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Arzneimittel zur Raucherentwöhnung

Es wäre zu schön um wahr zu sein: einfach jeden Morgen eine Tablette schlucken und man verspürt keinen Drang mehr, sich eine Zigarette anzuzünden. Ein seit langer Zeit antrainiertes und gelebtes Ritual wie das Rauchen läßt sich aber nicht mit Sofortwirkung abtrainieren. Rauchen ist mehr als die Aufnahme von Nikotin. Es ist ein Lebensstil. Das Öffnen der Zigarettenpackung, die Suche nach Feuerzeug oder Streichhölzern, das Anzünden der Zigarette, die Inhalation des Rauches. Wenn Sie, lieber Leser, Raucher sind, werden Sie spätestens jetzt das Verlangen verspüren, ihrem Laster nachzugehen, oder nicht?!

Arzneimittel mit Nikotin (Nikotinersatzmittel)

Nikotin gibt es seit 1983 in Deutschland als Medikament für die Raucherentwöhnung. Pharmakologisch stehen heute auf der Basis der Nikotinersatztherapie neben dem Kaugummi und dem Nikotinpflaster auch noch das Nikotinspray, der Nikotininhalator und sublinguales Nikotin zur Verfügung. Generell gilt für alle diese Methoden, dass die Wirksamkeit gegenüber Placebo demonstriert wurde und dass die Abstinenz nach 1 Jahr etwa eine Verdoppelung gegenüber Placebo erreicht. Je nach zusätzlicher Beratung liegen diese Werte für den Nikotinersatz bei 10-30% Abstinenz nach einem Jahr.

Zufuhr von Nikotin als

• Nikotinnasenspray (in Deutschland zugelassen, aber nicht mehr im Handel)

• Nikotinkaugummi zu 2 und 4 mg

• Nikotinpflaster in drei Stärken, äquivalent zum Tageszigarettenkonsumvon 10, 20 und 30 Zigaretten als Darreichungsformen über die Zeit von 16 und 24 Stunden

• Nikotininhaler (in Deutschland zugelassen, aber nicht im Handel)

• Nikotinsublingualtablette (in Deutschland zugelassen, aber nicht im Handel)

• Nikotin-Lutschtablette

Nikotinkaugummis

Bei Einsatz des Nikotinkaugummis sollte der Patient nach dem Kauen das Gummi gegen die Innenseite der Wange pressen, um eine optimale Aufnahme durch die Wangenschleimhaut mit verlängerter Freisetzung des Nikotins zu ermöglichen. 15 Minuten vor und nach Einsatz des Kaugummis sollte er weder essen noch Kaffee oder Säfte trinken, um die Aufnahme des Nikotins nicht zu reduzieren. Bei starker Abhängigkeit des Rauchers ist zumindest anfänglich das Kaugummi mit einer Dosis von 4 mg Nikotin demjenigen mit einer Dosis von 2 mg vorzuziehen. Nikotin-Sublingualtabletten sind insbesondere bei Zahnprothesenträgern eine sinnvolle Alternative.

Kaugummis sind sinnvoll zur Tabakentwöhnung bei einer nur geringen bis mittelstarken Nikotinabhängigkeit (FTND <5), vor allem wenn ein mäßiger Tageszigarettenkonsum (etwa 5 bis 15 Zigaretten pro Tag) betrieben wird, wenn außerdem in ungleichmäßigen Abständen geraucht wird oder wenn ein so genanntes Konfliktrauchen in belastendenSituationen betrieben wird. Im Fall einer Pflasterallergie stellt die Nikotinkaugummianwendung in der Regel die beste Alternative dar.

Sublingualtabletten

Die Sublingualtabletten werden unter die Zunge gelegt, nicht gekaut oder geschluckt. Nach etwa 30 Minuten sind sie vollständig aufgelöst. Aus den Tabletten wird im Mund Nikotin freigesetzt und die Entzugserscheinungen, wie z.B. Müdigkeit, Kopfschmerzen usw. gemildert. Die psychologischen Faktoren bleiben unbeeinflußt. Die Nikotinsublingualtablette enthält 2mg Nikotin. Es sollte alle 1 bis 2 Stunden eine Tablette verabreicht werden. Starke Raucher auch 2 Tabletten pro Stunde. Jedoch nicht mehr als 40 Tabletten täglich.

