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Epilepsie: Ursachen

Epilepsie: Ursachen
Es gibt keine einheitliche Ursache für das Krampfleiden Epilepsie. Vielmehr lässt sich bei rund 40 % der Betroffenen kein organisch nachweisbarer Auslöser identifizieren. Insgesamt gibt es aber eine Vielzahl an möglichen Erkrankungsgründen. Liegt eindeutig eine organische Störung vor, sind die Krampfanfälle als klinisches Zeichen dieser Problematik anzusehen. In diesem Fall spricht der Neurologe von einer symptomatischen Epilepsie. Obwohl das Krampfen nicht direkt weitervererbt wird, spielen die Gene nachgewiesenermaßen eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung. Gehen die Anfälle eindeutig von beschädigten Genen aus, wird die Bezeichnung genetische Epilepsie gewählt.

Liegen keinerlei Grunderkrankungen oder Schädigungen vor, handelt es sich um eine sogenannte idiopathische Epilepsie. Hierbei ist vielmehr die Erregungsschwelle des Gehirns stark herabgesetzt. Lässt sich überhaupt keine Ursache finden, liegt eine kryptogenetische Epilepsie vor. Wie bei vielen Erkrankungen führt oft die Mischung aus endogenen (im Körper liegenden) und exogenen (äußeren) Faktoren zum Ausbruch. Es ist davon auszugehen, dass es noch viele weitere, bislang nicht erforschte Entstehungsursachen gibt.

Die symptomatische Epilepsie – Anfälle als Symptom 

In diesem Fall liegt eine klar identifizierte organische Ursache vor. Die charakteristischen Krampfanfälle treten somit als Symptom auf, daher die Bezeichnung symptomatische Epilepsie. Weitere Namen hierfür sind metabolische oder strukturelle Epilepsie. Besonders häufig liegen hierbei Schädigungen im Hirngewebe vor.

Auslöser einer symptomatischen Epilepsie

  • Schlaganfall
  • Hirnblutung
  • Hirnverletzung
  • Hirntumor
  • Entzündung (v. a. Meningitis oder Enzephalitis)
  • Gefäßerkrankung
  • Gefäßmissbildungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • Vergiftungen

Viele dieser Umstände – allen voran ein Schlaganfall, ein Trauma oder eine Raumforderung – führen zu bleibenden Vernarbungen im Nervenzellgewebe des Gehirns. Solche strukturellen Veränderungen sorgen dann für funktionelle Störungen. Konkret bedeutet das: Die Nervenzellen rund um die Narben bilden immer wieder unkontrollierte Entladungsmuster, die elektrophysiologische Grundlage für einen epileptischen Anfall. Bei einer symptomatischen Epilepsie lassen sich die o. g. Auslöser diagnostisch nachweisen, auch die Vernarbungen sind in MRT- oder CT-Aufnahmen sichtbar.

Treten nach einem Schlaganfall oder einer schweren Kopfverletzung plötzlich Krampfanfälle auf, kann dies auf den symptomatischen Typ hinweisen. Zeigen sich insbesondere bei jungen Menschen plötzlich ohne erkennbaren Auslöser Symptome einer Epilepsie, sollten spezielle Untersuchungen zwecks Ausschluss bzw. Nachweis eines Hirntumors durchgeführt werden. Genetische Ursachen können bei der symptomatischen Epilepsie ebenfalls eine Rolle spielen. Hierbei löst das Erbgut aber nicht die Krampfanfälle selber, sondern vielmehr die gesamte genetische Erkrankung aus (zu der dann die Epilepsie als Symptom gehört). Deshalb sind in solchen Fällen meist noch weitere Symptome zu beobachten.

Die idiopathische Epilepsie: Anfälle scheinbar aus dem Nichts

Lässt sich auch nach eingehender Untersuchung keinerlei Grunderkrankung oder Schädigung feststellen und sind auch keine für die Epilepsie spezifischen Gene mutiert, spricht man von der idiopathischen Epilepsie. Auch wenn sich hier keine genetische Ursache feststellen lässt, liegt die Entstehung wohl in einem Zusammenspiel aus angeborener Neigung und bestimmten Umweltfaktoren.

