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Die Pest existiert noch immer!

Die Pest existiert noch immer!
Die Pest, die Geißel des Mittelalters, ist auch heute noch nicht vollständig ausgerottet. Pestfälle werden aus begrenzten Endemiegebieten auf dem amerikanischen Kontinent, Afrika, Asien, Russland oder Kasachstan gemeldet. Von Patienten aus Madagaskar wurden sogar multiresistente Formen des Erregers Yersinia (Y.) pestis isoliert. Das gramnegative, bekapselte Stäbchenbakterium aus der Familie der Enterobacteriaceae wird vor allem von wild lebenden Nagetieren und deren Flöhen übertragen.

Hauptinfektionswege der Pest für den Menschen sind Stiche von infizierten Flöhen, Kontakt mit infizierten Tieren etwa durch Jäger, Einatmen der Pestbakterien oder – leider aktuell –

im Rahmen bioterroristischer Anschläge mit Erreger-haltigen Aerosolen. Die primäre Lungenpest ist durch Tröpfcheninfektion auch von Mensch zu Mensch übertragbar. 

Verschiedene Ausprägungsformen

Als Ausprägungsformen der Pest beim Menschen sind Beulenpest, Pestsepsis, Lungenpest und Pest-Pharyngitis bekannt. Auslöser für die Beulenpest ist meist der Stich durch einen infizierten Floh. Initial stellen sich hohes Fieber, Schüttelfrost, Schwindelgefühl sowie Kopf- und Gliederschmerzen ein. Nach einem bis zwei Tagen bildet sich nahe der Einstichstelle eine für diese Pestform typische, schmerzhafte Lymphknotenschwellung. Die Beulenpest schreitet meist rasch fort, wobei weitere Lymphknotengruppen und sekundär auch verschiedene Organe, vor allem die Lunge, befallen werden. Man spricht in diesem Fall auch von sekundärer Lungenpest.

Die primäre Lungenpest schreitet unter allen Pestformen am raschesten voran. Zu den Frühsymptomen gehören unter anderem Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen. Bereits am zweiten Tag treten Lungensymptome wie Husten, blutiger Auswurf sowie Atemnot und gesteigerte Atemfrequenz auf. Die Pestsepsis als dritte Ausprägungsform ist eine fortschreitende bakterielle Infektion, die schließlich in Multiorganversagen endet. Für die Pest-Pharyngitis sind Symptome wie Fieber, trockener Hals, entzündliche Lymphknotenschwellungen und Kopfschmerzen typisch.

Therapie mit Antibiotika möglichst frühzeitig

Unbehandelt enden 50 Prozent aller Fälle von Beulenpest und nahezu alle übrigen Pestformen letal. Nach sicherer Diagnosenstellung durch Erregerisolierung, Antigen-Nachweis, DNA-Nachweis und serologische Methoden verspricht eine möglichst rasche antibiotische Therapie eine Senkung der Sterblichkeit. Vor Einsatz eines Antibiotikums sollten mögliche Resistenzen geklärt sein. Als vorbeugende Maßnahme ist in den USA und Kanada ein Totimpfstoff mit Wirksamkeit gegen die Beulenpest zugelassen. Die Impfung muss jedoch alle sechs Monate aufgefrischt werden. In Russland ist ein Lebendimpfstoff auf dem Markt. Für Personal, das Pestkranke betreut, kann auch eine Chemoprophylaxe im Vorfeld der Exposition sinnvoll sein. Dies gilt vor allem für die Lungenpest. Diese Behandlung bietet sich auch für Personen nach einem engen Kontakt mit Lungenpest-Patienten an.

© 2007-2017 medizin.de (Wolfgang Zimmermann)

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