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Methylphenidat in USA das „Koks für Kinder“

Methylphenidat

Das mit dem sperrigen Begriff Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bezeichnete Erkrankungsbild besetzt seit einigen Jahren immer wieder die Schlagzeilen nicht nur der medizinischen Presse. Andere Namen dafür sind ADHS, Hyperaktivitätssyndrom oder etwas verniedlichend Zappelphillippsyndrom.

Sehr häufig eingesetzt zur medikamentösen Therapie wird der Wirkstoff Methylphenidat, das Amphetaminderivat wird u.a. unter dem Namen Ritalin® vermarktet. Allein in Deutschland nehmen es vermutlich mindestens 70.000 Patienten ein, meist Kinder zwischen dem sechsten und achtzehnten Lebensjahr. Kritiker befürchten, dass diese Zahl viel zu hoch liegt und der Einsatz des Mittels nicht immer gerechtfertigt ist.

Methylphenidat: Eine "Kinderdroge"?

Inzwischen hat sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung des Themas angenommen, sie möchte die Möglichkeit der Verschreibung eindämmen. Gründe dafür gibt ein Blick in die USA: im Straßenhandel wird das „Kinderkoks“ verschoben. Ungefähr 80mg (= 8 Tabletten) Methylphenidat, das doppelte einer Tagesdosis, bereiten einen Trip. Der Handel lohnt sich: In den USA wird 90% der weltweiten Produktion verbraucht, in den letzten zehn Jahren hat sich die Menge auf das vierzehnfache erhöht.

Methylphenidat verändert wie alle Amphetamine die Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn, das Schlucken von übermäßigen Dosen erzeugt wohl kaum körperliche, dagegen starke psychische Abhängigkeit. Schon nach kurzzeitigem Missbrauch können psychotische Zustände mit optischen Halluzinationen auftreten.

Symptome

Zum missbräuchlichen Nutzen gehören die Einnahme von großen Mengen als Tabletten, aber auch das Schniefen der zerstampften Tabletten als Pulver ist bekannt. Noch eine Stufe weiter (und gefährlicher) ist das Auflösen und Spritzen; durch die großen, nichtlöslichen Kristalle blockieren kleine Blutgefäße, besonders Auge und Lunge sind gefährdet.

Zu den körperlichen Symptomen des Missbrauchs von Methylphenidat wie aller Amphetamine zählen:

  • Schwindel
  • Tremor
  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Herzrasen

Die psychischen Folgen sind:

  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Gereiztheit
  • Erregungszustände
  • Schlafstörungen
  •  

Wirkmechanismus, Gefahren, Strafbarkeit

Die Wirkung wird über die Blockade des Neurotransmitters Dopamin im Hirn für ca. eine bis vier Stunden erreicht. Außerdem wird das Stresshormon Adrenalin vermehrt ausgeschüttet. Bei fehlerhafter oder zu hoch dosierter (Selbst-) Injektion kommt es zur Nekrose ganzer Körperareale; Fälle einer notwendigen Amputation sind dokumentiert. In Deutschland ist eine Nutzung außerhalb den strengen Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes strafbar.

© 2007 - 2017 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

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