Anzeige

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose (Teil 4)

Oktober 04, 2017
Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose Sergey-Nivens / shutterstock.com

Die Diagnose Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist mitunter schwierig zu stellen. Eine frühzeitige Erkennung ist aber wichtig. Je später die Erkrankung festgestellt wird, desto komplizierter ist die Therapie. Ist die Herzmuskelentzündung erst einmal chronisch geworden, heilt sie meist nicht mehr von alleine aus.

Schritt für Schritt zur Diagnose

Bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen. Eine rasche Diagnose ermöglicht eine gezielte Therapie. Ihr Arzt wird folgendermaßen vorgehen:

  • Patientenbefragung und Krankengeschichte (Anamnese)
  • Besprechung Ihrer aktuellen Beschwerden
  • allgemeine körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchung
  • bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen)
  • Gewebeentnahme vom Herzmuskel (Myokardbiopsie)

Vorerkrankungen wichtig für Diagnostik

Schildern Sie Ihrem Arzt genau Ihre aktuellen Beschwerden. Bei einer akuten Herzmuskelentzündung ist dies meist leichter als bei einer chronischen Form. Letztgenannte besitzt oft keine klar erkennbaren Symptome. Daher ist die chronische Herzmuskelentzündung viel schwerer zu diagnostizieren. Ob akut oder chronisch: Ein entzündeter Herzmuskel ist häufig Folge einer nur scheinbar auskurierten Infektion (häufig Grippe oder Magen-Darm-Infekt). Wenn Sie kürzlich unter einer solchen Erkrankung litten, teilen Sie dies dem Arzt mit!

Blutwerte erhärten Verdacht

Ihr Arzt wird Sie ausführlich untersuchen. Zunächst hört er Herz und Lunge ab. Im Anschluss misst er Blutdruck, Puls und Körpertemperatur. Entscheidend für die Diagnose ist eine Blutuntersuchung. Bei einer Herzmuskelentzündung (und Entzündungen allgemein) reagiert unser Körper mit der Ausschüttung bestimmter Stoffe. Diese sind dann im Blutbild erhöht. Hierzu gehören insbesondere:

  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
  • C-reaktives Protein (CRP)

Zudem ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit beschleunigt. Alle diese Faktoren weisen auf eine Entzündung im Körper hin. Sie verraten aber weder Ort noch Art der Erkrankung. Also sind weitere Untersuchungen nötig.

Herzenzyme zeigen Schädigung an

Herzenzyme sind bestimmte Eiweiße, die sich ausschließlich innerhalb der Herzmuskelzelle befinden. Nur bei einer Schädigung Ihres Herzmuskels gelangen diese in den Blutkreislauf. Bekannt ist dieses Phänomen beispielsweise von einem Herzinfarkt. Aber auch bei einer Herzmuskelentzündung sind Herzenzyme nachweisbar. Es dauert allerdings immer etwas länger, bis diese im Blutbild gemessen werden können. Bei einem akuten Herzinfarkt sind diese wenigen Minuten nach dem Ereignis noch nicht festzustellen. Eine Herzmuskelentzündung verläuft weniger plötzlich. Daher wird Ihr Arzt vermutlich Herzenzyme finden.

Die wichtigsten Herzenzyme

Herzenzyme übernehmen wichtige Aufgaben im Stoffwechsel unserer Herzmuskelzellen. Hier eine Auflistung der wichtigsten Vertreter:

  • Troponin T
  • Troponin I
  • Creatinkinase (CK)
  • Lactatdehydrogenase (LDH)
  • Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)

Wird Ihre Herzmuskelentzündung durch Krankheitserreger verursacht, lassen sich diese im Idealfall auch im Blut nachweisen.

EKG und bildgebende Verfahren

Wie bei vielen Herzerkrankungen liefert das EKG wichtige Hinweise auf eine Herzmuskelentzündung.  Einige Veränderungen sind typisch, beweisen die Erkrankung aber noch nicht.

Typische EKG-Veränderungen

Bei einer Herzmuskelentzündung zeigen sich häufig folgende EKG-Veränderungen:

  • Phasen von Herzrasen (Tachykardien)
  • zusätzliche Herzschläge (Extrasystolen)
  • Herzinfarkt-typische Veränderungen (stark überhöhte T-Wellen und veränderter QRS-Komplex)

Herzrasen und zusätzliche Herzschläge sind für sich genommen meistens harmlos, sofern sie nur selten auftreten.

