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Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Ursachen

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Ursachen

Die häufigste Ursache einer Herzmuskelentzündung ist eine Infektion mit diversen Krankheitserregern. Grundsätzlich kommen hierfür alle denkbaren Vertreter an Keimen in Frage. Oft handelt es sich um Viren und Bakterien. Aber auch bestimmte Parasiten und Pilze können – insbesondere bei stark geschwächtem Immunsystem – eine gefährliche Herzmuskelentzündung hervorrufen. All diese Varianten werden unter der Bezeichnung Infektiöse Herzmuskelentzündung zusammengefasst. Weit weniger bekannt ist die Tatsache, dass sich das Myokard (Herzmuskel) auch entzünden kann, ohne dass dabei Krankheitserreger involviert sind: Nicht-infektiöse Herzmuskelentzündungen sind zwar ungleich seltener, jedoch mindestens genauso gefährlich. Eine Autoimmunreaktion des Körpers oder bestimmte Giftstoffe sind hier mögliche Auslöser.

Viren besonders häufige Ursache

In den modernen Industrieländern geht etwa jede zweite Herzmuskelentzündung auf eine Infektion durch Viren zurück. Besonders bekannt und heimtückisch sind hierbei Grippeviren; Krankheitserreger, die in der Bevölkerung zwar sehr bekannt sind, aber kaum mit dem Herzen in Verbindung gebracht werden. Dabei ist gerade folgende Variante besonders häufig schuld an der Entstehung einer Herzmuskelentzündung: Der eifrige Ausdauersportler wird – im  ungünstigsten Fall im Rahmen einer Wettkampfvorbereitung – von  einer hartnäckigen Grippe gestoppt. Antibiotika sind bekanntlich gegen Viren harmlos, also tritt der ehrgeizige Athlet nur widerwillig den Rückzug ins heimische Bett an.

Grippeviren

Die Grippeinfektion bessert sich langsam und der lang ersehnte Marathon rückt näher. Also schnell wieder auf die Laufbahn – noch bevor sich das Virus vollständig zurückgezogen hat. Bevor der Tag des Wettkampfes gekommen ist, findet sich der Sportler auf einer kardiologischen Station wieder. Die in ihrer Ausbreitung bisher auf die Luftwege beschränkten Grippeerreger haben sich durch das Training in die Blutbahn abgesetzt und sind zum Herzen gelangt. Eine langwierige Herzmuskelentzündung ist die Folge. Jeder Sportler sollte sich darüber im Klaren sein: Jede Form der Erkältung – nicht nur eine echte Grippe – muss unbedingt vollständig auskuriert sein, ehe sich wieder dem Training gewidmet werden kann!

Andere Viren

Aber nicht nur Grippeviren vermögen eine Herzmuskelentzündung auszulösen. Weitere potenzielle Verursacher aus der Familie der Viren finden Sie in der folgenden Auflistung:

  1. Herpes-Simplex-Virus
  2. ECHO-Virus
  3. Coxsackie-B-Virus
  4. Adenoviren
  5. Cytomegalievirus
  6. Poliovirus
  7. Hepatitis-C-Virus
  8. Variezellen-Zoster
  9. Enteroviren

Übrigens kann auch eine nicht vollständig auskurierte Magen-Darm-Infektion zu einer Herzmuskelentzündung führen!

Bakterien: Ebenfalls häufige Verursacher

Bestimmte Bakterien sind besonders prädestiniert als Auslöser einer Herzmuskelentzündung. Als besonders gefährlich erweisen sich Borrelien. Von ihnen ist allgemein bekannt, dass die Übertragung durch bestimmte Zecken verursacht wird. In bestimmten Regionen Deutschlands ist die Durchseuchung von Zecken mit Borrelien besonders hoch. Neuesten Erkenntnissen zur Folge ist das Risiko in der Lausitz, dem südlichen Sachsen und in der Region um Passau besonders hoch. Ähnlich der Viren können diese Bakterien durch die Blutbahn zum Herzmuskel gelangen und diesen infizieren. Auch die Erreger von Diphtherie und Scharlach gelten als besonders kritisch in Bezug auf eine Herzmuskelentzündung.
 

