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Kerato-Konjunktivitis epidemica

Kerato-Konjunktivitis epidemica

Adenoviren

Adenoviren sind weltweit verbreitet, beim Menschen sind sie sehr häufig für Infektionen der Haut und der Schleimhäute verantwortlich. Sie verursachen Entzündungen der Augenbindehaut, der oberen Atemwege und des Harntraktes. Seltener kommt es durch Adenoviren auch zu Erkrankung des Magen-Darm-Traktes und der Leber, sehr selten zu einer Meningoenzephalitis (Hirn- und Hirnhautentzündung).

Die Adenoviren werden durch die Methoden der Molekularbiologie in mehr als 40 Typen differenziert. Für die infektiöse Bindehautentzündungen (Keratokonjunktivitis epidemica) sind fast immer die Typen 8, 19 und 37 verantwortlich. Werden diese Viren bei einer Infektion der Augen nachgewiesen, besteht Meldepflicht. Allerdings ist bei den wenigsten Fälle der Keratokonjunktivitis epidemica eine Laboruntersuchung überhaupt notwendig, da die Diagnose meist sehr einfach und eindeutig beim Augenarzt mittels eines Abstrichs zu stellen ist.

Symptome

Eine infektiöse Bindehautentzündung durch Adenoviren ist in allen Altersgruppen möglich, bei Kindern sind die Verläufe allerdings länger und schwerer. Ein oder beide Augen sind ohne vorherige Anzeichen plötzlich gerötet, Ober- und Unterlid sind geschwollen, meist auch die Lymphknoten vor dem Ohr. Das Sehen selber ist nicht beeinträchtigt, Betroffene berichten aber von Fremdkörpergefühl im Auge, darüber hinaus von starkem Tränenfluss und einer gewissen Lichtscheu. Fast immer kommt es durch die Entzündung zu einem Herunterhängen des unteren Augenlids (Ptosis).

Diese Konjunktivitis (Bindehautentzündung) greift in ungefähr jedem zweiten Fall nach ca. fünf Tagen auf die Hornhaut über (Keratitis). Die oberflächliche Entzündung führt zu einer vorübergehenden Trübung der Hornhaut mit Schmerzen und einer Beeinträchtigung des Sehvermögens. Diese Beschwerden bleiben in der Regel aber geringfügig.

Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) geht spätestens nach vier Wochen zurück, die Hornhautentzündung bleibt etwas länger. Bis auf wenige Ausnahmen verheilt die Keratokonjunktivitis epidemica folgenlos, in eingen Fällen kommt es zu einer Beteiligung des Rachenraumes und der Lungen.

Hohe Ansteckungsrate

Das besondere an der Keratokonjunktivitis epidemica (abgekürzt auch KCE) ist ihre außerordentlich hohe Ansteckungsrate. Die Adenoviren sind sehr widerstandsfähig, sie haften an Handtüchern, medizinischen und anderen Instrumenten. Daher kommt es immer wieder zu regelrechten Epidemien z. B. durch infizierte Untersuchungsgeräte beim Augenarzt oder in Kliniken und Krankenhäusern aufgrund einer Verschleppung der Keime. Als nosokomiale Infektion (Hospitalkeim) ist sie gesondert meldepflichtig.

Im häuslichen Bereich werden ganze Familien kurzzeitig innerhalb einiger Tage angesteckt, Ursache ist neben dem engen Kontakt untereinander mit einer Tröpfchen- und Schmierinfektion auch die Übertragung durch Handtücher (Schwimmbäder) oder z.B. die Optik eines Fotoapparates. Naturgemäß werden auch Kindergärten und Schulen in Wellen von der infektiösen Bindehautentzündung heimgesucht.

Die Entzündung ist ungefähr in den ersten zwei Wochen nach Krankheitsbeginn ansteckend und hinterlässt eine relative Immunität. Ein anderer Typ der Adenoviren kann allerdings eine erneute Infektion auslösen, die identisch verläuft.

Behandlung

Eine Impfung ist nicht bekannt, die Therapie ist symptomatisch. Wichtig ist der ausreichende Schutz noch nicht betroffener Kontaktpersonen. Getrennte Handtücher und Waschlappen sind erforderlich, außerdem häufiges Waschen der Textilien möglichst nicht unter 60 Grad. Eine Berührung oder enger Kontakt mit dem Augenbereich Erkrankter ist zu vermeiden.

© 2007-2017 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

Redaktion
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