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Heuschnupfen (Pollenallergie): Ursachen

Oktober 04, 2017

Vom Prinzip her verläuft Heuschnupfen genau wie die meisten anderen Allergien: Der Körper identifiziert einen eigentlich harmlosen Auslöser als Bedrohung und es kommt zu einer überschießenden Immunreaktion. Im konkreten Fall kann eine Vielzahl von Pollen zu der teilweise sehr quälenden Symptomatik führen. Heuschnupfen entsteht häufig durch den Blütenstaub von Bäumen, wie Erle, Weide, oder Birke. Aber auch Gräser, Kräuter oder Sträucher – z. B. Roggen, Beifuß oder Haselnuss – sind bekannte Übeltäter.

Typischerweise beginnt die Pollenflug-Saison im März oder April. Nach einem sehr milden Winter sind bereits im Januar bestimmte Pollen nachweisbar, insbesondere von Frühblühern wie Hasel und Erle. Man weiß heute ziemlich genau wie Heuschnupfen auf molekularer Ebene abläuft. Warum dieser aber überhaupt bei manchen Menschen entsteht, ist bis heute nicht umfassend erforscht. Wie bei vielen Krankheitsbildern gilt eine erbliche Vorbelastung als sehr wahrscheinlich. Zudem können bestimmte Umweltfaktoren das Erkrankungsrisiko deutlich erhöhen.

Das Immunsystem spielt verrückt

Alle Pollen besitzten auf ihrer Oberfläche spezielle Proteine, die vom Immunsystem als sogenannte Antigene erkannt werden. Aus irgendeinem Grund stuft das menschliche Abwehrsystem die an sich vollkommen harmlosen Partikel als Gefahr ein. Kommen Mund-, Augen- und Nasenschleimhaut erstmalig mit dem Blütenstaub in Berührung, bildet der Organismus hochreaktive Abwehrmechanismen in Form von Immunglobulinen (IgE-Antikörpern). Nun ist er gewissermaßen auf den „feindlichen Eindringlich“ geprägt. Erfolgt wiederum „Feindkontakt“, verbinden sich die Antikörper mit sogenannten Mastzellen – ebenfalls Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Als Reaktion auf diese Bindung schütten die Mastzellen Entzündungsstoffe in Form von Histamin aus. Im Körper wird eine Entzündungsreaktion entfacht um den vermeintlich gefährlichen Eindringling zu eliminieren.

Histamin führt zu einer Reihe körperlicher Reaktionen:

  • Erweiterung der Blutgefäße: Durch die Senkung des Gefäßwiderstandes sinkt der Blutdruck, während die örtliche Durchblutung angeregt wird. Auf der Haut kommt zu Blasen und Quaddeln, außerdem können sich Ödeme bilden.
  • Steigerung der Magensaftproduktion: Histamin stimuliert spezielle Rezeptoren der Magenschleimhaut,wodurch die Synthese von Magensäure angeregt wird.
  • Bronchokonstriktion: Dieses Fachwort steht für eine Verengung der Bronchien. Im Extremfall werden die Luftwege derart verengt, dass es zu akuter Luftnot kommt. Dieser Mechanismus ist beispielsweise vom Asthma bronchiale bekannt.
  • Entzündungen fördern: Histamin sorgt an denbetroffenen Stellen – bei Heuschnupfen also vor allem an Nase und Augen – für eine vermehrte Ansammlung von Zellen des Immunsystems. Starke lokale Entzündungen sind die Folge.

Gefürchtete Begleiterscheinung des Heuschnupfens: Die Kreuzallergie

Rund die Hälfte aller von Heuschnupfen geplagten Menschen ereilt im Laufe der Zeit ein weiteres Schicksal, genannt Kreuzallergie. Dabei entwickeln Betroffene zusätzlich zur Pollenallergie eine oder mehrere Lebensmittelallergien. Der Grund liegt dabei wieder in den Oberflächenproteinen. Die Eiweiße von Blütenstaub ähneln strukturell betrachtet so sehr jenen von bestimmten Nahrungsmitteln, dass das Immunsystem hier keine Unterscheidung treffen kann. Die Folge: Wer gegen eine bestimmte Pollenart allergisch ist, reagiert auch auf eine Reihe von speziellen Speisen. Dieses Phänomen wird als Kreuzallergie bezeichnet.

Beispiele für Kreuzreaktionen:

  • Gräser: Tomate, Pfirsich, Roggenmehl, Apfel, Kamille
  • Birken: Kirsche, Birne, Orange, Pfeffer, Banane
  • Hasel: Pflaume, Aprikose, Kirsche, Apfel, Birne
  • Beifuß: Dill, Curry, Erdnuss, Kiwi, Möhre

Im Unterschied zu einem Heuschnupfen-Schub beschränken sich die Symptome (Brennen, Jucken, Kribbeln) beim Verzehr der Lebensmittel auf die Mundhöhle.

© medizin.de 2016-2018 (Gunnar Römer)

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