsschlagader hoch, senden die Druckrezeptoren ein Signal an das Gehirn. Im sogenannten verlängerten Rückenmark (Medulla oblongata) sitzt unser Kreislaufzentrum. Hier wird das Signal empfangen und bei hohem Blutdruck wird dieser zusammen mit der Herzfrequenz gesenkt. Die Halsmassage täuscht den Druckrezeptoren einen hohen Blutdruck vor. Das Herzrasen lässt dadurch nach.

Gegen geschlossene Nase atmen

Halten Sie sich für mindestens zehn Sekunden die Nase zu atmen gleichzeitig kräftig aus. Ihre Bauch- und Atemmuskulatur wird hierdurch stark angespannt. Zudem steigt der Luftdruck in Ihren gesamten Atemwegen. Alternativ können Sie auch die Stimmritze verschließen. Diese Methode wurde von dem italienischen Mediziner Antonio Maria Valsalva (1666 – 1723) entwickelt und nach ihm benannt. Mediziner sprechen vom Valsalva-Manöver.

Durch den erhöhten Druck im Brustkorb gelangt weniger Blut zum Herzen. Zuerst sinkt die Blutmenge in der rechten, dann in der linken Herzkammer. Spätestens dann sinkt Ihre Herzfrequenz deutlich ab. Halten Sie die Luft aber keinesfalls länger als zehn Sekunden an. Ansonsten droht ein Kreislaufkollaps.

Weitere Anwendungen des Valsalva-Manövers

Das Valsalva-Manöver wird auch vielfältig in der Diagnostik angewendet:

  • radiologische Untersuchung der Beinvenen
  • Beurteilung des Trommelfells (dieses wölbt sich beim Valsalva-Manöver nach außen)
  • Abhören (Auskultieren) des Herzens bei Verdickung der Herzwände (Hypertrophe Kardiomyopathie); hier führt das Valsalva-Manöver zu einem sog. Pressstrahl-Geräusch

Bei häufigem Herzrasen Arzt aufsuchen

Trotz aller Selbsthilfe: Gehen Sie bei häufigem Herzrasen unbedingt zum Arzt. Es kann eine Erkrankung dahinterstecken. Wird diese behandelt, verschwindet auch das Herzrasen. Verzichten Sie auch unbedingt auf die genannten Tipps, wenn bei Ihnen bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekannt ist. Hier ist professionelle Hilfe gefragt.

Typische Auslöser von Herzrasen

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Medikamente und Drogen
  • Aufputschmittel (z. B. Koffein)
  • Vergiftungen
  • Nikotin
  • Stress
  • hormonelle Störungen (z. B. Wechseljahre)
  • Hyperkinetisches Herzsyndrom
  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Koronare Herzkrankheit
  • Blutverlust (z. B. Verletzungen)
  • Schock
  • Lungenembolie
  • Kammerflimmern
  • Vorhofflimmern
  • Störungen des Erregungsbildungssystems

Konnte Ihr Arzt eine ernste Erkrankung ausschließen, spricht aber nichts gegen die Anwendung der Tipps. Leicht wirksam, wenn auch nicht so effektiv wie die genannten Methoden, ist übrigens auch das rasche Trinken eines kohlensäurehaltigen Getränkes mit anschließendem Aufstoßen.

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Achselschweiß ist keine eigenständige Erkrankung sondern ein Symptom. Daher suchen Ärzte nach der Grunderkrankung, die das vermehrte Schwitzen auslöst. Achselschweiß ist – auch wenn er vorübergehend verstärkt auftritt – erst einmal kein Grund für einen Arztbesuch. Vor allem dann nicht, wenn die Ursache eindeutig ist. So ist es völlig unbedenklich, wenn Sie im Hochsommer eine Nässe unter den Armen verspüren. Sie sind damit nicht alleine! Auch die besten Deodorants können bei tropischen Temperaturen keine Wunder vollbringen

Arztbesuch bei unerklärlichem Schwitzen

Ist keine Ursache ersichtlich oder leiden Sie schon über Monate unter starkem Achselschweiß, kann eine Erkrankung dahinterstehen. Gehen Sie in diesem Fall besser zum Arzt. Das gilt insbesondere, wenn weitere Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Brustenge auftreten. Ihr Arzt wird Sie genau untersuchen und die Ursache finden.

