Anzeige

Stress fördert Demenz

Oktober 04, 2017
Alzheimer Alzheimer Photographee.eu 373725454 / shutterstock.com

Dass zuviel Stress unserem Organismus auf die Dauer schadet ist seit langem bekannt. Insbesondere Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall werden – verbunden mit weiteren entsprechenden Risikofaktoren – durch einen stressigen Lebenswandel gefördert. Langzeitbeobachtungen zeigten nun, dass auch das Demenzrisiko durch jahrelangen Stress messbar ansteigt. Ein eindeutiger Beweis für den Zusammenhang steht zwar noch aus, bereits jetzt wird aber über neuartige Methoden der Demenzprophylaxe diskutiert. Im Zentrum steht das Thema Stressvermeidung und –bewältigung. Es ist ein häufiger, unaufhaltsamer und nicht selten dramatischer Prozess: Die meist älteren Menschen verlieren mehr und mehr den Bezug zu ihrer Umgebung. Das krankhafte Vergessen ist auch heute im Zeitalter modernster medizinischer Möglichkeiten nicht aufzuhalten, allenfalls etwas zu verlangsamen. Einer umso größeren Bedeutung kommt daher der Prophylaxe einer Demenz zu. Aber auch dort tappen Ärzte bislang meist im Dunkeln. Bekannt sind bislang v. a. Bluthochdruck und Adipositas als Risikofaktoren, wie so oft spielen auch die Gene eine wichtige Rolle. Lena Johansson vom Institut für Neurowissenschaften und Physiologie der Gothenburg Universität im Schwedischen Mölndal fand unlängst nach Auswertung einer prospektiven Langzeitstudie heraus, dass ein von Stress beherrschtes Leben das Auftreten einer Demenz fördert.

Langzeituntersuchung begann bereits 1968

Im Jahr 1968 begann die als Langzeitbeobachtung angelegte Studie, 800 Frauen wurden dabei durch regelmäßige Befragungen untersucht. Die Teilnehmerinnen waren zwischen 38 und 54 Jahre alt. In festen Abständen wurden die Frauen durch die Wissenschaftler bezüglich ihrer Lebenssituation und evtl. vorhandenen Stressfaktoren interviewt. Mögliche Stressoren waren dabei der Tod oder eine schwere Krankheit von engen Angehörigen, eine unsichere Situation am Arbeitsplatz, Mobbing oder partnerschaftliche Probleme. Besonders entscheidend für eine evtl. krankheitsauslösende Wirkung ist die Intensität, mit der die genannten Sorgen auf die jeweiligen Frauen einwirkten. Für eine Demenz ist offenbar nicht alleine entscheidend, wie viel Stress der Patient hatte. Vielmehr ist die Art des Umgangs mit den Stressfaktoren maßgebend.

Zahlreiche Stressfaktoren erhöhten Demenz-Rate

Innerhalb des 37-jährigen Beobachtungszeitraumes verstarben 425 der insgesamt 800 Frauen. Rund 150 Probandinnen (19 %) erkrankten an einer Demenz, bei 13 % war es die Alzheimer-Variante. Jene Teilnehmerinnen, die bereits 1968 nachweislich unter lange andauerndem und intensivem Stress litten, hatten ein 15 % höheres Erkrankungsrisiko für Demenz. Die Wahrscheinlichkeit für Morbus Alzheimer stieg gar um ein Fünftel. Offensichtlich wirkt sich der ständige negative Einfluss auf die Psyche ungünstig auf den Hirnstoffwechsel aus. Wissenschaftlich bewiesen ist dies jedoch bisher nicht.

Da die sich aus der Studie ergebende Tendenz aber eindeutig ist, empfehlen Wissenschaftler den Sachverhalt durch weitere Studien und klinische Untersuchungen genauer zu beleuchten. Sollte sich der Zusammenhang zwischen Stress und Demenz wissenschaftlich beweisen lassen, hätte dies Auswirkungen auf Prophylaxe und Behandlung der neurologisch-psychiatrischen Volkskrankheit. Verhaltenstherapien und Strategien zur Stressbewältigung würden an Bedeutung gewinnen. Quellenangabe:

  • Abstract der Studie (30.09.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (02.10.2013)
  • Neuroanatomie: Struktur und Funktion (Martin Trepel), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Lehrbuch Neurologie (Walter Gehlen und Heinz-Walter Delank), Thieme-Verlag

© medizin.de 2013-2018 (Gunnar Römer)

Anzeige

Beiträge nach Alphabet

# A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Neueste BeiträgeBeliebte Beiträge
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Was kann ich sonst gegen Muskelschmerzen tun? Vereinfacht gesagt: Beseitigen Sie die Ursache Ihrer…
Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen?

Die wichtigsten Fragen zu Muskelschmerzen Gibt es Medikamente gegen Muskelschmerzen? Ja, Ihnen steht eine große Bandbreite rezeptfreier und…
Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Auch Erkrankungen sind Auslöser von Muskelschmerzen, wenngleich seltener als Verspannungen, Verletzungen o. ä. Um Ihre Schmerzen zu beseitigen, muss also…
Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Amitriptylin: Mehr als ein Antidepressivum

Ständige Schwermut, Gefühllosigkeit, Desinteresse: Nur drei von zahlreichen Symptomen einer Depression. Das seelische Leiden ist längst zur Volkskrankheit…
Citalopram

Citalopram

Der allmorgendliche Weg ins Bad gleicht einer Weltreise, der Alltag wird zum unbezwingbaren Gegner. Bleischwer lastet die Schwermut auf den Schultern und…
Bräune nach Urlaub erhalten

Bräune nach Urlaub erhalten

Ob Karibik, Südsee, Spanien oder die Malediven – die Urlaubszeit zieht die Menschen in die sonnigen Gegenden unseres Planeten. Auch in unserem eigenen…

Herzrasen: Tipps zur Selbsthilfe

Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl wenn einem das Herz sprichwörtlich bis zum Hals schlägt. Gelegentliches Herzrasen ist nichts Ungewöhnliches und…
Anzeige

Wichtige Information

Medizin.de stellt Ihnen unabhängige Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung. Diese Informationen ersetzen in keinem Fall die professionelle Beratung und/oder Behandlung durch approbierte Ärzte. 

Die Inhalte von Medizin.de sollen und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständige Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere AGB.
© Medizin.de 2018

© medizin.de    |     Design by It Prisma