Weitere bakterielle Auslöser:

  1. Streptokokken
  2. Staphylokokken
  3. Legionellen
  4. Mykobakterien
  5. Salmonellen
  6. Chlamydien
  7. Rickettsien

Wie bei den Viren entsteht eine bakterielle Herzmuskelentzündung häufig durch eine übergangene Erkältung. Viele Erkältungskrankheiten werden bekanntlich durch Bakterien (v. a. Streptokokken) ausgelöst. Auch eine Entzündung des Herzbeutels kann auf das Myokard übergreifen.

Pilze und Parasiten als Auslöser sehr selten

Extrem selten können bestimmte Pilze oder Parasiten eine Herzmuskelentzündung verursachen. Vom Prinzip her verläuft die Infektion ähnlich, die Kontamination des Herzmuskels erfolgt auf hämatogenem Wege – d. h. über die Blutbahn. Allerdings ist insbesondere eine durch pathogene Pilze hervorgerufene Herzmuskelentzündung beim gesunden Menschen extrem unwahrscheinlich. Hiervon sind eher Personen mit einem nachhaltig geschwächten Immunsystem – z. B. im Rahmen einer HIV-Infektion – betroffen.

Auslösende Pilzarten

  1. Candida (spezielle Hefepilze)
  2. Aspergillus (Schimmelpilze)
  3. Cryptococcus neoformans

Parasiten ebenfalls seltene Auslöser

Auch Parasiten kommen nur äußerst selten als Erreger in Betracht, insbesondere in Europa. Durch die hohe Anzahl an Parasiten und die gleichzeitig oft sehr desolate medizinische Versorgung sind solche Fälle in Afrika ungleich häufiger. In Zusammenhang mit einer Herzmuskelentzündung wird häufig die tropische Infektionskrankheit Bilharziose genannt.

Die nicht-infektiöse Herzmuskelentzündung

Wie erwähnt kann eine Herzmuskelentzündung auch dann entstehen, wenn keinerlei Krankheitserreger bzw. Infektionen nachweisbar sind. So sind einige Giftstoffe, Drogen bzw. Medikamente in der Lage, dem Herzmuskel nachhaltig zu schaden und eine entsprechende Entzündung auszulösen. V. a. Kokain, bestimmte Krebsmedikamente (Zytostatika) und Schwermetalle gelten als kritisch. Weitere gefährliche Arzneimittel sind Barbiturate, Sulfonamide und Fluorouracil.

 Weitere Ursachen einer nicht-infektiösen Herzmuskelentzündung:

  1. Bestrahlung (z. B. im Rahmen einer Krebserkrankung)
  2. sehr große Mengen an Alkohol über einen langen Zeitraum
  3. allergische Reaktionen, z. B. gegen Arzneimittel wie Penicillin oder Antirheumatika
  4. Hitzschlag
  5. Unterkühlung
  6. Lithium und Arsen
  7. Autoimmunerkrankungen (v. a. Rheuma, Sarkoidose oder Wegener-Granulomatose)

Immunsystem verwechselt Herzmuskel mit Virus

Eine besonders heimtückische und gar nicht so seltene Form der autoimmunen Herzmuskelentzündung soll hier noch gesondert erklärt werden: Recht häufig konnte eine scheinbar virusbedingte Herzmuskelentzündung diagnostiziert werden, jedoch wurden keine eigentlichen Viren im Blut bzw. Myokard nachgewiesen. Dennoch erfolgte ein starker Angriff des körpereigenen Immunsystems auf das Herzmuskelgewebe mit der Folge einer starken und langwierigen Entzündung. Eine eindeutige wissenschaftliche Erklärung existiert hier noch nicht. Vermutungen gehen jedoch von folgender Theorie aus: Bestimmte Strukturen im Herzmuskel besitzen eine morphologische Ähnlichkeit mit Viruspartikeln und werden infolgedessen vom Immunsystem als solche erkannt und angegriffen. Offenbar ist dieses Phänomen genetisch bedingt.

© 2014 - 2017 medizin.de (Gunnar Römer)

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Teil 1: Herzmuskelentzündung: Allgemeines

Teil 2: Herzmuskelentzündung: Ursachen

Teil 3: Herzmuskelentzündung: Symptome

Teil 4: Herzmuskelentzündung: Diagnose

Teil 5: Herzmuskelentzündung: Therapie

Redaktion
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