Grunderkrankung muss gefunden werden

Wichtig für die Diagnose ist zunächst Ihre Krankengeschichte (Anamnese). Bei der Patientenbefragung findet der Arzt möglicherweise schon erste Anhaltspunkte für den starken Achselschweiß (z. B. starkes Übergewicht). Im Anschluss daran folgt eine ausführliche Untersuchung, je nach Umfang bestehend aus:

  • Blutdruckmessung
  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Ultraschall
  • Röntgen
  • Computertomografie (CT)
  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Schilddrüsenuntersuchung

Nicht immer findet sich eine Ursache

Findet Ihr Arzt keine Ursache, handelt es sich um das krankhafte Schwitzen. Mediziner sprechen von einer primären Hyperhidrose. Liegt dagegen eine konkrete Erkrankung o. ä. vor, handelt es sich um eine sekundäre Hyperhidrose. Die primäre Form lässt sich nur schwer diagnostizieren, da es keine (außer das Schwitzen selber) speziellen Hinweise darauf gibt. Dennoch kann Ihr Arzt ein normales von einem krankhaften Schwitzen unterscheiden. Er bedient sich hierzu folgender Untersuchungsmethode:

Der Jod-Stärke-Test

Mit dem Jod-Stärke-Test kann der Arzt testen, wie stark die Schweißproduktion in den Achselhöhlen (oder anderen Körperstellen) ist. Die Untersuchung läuft folgendermaßen ab:

  • Gründliche Reinigung der Achselhöhlen
  • Trocknung der Achselhöhlen
  • Bestreichen der Achselhaut mit Iod-Kaliumiodid (Lugol´sche Lösung)
  • Bestreuung der Hautpartie mit Speisestärke, nachdem die Lösung getrocknet ist
  • An Stellen mit starker Schweißbildung zeigt sich eine tiefdunkel-violette Einfärbung

Um die genaue Schweißmenge zu bestimmen, wird dieser mit einem Filterpapier aufgesogen und anschließend mit einer Ultrafeinwage gewogen.

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Teil 1: Achselschweiß: Allgemeines

Teil 2: Achselschweiß: Ursachen

Teil 3: Achselschweiß: Diagnose

Teil 4: Achselschweiß: Therapie

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Achselschweiß hat viele Ursachen – von körperlich bis psychisch.

Schwankungen in der Produktion von Achselschweiß sind vollkommen normal und sogar wichtig. Die Menge richtet sich vor allem nach der Außentemperatur. Durch die Verdunstung des Schweißes wird unser Körper gekühlt. Wir schwitzen also um nicht zu überhitzen. Gerade bei feucht-heißem Klima – wie in den Tropen – läuft der Schweiß in Strömen.

Kleidung und Gewicht spielen entscheidende Rolle

Luftundurchlässige und zu warme Kleidung sind eine wichtige Ursache für Achselschweiß. Tragen Sie besser atmungsaktive, luftige Klamotten. Auch Sport oder körperliche Anstrengung steigern das Schwitzen – und das ist auch gut so! Ansonsten würden Sie beim Training rasch überhitzen. Auch Übergewicht ist eine Ursache für vermehrten Achselschweiß. Fettleibige Menschen schwitzen viel mehr als ihre normalgewichtigen Zeitgenossen, schon bei geringeren Temperaturen. Ein schwerer Körper lässt sich viel schwerer kühlen als ein schlanker.

Achselschweiß: Hormone und Diabetes als Ursachen

Hormonschwankungen erhöhen die Menge an schweiß deutlich. Frauen kennen das Phänomen aus den Wechseljahren. Auch Erkrankungen des Hormonsystems können Achselschweiß fördern. Insbesondere eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist dafür bekannt. Dabei ist der gesamte Stoffwechsel des Körpers überaktiv. Auch die Schweißdrüsen unter den Armen arbeiten gewissermaßen auf Hochtouren. Auch eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) bei einem Diabetes mellitus führt häufig zu Schweißausbrüchen, wenn auch nur vorübergehend.

