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Meningitis - Meningokokken-Impfung für alle?

Oktober 04, 2017
Meningitis Meningitis sciencepics / shutterstock.com

Meningitis bedeutet Hirnhautentzündung. Eingeschlossen sind dabei auch Entzündungen der Haut des Rückenmarks, da dies anatomisch die gleiche Struktur hat. Die Meningitiden können auf mehrere Arten unterteilt werden, nach dem Erreger (virale, bakterielle, sonstige Meningitis) oder nach dem Befund (eitrige, nichteitrige Meningitis). Die eitrigen Hirnhautentzündungen sind fast immer durch Bakterien verursacht, in Frage kommen aber u.a. auch Pilze. Dagegen sind die nichteitrigen fast immer durch Viren ausgelöst; nichteitrige Verläufe haben aber auch die weder bakteriell noch viral bedingten Hirnhautentzündungen. Als Ursache sind Systemerkrankungen wie die Sarkoidose oder Kollagenosen bekannt, Meningitiden werden auch als Nebenwirkung von Medikamenten und Bestrahlungen gesehen.

Weitaus die meisten Hirnhautentzündungen sind viral bedingt. Es gibt starke Hinweise darauf, dass sehr viele eigentlich banale Virusinfektionen eine leichte Meningitis auslösen. Diesegeht schnell und folgenlos vorüber und bleibt unbemerkt.

Das Vollbild der Beschwerden entsteht bei einer im Vergleich mit der viralen viel selteneren bakteriellen Meningitis. Die Patienten haben plötzlich beginnende starke Kopfschmerzen mit Fieber. Sie fühlen sich schwer krank. Dazu kommen Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die klassischen Zeichen steifer Nacken und Schmerzen in der Hüfte bei der Beugung des gestreckten Beines (Kernig-Zeichen) treten nicht immer auf.

Die genannten Beschwerden müssen nicht alle auftreten, besonders bei Kindern sind die Symptome oft milder oder untypisch und daher schwer als durch eine Hirnhautentzündung verursacht zu erkennen. Eine bakterielle Meningitis ist immer als lebensgefährlicher Notfall einzustufen und bedarf einer intensiven antibiotischen Behandlung in einer Klinik. Ohne entsprechende Behandlung kommt es zu einer Sepsis.

Erreger, Identifizierung

Folgende Viren sind als Auslöser einer Meningitis bekannt: FSME-Virus (Frühsommermeningoenzephalitis-Virus), Windpocken-Virus, Epstein-Barr-Virus, Mumps-Virus, Masern-Virus, Cytomegalievirus (CMV), aber auch HIV. Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig, so zählen auch die für banale Erkältungen, Brechdurchfälle oder „Sommergrippe“ bekannten Viren zu den Verursachern: Adeno-, Echo-, Coxsackie- und Enteroviren, Herpes simplex Typ 2 (schwere Verläufe möglich) und andere.

Zu den auslösenden Bakterien zählen Neisseria meningitidis, Enterobakterien, Streptokokken der Gruppe B, Listerien, Haemophilus influenzae, Meningokokken, Pneumokokken, Enterokokken und Lues (Syphilis). Ganz selten, fast nur bei immunsuprimierten Personen (z.B. HIV, Tumorpatienten) finden sich Pilze oder Parasiten als Ursache einer Meningitis.

Die Erreger erreichen das Hirn über die Blutbahn oder bei Infektionen in unmittelbarer Nähe (Mittelohr, Gesicht) sowie direkt als Verschleppung bei Schädelverletzungen oder ärztlichen Eingriffen.

Die frühzeitige Identifizierung des Erregers ist sehr wichtig, damit das richtige Antibiotikum gegeben werden kann. Dies geschieht durch das Anlegen einer Blutkultur und einer Lumbalpunktion. Dabei wird Rückenmarkflüssigkeit gewonnen und danach im Labor untersucht. In Notfällen bei Kindern wird bei Gefahr im Verzuge auch auf Verdacht eine Breitbandantibiotikum gegeben. Viral bedingte Hirnhautentzündungen bedürfen keinerlei Antibiotikagabe sondern werden symptomatisch behandelt, Pilze und Parasiten mit den entsprechenden Chemotherapeutika. Bereits der Verdacht einer Meningitis ist meldepflichtig.

Impfung

Eine Impfung gegen die auslösenden Viren, z.B. Masern- oder Mumps-Viren bannt selbstverständlich auch die Gefahr einer Meningitis. Da die Meningitis bei fast allen Viren ein meist weniger schweres Begleitsymptom darstellt, ist der Schutz vor einer Hirnhautentzündung nicht der eigentliche Impfzweck. Auch die FSME verläuft meist unbemerkt und mild, eine Impfung wird für gefährdete Personen empfohlen.

Eine Impfung gegen die auslösenden Bakterien macht wegen der schweren, teils lebensbedrohlichen Erkrankungen Sinn und wird von der Ständigen Impfkommision StiKo angeraten. Zur Verfügung stehen Impfungen gegen Haemophilus influenzae, Meningokokken und Pneumokokken. Zu bedenken ist aber, dass gegen Listerien, Streptokokken und E.coli, die besonders bei Kindern zur Meningitis führen, keine Impfstoffe existieren. Auch scheinen nicht alle Meningokokken- und Pneumokokkenstämme erfasst zu sein. Von Kritikern der Impfung wird darüber hinaus ins Feld geführt, dass bei mindestens 10% der westeuropäischen Bevölkerung Meningokokken und andere Erreger im Rachenraum nachweisbar sind. Eine Impfung macht dann keine Sinn bzw. führt zur Selektion resistenter Stämme.

© medizin.de 2007-2018 (Dr. Berthold Gehrke) zuletzt aktualisiert 02/2009

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