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Rotavirus: Erreger nosokomialer Durchfall Ausbrüche

Rotavirus
Die Rotaviren bilden eine Gruppe von RNA-Viren mit für den Menschen erheblicher Bedeutung. Der in verschiedenen Stämmen auf der gesamten Welt heimische Erreger findet sich auch bei Wirbeltieren. Das Rotavirus ist wahrscheinlich der häufigste Auslöser schwerer Durchfälle (Diarrhö) weltweit.

Infektionen

Gelangen die Viren, vermutlich reicht eine sehr geringe Anzahl, in den Darm, lösen sie über ein Toxin (Gift) den Verlust großer Mengen an Wasser und Mineralien aus. Die bis zu 20 Durchfälle täglich schwächen den Körper sehr, der Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt ist schwer gestört. In der so genannten Dritten Welt sind Rotaviren aufgrund der eingeschränkten medizinischen Infrastruktur die Ursache von jährlich mindestens 900.000 Todesfällen von Kindern unter 3 Jahren.

Durchfall

Auch in Deutschland lassen sich Rotaviren in einem Drittel bis der Hälfte der Fälle von Durchfällen nachweisen, die Verläufe sind allerdings nur selten tödlich. Da die Viren über den Stuhl massenhaft ausgeschieden werden, ist ein Kontakt mit ihnen praktisch nicht zu vermeiden. Darüber hinaus gelten Rotaviren als außerordentlich widerstandsfähig und sie sind überall. Unter anderem haftet infektiöses Material auf Spielzeug, Möbeln, Treppengeländern etc. Bei einer symptomatischen Infektion tritt neben Durchfall auch Erbrechen und hohes Fieber auf. Nach ungefähr einer Woche ist die Infektion überstanden, sie hinterläßt aber nur eine teilweise Immunität. Andere Stämme des Rotavirus können die gleiche Erkrankung immer wieder auslösen, sogar eine zweite Episode mit dem gleichen Stamm ist möglich.

Nachgewiesen wird Rota-Virus mittels Labormethoden wie ELISA oder PCR, ein Schnelltest ist verfügbar. Eine Infektion mit Rotaviren ist meldepflichtig.

Krankenhauskeim

Eine Durchfall aufgrund von Rota-Virus verläuft bei sonst gesunden Kindern und Erwachsenen fast immer ohne Komplikationen. Die Behandlung besteht in der ausreichenden Zufuhr von Flüssigkeit und den entsprechenden Mineralien. Bereits nach drei Lebensjahren haben neun von zehn Kindern einen Durchfall mit Rota-Virus durchgemacht. In Kliniken und Pflegestationen ist das Virus als Hospitalismuskeim aber gefürchtet. Die hohe Ansteckungsgefahr bedeutet für die geschwächten Patienten eine erhebliche Gefahr durch die zusätzliche Belastung eines starken Durchfalls. Die Folge sind strenge Isolierung und sorgfältig Einhaltung der verschärften Hygienevorschriften. Allerdings sind Chlorinfektionen oder UV-Bestrahlungen aufgrund der hohen Widerstandskraft unsinnig.

Kinder unter 6 Jahren dürfen, wenn sie an Durchfall durch Rotaviren erkranken oder wenn der Verdacht besteht, Kindergärten nicht besuchen (§ 34 Abs. 1 IfSG Infektionsschutzgesetz)

Impfen

Bereits Ende des letzten Jahrtausends wurde mit großen Werbeaufwand eine Impfung in den USA auf den Markt gebracht. Sie musste innerhalb eines Jahres zurückgezogen werden. Es war in mehreren Fällen zu einem teilweisen Darmverschluss gekommen, der operiert werden musste, zu einem Todesfall kam es zum Glück nicht. In Deutschland war der Impfstoff nicht im Handel.

Nach diesen Erfahrungen arbeiteten pharmazeutische Unternehmen mit Hochdruck an einer Weiterentwicklung und Verbesserung der Impfungen. Seit Mitte des Jahres 2006 sind in Europa und den USA mehrere neue Impfstoffe zugelassen. Seit 2015 empfiehlt die STIKO die Rotaviren- Schluckimpfung für Säuglinge.

Die Wirkung erfolgt nur, wenn die Schluckimpfungen zwei- bzw. dreimal bis zum 6 Lebensmonat abgeschlossen werden. Auch hier gilt aber, dass Infektionen mit anderen Stämmen des Rota-Virus nach wie vor möglich sind. Über schwerwiegende Impfreaktionen ist bisher nichts bekannt, die Impfung ist gut verträglich.

© 2007-2017 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

Redaktion
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