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Allergie durch Arzneimittel: allergische Reaktionen durch Medikamente

Oktober 04, 2017
Allergie durch Arzneimittel Allergie durch Arzneimittel CCO / pexels.com

Das Interesse von 6.000 Ärzten und Wissenschaftlern auf dem Welt-Allergie-Kongress in München spiegelt die Bedeutung von Allergien wider. Der menschliche Körper kann grundsätzlich auf alle Stoffe allergisch reagieren. Wer den Beipackzettel von Medikamenten liest, dem wird dies bewusst. In der Rubrik Nebenwirkungen wird man häufig vor Juckreiz, Quaddeln oder gar allergischen Schockreaktionen gewarnt.

Symptome einer (Arzneimittel) Allergie:

  • Niesattacken und Fließschnupfen (Rhinitis), starke wässrige Sekretion und Naselaufen, verstopfte Nase
  • Schwitzen
  • Blässe
  • Hautausschlag (Exanthem), Nesselsucht (Urtikaria), Quaddeln mit Juckreiz
  • Schwellung der Schleimhäute in Mund- und Rachenraum
  • Husten und Atemnot bis hin zu Asthma-Anfällen
  • Reaktion des Verdauungstrakts in Form von Durchfall, Blähungen, Erbrechen, Koliken
  • Eventuell Kreislaufkollaps bis hin zum Allergie-(anaphylaktischen) Schock mit Blutdruckabfall und starkem Anstieg der Pulsfrequenz

Wenn Augen, Lippe und Atemwege zuschwellen: Quincke-Ödem

Eine Sonderform der allergischen Reaktion ist das Quincke-Ödem. Neben Arzneimitteln können auch Insektenstiche und -bisse, Injektionen zur Desensibilisierung, Pollen und Nahrungsmittel Auslöser dieser lebensbedrohlichen Akuterkrankung sein. Besonders Blutdruckmittel aus der Gruppe der so genannter ACE-Hemmer und das weit verbreitete Magenmittel Metoclopramid (MCP) neigen dazu, diese Nebenwirkung auszulösen.
Im Gegensatz zum allergischen Hautausschlag, die so genannte Urtikaria, schwellen beim Quincke-Ödem Augenlider, Lippen, die Mundregion und die oberen Luftwege an und unter Umständen zu.
Die Folgen sind rasch einsetzende Atembeschwerden bis zur vollständigen Verlegung der Atemwege. Die Atemgeräusche verleiten zur Fehldiagnose Asthma. Ein "Zuwarten bis es schlimmer wird" bedeutet eine lebensbedrohliche Unterversorgung des Patienten! Dieser Notfall erfordert sofortiges und aggressives Vorgehen mit Maximaltherapie. Sind die Atemwege erst mal zu, ist die Prognose oft schlecht.

Tritt erst verzögert auf: Hypersensitivitätssyndrom

Eine relativ unbekannte Erkrankung ist das Hypersensitivitätssyndrom (HSS). Vor etwa 15 Jahren wurde das Syndrom erstmals ausführlich beschrieben. HSS ist auch unter der Bezeichnung DRESS (Drug Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms) beziehungsweise DIDMOHS (Drug Induced Delayed Multi Organ Hypersensitivity Syndrome) bekannt. Leider fehlen bisher ausreichende Daten, die über die Häufigkeit des Auftretens Aufschluss geben. Die Sterblichkeitsrate dieser allergischen Erkrankung ist hoch und nur rasches Handeln stellt die richtigen Weichen für das Überleben des Patienten. Häufig beginnen die Symptome wie Fieber, Lymphknotenschwellung und Hautausschläge erst zwei bis sechs Wochen nach der Arzneimitteleinnahme. Der Körperstamm, die Extremitäten und das Gesicht werden mit dichten Flecken übersäht. Das Gesicht kann anschwellen, und eine Rachenentzündung mit Geschwüren lassen den Patienten leiden. Multiple Organschäden, wie die Entzündung von Hirn, Herz, Perikard, Darm, Pankreas und Schilddrüse gefährden das Leben des Patienten, wenn sie als Komplikationen auftreten. Anzeichen für einen schweren, meist tödlichen Verlauf ist eine Leberentzündung mit nachfolgendem Leberversagen sowie Nierenversagen. Leider lässt der Hautzustand keinen Rückschluss auf die Beteiligung innerer Organe zu. Auch wenn die Haut frei von Ausschlag ist, sind Organschäden beobachtet worden.

Auslöser

Besonders häufig kann ein HSS nach der Einnahme von Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin auftreten. Auch bestimmte Antibiotika wie Trimetoprim, Minocyclin und Sulfonamide sowie das Gichtmittel Allopurinol und Goldsalze werden als Verursacher verantwortlich gemacht. Auch HIV-Medikamente wie Nevirapan und Zalcitabin können ein HSS auslösen. Keinesfalls darf eine abgesetzte Arzneimitteltherapie nach Besserung der Beschwerden neu aufgenommen werden. Innerhalb weniger Minuten kommt es dann in etwa 30% der Fälle zu heftigsten allergischen Reaktionen mit Fieber, Gesichtsödem und Schock.

Medikamentengruppen, die häufig allergische Reaktionen auslösen:

  • Medikamente gegen Infektionen mit Amoxicillin, Ampicillin, Cotrimoxazol, Miconazol, Streptomycin
  • Medikamente gegen Bluthochdruck mit Captopril und anderen ACE-Hemmern
  • Medikamente gegen Epilepsie mit Carbamazepin, Mesuximid, Phenytoin
  • Medikamente gegen Schmerzen (auch Lokalanästhetika) und Rheuma mit Goldsalzen, Metamizol, Naproxen, D-Penicillamin, Piroxicam
  • Schilddrüsenmedikamente mit Thiamazol- Psychopharmaka mit Chlorpromazin
  • Humaninsulin bei Diabetes mellitus

Erste Hilfe

Bei ersten Anzeichen einer allergischen Reaktion sollte der Betroffene hingelegt und in Schocklage gebracht werden: Bein hoch. Ohne Verzögerung muss der Rettungsdienst alarmiert werden. Zur Abschwellung der Atemwege kann der ansprechbare Patient Eis lutschen oder kalte Getränke zu sich nehmen.

(Matthias Bastigkeit) © medizin.de 2005 (zuletzt aktualisiert 02/2009)  

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