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Rinder- und Schweine-Bandwurm

Rinder- und Schweine-Bandwurm

Parasiten sind vielleicht die erfolgreichste Lebensform auf dieser Erde überhaupt. Biologen haben ausgerechnet, dass zu jeder Tierart rechnerisch mindestens zwei auf diese spezialisierte Parasiten existieren. Auch der Mensch hat mit perfekt auf ihn eingerichtete Schmarotzern zu kämpfen, dazu zählen der Rinderbandwurm und der Schweinebandwurm. Diese Vertreter aus der Gruppe der Bandwürmer nutzen jeweils Rind bzw. Schwein als Zwischenwirt, der Mensch ist der Endwirt.

Lebenszyklus des Wurms

Gelangen die Eier des entsprechenden Wurms in ein Schwein, siedeln sie sich in der Muskulatur an und werden zu Finnen (Zystizerkose). Verzehrt der Mensch ein ungenügend gekochtes, infiziertes Fleisch, das der Fleischbeschau in den Schlachthöfen entgangen ist, entwickelt sich im Darm der erwachsene Schweine-Bandwurm (Taenia solium), der bis zu 4 m lang wird. Weltweit sind bis zu 10 Millionen Menschen infiziert, in Deutschland ist er selten.

Eine Infektion bleibt fast immer unbemerkt, leichte Allgemeinsymptome wie Bauchschmerzen, Schwäche, evtl. Gewichtsverlust bei erhöhtem Appetit oder Kopfschmerzen werden nicht weiter beachtet. Selten sind allergische Reaktionen der Haut oder asthmatische Reaktionen.

Groß ist dann der Schreck, wenn eines Tages als Zufallsbefund die beweglichen Proglottiden mit den mehr als 80.000 Eiern im Stuhl entdeckt werden; eine Stuhlprobe bringt schnell Gewissheit. Die Behandlung erfolgt mit gut wirksamen Wurmmitteln, die nach wenigen Tagen die Würmer absterben lassen.

Fehl- und Zwischenwirt

Gefährlich ist eine Infektion des Menschen als Fehlwirt. Dazu muss er die Eier bei unzureichenden hygienischen Bedingungen selbst aufnehmen, die Larven siedeln dann wie beim eigentlich richtigen Zwischenwirt in verschiedenen Muskeln, Herz und Gehirn. Dies kann zu entsprechenden Entzündungen und Organausfällen führen. Dies ist vor allem in der dritten Welt mit rund 50.000 Toten jährlich ein Problem. In Mexiko-Stadt sollen z.B. mehr als 3 % der Einwohner Träger von Finnen des Schweinebandwurms sein.

Rinderbandwurm

Der Rinder-Bandwurm ist vielfach häufiger, weltweit sind ungefähr 70 Millionen Menschen infiziert. Der Wurm wird über 10 m lang. der Mensch als falscher Zwischenwirt ist nicht bekannt. Zur Übertragung ist das Finnenstadium im Rind notwendig, in Deutschland gelten zwischen 1 und 2 % der Rinder als befallen. Die Beschwerden und die Therapie sind ähnlich wie bei Schweinebandwurm. Als Vorbeugung ist darauf zu achten, kein ungenügend gekochtes Schweine- oder Rindfleisch zu essen bzw. dieses nur aus seriösen Quellen zu beziehen.

Impfung

In Australien wurde ein Impfstoff gegen den Schweinebandwurm erfolgreich getestet. Geimpft werden allerdings die als Zwischenwirt dienenden Schweine, nicht derMensch. Die Schweine bilden Antikörper gegendie Larven. Die Impfung muss allerdings regelmäßig wiederholt werden, sie wird noch nicht in der Routine eingesetzt.

Heilsame Infektion mit Würmern

Das Gegenteil der Impfung ist die absichtliche Infektion. Dazu kann ein Wurmcocktail mit Eiern des Schweinebandwurms getrunken werden. Trotz des im Deutschen identischen Namens handelt es sich dabei nicht um den Schweinebandwurm Taenia solium, sondern um den im Endwirt Schwein lebenden Schweinebandwurm Trichuris suis. Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können von einer ansonsten harmlosen Infektion mit Trichuris suis profitieren. Das Immunsystem des Darmes wird so aktiviert, dass die Beschwerden der Darmentzündung deutlich zurückgehen. In ersten Experimenten nahmen immerhin die Hälfte der Probanden die unappetitliche Prozedur des Wurmeiertrinkens in Kauf, da ihre Beschwerden sich zufriedenstellend besserten. Die Eier bzw. der Wurm überleben im Menschen nur einen Monat, dann muss nachgefüllt werden.

© 2007-2017 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

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