Ultraschall zeigt vergrößerte Herzhöhlen

Sicher kennen Sie Ultraschall-Untersuchungen (Sonografie). Mit einem Schallkopf macht der Arzt Ihre inneren Organe sichtbar. Sinnvoll ist dies auch bei einer Herzmuskelentzündung. Häufig stellt der Arzt dabei Flüssigkeit zwischen Herzmuskel und Herzbeutel fest. Diesen Zustand nennen Kardiologen Perikarderguss. Die Herzhöhlen (Herzkammern und Vorhöfe) sind fast immer unnatürlich vergrößert. Zudem ist Ihr gesamtes Herz vergrößert und die Wände verdickt (Hypertrophie). Dies erkennt der Arzt aber genauer MRT-Bild.

Modernes MRT erlaubt Prognose

Die Magnetresonanztomographie (MRT) gehört zu den wichtigsten und aufschlussreichsten bildgebenden Verfahren der modernen Medizin. Kardiologen nutzen ein MRT auch zur Diagnose von Herzmuskelentzündungen. In den vergangenen Jahren hat die Untersuchung hierzu weiter an Bedeutung zugenommen. Auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 2012 in Mannheim stellten Herzspezialisten eine neue Form von MRT vor. Damit können Schweregrad und Heilungsaussichten einer Herzmuskelentzündung beurteilt werden.

Das Verfahren nennt sich die „späte Gadolinium-Anreicherung“. Hierzu erhalten Sie ein Kontrastmittel (Gadolinium) in die Vene. Dann beginnt die bildgebende Untersuchung. Die Verbindung reichert sich im Narbengewebe des Herzmuskels an und macht dieses sichtbar. Je mehr Narben Ihr Herz aufweist, desto schwerwiegender ist die Herzmuskelentzündung und umso schlechter die Prognose. Diese neue Form der Diagnostik erlaubt eine genauere Therapie-Planung.

Biopsie liefert endgültige Diagnose

Alle bislang genannten Untersuchungen erhärten den Verdacht einer Herzmuskelentzündung. Bei einer leichten, vorübergehenden Form wird Ihr Arzt auf eine Probenentnahme (Myokardbiopsie) verzichten. Leiden Sie an einer schweren und/oder chronischen Form, sieht dies anders aus. In diesem Fall entnimmt der Arzt eine kleine Probe aus Ihrem Herzmuskel.

Dies erfolgt risikoarm, schmerzfrei und mittels Herzkatheter. Das Gewebe wird anschließend mikroskopisch untersucht. Auch das Erbgut möglicher Erreger (insbesondere Viren) lässt sich so untersuchen. Dies erleichtert die anschließende Behandlung. Durch die feingewebliche (histologische) Untersuchung wird die Diagnose Herzmuskelentzündung bestätigt oder ausgeschlossen.  

© 2014-2018 medizin.de (Gunnar Römer)

Anzeige

Beiträge nach Alphabet

# A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Neueste BeiträgeBeliebte Beiträge
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun? Vereinfacht gesagt: Beseitigen Sie die Ursache Ihrer…
Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen? Ja, Ihnen steht eine große Bandbreite rezeptfreier und…
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Tollwut Symptome

Tollwut: Symptome & Krankheitsverlauf

Wenn die klinischen Anzeichen der Tollwut ausbrechen, ist es für eine Impfung im Sinne einer Postexpositionsprophylaxe zu spät. Es gibt de facto nichts…
Stirnhöhlenentzündung – Volksleiden Sinusitis

Stirnhöhlenentzündung – Volksleiden Sinusitis

"Ich werde die Erkältung einfach nicht los" – viele Menschen kennen dieses Problem nur all zu gut. Was viele nicht wissen: Oft ist es schon gar keine…
Anzeige

Wichtige Information

Medizin.de stellt Ihnen unabhängige Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung. Diese Informationen ersetzen in keinem Fall die professionelle Beratung und/oder Behandlung durch approbierte Ärzte. 

Die Inhalte von Medizin.de sollen und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständige Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere AGB.
© Medizin.de 2018

© medizin.de    |     Design by It Prisma