Nikotinpflaster

Das Wirkstoffpflaster setzt das Nikotin langsam und sehr gleichmäßig frei. Es entsteht ein Nikotinspiegel, der nur geringen Schwankungen unterworfen ist. Ein ausreichender Nikotinspiegel wird frühestens 30 bis 60 Minuten nach dem Anbringen des Pflasters erreicht. Für eine "notfallmäßige" Anwendung ist das Pflaster deshalb nicht geeignet. Das Pflaster wird täglich gewechselt und sollte dann auf eine andere trockene und unbehaarte Hautstelle geklebt werden. Das Pflaster wird "ausschleichend" angewandt. Die höchste Pflasterdosierung kann vier bis sechs Wochen, die mittlere und geringste Dosierungsstufe jeweils zwei Wochen lang verwendet wird.

Die Nikotinpflaster werden in drei Stärken angeboten und sollen das Äquivalent von 10, 20 oder 30 täglich gerauchten Zigaretten in 16 bzw. 24 Stunden ersetzen. Sehr starke Raucher (mit einem Tageszigarettenkonsum von mehr als 40 Zigaretten) mit starken Entzugserscheinungen können durch die Kombination zweier Pflaster auch höhere Nikotinspiegel erzielen. Gegebenenfalls ist hier die Kombination verschiedener Nikotinersatzprodukte zu erwägen. Unterschiede in der Wirksamkeit der 16-Stunden- oder 24-Stunden-Pflaster konnten bislang nicht nachgewiesen werden.

Raucher, die einen relativ hohen Tageszigarettenkonsum (10 bis 40 Zigaretten/die) haben und darüber hinaus über den Tag verteilt einen relativ gleichmäßigen Konsum betreiben, sollten das Nikotinpflaster zur Entwöhnung verwenden.

Nikotinnasenspray

Es werden hier zwar etwas niedrigere Nikotinspiegel als mit anderen Nikotinersatzpräparaten erreicht, dafür werden aber sensorische und haptische Bedürfnisse befriedigt. Die Anwendung sollte 6 bis 12 x täglich erfolgen.

Die Dauer der Anwendung der Nikotinersatzpräparate ist von der Länge und Intensität der Entzugsbeschwerden abhängig. Bei Bedarf ist auch eine längere medikamentöse Unterstützung als z. B. 12 Wochen möglich. Es besteht prinzipiell kein Zeitlimit.

Nasensprays sind bei einem hohen Tageszigarettenkonsum mit einer starken Nikotinabhängigkeit oder bei der Rauchern, die in definierten Situationen ein unstillbares Verlangen nach einer Zigarette empfinden, sinnvoll.

Nikotinnasalspray, das gegenüber dem Kaugummi den Vorteil der noch rascheren und effektiveren Substitution mit sich bringt, hat in mehreren Studien langfristige Erfolgsquoten von 18% - 27% erbracht.

Die intensive lokale Reizung der Nasenschleimhäute ist mit einer starken sensorischen Stimulation gleichzusetzen, die auch über diesen Mechanismus eine Reduktion des Rauchverlangens bewirken kann.

Die richtige Anwendung sieht vor, dass nach Schema dosiert wird. Die initiale Tagesdosis von maximal 1-2 Anwendungen / Stunde sollte innerhalb von acht bis zwölf Wochen ausgeglichen werden.

Wichtig: Die rasche Verfügbarkeit des Nikotins fast unmittelbar nach Anwendung des Nasensprays erhöht die Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung von Nikotinnasenspray. Die Gefahr ist besonders hoch bei einer häufigen, unregelmäßigen, bedarfsmäßigen und einer unreflektierten Anwendung ohne therapeutische Unterstützung.

Der Zeitraum der Anwendung sollte sechs Monate nicht überschreiten.

