Anzeige

Tollwut: Symptome & Krankheitsverlauf

Oktober 04, 2017
Tollwut Symptome Tollwut Symptome Orawan Pattarawimonchai / shutterstock.com

Wenn die klinischen Anzeichen der Tollwut ausbrechen, ist es für eine Impfung im Sinne einer Postexpositionsprophylaxe zu spät. Es gibt de facto nichts mehr, was dann für den Patienten getan werden kann. Die Tollwut führt bis auf extrem wenige Ausnahmen spätestens 7 Tage nach Ausbruch der Symptome zum Tod. Die wenigen Überlebenden einer Tollwut-Infektion tragen schwerste Gehirnschädigungen davon. Der Krankheitsverlauf der Tollwut bei Tieren ähnelt dem von Menschen, wobei es gewisse Unterschiede gibt. Dieser Artikel befasst sich mit der Tollwut-Erkrankung des Menschen. Die Symptomatik der Tollwut lässt sich in drei Phasen gliedern:

  • Das Vorläuferstadium der Tollwut
  • Die akut-neurologische Phase (Rasende Wut)
  • Koma-Phase (Stille Wut)

Das Vorläuferstadium

Die ersten Anzeichen einer Tollwut bestehen in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Brennen und Jucken der Wunde, über die das Rabiesvirus in den Organismus eingedrungen ist. Nicht selten kommt es an eben dieser Verletzung auch zu einem Sensibilitätsverlust der Haut. Das Tollwutvirus verbleibt etwa drei Tage an der Eintrittsstelle, vermehrt sich hier und wandert dann über die peripheren Nerven ins Gehirn. Dort angekommen beginnt eine grippeähnliche Symptomatik: Der Tollwut-Patient leidet unter starken Kopfschmerzen und Fieber. Symptome wie Appetitlosigkeit, Gliederschmerzen oder Übelkeit zeigen sich ebenfalls regelmäßig in der Vorläuferphase der Tollwut.

Die akut-neurologische Phase (Rasende Wut)

Die akut-neurologische Phase der Tollwut wird wegen der teils heftigen Symptomatik und den Tobsuchtsanfällen des Patienten auch als rasende Wut bezeichnet. Zu den neurologischen Krankheitsanzeichen kommt es, wenn im Gehirn eine Vielzahl von Tollwut-Viren vorhanden ist. Meistens empfindet der Tollwut-Patient als Erstes starke Ängste und eine nicht beeinflussbare Unruhe. Es fällt ihm zunehmend schwer sich wieder zu beruhigen; Entspannung ist kaum noch möglich.

Kurze Zeit später zeigt sich die akute Phase der Tollwut mit stärksten Krämpfen der Schlundmuskulatur, die extreme Schmerzen und Panik hervorrufen. Die Krämpfe entstehen im Rahmen einer Tollwut-Infektion immer dann, wenn der Patient schluckt. Aus Furcht vor den Verkrampfungen des Schlundes vermeidet der Tollwut-Patient das Schlucken und damit auch das Trinken letztendlich völlig, weswegen ihm deutlich sichtbar Speichel aus dem Mund rinnt.

Patienten leiden unter Wasserscheu

Der von Tollwut befallene Mensch durchlebt in dieser neurologischen Phase gewissermaßen ein Wechselbad der Gefühle. Der Gefühlszustand wechselt häufig zwischen einer tieftraurigen, hochgradig depressiven Stimmung und Zuständen extremer Aggression. Der Tollwut-Patient bekommt unkontrollierbare Wutanfälle und Schreikrämpfe, wegen denen er häufig aus Selbstschutz ans Bett fixiert werden muss. Eines der bekanntesten Symptome der Tollwut ist die beim Infizierten in der Akutphase auftretende Wasserscheu (Hydrophobie). Alleine der Anblick oder das Geräusch von Wasser lösen beim Tollwut-Patienten sehr starke Panik aus, die sich u. a. in Krämpfen der gesamten Skelettmuskulatur äußert.

Warum sind Tollwut-Patienten wasserscheu?

Die genaue Ursache der Wasserscheu im Rahmen der Tollwut ist noch nicht geklärt. Vieles spricht aber für eine Maßnahme zur Erhöhung der Viruskonzentration. Das Tollwutvirus, welches den entsprechenden Patienten befallen hat, will sich auch in einem anderen Wirt weitervermehren. Wie erwähnt, befinden sich die Tollwut-Erreger gelöst in Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränen und Verdauungssekreten. Durch reichhaltigesTrinken würden alle Flüssigkeiten weiter verdünnt und die relative Viruskonzentration pro Volumeneinheit Körperflüssigkeit würde sinken. Dies macht die Ansteckung eines neuen Organismus unwahrscheinlicher. Daher beeinflusst das Tollwut-Virus das Gehirn des Infizierten insoweit, dass er eine Abscheu gegen Wasser entwickelt und entsprechend wenig oder gar nicht trinkt.

Die Koma-Phase (Stille Wut)

Nach einigen Tagen der quälenden neurologischen Phase ist der Körper des Tollwut-Patienten am Ende seiner Kräfte angekommen. Die akuten, neurologischen Symptome lassen nach und der Patient wird immer ruhiger. Nach und nach werden immer mehr Körperpartien gelähmt, bis der Patient ins Koma fällt und spätestens eine Woche nach Beginn der Symptomatik an den Folgen der Tollwut-Infektion verstirbt.

© 2014-2018 medizin.de (Gunnar Römer)

Anzeige

Beiträge nach Alphabet

# A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Neueste BeiträgeBeliebte Beiträge
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun? Vereinfacht gesagt: Beseitigen Sie die Ursache Ihrer…
Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen? Ja, Ihnen steht eine große Bandbreite rezeptfreier und…
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Stirnhöhlenentzündung – Volksleiden Sinusitis

Stirnhöhlenentzündung – Volksleiden Sinusitis

"Ich werde die Erkältung einfach nicht los" – viele Menschen kennen dieses Problem nur all zu gut. Was viele nicht wissen: Oft ist es schon gar keine…

Herzrasen: Tipps zur Selbsthilfe

Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl wenn einem das Herz sprichwörtlich bis zum Hals schlägt. Gelegentliches Herzrasen ist nichts Ungewöhnliches und…
Anzeige

Wichtige Information

Medizin.de stellt Ihnen unabhängige Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung. Diese Informationen ersetzen in keinem Fall die professionelle Beratung und/oder Behandlung durch approbierte Ärzte. 

Die Inhalte von Medizin.de sollen und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständige Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere AGB.
© Medizin.de 2018

© medizin.de    |     Design by It Prisma