Weitere Erkrankungen, die zu vermehrtem Achselschweiß führen können

  • Infektionen mit Fieber
  • Morbus Parkinson
  • Rheuma
  • Krebs

Psychische Ursachen und Medikamente

Bestimmte Medikamente lösen vermehrtes Schwitzen aus. Das gilt vor allem für bestimmte Antidepressiva. Gerade die modernen Vertreter sorgen in hoher Dosierung für eine starke Achselschweißproduktion. Sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) steigern das Schwitzen am gesamten Körper. Hierfür bekannt sind auch kortisonhaltige Arzneimittel und manche Schmerzmittel. Bleiben noch psychische Ursachen für Achselschweiß: Stress und Angst lassen die Achseln schneller nass werden, das vegetative Nervensystem läuft auf Hochtouren.

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Teil 1: Achselschweiß: Allgemeines

Teil 2: Achselschweiß: Ursachen

Teil 3: Achselschweiß: Diagnose

Teil 4: Achselschweiß: Therapie

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Rund zwei Millionen Schweißdrüsen befinden sich in unserer Haut. Die höchste Dichte findet sich im Bereich von Handteller, Stirn und Fußsohlen. Auch in den Achselhöhlen sind die Schweißdrüsen zahlreich vorhanden. Grundsätzlich ist Schwitzen für den Körper lebensnotwendig: Es sorgt für eine Regulation der Körpertemperatur und beugt einer Überhitzung des Körpers vor. Der Achselschweiß gelangt durch sehr kleine Gänge an die Körperoberfläche wo er schließlich verdunstet. Hierdurch wird unser Organismus gekühlt.

Schwitzen schützt vor Überhitzung

Achselschweiß ist eine sehr dünnflüssige, farb- und geruchlose Flüssigkeit. Sie besitzt einen pH-Wert von rund 4,5 und ist somit leicht sauer. Im Ruhezustand produziert unser Körper bis zu einen Liter Schweiß pro Tag. Bei körperlicher Anstrengung oder krankhaftem Schwitzen (Hyperhidrose) kann dieser Wert um das Zehnfache ansteigen. Mediziner unterscheiden zwei Varianten des Schwitzens:

  • thermoregulatorisches Schwitzen: Es schützt den Körper vor einer Überhitzung
  • nervöses Schwitzen: Wir schwitzen wenn wir aufgeregt sind; zum Beispiel vor einer Prüfung oder einem Vorstellungsgespräch.

Nerven steuern Schweißdrüsen

Unsere Schweißdrüsen werden durch Nervenäste des vegetativen Nervensystems (Sympathikus) aktiviert. Mit Medikamenten können diese Nerven blockiert werden. Dies ist eine Behandlungsmöglichkeit, wenn Sie unter starkem Achselschweiß leiden. Eine andere Option ist die Verstopfung der Schweißgänge. Letzteres geschieht durch Antitranspiranten. Beide Therapiearten führen zu einer deutlichen Verringerung von Achselschweiß. Krankhaftes Schwitzen kann den ganzen Körper betreffen. Achselschweiß gilt aufgrund der sichtbaren Abdrücke unter den Armen als besonders unangenehm. Zudem verursacht diese Form des Schwitzens meistens einen unangenehmen Geruch. Dieser wird durch Bakterien verursacht. Der eigentliche Schweiß ist geruchlos. Als endgültige Behandlung verbleibt die Absaugung der Schweißdrüsen unter den Armen. Die Nebenwirkungen sind gering und die Erfolgsaussichten sehr gut.

© 2014-2018 medizin.de (Gunnar Römer) zuletzt aktualisiert 01/2018

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Teil 1: Achselschweiß: Allgemeines

Teil 2: Achselschweiß: Ursachen

Teil 3: Achselschweiß: Diagnose

Teil 4: Achselschweiß: Therapie

Achselschweiß: Vielfältige Therapie-Optionen stehen zur Verfügung.

