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Toxoplasmose gefürchtet ist die konnatale Infektion

Oktober 04, 2017
Toxoplasmose Toxoplasmose Konstantin Aksenov / shutterstock.com

Die Toxoplasmose, die Infektion mit dem sehr kleinen Parasiten Toxoplasma gondii, ist weltweit verbreitet und sehr häufig. Da mehr als 90% der Menschen, die sich mit Toxoplasmen angesteckt haben, keinerlei Beschwerden haben und die Infektion vollständig und folgenlos ausheilt, wäre sie fast als wenig interessant zu bezeichnen. Doch es gibt zwei wichtige Ausnahmen vondieser Harmlosigkeit: die Toxoplasmose schwangerer Frauen und bei immungeschwächten Patienten (z.B. AIDS).

Der Parasit

Das einzellige Protozoon Toxoplasma gondii ist bei warmblütigen Wirbeltieren verbreitet, als Hauptwirt gelten katzenartige Tiere. Bei diesen vermehren sie sich im Darm; die über den Kot ausgeschiedenen so genannten Oozyten sind sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen wie extremer Temperatur oder Trockenheit. Im Erdboden oder Wasser sind sie mehr als ein Jahr infektiös.

Außer über die Aufnahme dieser Oozyten kann sich ein Tier (bzw. der Mensch) auch über den Genuss rohen Fleisches oder Milch infizieren. In diesen Lebensmitteln finden sich Zysten, die mehrere hundert Parasiten enthalten können. Diese hatten sich beim verendeten Tier oder der Kuh ohne besondere Beschwerden im Gewebe eingenistet.

Infektion meist harmlos

Bei gesunden Menschen verläuft eine Infektion mit Toxoplasma gondii fast immer ohne Symptome. In den anderen Fällen treten Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gliederschmerzen auf. Ein leichter Kopfschmerz gilt als typisch für die Toxoplasmose,diese Ursache wird aber nur selten akut aufgedeckt. Sehr selten kommt es zu leichten Durchfällen. Fast immer handelt es sich um eine Toxoplasmose der Lymphknoten. Eine Ansteckung lässt sich nur serologisch durch den Antikörpernachweis im Blut nachweisen, Stuhlproben, Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder anderes ist wertlos.

Zur Behandlung einer Toxoplasmose bei Nichtschwangeren bzw. bei sonst gesunden Infizierten stehen gut wirksame, gut verträgliche und erprobte Antibiotika zur Verfügung.

HIV, AIDS und immunsupprimierte Patienten

Bei HIV-positiven stellt die Toxoplasmose eine der gefürchteten so genannten opportunistischen Infektionen dar. Damit ist gemeint, dass der Erreger die Lücke im Immunsystem ausnutzt und sich besonders ungehindert vermehren kann. Nicht selten wird anlässlich einer durch Toxplasma gondii ausgelöste Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung die Infektion mit HIV erst entdeckt. Die Behandlung erfolgt in einem Krankenhaus mit hochwirksamen Mitteln. Auch andere immungeschwächte Patienten haben ein erhöhtes Risiko, an einer schweren Toxoplasmose zu erkranken.

Immunität und Impfung

Eine durchgemachte Toxoplasmose hinterläßt eine fast 100% Immunität. Eine Impfung ist, wie gegen allen anderen einzelligen Parasiten auch, bisher nicht möglich.

Toxoplasmose und Schwangerschaft

Infiziert sich eine Frau während einer Schwangerschaft, können durch den Übergang des Parasiten über die Plazenta beim Kind Schäden entstehen, die Mutter ist so wenig gefährdet wie allen anderen gesunden Erwachsenen. Im Extremfall führt dies zu einem Abgang (Abort) oder einer Totgeburt, aber auch zu bei der Geburt erkennbaren schweren Schädigungen. Bekannt ist aber auch, dass sich die Folgen erst Jahre beim Kind später zeigen (konnatale Infektion) mit einer Verlangsamung der geistigen Fähigkeiten (psychomentale Retardierung) oder Augenproblemen bis zur Erblindung (selten).

Die "Durchlässigkeit" der Plazenta für die erstmalige Toxoplasmose der Mutter steigt mit der Dauer der Schwangerschaft. Im ersten Drittel gehen 15% über, im zweiten 45%, im Dritten 65%. Aber nicht alle infizierten Feten entwickeln Beschwerden, im ersten Drittel 70%, im zweiten 30% und im dritten 10%. Rechnerisch ergibt sich daraus, dass im ersten Drittel der Schwangerschaft ca. 10% der Kinder Symptome entwickeln, im zweiten 15% und im dritten 7%. Wie bereits erwähnt, gelten diese Daten nur bei einer Erstinfektion der Mutter.

Empfehlungen

Aufgrund dieser Daten wird empfohlen, zu Beginn der Schwangerschaft zu prüfen, ob bei der Mutter Antikörper vorliegen (in Deutschland keine Pflicht). Ist das nicht der Fall, soll sie sich besonders sorgfältig vor einer Ansteckung schützen: Gartenarbeit und "Katzenklos" meiden, Fleisch und Milch immer ausreichend kochen.

Das Entfernen von Hauskatzen aus dem Umfeld der Schwangeren wird heute nicht mehr gefordert; eine vorsichtiger Umgang insbesondere mit den Exkrementen und häufiges Händewaschen ist notwendig. Eine Toxoplasmose-Hysterie in Zusammenhang mit der Schwangerschaft ist unnötig. Zur Behandlung einer während der Schwangerschaft aufgetretenen Erstinfektion stehen je nach Zeitpunkt (welches Drittel?) verschiedene Behandlungsschemata bereit.

© 2007-2018 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke)

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