Anzeige

Ehrlichiose: Übertragung durch Zecken

Oktober 04, 2017
Ehrlichiose: Übertragung durch Zecken

Die Ehrlichiose beim Menschen ist eine erst vor wenigen Jahren beschriebene Infektionskrankheit, die mit akuten Fieberschüben einhergeht und durch einen Zeckenstich übertragen wird. In Deutschland ist meist der gemeine Holzbock (Ioxedes ricinus) für die Übertragung der Ehrlichiose verantwortlich. Die Erreger sind gram-negative Bakterien, so genannte Rickettsien der Gattung Ehrlichia, die intrazellulär weiße Blutzellen (Granulozyten) befallen und sich dort vermehren. Deshalb wird diese Infektion auch Humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE) genannt. Etwa die Hälfte der Infektionen bleibt vom Betroffenen unbemerkt und verläuft ohne Symptome. Bei diesen Personen wird eine HGE nur durch den Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger im Serum nachgewiesen.

Meist milder Verlauf

Treten dennoch Symptome auf, äußert sich diese ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenbiss in hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Leibschmerzen, Übelkeit, Durchfällen und Erbrechen. Häufig kommt es auch zu einer Rötung der Haut. In Abhängigkeit von der Immunkompetenz des Patienten verläuft die Ehrlichiose -Infektion mild oder mit schweren Ausprägungen mit begleitenden Atemwegserkrankungen, Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Auflösung quergestreifter Muskelfasern (Rhabdomyolyse), in seltenen Fällen auch Meningitis oder Meningoenzephalitis.

Diagnose

Zur Sicherung der Diagnose einer Ehrlichiose dient neben der Beurteilung der Symptomatik, die auch für andere Infektionen typisch sein kann, der Nachweis der Erreger-DNA im Blut durch gentechnische Methoden wie der PCR oder von Antikörpern im Serum. Die PCR wird im Frühstadium der Erkrankung durchgeführt, während der Antikörpernachweis bis zu vier Wochen nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome positiv verläuft. Bisher wurden vier Spezies von Ehrlichia als Erreger der von Zecken übertragenen Ehrlichiose identifiziert. Erkrankungsfälle durch Ehrlichia chaffeensis als Erreger der Humanen monozytären Ehrlichiose (HME) wurden bisher nur in Nordamerika beobachtet. Von Bedeutung für Deutschland ist Ehrlichia phagozytophilia als Auslöser einer HGE. Weitere Unterarten befallen nur Haustiere wie Pferde und Hunde.

Doppelinfektion Borreliose

In Endemiegebieten, in denen auch die gefährlichere Lyme-Borreliose durch Zecken übertragen werden kann, besteht die Gefahr von Doppelinfektionen mit Ehrlichia und Borrelia burgdorferi. Während der Standardtherapie mit Antibiotika kann die Ehrlichiose eine gleichzeitig manifeste Borreliose überdecken. Meist klingen die Krankheitssymptome unter der Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum in wenigen Tagen ab. Neue Erkenntnisse über den Mechanismus der Infektion auf molekularer Ebene könnten zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Ehrlichiose führen.

So klärten Wissenschaftler aus den USA die zellulären Strukturen auf den Granulozyten auf, die den Erregern das Eindringen in das Zellinnere ermöglicht. Eine gezielte Antikörpertherapie, die an diese Strukturen binden und für den Erreger unsichtbar machen, könnte künftig ein Ausbrechen der Ehrlichiose nach der Infektion verhindern.

© 2007-2018 medizin.de (Wolfgang Zimmermann)

Anzeige

Beiträge nach Alphabet

# A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Neueste BeiträgeBeliebte Beiträge
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun? Vereinfacht gesagt: Beseitigen Sie die Ursache Ihrer…
Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen? Ja, Ihnen steht eine große Bandbreite rezeptfreier und…
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Bräune nach Urlaub erhalten

Bräune nach Urlaub erhalten

Ob Karibik, Südsee, Spanien oder die Malediven – die Urlaubszeit zieht die Menschen in die sonnigen Gegenden unseres Planeten. Auch in unserem eigenen…

Herzrasen: Tipps zur Selbsthilfe

Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl wenn einem das Herz sprichwörtlich bis zum Hals schlägt. Gelegentliches Herzrasen ist nichts Ungewöhnliches und…
Anzeige

Wichtige Information

Medizin.de stellt Ihnen unabhängige Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung. Diese Informationen ersetzen in keinem Fall die professionelle Beratung und/oder Behandlung durch approbierte Ärzte. 

Die Inhalte von Medizin.de sollen und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständige Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere AGB.
© Medizin.de 2018

© medizin.de    |     Design by It Prisma