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Epilepsie: Therapie

Oktober 04, 2017
Epilepsie: Therapie Epilepsie: Therapie Shidlovski / shutterstock.com

Obwohl eine Epilepsie in den meisten Fällen nicht direkt lebensbedrohlich ist, schränkt sie die Lebensqualität des Patienten doch erheblich ein. Das Gefühl, jederzeit und überall von einem Anfall überrascht werden zu können, stellt nicht zuletzt auch für die Psyche eine enorme Belastung dar. Tätigkeiten wie Autofahren sind nicht mehr ohne Weiteres möglich, zu groß ist die Gefahr für Unfälle. Schließlich besteht auch das Risiko, sich bei einem Anfall selbst zu verletzen. So fragen sich viele Epileptiker, was man gegen das cerebrale Anfallsleiden therapeutisch unternehmen kann.

Wirkungsvolle Behandlungsmethoden sind vorhanden

Glücklicherweise steht heutzutage eine breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Nicht immer kann eine völlige Anfallsfreiheit erzielt werden, in den meisten Fällen lässt sich aber zumindest die Anzahl der epileptischen Krampfanfälle signifikant verringern. Die Epilepsie-Therapie setzt sich grundsätzlich aus zwei Elementen zusammen:

  • Die Akuttherapie: Hierunter werden sämtliche medizinische Maßnahmen zusammengefasst, die als Sofortmaßnahme bei einem epileptischen Anfall notwendig werden.
  • Die Anfallsprophylaxe: Sie stellt jenen Teil der Therapie dar, der auf eine langfristige Verringerung bzw. Ausschaltung des Krampfens abzielt. Hierzu stehen konservative, pharmakologische und chirurgische Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Die Akuttherapie: Schutz vor Verletzungen hat Priorität

Kommt es zueinem epileptischen Anfall, wirkt dies oft erschreckend und dramatisch. Ist der Patient bekannter Epileptiker, ist das Herbeirufen eines Notarztes zunächst nicht notwendig. Dauert ein Anfall länger als fünf Minuten oder kommt es innerhalb von 60 Minuten zu mehreren Ereignissen mit kurzen Abständen, sollte jedoch ein Krankenwagen alarmiert werden. Ist dies nicht der Fall, sind keine direkten Maßnahmen im Sinne einer Ersten Hilfe notwendig. Die einzigen, aber immens wichtigen Dinge, die man als Beobachter tun sollte, sind den Patienten vor Verletzungen zu schützen. Hierzu sollten – falls möglich – alle Gegenstände aus der Nähe des Epileptikers entfernt werden. Für eine gegebenenfalls nötige Behandlung ist es ratsam, wenn Länge und Art des Anfalls notiert werden. Keinesfalls ist es ratsam, im Mund der krampfenden Person einen Gegenstand zu platzieren, der einen Zungenbiss verhindern soll. Zu groß ist die Gefahr, dass das Teil in die Luftröhre gelangt und der Patient erstickt. Handelt es sich um einen länger als fünf Minuten anhaltenden generalisierten Anfall, ist von einem Status epilepticus auszugehen. Gleiches gilt, wenn ein fokaler Anfall eine Gesamtlänge von 20 Minuten übersteigt. Es handelt sich um einen neurologischen Notfall, der potenziell lebensbedrohlich ist. Als notfallmedizinische Sofortmaßnahme bekommt der Patient einen Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine (z. B. Lorazepam) injiziert. Oftmals gelingt es bereits hiermit, den Status epilepticus zu beenden. Gelingt dies nicht, folgt als nächster Schritt die Verabreichung von Phenytoin, einem speziell für die Status-epilepticus-Therapie zugelassenem Antikonvulsivum. Alternativen hierfür sind weiterhin Levetiracetam und Valproinsäure. Schlägt auch dieser Versuch fehl, bleibt als ultima ratio die Einleitung einer tiefen Vollnarkose, in der Regel mit Propofol oder Thiopental.

Die Anfallsprophylaxe: Anfallsfreies Leben ist Idealziel

Treten mehr als ein Anfall pro Jahr auf, sollte der Patient sich in ärztliche Behandlung begeben. Im Rahmen einer Anfallsprophylaxe wird versucht, ein Leben möglichst ohne epileptische Anfälle zu ermöglichen. Oftmals gelingt dies bereits durch den Einsatz bestimmter Medikamente.

Medikamente greifen in entgleisten Hirnstoffwechsel ein

Während eines Krampfanfalls kommt es zu unkontrollierten Entladungen zahlreicher Nervenzellen im Gehirn. Um diesem Effekt medikamentös entgegenzuwirken, kommen Arzneimittel zum Einsatz, die das hemmende System unterstützen. Der wichtigste hemmende Neurotransmitter des menschlichen Nervensystems ist Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA genannt. Die gegen Epilepsie eingesetzten Medikamente werden als Antikonvulsiva bezeichnet und gliedern sich in mehrere Untergruppen. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht bei allen Vertretern bekannt.

  • Einige gegen Epilepsie eingesetzte Medikamente (beispielsweise Gabapentin) verlangsamen den enzymatischen Abbau von GABA und erhöhen damit deren hemmende Wirkung auf das Gehirn. Tiagabin hemmt die Wiederaufnahme von GABA in die Nervenzellen und erhöht somit den Gehalt des Botenstoffs und damit seine Verfügbarkeit im Nervenwasser. Zu den am häufigsten eingesetzten Antikonvulsiva gehören Carbamazepin und Lamotrigin. Hier ist der genaue molekulare Wirkungsmechanismus noch unbekannt, vieles deutet aber darauf hin, dass diese Wirkstoffe die spannungsgesteuerten Natriumkanäle am Axon einer Nervenzelle hemmen. Folge hiervon ist eine geringere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Aktionspotenzials. Meistens kann bereits durch schrittweise Dosiserhöhung eines Wirkstoffes eine Anfallsfreiheit erreicht werden. Ist dies nicht der Fall, kann die Kombination aus mehreren Medikamenten notwendig sein.

Chirurgische Therapie als letzter Ausweg

Versagen alle pharmakologischen Maßnahmen, kann u. U. ein chirurgischer Eingriff Abhilfe schaffen. Hierzu muss aber in Untersuchungen sehr genau abgeklärt werden, welche Region das Anfallsleiden auslöst. Meistens ist dies nur bei fokalen Anfällen notwendig. Konnte der Auslöser anatomisch einwandfrei identifiziert werden, erfolgt die neurochirurgische Resektion dieses Gewebes. Ein solcher Eingriff ist allerdings sehr riskant und wird deswegen nur im absoluten Notfall durchgeführt.

Neuartigere Therapien zeigen recht hoffnungsvolle Ergebnisse. Hier ist beispielsweise die Implantation eines Hirnschrittmachers zu nennen. Dabei wird in bestimmte Hirnregionen eine kleine Elektrode platziert, welche die umliegende Region mit schwachen elektrischen Impulsen reizt und das Gleichgewicht im Gehirn zwischen Erregung und Hemmung wiederherstellt. Innovativ ist ebenfalls die Möglichkeit eines Hirnimplantates, das durch Messung der Hirnströme einen kommenden Anfall registriert und den Patienten über ein am Arm getragenes Gerät warnt. Zwar kann letztgenannte Option die Anfälle nicht verhindern, es trägt aber dennoch zur Erhöhung der Lebensqualität von Epileptikern bei.

© 2013-2018 medizin.de (Dr. Florian Korff) zuletzt aktualisiert 11/2017

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