Einloggen

Username *
Password *
an mich erinnern
Anzeige

Tumorlyse-Syndrom: Gefährliche Nebenwirkung einer Chemotherapie

Oktober 04, 2017
Tumorlyse-Syndrom Nebenwirkung einer Chemotherapie Tumorlyse-Syndrom Nebenwirkung einer Chemotherapie Photographee.eu / shutterstock.com

Insbesondere schnell wachsende maligne Tumorgewebe sollen durch eine entsprechende Chemotherapie rasch gebremst und in ihrer Ausbreitung gehemmt werden. Zytostatika vermögen besonders Krebserkrankungen mit einer hohen Mitoserate (Zellteilung) effektiv zu bekämpfen in dem sie zum einen die Mitose selber hemmen, aber auch bestehende Tumorzellen zerstören. Eine effektive Krebsbehandlung ist ohne die Chemotherapie nicht mehr denkbar. Aber die rasche Zerstörung von möglichst vielen Krebszellen birgt auch ein großes Risiko: Durch die Auflösung der Zellen gelangen plötzlich massenhaft Metaboliten und Elektrolyte in die Blutbahn. Eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung kann die Folge sein.

Besonders schnell wachsende Tumore gefährlich

Betrachtet man die Gesamtheit aller malignen Tumorerkrankungen, so ergeben sich signifikante Unterschiede in ihrer Art der Proliferation. Schwarzer Hautkrebs (Melanom) wächst sehr langsam und es braucht viel Zeit bis es zu Fernmetastasen kommt. Der Vorteil an solchen Krebserkrankungen ist zwar ihr langsames Wachstum. Wenn sich allerdings Metastasen gebildet haben, sprechen solche Tumore schlecht auf eine Chemotherapie an. Grundsätzlich wirken Zytostatika am besten bei schnell wachsenden Tumorarten. Diese Krebsarten reagieren besonders empfindlich auf eine Chemotherapie. Hierbei besteht dann auch ein erhöhtes Risiko für ein Tumorlyse-Syndrom, da innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an Tumorzellen untergeht.

Insbesondere akute Leukämien sind hier prädestiniert. Dabei sind die bekanntesten Formen die akute lymphatische Leukämie und die akute myeloische Leukämie. Beide sprechen hervorragend auf Zytostatika wie Mitoxantron, Fludarabin oder Etoposid an. Für ein Tumorlyse-Syndrom fördernd sind auch Tumorgewebe vom Typ eines Lymphoms. Hier existiert eine Vielzahl verschiedener Krebsarten, die sich allesamt durch ein schnelles Wachstum und somit eine hohe Mitoserate auszeichnen. Das Lymphom welches am häufigsten mit dem Tumorlyse-Syndrom in Verbindung gebracht wird ist das Burkitt-Lymphom. Es reagiert hochempfindlich auf Zytostatika wie Vincristin und Dexamethason. Auch die Chemotherapie gegen bestimmte Arten von Lungenkrebs löst nicht selten ein Tumorlyse-Syndrom aus. Hier ist v. a. das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom zu nennen.

Organismus wird mit Metaboliten überflutet

Als direkte Folge einer Chemotherapie kommt es bei den genannten Krebsarten zu einer für den Körper ansonsten nicht bekannten, massenhaften Zerstörung von Zellen. Wie auch die gutartigen Körperzellen enthalten auch die Tumorzellen in ihrem Intrazellulärraum eine Vielzahl an Metaboliten und Elektrolyten. Als direkte Folge der Zytostatika (die Zerstörung des Zellkörpers) gelangen diese Teilchen massenhaft in die Blutbahn. Fatale Auswirkung kann eine unter Umständen lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung sein. Als besonders problematisch für den Stoffwechsel ist beispielsweise der auf einmal sehr hohe Wert an Kalium im Blutplasma. Unter physiologischen Bedingungen befindet sich eine hohe Kaliumkonzentration zwar innerhalb der Zelle. Der Gehalt an Kalium im Blut liegt allerdings bei Erwachsenen lediglich bei 3,7 bis 5,7 mmol/Liter. Die entstehende Hyperkaliämie führt zu unkontrolliertem Muskelzucken und evtl. gefährlichen Herzrhythmusstörungen.

Das beim Tumorlyse-Syndrom am meisten belastete Organ ist aber die Niere. Sie ist für die Ausscheidung der zahlreichen Ionen und Metabolite verantwortlich. Besonders kritisch ist der im Rahmen des Tumorlyse-Syndroms auftretende hohe Spiegel an Harnsäure. Diese entsteht durch den massenhaften Abbau der aus den Tumorzellen stammenden Nukleinsäuren. Die großen Mengen an Harnsäure können nicht mehr effektiv ausgeschieden werden und kristallisieren in der Niere aus. Dies führt zu einer sog. Urat-Nephropathie, die wiederum zu einem vollständigen Nierenversagen führen kann. Lebenslange Dialysepflichtigkeit ist dann die Folge.

Prophylaxe besonders wichtig

Ist das Tumorlyse-Syndrom einmal ausgebrochen gestaltet sich die Therapie als höchst schwierig. Viel ist es nicht was für den Patienten getan werden kann. Am wichtigsten ist in diesem Fall der Schutz der Niere. Hierzu eignet sich eine Therapie mit Rasburicase, einem rekombinanten Enzym, das Harnsäure abbaut. Aufgrund der komplizierten Behandlung des Tumorlyse-Syndroms kommt der Prophylaxe eine besondere Bedeutung zu. Diese beginnt beispielsweise schon einmal im langsamen Einleiten einer Chemotherapie. Hierdurch kann ein zu rascher Abbau an Tumorgewebe vermieden werden. Infusionen helfen, die Nieren besser durchzuspülen und damit den Ausscheidungsvorgang zu beschleunigen.

Eine hohe Bedeutung kommt hier auch der sog. Harn-Alkalisierung vor: Bestimmte Medikamente sorgen dafür, dass die Harnsäure in den alkalischen Bereich fällt. Dadurch bilden sich Salze, die wesentlich besser wasserlöslich sind und somit die Niere besser passieren. Ebenfalls effektiv ist die parallel zur Chemotherapie stattfindende Gabe von Allopurinol. Dieser Wirkstoff hemmt die Synthese von Harnsäure und sorgt mit den anderen Maßnahmen dafür, dass die Chemotherapie dem Krebspatienten hilft und ihn nicht in eine noch größere gesundheitliche Gefahr bringt.

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)

Anzeige

Beiträge nach Alphabet

# A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Neueste BeiträgeBeliebte Beiträge
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun? Vereinfacht gesagt: Beseitigen Sie die Ursache Ihrer…
Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen? Ja, Ihnen steht eine große Bandbreite rezeptfreier und…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…

Herzrasen: Tipps zur Selbsthilfe

Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl wenn einem das Herz sprichwörtlich bis zum Hals schlägt. Gelegentliches Herzrasen ist nichts Ungewöhnliches und…
Herzinfarkt: Symptome

Herzinfarkt: Symptome (Teil 3)

Sicher kennen Sie das Bild von Menschen, der sich plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust greifen. Vielen sind die Symptome eines…
Anzeige

Wichtige Information

Medizin.de stellt Ihnen unabhängige Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung. Diese Informationen ersetzen in keinem Fall die professionelle Beratung und/oder Behandlung durch approbierte Ärzte. 

Die Inhalte von Medizin.de sollen und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständige Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere AGB.
© Medizin.de 2019

© medizin.de    |     Design by It Prisma