Anzeige

Scharlach: Kinderkrankheit - Gehäuftes Auftreten in den Wintermonaten

Oktober 04, 2017
Scharlach Scharlach TisforThan / shutterstock.com

Gehäuftes Auftreten in den Wintermonaten

Scharlach, eine bakterielle Infektion, gilt als eine der klassischen Erkrankungen des Kindesalters. Verursacht wird Scharlach durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die zu den häufigsten bakteriellen Erregern von Infektionskrankheiten der oberen Atemwege gehören. Im Gegensatz zu anderen A-Streptokokken-Infektionen gilt Scharlach als eine Sonderform, da die Erkrankung durch einen Streptokokken-Typ verursacht wird, der ein erythrogenes Toxin zu bilden vermag.

Übertragung

Übertragen wird Scharlach durch Tröpfcheninfektion. Typischerweise kommen intrafamiliäre Erkrankungen oder auch Kleinraumepidemien, ausgehend von kinderbetreuenden Einrichtungen, wie Kindergärten, - krippen oder -heimen vor. Übertragungen durch Lebensmittel oder kontaminierte Gegenstände sind dagegen eher selten. Zu Erkrankungshäufungen kommt es insbesondere in den kälteren Monaten.

Symptome und Komplikationen

Gekennzeichnet ist Scharlach durch ein Enanthem im Rachen, das charakteristischerweise eine Himbeerzunge und ein feinfleckiges Exanthem aufweist, das beginnend am Thorax in der Folge den ganzen Körper befällt. Typisch sind zum einen die Betonung der Leistenregion und die Aussparung der Mundpartie. Nach wenigen Tagen erfolgt eine groblamelläre Schuppung mit besonderer Beteiligung der Hände und Füße. Als wichtigste Komplikation des Scharlachs gilt das rheumatische Fieber, das 1 bis 5 Wochen nach der akuten Erkrankung auftreten kann. Nicht zuletzt durch die rechtzeitige antibiotische Therapie hat die Bedeutung des rheumatischen Fiebers erheblich abgenommen. Heute liegt die Inzidenz bei etwa 1 pro 5.000 Erkrankte.

Weitere Scharlach-assoziierte Komplikationen sind neben der Polyarthritis, das Erythema nodosum, das Erythema anulare rheumaticum sowie insbesondere die Pankarditis (Endo-, Myo- und Perikarditis) vor. Gerade bei der Herzbeteiligung ist die langfristige Prognose von der Schwere der Klappenschädigung abhängig. Weitere Komplikationen des Scharlachs sind die akute Glomerulonephritis, die bei Kindern meist eine gute Prognose hat. Bei Erwachsenenallerdings kann die akute in eine chronische Glomerulonephritis übergehen. Als eher seltene Komplikation des Scharlachs gilt die Chorea minor.

Diagnose

Die Diagnose des Scharlachs lässt sich zwar in den meisten Fällen bereits klinisch stellen, jedoch ist diese oftmals nicht verlässlich, da auch virale Infektionen ein ähnliches Krankheitsbild verursachen können. Differentialdiagnostisch spricht das Fehlen einer pulmonalen Beteiligung eher für Scharlach als für eine virale Infektion. In der haus- bzw. kinderärztlichen Praxis stehen häufig bereits Schnelltests zur Verfügung, mit denen Streptokokken-Antigene (Zellwandpolysaccharide) in Rachenabstrichen nachgewiesen werden können. Zwar sind diese Tests hinsichtlich Sensitivität und Spezifität eingeschränkt, trotzdem rechtfertigt ein positives Ergebnis die sofortige Einleitung der antimikrobiellen Therapie. Goldstandard der Diagnostik ist jedoch weiterhin die kulturelle Anzüchtung der Streptokokken. Präanalytische Abnahme- bzw. Lagerungsprobleme sind bei Streptokokken nicht von entscheidender Bedeutung, da die Keime auchin ausgetrockneten Baumwolltupfern sicher nachweisbar sind.

Therapie

Als Mittel der Wahl zur Therapie des Scharlachs gilt weiterhin Penicillin, das oral verabreicht werden kann. Die Therapiedauer sollte 10 Tage betragen. Dies ist umso wichtiger, da die Therapie oftmals bereits nach Sistieren der Beschwerden abgesetzt wird, obwohl diese noch weiter geführt werden hätte sollen. Berichte über eine eingeschränkte therapeutische Wirksamkeit der Penicillintherapie dürften am ehesten durch eine schlechte Compliance des Patinten verursacht sein. Tatsächliche Therapieversager sollten mit oralen Cephalosporinen behandelt werden. Alternativ dazu können neuere Makrolide verordnet werden.

Prophylaxe

Wichtig ist die antibiotische Prophylaxe bei Patienten mit rheumatischem Fieber. Ist eine Herzbeteiligung vorhanden, sollte die Prophylaxe mindestens über mehrere Monate durchgeführt werden. Die notwendige Dauer der Prophylaxe ist allerdings unklar

© medizin.de 2006-2018

Anzeige

Beiträge nach Alphabet

# A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Neueste BeiträgeBeliebte Beiträge
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun? Vereinfacht gesagt: Beseitigen Sie die Ursache Ihrer…
Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen? Ja, Ihnen steht eine große Bandbreite rezeptfreier und…
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Bräune nach Urlaub erhalten

Bräune nach Urlaub erhalten

Ob Karibik, Südsee, Spanien oder die Malediven – die Urlaubszeit zieht die Menschen in die sonnigen Gegenden unseres Planeten. Auch in unserem eigenen…

Herzrasen: Tipps zur Selbsthilfe

Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl wenn einem das Herz sprichwörtlich bis zum Hals schlägt. Gelegentliches Herzrasen ist nichts Ungewöhnliches und…
Anzeige

Wichtige Information

Medizin.de stellt Ihnen unabhängige Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung. Diese Informationen ersetzen in keinem Fall die professionelle Beratung und/oder Behandlung durch approbierte Ärzte. 

Die Inhalte von Medizin.de sollen und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständige Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere AGB.
© Medizin.de 2018

© medizin.de    |     Design by It Prisma