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Trinkwasser, Aufbereitung

Oktober 04, 2017
Trinkwasser, Aufbereitung Trinkwasser, Aufbereitung CCO / pexels.com

Das macht sich Otto Normalverbraucher in Deutschland nur selten klar: Trinkbares Wasser gehört zur Grundversorgung, ist lebenswichtig und der Zugriff darauf keineswegs selbstverständlich. Hierzulande öffnet man den Wasserhahn und klares Wasser sprudelt heraus. Hinsichtlich der Qualität ist das Trinkwasser das in Deutschland am penibelsten und zuverlässigsten überprüfte Lebensmittel überhaupt.

Das Trinkwasser der Welt

Das ist in mindestens drei Viertel aller Staaten anders, mehr als zwei Drittel der Bevölkerung weltweit hat keinen Zugang zu einwandfreiem Wasser. Die Infrastruktur fehlt aus politischen, geografischen und finanziellen Gründen, z.B. in Krisengebieten. Dazu muss man gar nicht nach Übersee oder in die Tropen reisen oder sich in einem Entwicklungsland befinden. Auch innerhalb Europas in den bekannten Feriengebieten ist es nicht immer so gut um das Wasser bestellt, dass es ohne Vorbereitung trinkbar ist.

In Deutschland kommt ungefähr die Hälfte des Wassers so aus der Erde, dass die Stadtwerke es ohne weiteres in die Haushalte weiterleiten können. Die andere Hälfte bedarf einer Aufbereitung meist nicht wegen einer biologischen Verunreinigung, sondern um technische Probleme durch z.B. die Korrosion der Rohrleitungen einzudämmen. Aber das Grundwasser enthält manchmal auch bedenkliche Stoffe in zu hoher Konzentration, z.B. Arsen, Blei, Lösungsstoffe, Rückstände von Medikamenten, Pestiziden oder - vor allem im Sommer oder nach Unfällen oder Naturkatastrophen - Keime (fast immer Bakterien) wie E. coli. Eine messbare Verunreinigung (Kontamination) mit dem Darmbakterium E. coli gilt geradezu als Leitkeim für eine bedenkliche Situation. Das Chloren von Trinkwasser senkt zwar die Keimkonzentration, verschlechtert aber die Trinkqualität deutlich.

Umkehrosmose und andere Verfahren

Zu den Methoden der Trinkwasseraufbereitung zählen die Filtration (Entfernung von Trübstoffen) und die Enthärtung (Regulierung des Kalkgehaltes) und die Oxidation (Entfernung von zu viel Eisen und Mangan). Diese Maßnahmen außer der Filtration sind in Notsituation unterwegs oder nach Naturkatastrophen (Überschwemmungen) meist nicht möglich und für kurze Zeit nicht unbedingt notwendig.

Die Entkeimung bzw. die Sterilisation wird in der Regel durch die Umkehrosmose durchgeführt. Dazu wird das Wasser in zwei getrennten Kreisläufen an einer halbdurchlässigen (semipermeablen) Membran entlang unter Druck gegeneinander geleitet. Beim optimal eingestellten Druck wandern die zu entfernenden Ionen entgegen dem Konzentrationsgefälle in die "salzige" Lösung, die ständig ausgetauscht werden muss. Dies Verfahren wird in kleinem Maßstab auch in Aquarien eingesetzt.

Weitere Methoden insbesondere zum Einsatz in der Dritten Welt sind der Lebenshalm (LifeStraw) mit drei biologischen Filtern, der z.B. vor Cholera und der Ruhr schützen kann, und UV-Licht. So kann allein das Sonnenlicht in PET-Flaschen (nicht farbig, kein Glas!) gefülltes Wasser in den Tropen nach sechs Stunden zumindest von den meisten Erregern des Durchfalls befreien. Ein ähnliches Prinzip nutzen Galliumnitrid-Laserdioden, die sehr energiereichen UV-Licht abstrahlen.

Versetzen mit Medikamenten, Meerwasserentsalzung

Zu trennen sind die Maßnahmen der Trinkwasseraufbereitung von einer durchaus möglichen präventiven Medikamentengabe. Bestes Beispiel ist das in einigen Regionen geforderte oder erfolgte Versetzen des Wassers mit Fluor oder Jod, um die vermeintliche Unterversorgung der Bevölkerung mit dieses Stoffen zu beseitigen.

Nicht zur Trinkwasseraufbereitung im engeren Sinne zählen auch die Meerwasserentsalzung. Die Anlagen benötigen relativ viel Energie, sie arbeiten auch mit dem Prinzip der Umkehrosmose. Ihr Einsatz bedarf sorgfältiger Überwachung, das in der Dritten Welt oft verwendeten Chlor zur Reinigung der Filter muss nachher wieder entfernt werden. Außerdem schmeckt das gewonnene Wasser fad und ist so "rein", dass Salze wieder zugeführt werden müssen.

© 2007-2018 medizin.de (Dr. Berthold Gehrke) zuletzt aktualisiert 02/2009

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