Grundsätzlich bedarf Achselschweiß keiner Therapie. Es gibt viele Dinge, die Sie selber unternehmen können. Die notwendigen Produkte sind in großer Auswahl erhältlich. Dabei reicht die Bandbreite von Sprays über Salben und Tees bis hin zu pflanzlichen Tabletten. Erst wenn diese „sanften“ Maßnahmen versagen, sollten Sie einen Arztbesuch erwägen.

Breite Palette an Maßnahmen

Das bekannteste Mittel gegen Achselschweiß sind Deodorants. Diese sind in Forms von Sprays und Rollern erhältlich und werden auf die Hautoberfläche der Achselhöhlen aufgebracht. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkung.

Geruchsneutralisierende Deodorants

Es handelt sich um Deodorants, die lediglich gegen den Geruch von Achselschweiß wirken. Sie reduzieren die Schweißmenge nicht. Nicht der Achselschweiß selber verursacht den unangenehmen Geruch. Es sind vielmehr die Bakterien, die sich auf der Haut ansiedeln. Diese Deodorants enthalten Verbindungen, die den Bakterien-Stoffwechsel hemmen. Ätherische Öle sorgen für einen angenehmen Duft.

Antitranspiranten reduzieren Achselschweiß

Im Gegensatz zu den Deodorants werden Antitranspiranten abends aufgetragen. Über Nacht wirken diese ein und sorgen für eine Verminderung der Schweißproduktion. Antitranspiranten enthalten Aluminiumsalze. Diese ziehen in die Haut ein und verstopfen vorübergehend die Schweißkanäle. Manche Produkte bieten einen mehrtägigen Schutz. Antitranspiranten gibt es als Sprays, Salben oder Puder.

Viele Produkte enthalten eine Kombination aus beiden Wirkmechanismen.

Mit Salbei gegen Achselschweiß

Salbei ist bekannt für seine schweißhemmende Wirkung. Seit Jahrhunderten wird die Pflanze in Form von Tees, Salben und Tinkturen verwendet. Angenehme Nebenwirkung: Salbei lindert Verdauungsstörungen. Sollte Ihr Arzt keine Ursache für den starken Achselschweiß finden, können Sie einen Therapieversuch mit Salbei durchführen. Salbei lindert die Schweißproduktion am ganzen Körper. Somit hilft die Pflanze auch gegen Achselschweiß.

Salbei: Dreifache Wirkung gegen Schwitzen

Salbei lindert Achselschweiß auf drei Wegen:

  • Zusammenziehen der Schweißgänge
  • Blockade der Schweißdrüsen-aktivierenden Nerven
  • Beeinflussung der Zentren im Gehirn, die das Schwitzen steuern

Dass Salbei auch auf die Nerven wirkt, ist erst durch neuere Forschungen bekannt geworden.

Auf ausreichende Dosis achten

Salbeitee ist gesund und schmeckt gut. Auch mag er Sie im Kampf gegen Achselschweiß unterstützen. Um eine ausreichende Wirkung zu erzielen, sollten Sie aber apothekenpflichtige Produkte verwenden. Salbei ist in Form von Kapseln oder Salben erhältlich. Hiermit ist eine ausreichend hohe Dosis gewährleistet.

Was Sie noch tun können

Um Achselschweiß (und auch Schwitzen allgemein) zu reduzieren können Sie noch mehr unternehmen. Meiden Sie scharfe Speisen, da diese die Schweißproduktion des Körpers anregen. Auch große Mengen an Kaffee können im wahrsten Sinne des Wortes „schweißtreibend“ sein. Das Gleiche gilt für hochprozentige Spirituosen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren für vermehrten Achselschweiß ist Übergewicht. Wenn Sie bereits einige Kilo abnehmen schwitzen Sie weniger! Wird das Schwitzen durch eine Erkrankung hervorgerufen, lassen Sie diese behandeln.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Bleiben alle Maßnahmen wirkungslos, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Liegt keine Erkrankung vor, wird der Achselschweiß selber behandelt. Hierfür stehen einige Maßnahmen zur Verfügung.