Typische Auslöser der idiopathischen Form

  • Blitzendes Licht
  • Medikamente
  • Alkohol
  • Drogen
  • Stress
  • Schlafmangel
  • Sauerstoffmangel
  • Hyperventilation

In sehr seltenen Fällen können diese Faktoren auch bei gesunden Menschen zu einem Krampfleiden führen. Das Gehirn eines Epileptikers befindet sich aber andauernd in einem Zustand erhöhter Erregung.  Hier bedarf es keinem Auslöser für einen Anfall. Welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit aus einer angeborenen Neigung wirklich eine  Epilepsie wird, ist noch nicht vollständig erforscht. Schätzungen gehen davon aus, dass bei der idiopathischen Form mehrere hundert Gene beteiligt sein könnten. Eine Epilepsie selber wird aber grundsätzlich nicht von der einen an die nächste Generation weitergegeben. Aus diesem Grund handelt es sich auch nicht um eine Erbkrankheit.

Die genetisch bedingte Epilepsie

Nur selten lässt sich eine Epilepsie zweifelsfrei auf Schädigungen bestimmter Gene zurückführen. Die Diagnose lautet dann: Genetische Epilepsie. Betroffene leiden meistens ausschließlich an den typischen Krämpfen, weisen aber ansonsten keine weiteren medizinischen bzw. neurologischen Besonderheiten auf. Auch Aufnahmen des Gehirns zeigen keinerlei Auffälligkeiten. Es ist nicht auszuschließen, dass auch bei der genetischen Epilepsie bestimmte Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Bekannt ist diesbezüglich aber bis heute nichts. Ebensowenig erfolgt eine direkte Vererbung.

Die Ursache bleibt manchmal im Dunkeln

Teilweise zur idiopathischen Form, manchmal aber auch eigenständig gezählt wird die sogenannte kryptogenetische Epilepsie. Hierbei lässt sich weder eine organische noch genetische Ursache finden. Auch die Hemmschwelle für Anfälle ist anders als bei der idiopathischen Epilepsie nicht messbar herabgesetzt. Wird die kryptogenetische Variante diagnostiziert, sollte hier von Zeit zu Zeit erneut untersucht werden. Denn in sehr seltenen Fällen kann zum Beispiel folgendes Szenario eintreten: Ein Patient leidet plötzlich unter immer wiederkehrenden epileptischen Anfällen, es kann aber keine Ursache gefunden werden. Möglich ist jedoch, dass bereits eine extrem kleine, mit bildgebenden Verfahren noch nicht nachweisbare Raumforderung im Gehirn vorliegt. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man diese vielleicht identifizieren.

Die mit Abstand häufigsten Formen sind die symptomatische und die idiopathische Epilepsie. Im Kindesalter kommen beide Varianten etwas gleich häufig vor. Wird die Diagnose bei Erwachsenen gestellt, entfallen etwa zwei Drittel der Fälle auf die symptomatische Epilepsie. Allen Epilepsie-Formen gleich ist die Tatsache, dass eine Vielzahl von Nervenzellen ungeordnet aktiviert wird und unkontrolliert Impulse abgibt.

© 2016 - 2017 medizin.de (Gunnar Römer)

Quellenangabe

  • Neurologie (Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank), Thieme-Verlag
  • BASICS Neurologie (Marija Pinto), Urban & Fischer
  • Epilepsie: Die Krankheit erkennen, verstehen und gut damit leben (Günter Krämer), TRIAS
  • Epilepsie: Grundlagen und Therapie – Optimierte Arzneimitteltherapie (Gerd Dannhardt), Springer-Verlag
  • Informationstool der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie des Universitätsklinikum Freiburg
Redaktion
Author: RedaktionEmail:

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