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Impfungen in der Schwangerschaft

Oktober 04, 2017
Impfungen in der Schwangerschaft Impfungen in der Schwangerschaft Syda Productions / shutterstock.com

Das Thema Schwangerschaft und Impfungen wird sehr kontrovers diskutiert. Im Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Mutter vor schweren Erkrankungen und der möglichen oder nur theoretischen Gefährdung des Kindes sind viele Fragen noch nicht geklärt. Das liegt auch daran, dass bei den Studien vor der Zulassung eines Impstoffes grundsätzlich schwangere und sogar möglicherweise schwangere Frauen prinzipiell ausgeschlossen werden. Es liegen also kaum wissenschaftliche Daten über den Zusammenhang von Impfungen und Schwangerschaft vor.

Verbotene Impfungen

Aufgrund einfacher theoretische Überlegungen gilt eine bestimmte Gruppe von Impfungen als kontraindiziert (verboten) für Schwangere: die Lebendimpfungen. Einige Impfungen, darunter die gegen Masern, Mumps, Windpocken und Röteln, bestehen aus lebenden, abgschwächten Viren. Sie erzeugen eine leichte Variante der entsprechenden Krankheit und hinterlassen beim Impfling einen Schutz gegen die echten Viren. Durch den Übertritt der Impfviren auf den Embryo oder Fetus kann dieser aber schwer geschädigt werden oder sogar absterben. Das Immunsystem des werdenden Menschen hat keine Mittel, gegen die lebenden Viren anzugehen.

Kompliziert wird die Beurteilung einer Impfung mit lebenden Viren allerdings durch weitere Beobachtung in Einzelfällen. Hier wurden nach einem versehentlichen Impfen von schwangeren Frauen (die Schwangerschaft war noch nicht bekannt, wurde übersehen oder nicht beachtet) z.B. gegen Röteln keine Folgen für das Kind sichtbar.

Ausnahmen von der Regel, Lebendimpfstoffe nicht zu verwenden, scheinen auch für die Gelbfieberimpfung zu gelten. Obwohl es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, wird davon ausgegangen, dass kaum eine erhöhtes Risiko besteht.

Relativ verbotene Impfungen

Dies stellt die größte Gruppe während der Schwangerschaft dar: Aus den Erfahrungen sind keine erhöhten Risiken bekannt. Dennoch muss der Nutzen einer Impfung für die Mutter sorgfältig gegen das theoretische Restrisiko abgewogen werden. Vor allem im ersten Drittel der Schwangerschaft, wenn sich der größte Teil der Organentwicklung abspielt, sind Wechselwirkungen auf den Fötus möglich.

Zur Gruppe dieser Impfungen zählen vor allem solche, die meist in Europa und bei gesundenSchwangeren oft nicht unmittelbar notwendig sind: Hepatitis A und B, Kinderlähmung (Polio), Meningokokken, Tollwut sowie Typhus und Cholera. Auch die FSME-Impfung kann meist noch bis nach der Entbindung warten.

Erlaubte Impfungen

Eine Impfung ist nach allen vorliegenden Ergebnissen nicht nur erlaubt, sondern für Schwangere bei fraglichem Impfschutz sogar zu empfehlen: Tetanus. Es gibt keine gesicherten Meldungen über Komplikationen. Meist wird bei Erwachsenen gleichzeitig gegen Diphtherie geimpft, auch dies scheint bedenkenlos möglich.

Stillzeit

Wird nach den Entbindung das Neugeborene gestillt, ist es durch in der Muttermilch enthaltene pharmakologische Wirkstoffe eventuell gefährdet. Dies giltauch für Impfstoffe, die die Mutter erhält, doch ist das Risiko für Schädigungen deutlich geringer als während der Schwangerschaft. Prinzipiell lässt sich sagen dass, alle Impfungen außer den genannten Lebendimpfungen erlaubt sind, ein Restrisiko bleibt aber immer.

Beipackzettel

In den Beipackzetteln und Fachinformationen der Hersteller von Impfstoffen findet sich sinngemäß fast immer folgende Formulierung: Impfungen in der Schwangerschaft sind abzulehnen oder nur sorgfältiger Abwägung des Risikos durchzuführen. Dies gilt auch für Impfungen von stillenden Müttern. Insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft sollte auf Impfungen verzichtet werden.

Fazit

Das Fazit aus den bekannten Risiken der Impfung von Schwangeren und Stillenden lautet: So wenig wie möglich, möglichst nicht in den ersten drei Monaten; einige Impfungen gar nicht, andere nur in besonderen Situationen.

© 2007-2018 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

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