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Ehrlichiose: Übertragung durch Zecken

Die Ehrlichiose beim Menschen ist eine erst vor wenigen Jahren beschriebene Infektionskrankheit, die mit akuten Fieberschüben einhergeht und durch einen Zeckenstich übertragen wird. In Deutschland ist meist der gemeine Holzbock (Ioxedes ricinus) für die Übertragung der Ehrlichiose verantwortlich. Die Erreger sind gram-negative Bakterien, so genannte Rickettsien der Gattung Ehrlichia, die intrazellulär weiße Blutzellen (Granulozyten) befallen und sich dort vermehren. Deshalb wird diese Infektion auch Humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE) genannt. Etwa die Hälfte der Infektionen bleibt vom Betroffenen unbemerkt und verläuft ohne Symptome. Bei diesen Personen wird eine HGE nur durch den Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger im Serum nachgewiesen.

Meist milder Verlauf

Treten dennoch Symptome auf, äußert sich diese ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenbiss in hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Leibschmerzen, Übelkeit, Durchfällen und Erbrechen. Häufig kommt es auch zu einer Rötung der Haut. In Abhängigkeit von der Immunkompetenz des Patienten verläuft die Ehrlichiose -Infektion mild oder mit schweren Ausprägungen mit begleitenden Atemwegserkrankungen, Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Auflösung quergestreifter Muskelfasern (Rhabdomyolyse), in seltenen Fällen auch Meningitis oder Meningoenzephalitis.

Diagnose

Zur Sicherung der Diagnose einer Ehrlichiose dient neben der Beurteilung der Symptomatik, die auch für andere Infektionen typisch sein kann, der Nachweis der Erreger-DNA im Blut durch gentechnische Methoden wie der PCR oder von Antikörpern im Serum. Die PCR wird im Frühstadium der Erkrankung durchgeführt, während der Antikörpernachweis bis zu vier Wochen nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome positiv verläuft. Bisher wurden vier Spezies von Ehrlichia als Erreger der von Zecken übertragenen Ehrlichiose identifiziert. Erkrankungsfälle durch Ehrlichia chaffeensis als Erreger der Humanen monozytären Ehrlichiose (HME) wurden bisher nur in Nordamerika beobachtet. Von Bedeutung für Deutschland ist Ehrlichia phagozytophilia als Auslöser einer HGE. Weitere Unterarten befallen nur Haustiere wie Pferde und Hunde.

Doppelinfektion Borreliose

In Endemiegebieten, in denen auch die gefährlichere Lyme-Borreliose durch Zecken übertragen werden kann, besteht die Gefahr von Doppelinfektionen mit Ehrlichia und Borrelia burgdorferi. Während der Standardtherapie mit Antibiotika kann die Ehrlichiose eine gleichzeitig manifeste Borreliose überdecken. Meist klingen die Krankheitssymptome unter der Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum in wenigen Tagen ab. Neue Erkenntnisse über den Mechanismus der Infektion auf molekularer Ebene könnten zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Ehrlichiose führen.

So klärten Wissenschaftler aus den USA die zellulären Strukturen auf den Granulozyten auf, die den Erregern das Eindringen in das Zellinnere ermöglicht. Eine gezielte Antikörpertherapie, die an diese Strukturen binden und für den Erreger unsichtbar machen, könnte künftig ein Ausbrechen der Ehrlichiose nach der Infektion verhindern.

© 2007-2017 medizin.de (Wolfgang Zimmermann)

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