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Tollwut: Ursachen

Oktober 04, 2017
Tollwut: Ursachen Tollwut: Ursachen mydegage / shutterstock.com

Die Tollwut ist eine durch Viren ausgelöste Erkrankung. Der die Tollwut auslösende Erreger nennt sich Rabiesvirus und stellt eine Unterart der Lyssaviren dar. Das Tollwutvirus ist morphologisch gesehen ein zylindrisch geformtes RNA-Virus (Rhabdovirus). Der Begriff RNA-Virus sagt aus, dass die entsprechenden Viren RNA anstatt DNA als Erbgut besitzen. Das Tollwutvirus befindet sich insbesondere im Speichel zahlreicher Tiere, aber auch im Verdauungssekret der Bauchspeicheldrüse und im Schweiß finden sich Erreger. Dabei wird Tollwut sowohl von Wild- als auch von Haustieren übertragen. Nagetiere spielen bei der Infektion von Menschen mit der Tollwut nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Als die Tollwut in Deutschland noch verbreiteter war, stellte ein Hundebiss den häufigsten Übertragungsweg auf den Mensch dar. Etwas seltener infizierte sich der Mensch über einen Katzenbiss mit Tollwut. Die insgesamt mit Abstand am häufigsten von der Tollwut betroffene Tierart in Mitteleuropa war der Fuchs. Da der Mensch mit dem Fuchs in aller Regel wenige Berührungspunkte hat, war dieser für die Infektion des Menschen kaum verantwortlich. Andere Wildtiere hingegen steckten sich sehr häufig durch einen Biss des Europäischen Fuchses mit Tollwut an.

Der Weg des Rabiesvirus durch den Organismus

Durch den infizierten Speichel eines Angreifers gelangt das Tollwutvirus in das Gewebe und schlussendlich in die Blutbahn des Bissopfers. Dabei ist es letztendlich unerheblich, ob die Haut bereits vor dem Kontakt mit dem tollwutinfizierten Speichel verletzt war, oder ob die Verletzung durch den Biss des tollwütigen Tieres entstanden ist. An der Stelle der Infektion beginnen die Tollwutviren sich in den Muskelzellen zu vermehren. Von dort aus wandert der Tollwuterreger entlang der peripheren Nerven zum Gehirn. Hier angekommen beginnt beim ungeimpften Wirt die unheilvolle Symptomatik. Das Tollwutvirus vermehrt sich im Gehirn erneut und gelangt zum Teil von dort in die anatomisch nahegelegenen Speicheldrüsen. Durch deren Ausführungsgänge schwimmt das Tollwutvirus mit dem Speichel in die Mundhöhle und steht somit für eine erneute Infektion zur Verfügung. Weitere Sekrete zur Übertragung der Tollwut sind Schweiß und das Verdauungssekret.

Der Ort der Verletzung bestimmt die Inkubationszeit

Wie erwähnt beginnen die klinisch sichtbaren Anzeichen einer Tollwut in dem Moment, in dem die Viren das Gehirn erreicht haben. Folglich ist die Inkubationszeit umso kürzer, je näher die Bissstelle bzw. die Eintrittsstelle des Virus am Gehirn liegt. Der Biss eines an Tollwut erkrankten Tieres in den Unterschenkel wird erst wesentlich später Symptome verursachen, als ein Biss in die Schulter.

Dementsprechend stellt sich auch die Prognose eines nicht geimpften Patienten dar: Nach dem Biss eines tollwutverdächtigen Tieres kann durch sehr zeitnahe Impfung der Ausbruch der Krankheit häufig verhindert werden. Auch hierbei ist es natürlich entscheidend für die Heilungschance, wie weit weg die Verletzung vom Gehirn ist. Eine solche notfallmäßige Impfmaßnahme nennt sich Postexpositionsprophylaxe. Das Wort besagt, dass die vorbeugende Impfung nach bereits erfolgtem Erregerkontakt durchgeführt wird.

Die Inkubationszeit hängt des Weiteren von der Menge an Tollwutviren ab, die in den Organismus gelangt sind. Die durchschnittliche Inkubationszeit bei der Tollwut liegt bei etwa 3 Wochen bis hin zu einem Vierteljahr.

Woran erkennt man ein tollwutverdächtiges Tier?

Auch wenn die Tollwut in Deutschland als ausgerottet gilt kann es hilfreich sein, bestimmte Merkmale tollwütiger Tiere zu kennen. Sie zeichnen sich nicht selten durch ein auffallend aggressives Verhalten aus. Speziell Hunde bellen ununterbrochen für viele Stunden. Viele von Tollwut betroffene Wildtiere verlieren ihre übliche Scheu vor Menschen und wirken unnatürlich zutraulich.

© 2013-2018 medizin.de (Gunnar Römer)

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