Arzneiform Nebenwirkung

Nikotinpflaster

Hautreaktionen (täglicher Wechsel der Klebestelle schützt), bei Schlafstörungen auf jeden Fall Pflaster mit 16 Stunden Wirkung oder Abnahme des 24-Stunden-Pflasters zur Nacht. Pflaster sollten nicht angewendet werden bei Patienten mit chronischen Hauterkrankungen.

Nikotinkaugummi

Mundbrennen, schlechter Geschmack, Probleme bei Prothesenträgern, Schmerzen der Kaumuskulatur.

Nikotinnasenspray

Nasenschleimhautirritationen, Tränenfluss, Niesen; Kontraindikation: chron. Nasenschleimhauterkrankungen, häufiges Nasenbluten.

Nikotinsublingualtabletten

Mißempfindungen in Mund und Rachen; Bläschenbildung.

Nikotininhalator

Brennen im Rachen und Husten.

Die Nikotinersatztherapie ist gut verträglich, jedoch sollte der Einsatz besonders abgewogen werden bei Patienten mit frischem Herzinfarkt, schweren Herzrhythmusstörungen, instabiler oder sich verschlechternder Angina pectoris und bei akutem Schlaganfall.

Bei Schwangerschaft und Stillzeit, sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren stellt der Arzt nach besonderer Abklärung der Notwendigkeit die Indikation zur Nikotinersatztherapie.

Die Kosten, die durch diese Therapie entstehen, belaufen sich pro Tag auf ca. € 3,-- bzw. bei der Kombinationstherapie auf etwa € 6,-- pro Tag und entsprechen somit in etwa den Ausgaben, die ansonsten durch das Zigarettenrauchen entstehen.

Nikotinersatztherapeutika im Überblick

Nikotinpflaster

Nikotinpflaster werden einmal täglich (für 16 bzw. 24 Stunden) appliziert. Über eine stufenweise Reduktion der Pflasterdosierung gelingt ein allmähliches Ausschleichen innerhalb von zwei bis drei Monaten. Aus suchttherapeutischer Sicht aufgrund der entkoppelten Zufuhr des Nikotins vom üblichen Zufuhrverhalten empfehlenswert!

Nikotinkaugummi

Bedarfsgesteuerte, individuelle Anwendung von bis zu 16 Kaugummis / Tag. Möglichst kontinuierliche Anwendung und langsames Ausschleichen über Wochen werden empfohlen. Gut geeignet, um kurzfristig auftretende Verlangensattacken und rückfallgefährliche Situationen zu überwinden.

Nikotinnasenspray

Ermöglicht hochdosierte Nikotingabe (1 mg / Anwendung) mit rascher Resorption, zugleich starke sensorische Stimulation. Effektiv insbesondere bei stark abhängigen Rauchern mit einem höheren Nikotinbedarf, empfohlen wird auch hier die möglichst regelmäßige Anwendung. Eine Suchtverlagerung ist nicht ausgeschlossen. Bislang einzigeApplikationsform, die die Pharmakokinetik des Nikotins nach Inhalation einer Zigarette imitiert. Rezeptpflichtig!

Nikotininhaler

Anwendung imitiert den Rauchvorgang, dabei erfolgt jedoch eine nur langsame Resorption des Nikotins. Nikotin wird "kalt geraucht". Nachteil: Aufrechterhaltung des alten Verhaltensmusters.

Nikotin-Sublingualtablette

Einfache, rasche Anwendung möglich. Die Tablette löst sich unter der Zunge auf, das Nikotin wird über die Mundschleimhaut resorbiert. Gefahr der Suchtverlagerung unklar.

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Teil 1: Raucherentwöhnung

Teil 2: Arzneimittel zur Raucherentwöhnung mit Nikotin

Teil 3: Raucherentwöhnung mit Nahrungsergänzungsmitteln

Teil 4: Tipps für künftige Ex-Raucher

Teil 5: Selbsttest zur Nikotinabhängigkeit

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Redaktion
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