Botulinumtoxin (Botox)

Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, ist eines der stärksten bekannten Gifte. Der Name Botox ist Ihnen sicherlich schon einmal begegnet. Das Nervengift wird unter anderem in der Ästhetischen Chirurgie gegen Falten eingesetzt. Aber auch gegen Achselschweiß ist es wirksam: Unter die Achselhaut gespritzt, blockiert es die Nervenversorgung der Schweißdrüse. Dadurch erhält diese keine Information mehr und die Schweißproduktion unterbleibt. Die Wirkung hält etwa ein halbes bis ein Jahr an. Erstattet werden die Kosten von 500 bis 1.000 Euro nur in Ausnahmefällen.

Iontophorese

Unter Wasser wird hierbei Strom an die Haut abgegeben. Dadurch soll die Aktivität der Schweißdrüsen verringert werden. Das Verfahren ist nicht so zuverlässig, wie Botox.

Saugkürretage

Der komplette Name dieser Therapie lautet minimal-invasive subkutane Saugkürettage. Das Verfahren ist speziell gegen übermäßigen Achselschweiß zugelassen. Sie erhalten eine lokale Betäubung der Achselhöhle, ehe der Chirurg einen kleinen Hautschnitt setzt. Hierdurch wird Kochsalzlösung ins Gewebe gebracht. Anschließend saugt der Behandler die im Fettgewebe befindlichen Schweißdrüsen ab.

Sympathektomie

Die Sympathektomie ist ein endgültiges Verfahren gegen starken Achselschweiß. Unter Vollnarkose wird in beiden Achselhöhlen ein Hautschnitt gesetzt. Der Arzt schiebt anschließend ein Endoskop bis in den Brustraum. Hier werden die Nerven durchtrennt, die zu den Schweißdrüsen der Achselhöhlen ziehen. Unser Schwitzen wird durch den Sympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, gesteuert. Diese Nerven werden chirurgisch ausgeschaltet. Alternativ können diese auch abgeklemmt werden. Dies kann rückgängig gemacht werden. Der Eingriff kann in Einzelfällen erstattet werden.

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Teil 1: Achselschweiß: Allgemeines

Teil 2: Achselschweiß: Ursachen

Teil 3: Achselschweiß: Diagnose

Teil 4: Achselschweiß: Therapie

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Harakiri mit Dai Dai

Oktober 04, 2017

Schlankheitspillen aus China können töten

Was haben der Zoll, Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf und das Landesuntersuchungsamt Reinland-Pfalz gemeinsam? Alle warnen vor Dai Dai und Li Da. Was klingt wie eine asiatische Blumensorte sind jedoch gesundheitsschädliche Schlankheitspillen aus China.

Psychomittel statt Pflanze

Laut Hersteller soll das Produkt chinesische Pflanzen enthalten. Eine Analyse des Landesuntersuchungsamtes aus Koblenz hat jedoch ergeben, dass in den Dragees der Wirkstoff Sibutramin enthalten ist. Die Dosis ist doppelt so hoch wie bei zugelassenen Medikamenten in Deutschland. Li Da & Co sind als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Arzneimittel deklariert. Die Produkte "Evolution Slim & Slender" der Firma New Life LiDa b.v. sowie "LiDa DaiDai Hua Jiao Nang" der Firma Kunming Dali Industry & Trade Co. Ltd. enthalten Sibutramin. Weitere Produkte mit gleichen Inhaltstoffen werden im Internet auch unter den Bezeichnungen "MIAOZI", und "DARLING TIAN RAN JIAN FEI" als Kapseln sowie "Li Da Lidameiticha Meizi Tea" als Tee angeboten.

