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Der Jetlag: Lästige Folge eines Langstreckenfluges

Oktober 04, 2017
Der Jetlag: Lästige Folge eines Langstreckenfluges Der Jetlag: Lästige Folge eines Langstreckenfluges Who is Danny / shutterstock.com
Ob Urlaub oder Geschäftsreise – viele Langstreckenreisende spüren kurze Zeit nach der Landung etwas, was umgangssprachlich auch als Zeitzonenkater bezeichnet wird. Gerade am Zielort oder wieder zu Hause angekommen, plagen sie eine quälende Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und mitunter Depressionen. Auch das Hungergefühl vermag nicht in gewohntem Maße aufzutreten. Nach zwei bis drei Tagen ist der sogenannte Jetlag meistens vorbei. Mit speziellen Untersuchungsmethoden lassen sich aber noch bis zu zwei Wochen später Veränderungen in den physiologischen Vorgängen nachweisen.

Mehr als Müdigkeit und Schwindel

Was die Empfindlichkeit und Intensität eines Jetlags angeht, unterscheiden sich die einzelnen Menschen sehr stark. Der eine verträgt die Reise über mehrere Zeitzonen hinweg besser, eine andere Person hingegen leidet sehr stark unter dem durcheinandergeratenen Tagesrhythmus. Das Gleiche gilt für die Erholungsphase. Die bekanntesten Symptome dieses seit vielen Jahrzehnten bekannten Phänomens ist eine ausgeprägte Müdigkeit, die jedoch paradoxerweise von mitunter schweren Schlafstörungen begleitet wird und sich somit nur schwer bekämpfen lässt.

Erst nach einigen Nächten gelingt das Durchschlafen wieder. Schlaffördernde Medikamente mögen zwar Abhilfe schaffen, verstärken aber den gestörten Hirnstoffwechsel noch weiter. Schwindel gehört ebenfalls zu den klassischen Begleitern eines Jetlags. Der Appetit ist vermindert und nicht wenige Betroffene leiden unter mehr oder weniger starken Stimmungsschwankungen mit Tendenz zur Depressivität. Zu rechnen ist mit der genannten Symptomatik bei Flügen, die länger als fünf Stunden dauern.

Biologische Uhr gerät aus dem Takt

Die zentralen Schaltstellen unserer Tagesrhythmik (circadiane Rhythmik) sind die Hirnstrukturen Hypothalamus und Hypophyse. Über ihre hormonelle Regulation beeinflussen sie u. a. unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Ausschüttung entsprechender Botenstoffe in die Blutbahn wird dabei durch äußere Faktoren – insbesondere die Lichtintensität – gesteuert. Das für die Beeinflussung unseres Schlafes wichtigste Hormon nennt sich Melatonin. Diese Verbindung wird im Zwischenhirn aus dem Neurotransmitter Serotonin hergestellt. Die Ausschüttung von Melatonin wird durch Dunkelheit stimuliert und sorgt für die Entstehung der regenerativen Tiefschlafphasen. Helligkeit dagegen hemmt seine Sekretion.

Unter Normalbedingungen verlaufen die exogenen Faktoren (Licht und Dunkelheit) und die biochemischen Vorgänge im Körper synchron. Bei einem Interkontinentalflug verändern sich die gewohnten äußeren Gegebenheiten und die Kopplung von äußeren Reizen und innerer Uhr verliert ihre Synchronisation. Der Melatoninstoffwechsel gerät durcheinander, was zu den genannten Symptomen führt.

Ein Überschuss an Melatonin kann zu Depressionen führen, ein Mangel sorgt für Schlafstörungen. Letztere können ihrerseits wiederum depressiv machen. Bei einem Jetlag sind die spürbaren Symptome meist nach zwei bis drei Tagen wieder verschwunden. Untersuchungen im Schlaflabor verzeichnen aber bis zu 14 Tage später noch Veränderungen im Schlafrhythmus, der Körpertemperatur und der Hormonausschüttung.

Flüge in östlicher Richtung wesentlich belastender

Wer schon einmal einen Flug in die USA absolviert hat wird festgestellt haben, dass er sich bei Ankunft jenseits des Atlantiks überraschend fit gefühlt hat. Nach Rückkehr in die Heimat allerdings tritt der Jetlag mit all seinen gefürchteten Anzeichen in Erscheinung. Umgekehrt ist es für Asien-Reisende. Eine Reise nach Osten stellt grundsätzlich eine erheblich höhere Belastung dar als Flüge in westliche Richtung. Der Grund hierfür liegt in der Wanderung der Sonne: Bei Langstreckenflügen gegen Osten bewegt sich das Flugzeug der Sonnenwanderung entgegen, Folge hieraus ist ein stark verkürzter Tag.

Nach Westen hingegen geht der Flug mit der Sonnenrichtung und die Tage verlängern sich. Vereinfacht ausgedrückt: Nach Osten hin muss der Passagier mit einer wesentlich kürzeren Nacht auskommen und früher aufstehen, beim Jetten in den Westen muss er länger aufbleiben. Letzteres bringt die biologische Uhr bei Weitem nicht so stark aus dem Takt und es fällt bekanntermaßen auch den meisten Menschen leichter, abends lange aufzubleiben als morgens früh aufzustehen.

Tipps gegen den Jetlag

Egal wohin die lange Reise geht: Einem Zeitzonenkater muss sich weder Dienstreisende noch Urlauber kampflos hingegen. Hier einige Tipps gegen den Jetlag:

  • während des gesamten Fluges auf psychoaktive Substanzen, wie Alkohol oder Koffein verzichten
  • in den ersten zwei Tagen nach Ankunft am Ziel viel Schlaf körperliche Schonung
  • im Flugzeug sofort die Armbanduhr auf die Zeit im Zielort umstellen. Das erleichtert eine mentale und psychologische Gewöhnung an die dortige Zeit.
  • während der Reise viel Flüssigkeit zu sich nehmen
  • sobald möglich, viel frische Luft aufnehmen

© 2013-2018 medizin.de (Dr. Florian Korff) zuletzt aktualisiert 01/2018

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