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Migräne: In der Regel tut es weh

Migräne

Hilfe bei menstruationsbedingter Migräne

Ungefähr12% der Bevölkerung der westlichen Länder leiden an Migräne. Erst hundert Jahre ist es her, dass Psychiater Migräneanfälle dem "hysterischen" Frauencharakter zuschrieben. Tatsache ist, dass Frauen bis zu viermal häufiger an Migräne leiden als Männer. Dieser zahlenmäßige Unterschied zeichnet sich mit dem Beginn der Pubertät ab und erreicht um das 40. Lebensjahr sein Maximum.

Mit der weiblichen psychischen Konstitution hat der Kopfschmerz jedoch wenig zu tun. Hormonelle Einflüsse sind dafür verantwortlich, dass Frau mehr leidet, insbesondere während der Menstruation. Die Menstruation ist eine von vielen Triggerfaktoren für Migräne, etwa 7% der Migränepatienten leiden an menstrueller Migräne.

Vor der Regelblutung fällt der Estrogenspiegel ab und macht die Frau anfälliger für migräneauslösende Stressfaktoren. Forscher um Dr. K. Michael Welch vom Kansas University Medical Center in Kansas City fanden heraus, dass gewisse körpereigene Eiweiße (das atriale natriuretische Peptid und Neuropeptid Y) durch den Estrogenspiegel beeinflusst werden. Beide Peptide kontrollieren die Weite der Blutgefäße und beeinflussen die Schmerzkontrolle. Außerdem steigern Estrogene die Endorphinfreisetzung. Endorphine sind körpereigene Schmerzstiller. Ob diese Gründe dafür verantwortlich sind, dass dreimal so viele Frauen wie Männer unter Migräne leiden, müssen weitere Studien zeigen. Experten sprechen nur dann von einer menstruellen Migräne, wenn sie ausschließlich zur Zeit der Blutung auftritt. Leiden Frauen auch zu anderen Zeiten unter Kopfschmerzen, während der Regel aber verstärkt, nennen Ärzte die Migräne "menstruationsassoziiert".

Charakteristisch für die menstruelle Migräne ist, dass die Anfälle besonders heftig verlaufen, lange andauern und auch die Begleitbeschwerden ungewöhnlich heftig sind.Dazu gehören Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufprobleme, Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Naproxen, Eis...

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt für die Akuttherapie das Schmerzmittel Naproxen. Die Kopfschmerzspezialambulanz im Universitätsklinikum Essen rät betroffenen Patientinnen zusätzlich zur Reizabschirmung, viel Schlaf und zu einem Eisbeutel im Nacken.

...oder Triptane gegen MAM

Forscher der City of London Migraine Clinic untersuchten 155 Patientinnen. Die Studie ergab, dass innerhalb von zwei Tagen vor der Menstruation die Wahrscheinlichkeit eines Migräneanfalls bei 71% liegt. Auch am ersten Tag sowie am fünften Tag der Menstruation klagten besonders viele Frauen über eine Migräneattacke. Die Wahrscheinlichkeit eines Migräneanfalls mit Brechreiz als Begleitsymptom liegt innerhalb der ersten drei Tage der Menstruation vergleichsweise fünf Mal höher. Der Neurologe Stephan Silberstein der Thomas Jefferson University in Philadelphia hat die Wirkung des Medikaments Frovatriptan auf menstruationsbedingte Migräne untersucht. Frovatriptan ist ein so genanntes Triptan, das die Gefäßweite im Kopf beeinflusst. Der Wirkstoff ist von allen Mitteln dieser Art am längsten wirksam. Die Therapie beginnt zwei Tage bevor die menstruations-assoziierte Migräne (MAM) erwartet wird. Fast 60% der Patientinnen blieben unterder Therapie beschwerdefrei. Auch der Wirkstoff Naratriptan aus derselben Wirkstoffgruppe hat sich in mehreren Studien als gut wirksam bei MAM erwiesen. Anzumerken ist, dass die üblichen Menstruationsschmerzen durch Triptane nicht gemildert werden, da diese Substanzen keine Schmerzmittel im klassischen Sinne sind. Sie wirken lediglich auf die bei Migräne verengten Gefäße.

Auch die Pille kann Migräne beeinflussen

Auch die Wahl der der geeigneten Verhütungspille kann die Migräneattacken beeinflussen. Als beste Möglichkeit der Vermeidung der menstruellen Migräne scheint sich die estrogenfreie Pille zu sein. Denn je höher der Estrogenspiegel, desto häufiger treten die Migräneanfälle auf. Wenn eine Patientin auf Medikamente verzichten möchte, kann sie versuchen, mit einer Becken-Bindegewebsmassage fünf Tage vor der Menstruation vorzubeugen. Bei einigen Frauen bleiben die Kopfschmerzen dank dieser Behandlungsmethoden sogar völlig aus. Möglicherweise werden dadurch mehr Östrogene als normal mobilisiert, so dass es zu einem geringeren Östrogenabfall kommt. Antiepileptikum zur Prophylaxe "Schutz vor Häufig-Migräne wird zu selten genutzt", diese Auffassung vertritt die Fachzeitschrift "Ärztliche Praxis" im September 2005. Nur 40% der Migränepatienten erhalten eine Vorbeugungstherapie.

Nicht nur Triptane können helfen, Migräneanfällen vorzubeugen, auch Mittel gegen Epilepsie sind wirksam. Der Wirkstoff Topiramat schirmt das Gehirn gegen zu starke Reize ab. Die Anfallshäufigkeit nimmt unter einer Therapie mit dem Wirkstoff ab und die Lebensqualität steigt deutlich an.

Trio mit Wachmacher

Noch bis vor kurzem waren Kombimittel mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein absolut out. Um so mehr überrascht das Vorpreschen des US-Headache Consortiums. Dieses von der amerikanischen neurologischen Gesellschaft zusammengestellte interdisziplinäre Gremium meint, derartige Kombimittel sind möglicherweise besser als ihr Ruf. Es ist inzwischen umstritten, ob sie häufiger als Monopräparate zu analgetika-induzierten Kopfschmerzen führen. Außerdem empfiehtl die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft derartige Kombipräparate.

© medizin.de 2006-2017 (Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie)

Literatur: 1. Loder E. Prophylaxis of menstrual migraine with triptans. Problems and possibilities. Neurology 2002;59:1677-1681 2. Loder E Menstrual migraine: clinical considerations in light of revised diagnostic criteria., Neurol Sci 2005 May;26 Suppl 2:s121-4. 3. Moschiano F, Allais G, Grazzi L, Usai S, Benedetto C, D`Amico D, Roncolato M, Bussone G.: Naratriptan in the short-term prophylaxis of pure menstrual migraine, Neurol Sci. 2005 May;26 Suppl 2:s162-6. 4. N.N. Bei perimenstrueller Migräne kann Frovatriptan Attacken vorbeugen, Ärzte Zeitung Nr. 37, 28.7.2004 5. N.N.: Schutz vor Häufig-Migräne wird zu selten eingesetzt, Ärztliche Praxis, 13. September 2005 6. Stephen D. Silberstein, Arthur H. Elkind, Curtis Schreiber, and Charlotte Keywood : A randomized trial of frovatriptan for the intermittent prevention of menstrual migraine, Neurology 2004; 63: 261-269

Redaktion
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