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Epilepsie: Diagnose

Oktober 04, 2017
Epilepsie: Diagnose Epilepsie: Diagnose sfam photo / shutterstock.com

Grundsätzlich ist eine Epilepsie als solches zunächst einmal leicht zu erkennen. Zumindest eine Verdachtsdiagnose ist relativ schnell gestellt. Die typischen Krampanfälle sind in der Bevölkerung mittlerweile sehr bekannt und lösen dank der intensiven Aufklärungsarbeit auch nicht mehr die Ängste bei den Beobachtern aus. Um eine adäquate Therapie gegen die Epilepsie einleiten zu können ist dennoch eine intensive Diagnostik durch einen Neurologen notwendig. Nur er kann die Ursache der epileptischen Anfälle herausfinden, wonach sich dann letztendlich auch die Behandlung richtet.

Zunächst einmal muss der Arzt für die umfassende Beurteilung die Art der Anfälle kennen. Hiefür sind Beobachtungen und Schilderungen von Angehörigen elementar wichtig. Aus den Beschreibungen lassen sich oftmals schon erste Schlüsse über die Art und die Ursache der Anfälle ziehen. Nicht jeder epileptische Anfall folgt der klassischen und bekannten Form eines ganzkörperlichen Krampfens. Mitunter sind auch nur einzelne Extremitäten betroffen. Auch verfällt der Epileptiker mitunter in eine Art Trance-Zustand, Krämpfe oder sonstige unkontrollierte Muskelkontraktionen fehlen hierbei völlig. Der Patient ist für einige Minuten nicht ansprechbar. Der Verlauf eines epileptischen Anfalls verrät bereits sehr viel über die anatomische Struktur im Gehirn, in der das Krampfen ausgelöst wird. Falls erforderlich, kann in der Klinik durch spezielles Blitzlicht ein epileptischer Anfall provoziert werden.

Ursache für die Anfälle muss gefunden werden

Selbst wenn feststeht, dass der Patient unter einer Epilepsie leidet, gilt es, die genaue Ursache für das cerebrale Anfallsleiden herauszubekommen. Ein sehr häufiger Grund für die Entstehung einer Epilepsie sind strukturelle Veränderungen im Gehirn. Hierbei kann es sich beispielsweise um die Folgen eines Schlaganfalls handeln. Während eines Apoplexes wird entweder durch eine Hirnblutung oder eine Ischämie (Blutleere) das Hirngewebe nachhaltig geschädigt. Aus solchen Läsionen entstehen meist kurze Zeit später Vernarbungen, die funktionell nicht mehr der ursprünglichen Struktur entsprechen. Solche Narben sind sehr häufig der Auslöser für eine (erworbene) Epilepsie. Aber auch Spätfolgen einer Kopfverletzung oder ein Hirntumor führen mitunter zu unkontrollierten Nervenzellentladungen. All diese Veränderungen in der Beschaffenheit des Gehirns gilt es, mit bildgebenden Verfahren sichtbar zu machen. Besonders geeignet hierfür ist die Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT). Auch ein Schädel-CT kann Schäden sichtbar machen.

Elektroenzephalographie misst Hirnströme

Einige Formen von Epilepsie sind aber auch genetisch bedingt oder gar idiopathisch. Letzteres bedeutet, dass sich keinerlei medizinische Ursache für die Krampfanfälle findet. Um genau beurteilen zu können um welche Art der Epilepsie es sich handelt muss zur Diagnose zwingend eine sog. Elektroenzephalographie (EEG) durchgeführt werden. Bei diesem Verfahren werden mittels auf dem Kopf angebrachten Elektroden die elektrischen Ableitungen (Hirnströme) der Nervenzellen gemessen. Auch außerhalb eines epileptischen Anfalls finden sich teilweise spezifische Anomalien im EEG, die für eine Epilepsie charakteristisch sind. Spezielle Formen der Elektroenzephalographie sind das 24-Stunden-EEG oder die videoüberwachte EEG-Ableitung.

Die weitere Diagnostik

Zur weiteren Epilepsie-Diagnostik empfiehlt sich der Ausschluss von vaskulären Ursachen wie einer tiefen Hirnvenenthrombose oder einer Arteriosklerose der Hirnarterien. Hierzu führt der Neurologe eine Gefäßdarstellung (Angiographie) durch. Auch eine Hirnhautentzündung und eine Reihe hormoneller Störungen (Hypothyreose) können eine Epilepsie auslösen. Selten ist auch eine Hypoglykämie der Auslöser. Zum Ausschluss dieser genannten Erkrankungen sind eine Lumbalpunktion und eine ausführliche Blutuntersuchung durchzuführen.

© 2013-2018 medizin.de (Dr. Florian Korff)

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