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FSME: Virusinfektion durch Zecken

FSME: Virusinfektion durch Zecken

Die meist mit FSME abgekürzte Frühsommer-Meningoenzephalitis (englisch tick-borne encephalitis oder TBE) wird durch das FSME-Virus hervorgerufen. Das Virus gehört zur gleichen Gruppe wie das Dengue-Fieber- und Gelbfiebervirus, es besteht aus einer einsträngigen RNA plus einer Kapsel. Das Virus wird in Europa in einem streifenförmigen Gebiet von der französischen Atlantikküste bis nach Russland nachgewiesen. Das Reservoir besteht in kleinen und großen Tieren, vor allem Mäusen, Wild und Vieh. Die Übertragung auf den Menschen geschieht fast ausschließlich durch den Stich einer infizierten Zecke, dem gemeinen Holzbock oder Ixodes ricinus; ganz gelegentlich wird auch von rohen Milchprodukten als übertragendes Medium berichtet (wohl über die Kuh, Schaf und Ziege). Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist theoretisch unmöglich.

Beim weit überwiegenden Teil der infizierten Menschen - genannt werden Anteile von etwa 90% - verläuft die Infektion völlig unbemerkt ohne Beschwerden und verheilt ohne Behandlung und ohne Folgen. Ein weiterer Teil verspürt leichte, mit einer Grippe vergleichbare Symptome, z.B. vorübergehendes leichtes Fieber und leichte Kopfschmerzen. Auch diese Beschwerden sind im Grunde harmlos und nach einigen Tagen vergessen. Diese unauffällige Infektion im Sinne einer leichten Meningitis oder Meningoenzephalitis hat das FSME-Virus mit vielen anderen Viren gemeinsam, die ebenfalls solche Beschwerden auslösen.

Bei einem kleinen Teil der Patienten, ungefähr jedem zehnten mit Symptomen, entwickelt sich eine ausgeprägte Meningoenzephalitis, also eine Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Auch hier stehen die Aussichten für eine vollständige Heilung bei optimaler Behandlung gut. Die Meningoenzephalitis kann nur symptomatisch behandelt werden, eine Impfung kommt jetzt zu spät. Der direkte und indirekte Nachweis der FSME ist durch das Labor meldepflichtig. In Risikogebieten liegt der Anteil der FSME-tragenden Zecken zwischen 0,1 und 5 %.

Impfung und Impfkritik

Gegen das FSME-Virus ist eine Impfung möglich. Nach drei Terminen ist ein praktisch vollständiger Schutz erreicht, der drei bis fünf Jahre anhält, vielleicht sogar länger.

Gegen die Impfung werden von Kritikern mehrere Argumente vorgebracht.

So ist die Sicherheit des Impfstoffes angeblich nicht gewährleistet. Sinngemäß ist damit gemeint, durch die Impfung entstehe ein höheres Risiko an Nebenwirkungen sie nutzt. Tatsächlich musste ein Impfstoff wegen unklarer Reaktionen aus dem Markt genommen werden. Dies war allerdings kurz nach Einführung der Impfung vor einigen Jahren, die heutigen Stoffe gelten als sicher.

Das zweite Argument gegen die Impfung betrifft die Häufigkeit und Schwere der FSME. Das Bild der Frühsommermenigoenzephalitis verläuft bis auf ganz seltene Ausnahmen so milde, dass noch nicht einmal Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen entsteht. Diese leichte Infektion rechtfertigt nicht das millionenfache Impfen, das zudem noch erhebliche Geldmittel verschlingt. Im übrigen verhalte sich das federführende Robert-Koch-Institut (RKI) fahrlässig, indem es bisher freie Gebiete zu Risikogebieten erklärt. Dies geschehe aufgrund einzelner positiver Befunde im Labor ohne entsprechend schwere Krankheitsfälle.

Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass die Medien einen unbegründeten Druck auf die Bevölkerung ausübe, sich „gegen Zecken“ impfen zu lassen. Dabei existiert gegen die weitaus häufigere und gefährlichere Borreliose, die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, gar keine Impfung.

© 2007-2017 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

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