Zoll findet über eine Million Kapseln

Das Zollfahndungsamt Frankfurt am Main ermittelt zurzeit in 60 Verfahren gegen zahlreiche Beschuldigte wegen der verbotenen Einfuhr von zulassungspflichtigen Arzneimitteln. Nachdem bereits in 2005 insgesamt circa 125.000 Kapseln sichergestellt wurden, verzeichnen die Frankfurter Ermittler im laufenden Jahr einen drastischen Anstieg: Im laufenden Jahr stellten sie bisher bereits mehr als eine Million eingeschmuggelte Kapseln sicher. Absatz und Handel mit den Präparaten erfolgen sowohl über das Internet als auch über netzwerkartig arbeitende Verteilerstrukturen im gesamten Bundesgebiet. Die illegalen Händler bestellen die Produkte in Asien und versuchen, diese vor allem auf dem Postweg - als Geschenksendung deklariert - nach Deutschland einzuschmuggeln. Zurzeit werden die gesundheitsgefährdenden Arzneimittel vor allem über den Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt versandt. Der Zoll beschlagnahmte in 2006 bereits über eine Million Kapseln - Bundesweite Ermittlungen dauern an.

Antidepressivum als Schlankmacher

Sibutramin ist eng mit modernen Antidepressiva verwandt. Es steigert im Körper den Gehalt der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin. Die Folge ist neben Glücksgefühlen eine Anregung des Stoffwechsels im Fettgewebe und eine Abnahme des Hungergefühls. Außerdem steigt der Energieverbrauch an. In Studien über 24 Wochen nahmen Patienten durch Sibutramin etwa drei bis fünf Kilogramm mehr ab als durch Placebo. Die erzielbare Abnahme lag zwischen fünf und zehn Prozent des Körpergewichts. Grundsätzlich sollte mit Sibutramin erst dann therapiert werden, wenn andere Maßnahmen nicht erfolgreich waren, das heißt, das Gewicht des Patienten in drei Monaten nicht um mehr als 5 kg senken konnten.

Zur unterstützenden Therapie bei Patienten mit ernährungsbedingtem Übergewicht und einem Body Mass Index (BMI) von mehr als 30 kg/m2. Mehr als 35 Todesfälle sind weltweit bereits bekannt, die mit Sibutramin in Verbindung stehen. Grund dafür sind die teils heftigen Nebenwirkungen des Wirkstoffes. Er kann zu deutlich erhöhtem Blutdruck und erhöhter Herzfrequenz bzw. Herzrasen führen. Weitere bekannte Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Verstopfung. Manche Patienten klagen auch über Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit, Sprach- bzw. Sehstörungen und Migräneattacken. Der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft liegen insgesamt 103 Berichte zu Sibutramin vor, darunter vier Herzinfarkte. Dreimal wird Kammerflimmern genannt.

Nebenwirkungen von Sibutramin

  • Angstgefühl
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen
  • Bluthochdruck
  • Empfindungsstörungen mit Brennen oder Taubheitsgefühlen in manchen Körperteilen
  • Herzrhythmusstörung mit erhöhtem Puls
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit und Beeinträchtigungen des Geschmacksinns
  • Schlaflosigkeit
  • Schwindel
  • Übelkeit

"Wegen der negativen Nutzen-Schaden-Bilanz raten wir seit Markteinführung des Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers von dessen Verordnung ab,die Marktrücknahme wäre die richtige und logische Konsequenz" warnte bereits im September 1998 die Fachzeitschrift ARZNEITELEGRAMM. Besonders gefährlich ist die Einnahme von Sibutramin bei hohem Blutdruck oder Magersucht. Zu lebensfährlichen Wechselwirkungen kann es mit Schlankheitsmitteln und bestimmten Antidepressiva (MAO-Hemmer) kommen.

Bei einer Auktion bei ebay.pl wird noch am 17. August 2006 vollmundig versprochen: "Zur Traumfigur ohne zu hungern - 2 bis 7 kg monatlich möglich. Hier bieten Sie auf 1 Packung Lida Daidaihua 100% Original (direkt vom Hersteller). LIDA Kapseln verringern Fettablagerungen und wandeln Fett in Energie um. Ebenso wird das Hungergefühl sehr stark reduziert, und Heißhungerattacken gehören der Vergangenheit an." Am 16. August 2006 konnten die chinesischen Schlankheitspillen noch auf der polnischen Plattform von E-Bay bestellt werden, in Deutschland wurde der Artikel gesperrt, aber das Internet ist ja grenzenlos. Die Gefahren auch.

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