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Guillain-Barré-Syndrom

Oktober 04, 2017
Guillain-Barré-Syndrom Guillain-Barré-Syndrom Africa-Studio / shutterstock.com

Fortschreitende Lähmungserscheinungen mit Fehlempfindungen des Hautsinnes in Form von „Kribbeln“ oder „Pelzigsein“ und abgeschwächte Muskelreflexe sind typisch für das Guillain-Barreé-Syndrom (GBS). Die Erkrankung des peripheren Nervensystems verläuft akut und entzündlich. Meist ist eine durchgemachte bakterielle oder virale Infektion, in seltenen Fällen auch eine Impfung, der Auslöser für diese Nervenentzündung. Bei bis zu 50 Prozent der das Guillain-Barreé-Syndrom Patienten sind auch Hirnnerven beteiligt. Etwa 20 Prozent entwickeln Ateminsuffizienz und vegetative Symptome, Tritt diese relativ seltene Erkrankung bei Kindern auf, sind diese im fortgeschrittenen Krankheitsstadium meist vorübergehend auf den Rollstuhl angewiesen. In der Regel erholen sich die Kinder vollständig. Unabhängig vom Erkrankungsalter kann es aber auch Jahre nach der vermeintlichen Genesung zu Rückfällen und chronischen Verläufen kommen.

Sichere Diagnose

Der Arzt diagnostiziert das nach den französischen Neurologen Georges Guillain und Jean Alexandre Barreé benannte Guillain-Barreé-Syndrom anhand des klinischen Erscheinungsbildes sowie der nachfolgenden elektrophysiologischen Untersuchung und Liquorpunktion. Zur Sicherstellung der Diagnose sind mindestens folgende Symptome nachzuweisen: fortschreitende Schwäche von mindestens einer Extremität, Verlust der distalen Muskelreflexe, Krankheitsverlauf über mindestens vier Wochen, periodisches Auftreten der Lähmungserscheinungen, kaum sensorische Beeinträchtigungen, Beteiligung der Hirnnerven, Erholung nach spätestens vierwöchigem stabilem Verlauf und keine erhöhte Temperatur beim ersten Auftreten der Symptome. In der Liquorpunktion wird bei Guillain-Barreé-Syndrom -Patienten ein erhöhter Proteingehalt bei normaler Zellzahl nachgewiesen. Die elektrophysiologische Untersuchung gibt Aufschluss über den Grad der Demyelinisierung – der Schädigung der die Neuronen umgebenden Markscheide.

Krankheitsursache noch weitgehend unklar

Welche Faktoren ursächlich für die Entwicklung des Guillain-Bareé-Syndrom verantwortlich sind, ist allen Forschungsanstrengungen zum Trotz noch immer unklar. Nach einer These ist die Nervenentzündung Folge einer fehlgeleiteten Immunantwort auf bestimmte Strukturen in den peripheren Nervenzellen. Welche Rolle dabei die häufig vor dem Ausbruch dieser entzündlichen Nervenerkrankung beobachtete bakterielle oder virale Infektion spielt, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Zu den relevanten Erregern zählen Campylobacter jejuni, Cytomegalievirus, EBV-Virus oder Mycoplasma pneumoniae.

Therapieoptionen

Mangels eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Krankheitsursache ist eine kausale Behandlung des Guillain-Barreé-Syndrom heute noch nicht möglich. Unklar ist auch, ob sich durch eine antibiotische oder antivirale Therapie der Krankheitsverlaufpositiv beeinflussen lässt. Somit steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund, vor allem in schweren Fällen. Die mit potenziellen Risiken verbundene medikamentöse Therapie auf der Basis immunmodulatorischer Substanzen, ist angesichts der guten Prognose bei Kindern kritisch zu überdenken. Die Plasmapherese – der Austausch des Plasmas der Patienten durch ein geeinigtes Fremdplasma – haben sich in der Vergangenheit als ebenso wirksam erwiesen wie die so genannte Immunadsorption, durch die das Blutplasma von Proteinen und zirkulierenden Antikörpern gereinigt wird. Diese Formen der Therapie sollten möglichst im Frühstadium des Krankheitsverlaufs des Guillain-Bareé-Syndrom eingesetzt werden.

© 2007-2018 medizin.de (Wolfgang Zimmermann)

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