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Statine verringern Sterberate bei Prostatakrebs

 Ein Forscherteam aus den USA beobachtete rund tausend Patienten, bei denen im Zeitraum von 2002 bis 2005 die Diagnose Prostatakrebs gestellt wurde. Wie in vielen modernen Industrieländern litt auch von den genannten Personen ein beachtlicher Teil unter der Volkskrankheit Hypercholesterinämie; d. h. viele Krebspatienten hatten einen deutlich überhöhten Cholesterinspiegel. Rund 250 der Studienteilnehmer mussten aus diesem Grund fettsenkende Arzneimittel – sogenannte Statine – einnehmen.

Am Ende ihrer Beobachtung konnten die US-Forscher aus Seattle folgende erstaunliche Feststellung machen: Die mit Statinen behandelten Prostatakrebs-Patienten wiesen eine signifikant niedrigere Sterberate auf als jene, die nicht mit den Medikamenten therapiert wurden. Offenbar vermögen Statine nicht nur das Risiko einer Arteriosklerose und damit die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles günstig zu beeinflussen.

Signifikante Unterschiede in der Sterberate

Wissenschaftler am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle beobachteten 1.001 Patienten mit sicher diagnostiziertem Prostatakrebs. Alle Patienten hatten die Diagnose in den Jahren 2002 bis 2005 erhalten. Unter der Leitung von Janet Stanford beobachtete das Forscherteam die Krebspatienten in Bezug auf Entwicklung und Mortalität der Prostatakrebs-Erkrankung. Bis sechs Jahre nach Beginn der prospektiven Beobachtungsstudie verstarben 123 der Patienten. Bei 39 von ihnen lag die Todesursache eindeutig im Prostatakrebs.

Von den 1.001 Patienten nahm rund ein Viertel Statine zur pharmakologischen Therapie einer familiären oder erworbenen Hypercholesterinämie. Das Forscherteam konnte hier bereits eine ebenso überraschende, wie eindeutige Beobachtung machen: Die Häufigkeit der eindeutig durch den Prostatakrebs hervorgerufenen Todesfälle war unter den Patienten die Statine einnahmen signifikant geringer als bei den anderen. Bei den Nichtanwendern starben rund 5 % an den direkten Folgen des Karzinoms. Bei den Nutzern der Statine war es lediglich 1 %.

Die Studie wurde außerdem im Sinne einer Multivariat-Analyse durchgeführt: Das bedeutet, das in einer Vergleichsstudie nicht nur der Prostatakrebs berücksichtigt wurde, sondern zusätzlich Faktoren wie Alter, Tumorgröße, BMI und bisherige Behandlungserfolge in die Auswertung einflossen. Auch unter Berücksichtigung dieser Parameter blieb das Sterberisiko der Patienten mit Statinen deutlich geringer.

Krebszellen wird Baustoff entzogen

Der Begriff Cholesterin ist in der Bevölkerung meistens sehr negativ behaftet, wird das Molekül doch für die Entstehung der Arteriosklerose verantwortlich gemacht. Weit weniger bekannt ist die lebenswichtige Eigenschaft von Cholesterin als Bestandteil bzw. Baustein für Zellmembranen. Bei sämtlichen Krebserkrankungen – so auch beim Prostatakrebs – teilen sich ungehemmt und massenhaft neue Krebszellen. Aus diesem Grund ist der Bedarf an Bausteinen für Zellmembranen wie Cholesterin stark erhöht. Statine wiederum hemmen die körpereigene Biosynthese von Cholesterin. Außerdem enthalten viele Arzneimittel auf Basis von Statinen zusätzlich noch Wirkstoffe, welche die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung hemmen.

Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Statine dem Prostatakrebs durch Senkung des Cholesterinspiegels die nötigen Baustoffe nehmen und es dadurch zu einer Stagnation des Krebswachstums kommt. Da die Statine aber lediglich die Krebssterberate, nicht aber die allgemeine Menge an Todesfällen begrenzt haben, ist von einem voreiligen Einsatz in der Krebstherapie abzuraten. Hierzu bedarf es weiterer randomisierter Studien.

Quellenangabe:

  • Pressemitteilung des Fred Hutchinson Cancer Research Center (01.05.2013)
  • Studien-Abstract: Statin Use in Relation to Prostate Cancer Outcomes in a Population-based Patient Cohort Study (30.04.2013)
  • Pharmakologie und Toxikologie (Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein), Thieme-Verlag
  • Basislehrbuch Innere Medizin (Steffen Krautzig, Jörg Braun, Herbert Renz-Polster), Urban&Fischer

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